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Bach mal anders

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Am Donnerstag, 20. Mai 2013,  um 20 Uhr findet im Flöten Atelier von Stefan Keller in der Schweiz ein besonderes Konzert statt. Werke für Flöte solo von Bach dem Vater und Sohnemann Carl Philipp. Einmal im bekannten Original und dann mit live electronic in einer neuzeitlichen Version. Anmeldungen sind erwünscht. Hier die Adresse:

FLUTE TRENDS Atelier
Mellingerstr. 10
Bushaltestelle EGRO
5443 Niederrohrdorf

Fon: +41 56 470 16 60

Die Hochschule für Musik in Dresden veranstaltet morgen, 21. Mai 2013 um 19.30 Uhr ein Konzert „Podium Flöte“ statt. Aus der Klasse Karin Hofmann spielen Franziska Schumann und Sophie Raiber.

An der Hochschule für Kunst in Bremen wird am 23. Mai 2013 um 20.30 Uhr ein Studiokonzert Flöte mit Studierenden der Klasse Susanne Meier gegeben.

Im Rahmen des 5. Kammermusikfestivals GAIA in Thun sind am 24. Mai 2013 um 18.30 Uhr im Rathaus Thun Kaspar Zehnder (Flöte), Jana Bouskova (Harfe), Reto Bieri (Klarinette), Alexander Sitkovetsky, Yura Lee (Violine), Yura Lee, Ilya Hoffman (Bratsche), Alexander Chaushian und Aleksei Kiseliov (Cello) zu hören. Unter dem Titel „Unconventional Marriages“ werden Werke von Reger, Debussy, Fauré, Ravel und Connesson zu hören.

Im Johann-Sebastian-Bach-Haus Bad Hersfeld spielt am 26. Mai 2013 um 17 Uhr das Trio cultur’elles (Flöte, Oboe und Harfe) . Der Eintritt kostet 5 Euro, das Konzert ist Teil der Konzertreihe „Mückenstürmer Classics“.

Bettina Arnold (Gitarre) und Elke Höhn (Flöte) spielen am 2. Juni 2013 um 20 Uhr im Blauen Haus in Döllnitz Werke von Piazzolla, Albeniz, Guiliani und Villa-Lobos. Der Eintritt ist frei.

Müllenborn 2013

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Irgendwie scheint es, als wäre ich in diesem Jahr bis jetzt mehr unterwegs in Sachen Musik gewesen als zuhause. Vergangenes Wochenende war es auch wieder so weit. Kammermusikkurs in der Eifel. Diesmal nicht „Winds only“ sondern eher „Mostly strings“.

Letztes Jahr war ich schon mal da (zum ersten Mal) und habe berichtet. Dieses Jahr also wieder. So wild ich bereits direkt nach der Heimfahrt im letzten Jahr darauf gewesen war, so schwer fiel mir dann doch die Entscheidung, als es so weit war, sich anzumelden.

Zunächst hatte meine Begleiterin vom letzten Jahr bereits frühzeitig angekündigt, dass ihr Geburtstag sie dieses Jahr von einer Teilnahme abhalten würde. Dann war ich zudem noch zu eben diesem Geburtstag eingeladen (genau wie zu einem weiteren). Ich beschloss im Stillen, am Kurs teilzunehmen und zur abendlichen Feier mich dann vorübergehend abzusetzen. Als sich dann Anfang dieses Jahres herausstellte, dass die Feier gar nicht am Abend sondern eher am Mittag statt fände, musste ich meine „ich nehme alles mit“-Taktik fallen lassen und guter Rat war teuer.

Da aus meinen zwei Bläser-Quintetten drei andere Kollegen auch schon da gewesen waren und nur eine von diesen definitiv abgesagt hatte, schlugen wir dem Rest des Haufens auch vor, mitzukommen. Somit wäre das letztjährige Fagott-Problem bereits vermieden gewesen und wir hätten ein langes gemeinsames Wochenende mit Musik genießen können, eigentlich eine schöne Idee. Ich hatte damit gerechnet, dass der Vorschlag auf wenig Gegenliebe stoßen würde und hatte mich noch immer selbst nicht angemeldet, da teilte mir unsere Oboistin mit, dass sie schon angemeldet sei. Die zwei anderen Müllenborn-Erfahrenen zogen relativ schnell nach und so meldete auch ich mich auf den letzten Drücker noch an, weil ich ja kein Spielverderber sein wollte.

