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Vergangenen Freitag hatte ich die Ehre, für einen Tag als Reporter unterwegs sein zu dürfen. Das Beethovenfest in Bonn bietet dieses Jahr eine spezielle Twitter-Aktion an, bei der für jeden Tag des Festivals (vom 5. September bis 5. Oktober 2013) ein Beethovenfest-Reporter (@befeboreporter) gesucht wird, der von einem Konzert des Festivals twittert. Dafür gibt es zwei Freikarten. Gewählt werden kann jeder noch nicht vergebene Veranstaltungstag.

Ich fand im Programm nur eine Veranstaltung mit solistischer Flöte an einem Tag, an dem ich nicht kann. Daher musste ich sozusagen „fremd gehen“.  Die Wahl fiel mir leicht, als ich den Namen Christian Lindberg im Programm entdeckte. Er gehört zu meinen jüngsten Entdeckungen. Ende Juni hatte ich nach einer weiteren Aufnahme der Flötistin Sharon Bezaly gesucht und war auf ein Portrait des Komponisten Christian Lindberg gestoßen, die ich mir dann besorgte.

Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass mir der Name zuvor gar nichts sagte, obwohl Herr Lindberg wohl schon um die dreißig Jahre als bedeutender Posaunen-Solist unterwegs ist. Ich entdeckte ihn also zuerst als Komponist. Die CD umfasste Helikon Wasp für Posaune und Orchester, das Flötenkonzert „The World of Montuagretta“ mit Sharon Bezaly, ein Werk für Chor und Posaune und ein Doppelkonzert mit Posaune und Trompete.

Am ersten Stück Helikon Wasp bin ich sozusagen hängengeblieben. Eine faszinierende Mischung von Rhythmik, wunderbaren Melodien, Zitaten aus den vier Jahreszeiten von Vivaldi, Hummelflug und ähnlichem, Gerufenes, gesungenes (Kopfstimme), Geräuschhaftes (Musizieren auf Blechbläser-Mundstücken). Das Stück selbst als Kritik am verstaubten, teils elitären Konzertbetrieb.

Jetzt also sollte ich so kurz nach der Entdeckung dieses Mannes die Gelegenheit haben, ihn live zu sehen und zu hören, als Dirigent und Posaunist und mit einer Eigenkomposition.

Mit einer musikbegeisterten Freundin machte ich mich also auf den Weg zur Beethovenhalle in Bonn. Ich war zuvor erst einmal dort zu einem Konzert und sah meinen damaligen Eindruck bestätigt, dass mich die Atmosphäre schon im Foyer bedrückt. Ich weiß nicht, ob es an der Beleuchtung liegt oder an der Deckenhöhe. Jedenfalls wirkt das Betreten des Gebäudes auf meine Stimmung eher dämpfend. Ganz gut, dass eine Renovierung schon geplant ist.

Wir gingen recht spät in den Saal, fanden unsere (sehr guten) Plätze auf Anhieb in einer ansonsten fast leeren Reihe. Insgesamt war der Saal bestenfalls halb gefüllt. Ich stellte fest, dass ich es, da ich meist in der Philharmonie in Köln Konzerte besuche und dort die Bühne wie in einem Amphitheater zu Füßen der Zuschauer liegt, nicht mehr gewohnt bin, zur Bühne aufzublicken. Und da sieht man auch wirklich nicht viel: ein paar Streicher in der vordersten Reihe und die Haarschöpfe der Bläser, die auf Podesten im hinteren Bereich der Bühne sitzen. Dafür waren die Stühle sehr bequem.

Das Orchester saß schon auf der Bühne und schrubbelte und hupte so vor sich hin. Um 20 Uhr begann erwartungsvolle Stille und ein subjektiv lang erscheinendes Warten. Dann erschien der Konzertmeister, es wurde gestimmt und das Orchester saß in Stille, die sich, wie ich es empfand für den Hauptteil des Publikums in einem mittleren Schock löste, als Christian Lindberg auf der Bühne erschien. Das lag daran, dass er erstens im lockeren Laufschritt auftrat und zweitens keineswegs im Frack sondern in schwarzen Stretch-Jeans und einem Goldglitzerhemd, das über die Hose hing, zwei Knöpfe geöffnet, so dass der Blick auf eine silberne Kette mit großem Anhänger frei war. Im Gesicht trug Herr Lindberg ein breites Lächeln oder gar Grinsen und spontan hätte ich ihn aus Schweden nach Amerika verpflanzt.

