Flop der Woche

Zweimal an einem Tag bloggen ist normalerweise gar nicht meine Art (schon mangels Ideen und Zeit). Aber eben habe ich mich echt geärgert und weil es noch so grummelt, muss ich nun Dampf ablassen.

Ich habe Urlaub diese Woche (ein Glück, war und ist bitter nötig). Im Allgemeinen bemühe ich mich da, den Schwerpunkt auf für mich befriedigende Tätigkeiten zu legen. Dazu kann schon auch Bügeln und Putzen gehören, weil ich den Dreck irgendwann nicht mehr ertrage und nach der Arbeit oft nicht so gut den Hintern hoch bekomme (wenn ich nicht sowieso bei irgendeiner Probe bin). Bisher war dieser Urlaub diesbezüglich sehr angenehm. Bügeln, bisschen staubsaugen, mal wieder was richtig schönes kochen, schön Essen gehen, üben, homepageln, gestern der bisherige Höhepunkt: Flötenunterricht 🙂

Heute dann Reifen wechseln, Auto waschen, ein paar Erledigungen machen, bloggen… alles ganz ok und Teil meiner Planung. Heute Abend stand dann eine Probe auf dem Zettel. Ich helfe Ostermontag bei meinem ehemaligen Orchester im Gottesdienst aus. Irgendwelche Ausschnitte aus der Schöpfung. Mache ich kostenlos, war ja mal meine musikalische Heimat, da ist das selbstverständlich. Probe war schon in der Kirche für Montag, fern der Orchesterräume. Um halb acht sollte es losgehen und darum habe ich heute mittag sicherheitshalber meinen Dirigenten angerufen, bestätigt, dass ich komme, wo und wann das ganze stattfindet, gefragt, ob ich einen Notenständer brauche und erinnert, dass er bitte die Noten mitbringen soll.

Beim Packen meiner Tasche habe ich in weiser Voraussicht schon mal meine aktuelle Lektüre mit eingesteckt, ich kenne den Laden ja. Es ging los, wie es immer ist, das erste Stück ohne Flöte. Na gut, Buch raus und gelesen (hat mich mein Instinkt doch wieder ganz gut geführt). Das nächste Stück…. ohne Flöte. Sie fangen an, Chef bricht ab: „Claudia, spiel doch mal den Sopran mit, das ist mir wichtig“. Man reicht mir einen handgeschriebenen Zettel, irgendwas choralartiges. Mitgespielt. Ist ok (begeistert mich nicht, aber wenn ich schon da bin…..).

Nächstes Stück: Keine Flöte. Frau Haider zückt ihr Buch und bemüht sich, den Inhalt zu verstehen, obwohl der Sopran mir direkt ins Genick singt. Wieder ein Abbruch, wieder der Dirigent: „Claudia, spiel doch mal den Sopran mit.“ Hinter mir wird gesucht, ich erhalte eine Chorpartitur. Das ist schon schlecht, da muss man alle fünf Takte blättern und dann klappt der Schinken auf dem Notenständer alle Nase lang zu. Ätzend. Aber, die Schöpfung steht mir ja noch bevor und da gibt es Flötennoten.

Das nächste Stück: Hurra, die Schöpfung! Und…… der Dirigent hat die Noten vergessen. Wollen wir raten? „Claudia, spiel doch einstweilen mal den Sopran mit.“ Ja super. Jetzt komme ich mir ziemlich verarscht vor. Beim Blick in die Noten stelle ich fest, dass der Klavierauszug unterhalb der Chorstimmen auch Eintragungen wie Fl.Ob. enthält. Dieser „Flob“ meint offensichtlich die Bläser, ich lasse mir also das OK geben, lieber das zu spielen, als neben den fünf verschiedenen Tönen des Sopran noch einen sechsten mit der Flöte zu setzen. Ist ja toll, nur auch hier muss man alle drei Takte blättern, das Buch schlägt zu, solche Besetzungs-Eintragungen sind spärlich und eine vierstimmige Klavierstimme vom Blatt für mich nicht die angenehmste Vorlage. Und dann kommt: „Claudia, in Takt soundso wäre schön, wenn Du das spielst.“ Ich hatte es gespielt und mir platzt der Kragen. „Hier steht alles durcheinander. Wenn Du Noten bringst, dann spiele ich die. Wenn nicht, stehe ich Montag nicht extra so früh auf.“ „Ja, wir gehen gleich rüber, dann gebe ich die Dir.“ „Nein, ich gehe gleich heim. Bring sie am Montag mit, üben werde ich die ohnehin bis dahin nicht mehr.“ Grummel.

Super. Ich kann meine Abende auch netter verbringen als in einer kalten Kirche bei schiefer Musik und mit dem Chor im Genick. Schon gar, wenn ich Urlaub habe. Offensichtlich heißt „kostenlos“ auch gleich „wertlos“. Da ärgere ich mich über meine Gutmütigkeit. Ich bin nicht der musikalische Mülleimer für West-Köln, der alles spielt, was übrig ist. Grrrrrrrrrr

5 Gedanken zu „Flop der Woche“

  1. Ihr Lieben, ich bin sicher, vor Euch zu sitzen wäre nicht das Problem 🙂
    Drückt mir die Daumen für Montag. Dann nochmal ohne Noten dasitzen wäre echt der GAU.

    Frohe Ostern!

    Claudia

  2. Ich bin auch sowohl Chorsopran als auch Querflötenspielerin und ich kann Dich sehr gut verstehen. Die Sopranstimme auf der Flöte kling einfach nur sch****e und dem Sopran nützt es eher gar nichts, weil die, die weiter weg stehen, die Flöte eh nicht hören und die meisten Chorsänger sowieso nicht zuhören (ist leider so!). Dann zig Stücke ohne Flöte, den Abend hätte ich mir an Deiner Stelle auch besser vorgestellt. Und aus Chorpartituren und Klavierauszügen spielen, die dann dauernd zuklappen, ja das kann einem echt die Laune verderben!

    OT Wir hatten gestern auch eine Chorprobe der besonderen Art: unser Chorleiter (ambitionierter Laie) hat es gestern nicht geschafft, uns auch nur EINEN Ton richtig anzugeben. Da war ich auch kurz vor’m Platzen!

    Aber jetzt: frohe Ostern und genieß den Rest von Deinem Urlaub!

    Liebe Grüße
    von

    Heike

  3. Als Sopransängerin im Chor (und Querflötenspielerin) muss ich hier mal ein kräftiges Veto einlegen. Ich stehe nämlich sehr gern hinter den Flöten, um ihnen ein bisschen über die Schulter in die Noten zu schauen. Abgesehen davon kann ich Deinen Ärger gut verstehen. Aus einer Chorpartitur oder gar einem Klavierauszug spielen zu müssen, der dann auch noch dauernd vom Notenständer klappt, klingt wirklich grauslich.

Schreibe einen Kommentar

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.