Leider gab es aber wieder keine Fagott-Anmeldung, dafür zu dem Zeitpunkt zwei Klarinetten, zwei Oboen und zwei Hörner. Nun ging also die händeringende Fagott-Pirsch von neuem los. Meinerseits leider vollkommen erfolglos. Ich spielte bereits mit dem Gedanken, mich doch wieder abzumelden, weil ich keine Lust auf etwas Elgar-ähnliches wie im Vorjahr hatte und mich durchaus auch mit einem Eine-Party-sonst-frei-Wochenende hätte anfreunden können, da kam von der Organisatorin die freudige Erfolgsnachricht: Fagott an Bord. Um spielbare Besetzungen zu erreichen, wurden allerdings die anderen Bläser (außer den Hörnern) auf einfache Besetzung zurückgestutzt und so blieb von meinem Quintett nur der Hornist noch übrig.

Am gleichen Tag erreichte mich die Information, dass am selben Wochenende Patrick Gallois in der Musikhochschule Düsseldorf zu Gast sein würde, öffentlicher Unterricht und Konzert eingeschlossen. Wenn ich etwas beweglicher wäre, ich hätte mich bestimmt in den Hintern gebissen. So aber wurde es nur der saure Apfel…. die freudige „ein Fagott, ein Fagott-Stimmung“ (frei nach Loriot) wollte ich jetzt, wo alle Besetzungen schon eingetütet waren nicht durch eine Absage zerstören.

Somit ging es diesmal am Mittwoch einer hektischen Woche bei miesem Wetter und irrem Verkehr mit deutlicher Verspätung auf die Piste. Unser Quintett-Hornist und ich zusammen mit mehreren Kabeltrommeln und wiederum säckeweise Noten. Wir kamen mit gut einer Stunde Verspätung an, gönnten uns noch einen Happen zu Essen und warfen uns dann in die mir jetzt schon bekannten Vorstellungs-, Einführungs- und Tutti-Spiel-Rituale.

Zu meiner Verwunderung stellte ich fest, dass man in Anwesenheit von „Neuen“ als „einjähriger“ schon ein richtiger alter Kenner der Materie ist. Irgendwie ulkig, konnte ich mich doch noch gut an meine leichte Nervosität und Unsicherheit im Vorjahr erinnern. „Was wird mich da wohl erwarten?“ so dachte ich damals. Diesmal grinste ich leicht in mich hinein, da auch den diesjährigen Neuen die Fragezeichen recht deutlich ins Gesicht geschrieben standen.

Ich erwischte durch Zufall das gleiche Zimmer wie im letzten Jahr (unter dem Dach), allerdings das andere der zwei Betten und eine andere Mitbewohnerin (logisch, die ursprüngliche war ja nicht da :)).

Die Aufteilung der Besetzungen ergab für die Bläser (abgesehen von den Hörnern) relativ wenig Abwechslung. Mit Austausch des jeweiligen Hornisten spielten wir einmal Sextett (Bläserquintett + Kontrabass) und einmal Nonett (Bläserquintett + Geige, Bratsche, Cello und Kontrabass).

In den jeweils ersten Sitzungen wurden das Onslow-Nonett Op. 77 und eine Bearbeitung der Schubert-Fantasie in f-moll für 4-händiges Klavier ausgewählt.

Die vier Tage zeigten, dass in beiden Besetzungen die allerbeste Stimmung herrschte, die Probenarbeit entspannt, zielgerichtet und humorvoll verlief. Was kann man mehr wollen? Einmal angekommen habe ich so bis zur Rückreise keinen Gedanken mehr an den Besuch des Herrn Gallois in Düsseldorf verschwendet.