Er schwang sich aufs Dirigenten-Podest und los ging’s mit dem Vorspiel zu den Meistersingern von Wagner. Und er dirigierte auswendig. Vom Instrumentalist zum Dirigent, eine zweite Karriere sozusagen. Ich war also darauf vorbereitet, dass er nicht unbedingt ein zweiter Karajan sein würde (auch aufgrund der Erzählung eines Orchestermusikers, der schon unter ihm gespielt hatte). Er schlug alle Takte im Detail aus, auch sehr deutlich, wie ich fand. Er gab auch Einsätze, dennoch erschien im gesamten Programm keine Einheit aus Orchester und Dirigent zu entstehen. Die Bewegungen wirkten einstudiert und mehr gelernt als empfunden. Die meiste Zeit stand er mit eng geschlossenen Beinen, die Haltung wirkte sehr angespannt. Ich stellte fest, dass Fräcke den Vorteil haben, die Anatomie des Dirigenten zu verdecken, was man vom Aufzug des Herrn Lindberg nicht  sagen konnte. Kurz, ich war den kompletten Abend sehr abgelenkt.

Nach den Meistersingern betrat die Mezzosopranistin Dagmar Pecková die Bühne. Das führte in der Reihe hinter uns zu ausgiebigem Geläster. Frau Pecková trug ein ausladendes Abendkleid mit weißen Applikationen (von hinten Stichwort „Schneeflocke“). Es folgte die Arie der Kundry „ich sah das Kind“ aus Parsifal und „Herbstabend“ von Sibelius. Auch hier gelang es mir nicht, mich wirklich in die Musik zu vertiefen. Lindberg dirigierte jetzt mit Partitur. Für mich ergab sich daraus weder Verbesserung noch Verschlechterung zu den Meistersingern. Nun kann ich schwer sagen, ob die von mir empfundene „Uninspiriertheit“ aus einer Unstimmigkeit zwischen Orchester und Dirigent kam, oder ob das Orchester an sich nicht besonders in der Aufgabe aufging. Ich kannte das Beethovenorchester bis dahin nicht aus eigener Anschauung.

Ich für meinen Teil war ja hauptsächlich für den Lindberg angetreten, der als nächstes auf dem Programm stand. Das Stück „Kundraan“ für Posaune und Streicher. Das kannte ich noch nicht. Die Bläser, Schlagwerk etc. verließen also die Bühne und es gab eine kleine Umbaupause.

Auf deutlich geleerter Bühne begann das Stück mit einem Zwiegespräch zwischen Konzertmeister und erstem Bratscher. Ein wunderschöner Klangteppich, durchaus nicht sehr unharmonisch. In den Reihen der Streicher gab es verschiedene unbesetzte Stühle. Mitten in dieses melancholische Zwiegespräch der beiden brach plötzlich ein animalischer Schrei, die Quelle war nicht so recht auszumachen. Es ging ein Raunen und eine spürbare Verunsicherung durch den Saal. Unmittelbar darauf war ein leises Skandieren „Kundraan, Kundraan, Kundraan…“ zu hören. In Zweierreihen und mit gesenkten Köpfen schlurften sechs oder acht Streicher auf die Bühne (Gekichere im Saal). Die Körperhaltung und das stumpfe Wiederholen des Namens erinnerten mich spontan an eine Sekte. Die „Nachzügler“ nahmen ihre Plätze auf der Bühne ein und gleichzeitig stürmte Lindberg im bereits bekannten Laufschritt auf die Bühne. Diesmal in einem violetten Glitzerhemd, mit Posaune und Headset. Jetzt war auch klar, woher der Schrei kam.

Lindberg hüpfte in seiner sportlichen Art auf das Podium und los gings. Ganz in seinem mir schon bekannten persönlichen Stil wechselten sich auch hier epische Melodien und rhythmische Passagen ab. Über das Headset war parallel immer das teils noch zusätzlich forcierte Atmen des Solisten zu hören. Leider störte das den ansonsten so perfekten Posaunenton, wie ich finde. Das war natürlich auch die Absicht des Ganzen. Auch in diesem Stück, wie in Helikon Wasp ging es um das Wechselspiel zwischen Künstlern und Publikum. Der Kernsatz der sehr theatralisch von Lindberg eingeworfenen Sätze (soweit ich sie verstehen konnte): „I am here to entertain you, but on my terms“.