Die „Neuen“ so weit sie in meinen beiden Ensembles beschäftigt waren, erwiesen sich als echter Gewinn für Musik und Gemeinschaft. Die Abende verliefen entspannt und gesellig. Alles in allem könnte man sich höchstens darüber beschweren, dass dank des Wetters der obligatorische Grillabend inklusive Bierfässchen dran glauben musste. Dafür waren die Temperaturen übefreundlich: nicht zu heiß und nicht zu kalt.

Unsere Schlussaufführung verlief in beiden Fällen sehr erfreulich. Auch hier führte die Erfahrung vom Vorjahr zu stark reduzierter Nervosität. Allerdings muss ich sagen, auch wenn der Schubert mich als Ohrwurm auch heute wieder heimgesucht hat (da-da-da-diiiii-da, da-da-da-di-da-da….), den brauch ich glaube ich nicht nochmal. Das Stück ist auch in der Bearbeitung unfassbar lang und voller Wiederholungen, viel zu wenig Pausen und doch relativ schwer zu gestalten (wie? Soll ich das jetzt nochmal spielen…..pfffffff). Der Onslow war ein Vergnügen (vor allem dank unseres Frontman mit absoluten Alleinunterhalter-Qualitäten). Beide Stücke boten wenig flötistisch brenzliges vor dem man ernsthaft hätte zittern müssen und erlaubten so die Konzentration auf Zusammenspiel und musikalische Linie.

Es bleibt der feste Vorsatz: Nächstes Jahr unbedingt wieder. Allerdings habe ich mir vorgenommen, nicht mehr mit Tonnen von Noten anzureisen (wenigstens nicht, wenn ich die einzige Flöte bin), sondern vorzusortieren und eine Handvoll Werke zu wählen, die ich dann auch unbedingt beim Blattspielen mal machen möchte. Übrigens gab es in dieser Disziplin dieses Jahr einmal Flötenquintett (zwei Werke von Romberg) in der Besetzung Flöte – Geige – 2 Bratschen und Cello sowie ein Trio mit Cello und Kontrabass, in dem ich die Geige machte.

Besonders schön war für mich die Beobachtung der vielen richtig guten Geiger. Da konnte ich als Anfangs-Schrubber wirklich allerhand abschauen und staunen….

Kurz vor der Premiere zu die Gezeichneten gab es im Kölner Stadtanzeiger ein Interview mit dem Musikdirektor Stenz über das Stück. Er sprach darin von der Farbigkeit der Musik und von Lautmalerei. Das hat mich total neugierig gemacht. Und da ich den Namen „Schreker“ zuvor noch nie gehört hatte, wollte ich mir das unbedingt ansehen. Also habe ich eine gute, musikbegeisterte Freundin gefragt, ob sie mitkäme und wir haben uns Karten besorgt.

Aufgrund der Sanierung des Opernhauses wird aktuell an Ausweichspielorten aufgeführt. In diesem Fall war die Inszenierung im Palladium angesetzt. Ohne die Räumlichkeit zu kennen, besorgte ich Karten in der günstigsten Kategorie. Das waren 11 Euro für einen Platz auf der Galerie.

Am Donnerstag sind wir also beide direkt von der Arbeit aus aufgebrochen auf die „Schäl Sick“. Es stellte sich heraus, dass am gleichen Abend im direkt gegenüberliegenden E-Werk ebenfalls eine Veranstaltung war und aufgrund der Menschenmassen für beide Veranstaltungen kein Parkplatz zu bekommen war. Es blieb also nix übrig, als auf einen der Bezahlparkplätze zu fahren. Das machte nochmals 3,50 Euro zusätzlich.