Es folgten in diesem Stück in Kopfstimme gesungene Passagen, Schnaufen, Spielen, Dirigieren mit der Posaune. Trotz dieser vielen Aufgaben wirkte Lindberg bei diesem Spiel lockerer, entspannter, als beim Programm zuvor. Es schien als ginge er hier wirklich in der Musik und Arbeit auf. Irgendwann mitten im Stück ging plötzlich die komplette Bühnenbeleuchtung aus. Über das Mikro fragte Lindberg, wer das getan hätte und trug dann eine Vision von Luzifer und einem kleinen Mädchen vor (auch hier wieder Gekichere im Saal).

Lindberg sprach das Publikum in seinen Textparts auch direkt an, sagte, er sei eine unangenehme Person, aber das seien wir doch eigentlich alle, er verabschiedete sich auch vom Publikum. Leider konnte ich wie gesagt nicht alles Gesprochene verstehen und der Text ist im Programmheft nicht enthalten (im Gegensatz zu den Texten von Wagner und Sibelius).

Es folgte die Pause und dann Sibelius‘ zweite Symphonie. Auch diese dirigierte Lindberg wieder auswendig, diesmal im schwarzen Glitzerhemd. Auch hier hatte ich nicht das Gefühl, mitgenommen zu werden. Die Gestik und Körpersprache des Dirigenten war bei allen doch so unterschiedlichen Werken immer die gleiche. Sehr athletisch, sehr verkrampft und irgendwie eingeübt.

Am Ende war ich vor allen Dingen verwirrt. Seine Musik hatte mich für Lindberg eingenommen, bevor ich ihn live sah. Nun kam da einer, den ich ohne diese „Vorbekanntschaft“ vermutlich relativ unsympathisch gefunden hätte. Durch und durch nur Show, kein eigentlicher Mensch zu erkennen. Seine Komposition gefiel mir ganz gut, wobei ich sagen muss, vieles der Farbigkeit, die ich an seiner CD schätze, war in diesem Werk schon aufgrund der reduzierten Besetzung nicht wiederzufinden. Übrig blieb dann so was mit Mitleid, die Befürchtung, was es mit einem Menschen machen muss, wenn er sich gar nicht mehr entspannen, gar nicht mehr er selbst sein kann. Für mich tritt Entspannung und Loslassen auf eine bestimmte Art gerade beim Musik machen ein. Wie schrecklich, wenn das nicht mehr möglich sein sollte. Kann so etwas mit einem Menschen passieren, wenn man zu lange als gefeierter Solist herumgereicht wird?

Da bleibt mir manches zum Nachdenken….

Es geht wieder los

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Ein bisschen dünn wurde es mit flötistischen Terminen dann ja doch noch die letzten Wochen. Aber der September macht einen vielversprechenden Auftakt zur neuen Konzertsaison:

Kurzentschlossene können heute um 17.oo Uhr (01.09.2013) in Undeloh in der St. Magdalenen Gemeinde den Flötisten Idan Levi und den Cembalisten Michael Fuerst hören. Zum Preis von 10 Euro gibt es Werke von Boismortier, Bach und Benda vorgetragen auf einer Traverso.

Weiter geht es dann am 3. September 2013 um 20 Uhr  mit Simone Mentzen und Susanne Sohayegh (beide Flöte), Ise Bosch (Kontrabass) und Christoph D. Minke (Tasteninstrumente) beim Schönberger Musiksommer in der St. Laurentiuskirche. Gespielt werden Bach, Quantz und Couperin.

In der Freitagsmusik in Duisburg-Rheinhausen gibt es am 6. September um 21 Uhr in der Pfarrkirche Christus König Flötenmusik zu hören. Max Zelzner (Flöte) und Ludger Morck (Cembalo, Orgel, E-Piano) spielen Bach, Alain, Kuhlau und Fauré. Außerdem gibt es Syrinx von Debussy und ein Orgel-Solowerk von Flor Peters und als Rausschmeisser die Tango-Etüden von Piazzolla in einer Fassung für Flöte und E-Piano. Eintritt ist frei.