Wir waren gerade dabei, den Wagen am Ende der Reihe bereits geparkter Autos abzustellen, als so ein protziger Mercedes SUV anbrauste und aus dem offenen Fenster ein offensichtlich unter Bluthochdruck leidender alter Knacker (das Wort „Herr“ machte er kurz darauf selbst unpassend) anbrauste und schon beim Einbiegen durch das Fenster das Rumpöbeln anfing („blöd muss man sein“ und ähnliches). Wir parkten fertig ein (was ja nicht ging, solange er mit Schwung uns schneidend angefegt kam). Beim Aussteigen proletete er dann fleissig weiter, lautstark und mit rotem Kopf. Auch er scheint dem Irrtum zu unterliegen, dass man Kultur außerhalb des gleichnamigen Beutels in Form von Eintrittskarten für Opern, Konzerte und Ausstellungen erwerben kann. Ein dunkler Anzug und ein fettes Auto ersetzen aber leider weder Benehmen noch soziale Fähigkeiten. Manches kann man einfach nicht kaufen….

Wir machten uns also leicht verwundert bis verstimmt auf dem Weg zum Veranstaltungsort. Dort war ich positiv überrascht, die Atmosphäre in dieser ehemaligen Industriehalle war ausgesprochen schön, der Raum im Foyer großzügig und ausreichend frische Luft vorhanden.

Um die Aufführung nicht durch Magenknurren zu stören, besorgten wir uns erst mal jeder eine Laugenbrezel und ein Glas Wasser. Damit waren wir jeder weitere 5 Euro los. Als letzte Aktion vor der Suche nach den richtigen Plätzen, wollten wir noch jeder ein Programm. Nochmal 3,50 Euro pro Person. Damit waren wir jetzt umgerechnet auf den einzelnen bei Kosten von ca. 21 Euro. Doch nicht mehr ganz so günstig…..

Es stellte sich heraus, dass die Bühne im Palladium in der Mitte des Raums sozusagen den tiefsten Punkt bildet. An der längeren Seite der Halle sitzt auf einer Seite das Orchester. Auf dieser und der gegenüberliegenden längeren Seite war auch die Galerie, sozusagen im oberen Stock. Auf jeder Seite der Halle eine einzelne Reihe Stühle. Auf den Kopfseiten des Saals befinden sich die beiden Tribünen einander gegenüberliegend und ansteigend wie in einem Stadion. Das Orchester sitzt ebenfalls zwei-etagig. Die Holzbläser auf einem Plateau oberhalb der Streicher, Blechbläser und Schlagzeug war neben der einen Tribüne hinter einem Vorhang verborgen.

Die Bühne in der Mitte des Raums war eine freie Fläche mit ein paar alten Schrottautos und zwei gläsernen „Hütten“, die erhöht diagonal gegenüber an den Rändern der Bühne aufgestellt waren.

Wir saßen auf der Galerie gegenüber des Orchesters und hatten so auf den für uns vielleicht spannendsten Teil der Aufführung den besten Blick. Leider waren Teile der Bühne durch eines der Häuser verdeckt. Das war nicht viel und daher war es nicht schlimm. Es war allerdings der Ort, an dem gleich zu Beginn eine Leiche versteckt wurde.

Die Oper war auch ein Schulprojekt des Gürzenich. Es waren also massenhaft Teenager anwesend. Besonders passend, da Sex eine nicht unerhebliche Rolle spielte (in einer Szene waren ca. 10 simultan kopulierende Paare auf dem Boden zugange. Tolle Wahl für ein Schulstück….

Jetzt aber zum eigentlichen: zum Werk, der Musik und den Sängern. Das Stück ist relativ kompliziert, so dass ich hier nicht alles aufzählen möchte. Im wesentlichen geht es aber um Hässlichkeit, Sehnsucht und Vorurteile. Ein hässlicher Mann verliebt sich in eine Schöne und sie sich in ihn. Allerdings ist das ihrerseits nur von kurzer Dauer. Er macht der Stadt eine Schenkung und ist plötzlich dafür gefeierter Held. Gleichzeitig schiebt ihm der Adel, der zuvor von ihm profitierte, deren Schandtaten in die Schuhe und er wird geächtet. Zu guter Letzt tötet er den jungen schönen Grafen, der ihm zuvor seine Verlobte ausgespannt hat. So viel zur unvollständigen Kurzversion.