Am 7. September 2013 gibt die Flötistin Sabine Chmura unter dem Titel „Tete a Tee mit Flöte“ neben einem Konzert auch Einblicke in ihre musikalische Biographie und die Möglichkeit, selbst mal auf einer Flöte zu spielen. Das ganze findet statt im Teehaus des Karausgartens in Eisenach. Der Eintritt kostet neun Euro, los geht es um 15 Uhr.

Die relativ seltene aber schöne Besetzung Flöte, Gesang und Orgel ist am 8. September 2013 um 19.30 Uhr in der Herzog-Alfred-Gedächtniskirche in Luisenthal zu hören. Elke Eichhorn (Flöte), Gabriele Reichstein (Gesang) und Christoph Reichstein (Orgel) spielen Werke von Bach, Händel und Telemann. Der Eintritt ist frei, um Spenden wird gebeten.

Gleicher Tag, gleiche Zeit: in Gelnhausen spielen in der Marienkirche Region Katrin Büttner (Flöte), Angela Desch (Violine) und Alexander Zahn (Orgel) Werke von Bach, Fauré und Quantz.  Der Eintritt kostet 8 bzw. 5 Euro.

Am 15. September gastiert das Ebinger Kammerorchester im Schloss Messkirch. Eine Uhrzeit ist mir leider nicht bekannt. Gegeben wird neben einer Mozart– und einer Haydn-Sinfonie auch das Konzert für Flöte und Harfe von Mozart. Solistinnen sind Amanda Chominsky (Flöte) und Marlene Angerer (Harfe).

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Gleich drei Flöten auf einen Schlag gibt es am 10. August 2013 um 17 Uhr in der Dorfkirche Prädikow zu hören.  Das Trio nennt sich „Trio Giocoso“ und spielt unter anderem die bekannten Forellen-Variationen von Sefton Cottom. Konzertbesucher können schon ab 16 Uhr zu Kaffee und Kuchen kommen und im Anschluss gibt es leckeres vom Grill. Um Spenden wird gebeten.

Im Römisch-Germanischen Museum in Köln ist noch bis zum 2. November 2013 eine Ausstellung über die Musik der Römer im 1. bis 4. Jahrhundert nach Christus zu sehen. Das schließt Abbildung vom Musizieren ebenso ein wie den funktionierenden Nachbau einer wasserbetriebenen Orgel.

Die Internationale Sommerakademie für Musik auf Schloss Beuggen bei Rheinfelden dauert dieses Jahr erstmalig zwei Wochen. Für Flöte konnte als Dozentin Wally Hase gewonnen werden. Am 10. und 11. August geben die Dozenten ein Konzert im Schloss, an den Wochenenden 7./8. und 14./15. spielen die Kursteilnehmer Kammermusik, die erarbeitet wurde. Die Dozentenkonzerte Samstags sowie alle Kammermusikkonzerte beginnen jeweils um 19.30 Uhr, die Sonntagsveranstaltungen bereits um 17 Uhr.

Am 16. August 2013 um 19.30 Uhr gibt es in der Lutherkirche in Delmenhorst mit dem Sigandor Holzbläserquintett, bestehend aus diversen Orchestermusikern Süddeutschlands, einen echten musikalischen Leckerbissen zu genießen.  Für 15 Euro Eintrittspreis werden Werke von Reicha, Vivaldi, Mozart, Janacek und Fazil Say zu Gehör gebracht.

Nachtrag: hier gibt es weitere Konzerte in Brandenburg.

In wechselten Besetzungen sind am 20. Juli 2013 um 18 Uhr Mayumi George (Flöte), Julia Fölker (Klarinette), Alla Rutter (Violine), Istvan Lukacs (Viola), Tadao Kataoka und Ute Leschhorn-Kataoka (Violoncello) von den Hamburger Symphonikern in Bliedersdorf im Schafstall des Vereins „Bäuerliches Hauswesen“ zu hören. Für 15 Euro gibt es Werke vom Duo bis zum Sextett von Beethoven, Haydn, Mozart, Weber und Schubert zu hören.

Weiter geht es am 21. Juli 2013 um 18 Uhr im Wendelinusheim Bösingen. In der Besetzung Flöte, Oboe und Klarinette bietet das Scherzantrio Originalwerke und eigene Bearbeitung für dieses exotische Ensemble. Der Eintritt ist frei, das Konzert wird nur ca. eine Stunde dauern.

Am 11. August 2013 gibt Emmanuel Pahud sozusagen ein Heimspiel. Beim Engadin Festival tritt er in der Kirche San Luzi in Zuoz mit seinem Stamm-Begleiter Eric Le Sage auf. Konzertbeginn ist 20.30 Uhr, Informationen zum Programm habe ich aktuell nicht.

Die Volkshochschule Erkelenz bietet in ihrem diesjährigen Konzertprogramm auch zwei für Flötisten interessante Abende. Alle Konzerte finden in der Stadthalle Erkelenz statt und beginnen um 20 Uhr:

  • Am 18. NovemberAnette Maiburg (Flöte), Guido Schiefen (Cello) und Reinhold Richter (Truhenorgel) spielen Bach, Vivaldi, Reger und anderes
  • Bereits im nächsten Jahr, am 24. März 2014 gibt es dann das Bläserquintett Acelga

Am 5. Juli 2013 tritt um 20 Uhr tritt das Oceano Duo (Flöte und Gitarre) im Cafe Tasso in Berlin-Friedrichshain auf.

Ebenfalls am 5. Juli 2013 um 20.15 Uhr spielt in Kleinkems in der Kulturscheune Rabe das Ensemble Anprall (Anne Parisot (Flöte), Julien Laffaire (Klarinette), Miriam Rudolph (Violine), Philipp Schiemenz (Violoncello) und Hans Fuhlbom (Klavier)) Werke aus sechs Jahrhunderten.

Das Musikhaus Kreul in Tübingen lädt am 13. Juli von 10 bis 13 Uhr zum Music4Kids-Tag ein. Kinder können mit Hilfe von Lehrern Holzblasinstrumente ausprobieren.

Beim Musikwettbewerb des deutschen Musikrats nächstes Jahr steht auch ein Preis für Flöte auf dem Plan. Der Wettbewerb beginnt am 24. März und endet am 5. April in Bonn. Bewerbungsschluss ist am 20. November 2013. Die Ausschreibungsunterlagen gibt es auf der Ankündigungsseite des Deutschen Musikrats.

Manchmal kommt ja so das eine zum anderen. Bei mir war das beispielsweise eine Altflöte, die seit ca. 5 Jahren in meinem Besitz ist und eigentlich erst einmal (für Jekyll & Hyde) so richtig produktiv (sprich mit Zuhörern) zum Einsatz kam. Geübt habe ich dann auch nicht sonderlich viel drauf. Die Versuche, ein vollständiges Flötenquartett auf die Beine zu stellen, weil man das Ofenrohr da öfter brauchen kann, sind bisher auch nicht ganz erfolgreich gewesen.

Die zweite Zutat, das was dazu gekommen ist zur Altflöte, war die Bekanntschaft mit dem überaus engagierten, engergiegeladenen und sympathischen Kopf und Herz hinter Flutissimo (Namen nenne ich hier grundsätzlich nicht). Der neben seinem unermüdlichen Einsatz für die Böhmflöte als Upgrade für alle Spielmannszüge auch gleich noch ein Flötenorchester gegründet hat und leitet. Das Projektorchester NRW.

Irgendwann bekam ich eine Aufnahme von ihm, geschickt per Mail mit dem Kommentar „leider sind wir in den tiefen Flöten noch etwas dünn“….. da zählte ich eins (eine allmählich oxidierende Altflöte) und eins (eine fehlende Altflöte) zusammen und heraus kam eine Anmeldung zur Probenphase des Orchesters letztes Wochenende.

Als ich vor einigen Wochen (oder Monaten?) meine Anfrage diesbezüglich startete, wurde ich kurz danach durch zahlreiche Mails von den verschiedenen engagierten Mitorganisatoren bezüglich der erforderlichen Schritte erleuchtet, erhielt Zugriff auf den Mitgliederbereich der Homepage und wurde sanft und perfekt in Richtung Probentag begleitet.

Die erste Pirsch durch Forum, Anmeldesystem etc. erfüllte mich zum einen mit Bewunderung für diese vollkommen durchdachte Organisation und Fürsorge, zum anderen spürte ich bei einigen der vereinsmässigen Kollektivmaßnahmen (z. B. alle brauchen die exakt gleiche Pultleuchte, wer keine hat, spielt nicht mit) meine mit dem Alter immer tiefer sitzende Unverträglichkeit mit dem deutschen Vereinswesen wieder einmal aufmuggen.