Es waren sehr viele große und kleine Rollen besetzt und alle haben sie gut gesungen. Am besten gefiel mir aber die Hauptrolle des Hässlichen (der gar nicht wirklich hässlich war).  Er wurde gesungen von Stefan Vinke. Ausdruck, Stimmvolumen und Textverständlichkeit (das ganze ist komplett in Deutsch) waren perfekt, die Rolle sehr glaubwürdig verkörpert. Ich war total beeindruckt, wie er gegen das riesige spätromantisch dicke Orchester ankam. Alle anderen waren wie gesagt auch gut, ihn fand ich aber tatsächlich am beeindruckendsten. Insgesamt konnte man auch den Texten gut folgen. Trotzdem gab es zusätzlich noch Monitore, auf denen mitgelesen werden konnte.

Die Inszenierung fand ich nicht so besonders. Eine im Text als Fast-Idylle bezeichnete Insel als Schrottplatz darzustellen, erschließt sich mir nicht ganz. Zumal die düstere Seite dieser Insel (missbraucht zur Schändung armer Jungfrauen) im Text ja überdeutlich erläutert wurde. Es gab also keine Not, irgendwelche versteckten Inhalte zu verdeutlichen. Es wird ziemlich albern, wenn dann x Statisten zwischen den dreckigen Schrottlauben rumlaufen und von paradiesischer Schönheit berichten. Die Mischung von modernen Kostümen (insbesondere Motorradjacke der Geliebten, Blaumann des Hauptdarstellers und Polizei- und Sanitäteruniformen im Finale) und Bekleidung der Oberklasse des 16. Jahrhunderts mit Halskrausen und Reifröcken erschloss sich mir auch nicht wirklich. Wenn man so verfremdend inszeniert, sollte man meiner Meinung nach den Text auch gleich anpassen, dann wäre es nicht ganz so absurd.

Der Text selbst war teilweise etwas eigen, vieles wurde sehr ins Detail auserläutert und die Formulierungen waren etwas befremdlich. Aber das störte nicht wirklich. Ganz im Stil Wagners (als dessen Erbe Schreker einst galt), war das Libretto auch vom Komponisten.

Die Ankündigung einer sehr farbigen Musik bewahrheitete sich. Das Orchester in romantischer Riesenbesetzung (3 Flöten und Piccolo, zwei Konzertharfen etc.) erklang in teilweise filmmusikhafter Klangmalerei. Teils etwas schmalzig, aber so gehört sich das. Die Stimmungen, die schon im Text so überdeutlich buchstabiert wurden, wurden in der Musik geradezu gespiegelt. Die eine oder andere Gänsehaut blieb bei mir da nicht aus.

Alles in allem ein Werk, das sich eigentlich selbst erklärt und daher vielleicht für die Inszenierung etwas unergiebig ist. Im Finale rutschte die Kölner Inszenierung dann leider in eine Ecke irgendwo zwischen billigem Horrorfilm (der Mann mit durchgeschnittener Kehle steht auf, Hand am blutenden Hals und wankt mit erhobener Hand noch ein bisschen über die Bühne) und Tatort bzw. CSI (Polizisten in den alten grünen NRW-Uniformen sperren den Tatort mit rotweißem Flatterband, Sanitäter mit Leuchtwesten versorgen die in Scharen in Ohnmacht gefallenen Zuschauer). Auch die plakativen Sexszenen und die uniformierten Vergewaltigungsopfer (Lederstiefel, heller Trenchcoat und Sonnenbrille) fand ich ein wenig übertrieben. Ich hätte mir ein wenig Mut zum Minimalismus gewünscht. Die Musik kann dieses Werk ganz gut tragen und im Text erklären sich die Figuren und ihre Motivation ausführlichst.

Für die Sänger war die „Bespassung“ von zwei gegenüberliegenden Publikumsblöcken eine Herausforderung. Während längerer Arien wurde dann von einer Seite zur anderen gewendet und wechselseitig angesungen. Ich denke, wir waren auf unserer Galerie wirklich gut aufgehoben, denn auch die unten konnten Teile der Bühne sicher nicht überblicken. Außerdem hat man aus der Vogelperspektive eigentlich nie das Gefühl, dass einem jemand den Hintern zuwendet.

Ich werde jetzt jedenfall mal die Augen nach anderen Schreker-Werken aufmachen. Mir hat das wirklich gut gefallen. Und vielleicht hat unser verhinderter Fahrlehrer ja doch noch von irgendeinem Mit-Operngänger ein bisschen späte Sozialisierung erfahren… dann hätte er doch tatsächlich noch von dem Abend profitiert.

Unter dem Titel „Flöte & mehr“ gibt die Flötenklasse von Prof. Norbert Girlinger der Anton Bruckner Privatuniversität ein Klassenvorspiel am 15. April 2013 um 19 Uhr in der Kirche Waldburg. Der Eintritt ist frei und zu hören gibt es Johann Sebastian und Carl Philipp Emanuel Bach, Berio, Takemitsu, Ibert, Horn, Mozart und Piazzolla.

Die schweizer Flötistin Eva Oertle und der bulgarische Pianist Vesselin Stanev spielen am 19. April 2013 um 19.30 Uhr im Wiener Saal des Mozarteum Salzburg Werke von Mendelssohn Bartholdy, Schumann, Chopin, Fikret Amirow und Carl Reinecke.  Der Eintritt für das Konzert unter dem Titel „Von Paris bis Baku“ kostet zwischen 12 und 28 Euro.

Die eher seltene Besetzung Flöte (Sandra Bauer), Oboe (Judith Gerdes) und Klavier (Berit von Sauter) spielt am 20. April 2013 um 17.00 Uhr das Trio Subeja Werke von Bach, Dring, Quantz und Delanoff in der Kulturkirche Luckau. Der Eintritt kostet 12 Euro:

Die Musikschule Thurtal-Seerücken ist Veranstalter eines Konzertes für Flöte (Yvonne Brühwiler) und Harfe (Julia Kreyenbühl-Gschwend) am 21. April 2013 um 17 Uhr in der evangelischen Kirche Müllheim bei Frauenfeld in der Schweiz.

Claudia Wälder Jene (Flöte) und Manfred Roth (Gitarre) geben am 5. Mai 2013 um 17.00 Uhr im Kulturzentrum „Alte Mühle“ in Marpingen ein Konzert unter anderem mit Werken von Giuliani und Mozart. Der Eintritt kostet 10 Euro.

Am 5. Juli 2013 kann man in der Wallfahrtskirche Mariä Himmelfahrt in Ising das Trio Silke Aichhorn (Harfe), Dejan Gavric (Flöte) und Philip Nickel (Bratsche) im Rahmen des Musiksommers zwischen Inn und Salzach zu hören.  Gespielt werden Werke von Vivaldi, Mozart, Debussy, Marais, Weber, Devienne, Demersseman und Valse. Der Eintritt kostet 21 Euro, los geht es um 20.00 Uhr.

Impulse…

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…. was für ein vielseitiger Begriff. Abgesehen von der physikalischen Bedeutung des „Impulses“ wird der Begriff ja in vielerlei Zusammenhang verwendet: einem Impuls folgen, impulsiv, Impulse geben etc.

Mir hat sich dieses Wort seit ein paar Tagen im Kopf festgesetzt und zwar im Zusammenhang mit einem Kammermusikkurs, den ich letzte Woche besucht habe, quasi als dessen Quintessenz.

Zunächst mal in alt gewohnter Weise die Fakten: Ich war von Montag Abend bis einschließlich Samstag auf einem Kammermusikkurs der Werkgemeinschaft Musik in der Jugendbildungsstätte in Altenberg. Es handelte sich um einen reinen Bläserkurs für zwei Quintette. Dabei sollten von jedem Quintett ein Werk und von beiden Quintetten zusammen zwei Dezette erarbeitet werden, wobei die Stimmen zwischen beiden Dezetten jeweils getauscht wurden. Der Dozent war Peter Wuttke, Oboist (Barockoboe) aus Essen.

Dem Namen nach und vom Erzählen kenne ich den Kurs schon lange durch eine Freundin, die früher immer da war. Dieses Jahr bin ich da gelandet, weil mich eine Oboistin fragte, die ich von einem anderen Kurs im letzten Jahr kenne. Erstaunlicherweise fehlte tatsächlich eine Flöte zur vollen Besetzung. So was gibt es eigentlich gar nicht. Die einmalige Chance ergriff ich spontan und freute mich fortan und war auch nervös, da die Veranstaltung durchaus den Ruf eines hohen Niveaus hat.

In Sachen Quintett standen zur Auswahl das vierte Quintett von Sobeck und die Ligeti-Bagatellen.  Ich wünschte mir frühzeitig Ligeti, weil der bei mir schon lange im Schrank steht und von meinen zwei Quintetten keines dazu zu motivieren ist, sich mit dem auseinanderzusetzen. Fortan habe ich dann heftig geübt, auch ein bisschen Piccolo, im Ligeti muss man ja wechseln.

Als Dezette waren Florent Schmitt (Lied und Scherzo) und eine Serenade von Jadassohn. Ich wählte für ersteres Flöte und war damit bei letzterem die zweite Stimme.

Bei der Anreise zeigte sich als erstes, dass die Unterkunft ein echter Knüller war. Zweierzimmer mit eigenem Bad und in super gutem Renovierungszustand. Die Mitmusiker waren bunt gemischt, im Alter zwischen Anfang zwanzig und um die 50, zwei Studenten und eine Menge engagierter Amateure. Menschlich passte das prima, wie die Woche (inklusive der späten Abende) noch zeigen würde.

Der Ligeti ist rein technisch nicht so wahnsinnig schwer. Die Dynamik (ganz häufig pp) und die Taktwechsel dagegen ließen zusammen mit den Tempoangaben schon einigen Spaß beim Proben erwarten. Und so war es dann auch.

Meine alte „Intonationsphobie“ war in dieser Woche gar kein Thema. Mit der Oboistin stimmte es von Anfang an wirklich gut und an dieser Front hatte ich keine Probleme. Zu meiner Überraschung dominierte dagegen das Thema „Rhythmus“ die ganze Woche. „Zu meiner Überraschung“ sage ich, weil ich eigentlich im Rhythmus eher immer eine meiner Stärken gesehen habe. Und mit dem Stichwort „Rhythmus“ sind wir dann auch schon wieder beim Titel. Im Ligeti drehte sich alles um Impulse. Den Anfangsimpuls, damit alle das Tempo verstehen, den Impulsen bei den plötzlichen Tempowechseln, Taktwechseln oder stringendi und ritardandi. Als Flöte ist man da häufig sehr in der Pflicht.

Prinzipiell kenne ich das aus meinen regelmässigen Kammermusikaktivitäten in verschiedenen Ensembles. Plötzlich aber war es unendlich schwer, diese Impulse zu geben. Wie kams? Ich habe viel darüber nachgedacht und bin zu dem Schluss gekommen, dass diese Form des „Leitens“ früher schon immer mal schwierig für mich war und eigentlich aktuell überall gut klappt, weil ich mich kompetent dafür fühle, die mit mir Musizierenden zu führen. In Altenberg allerdings war ich gefühlt in der „Defensive“, traute mir das nicht recht zu, hatte viel Respekt vor den Mitmusikern und fühlte mich gar nicht in der Position, denen irgendetwas vorzugeben. Ein Teufelskreis, der zu immer mehr Korrekturen, immer weniger Selbstbewusstsein und immer mehr Fehlern (inklusive abstürzender Töne in der dritten Oktave) führte.

Donnerstag war ich am Tiefpunkt, empfand mich als absoluten Bremsklotz der Nation und brachte irgendwie gar nix mehr auf die Reihe (meine Wahrnehmung). Da half nur frische Luft, einsame Analyse und ein paar Worte mit einigen meiner Mitmusiker in der Mittagspause. Das brachte mich jedenfalls wieder in probentaugliche Form. Freitag Abend hatten wir dann eine Art Generalprobe für die Quintette (gegenseitiges Vorspielen des geprobten Werkes). Gleich in unserer sichersten Nummer, der ersten, ging so manches übel schief und  dennoch kamen wir durch. Außerdem lag es nicht ausschließlich an mir, dass manches nicht klappte. Auch mancher meiner aus meiner Sicht so deutlich überlegenen Mitmusiker patzten und auf einmal schöpfte ich etwas Mut. Eine eigenartige Reaktion auf unsere Fehler.

Samstag stand dann dass Abschlusskonzert im Haus Fuhr in Essen (wunderschöner Saal) an. Ich kann mich nicht erinnern, schon mal so nervös gewesen zu sein. Der Schmitt zu Anfang klappte nicht besonders. Es folgte Sobeck und dann Ligeti. Die 25 Minuten während unsere Kollegen musizierten waren für mich geradezu gespenstisch. Dann ging es raus und auf die Bühne. Und irgendwie fluppte es erstaunlich gut. Ich denke, die beste Version, die wir die ganze Woche hinbekommen hatten (in Summe).

Ab Sonntag hallte dann die Woche in mir nach. Kein so ganz positiver Blick zurück. Was ist da bloß alles passiert? Der Kurs war ein Impuls für mich. Der Anstoß dafür, meine musikalischen Aktivitäten ganz neu zu überdenken. Wie kann ich mich weiterentwickeln, wenn in den Kammermusikproben, an denen ich teilnehme, keiner da ist, der mich wirklich korrigiert, der mich auf  die Dinge, die ich selbst gar nicht bemerke, hinweist? Wenn in meinen Ensembles kaum Repertoire auf das Pult kommt, das mich zum Üben bringt? Wenn sich in jahrelangem Zusammenspiel kein gemeinsames musikalisches Empfinden und keine Ensembledynamik entwickelt? Ich habe mich schon oft gefragt, ob das nicht anders ginge. So gerne würde ich in Gruppen spiele, in denen ich irgendwo im Mittelfeld oder am unteren Ende der Leistungsskala wäre. Momentan habe ich nur ein Trio, in dem wir alle auf gleichem Niveau musizieren, ansonsten sehe ich das nicht (ich weiß, das klingt vermessen und unbescheiden, sorry dafür).

Dazu kommen Muggen, die meist mit einer Probe auskommen, wo also niemals wirklich an den Stücken gearbeitet wird. Auch nicht förderlich für eine echte Weiterentwicklung. Im Unterricht lerne ich immer sehr viel, allerdings ist das eine etwas andere Ebene, mehr in instrumentaler Spieltechnik und natürlich auch musikalischer Gestaltung, allerdings eben ohne die Aspekte des Zusammenspiels und der Kommunikation im Ensemble, die ich in Altenberg als Defizite identifiziert habe.

Ich habe das Bedürfnis, meine musikalischen Fähigkeiten und mein Selbstverständnis als Flötistin neu zu definieren, einen anderen Bezugsrahmen für mein Spielen zu finden. Nur wo und wie? Ich möchte nicht mehr so abhängig von Feedback und meinen Ängsten sein, bräuchte mehr Mut zum Fehler und Selbstbewusstsein, dann hätte ich viel souveräner spielen können. Die erforderliche Sicherheit, um den „Ton“ angeben zu können, wo es nötig ist, oder auch nur die eigene Stimme durchzuziehen, stammt beim alltäglichen Musizieren offensichtlich alleine aus der Wahrnehmung einer Überlegenheit hinsichtlich Instrumentenbeherrschung, musikalischer Erfahrung und Repertoirekenntnis (als „Legitimation“ sozusagen). Sobald das Umfeld wechselt und versiertere Musiker mich umgeben, knicke ich ein und büße alle musikalische Souveränität ein. Nicht gut.

Was also bleibt? Eine Menge zum Grübeln, ein Haufen Baustellen und einige zu treffende Entscheidungen bezüglich der Zukunft meiner Kammermusikaktivitäten. Ein denkwürdiger Kurs und nachdrücklicher Impuls im Frühjahr, das war er wohl für mich, der Kammermusikkurs in Altenberg.

 

 

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