Kurz vor der Probe begab ich mich also auf das Portal und lud die dortigen Noten runter. Die ganzen alten Mails habe ich in der mir eigenen Ignoranz nicht nochmal gelesen. Das führte dazu, dass ich innerhalb von zwei Tagen (am ersten brach ich aus Verzweiflung irgendwann ab) meinem Drucker ein Kilo Papier abrang. In einer anderen Einheit gezählt: ca. 30 Arrangements gab es im Portal, ich habe sie alle geholt und gedruckt.

Abringen beschreibt dabei nur meinen Umgang mit dem aus Altersstarrsinn bockigen Brother-Drucker, der immer erst mal ca. 20 Seiten problemlos druckt und dann je gedruckte Seite gerne ca. 5 mal Papierstau beseitigt hätte…. grrrrrrr.

Sonntag morgen fiel ich dann pflichtschuldig kurz nach 8 aus dem Bett, schnappte mir das Papierbündel (wollen die das alles spielen????) und düste Richtung Wülfrath (für alle wie mich Unkundigen: auf der Nord-Ost-Schiene betrachtet zwischen Mettmann und Wuppertal aber etwas nördlich). Schöne Landschaft, dazu der erste strahlend blaue Sommerhimmel dieses Jahres, was will man mehr?

Dort angekommen finde ich die perfekte Organisation und eine für ein so großes Ensemble mir vollkommen neue Disziplin vor. Zunächst wird der Beitrag für den Probentag kassiert (10 Euro, dafür gibt es Kopien, wenn Noten fehlen und ein warmes Mittagessen). Meine kurzsichtige Frage nach dem richtigen Sitzplatz (weiß ich denn, wie die Stimmen im Flötenorchester verteilt sind?) zeigt wiederum, dass ich gute Organisation nicht gewohnt bin: auf jedem unbesetzten Stuhl liegt ein Namensschild (wow). Unbesetzt sind aber gar nicht so viele, da ca. 20 Minuten vor Probenbeginn tatsächlich schon viele mit ausgepacktem Instrument vor ihren Notenständern sitzen. Auch dafür nochmals meine Ver- und Bewunderung.

Ich platziere mich also und harre der Dinge die da kommen. Sehr schnell lerne ich, dass man natürlich nicht 30 Werke aufzuführen gedenkt (hätte zur sonstigen Organisation auch nicht gepasst), vielmehr wäre ich gut beraten gewesen, nochmal die Mails alle durchzusehen, da gab es nämlich ein gültiges Programm mit ca. 10 Titeln. Dafür hätten auch ich und mein bockiger Drucker vermutlich höchstens ne halbe Stunde gebraucht (seufz) und ich hätte in der Probe nicht stets mit zunehmender Verzweiflung den ganzen Haufen nach dem gewünschten Stück durchsuchen müssen.

Ich lerne außerdem, dass man nicht aus NRW sein muss, um hier zu spielen (meine Nebensitzerin ist aus Aschaffenburg angereist, nochmal wow, warum das „wow“ ist, zeigt die Karte für alle Geographie-Dilettanten (ich bin einer)).

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Außerdem lerne ich einiges über Spielmannszüge und deren aktuelle Modernisierungsarbeit (Nebensitzerin andere Seite). Ich lerne, dass es hier viele Menschen gibt, die Arrangements für Flötenorchester schreiben, häufig wohl als Bearbeitung von Blasorchesterausgaben. Ich darf mir das Genick von den sanften Tönen einer Kingma-Subkontraflöte kitzeln lassen (das macht in meinem Hinterkopf ein leises „will haben“ zum Dauerhintergrund). Und ich merke schnell, wer 8 Stunden mit einer Altflöte mit geradem Kopf spielen will, der sollte zuvor seinen rechten Arm trainieren (aua).

Was ist mein Fazit? Nie habe ich einen disziplinierteren, motivierteren oder besser organisierten Haufen von Hobbymusikern (und ein paar Profis) erlebt (und ich habe schon manches mitgemacht). Unser musikalischer Leiter hat mich mit der hier, wie auch in allen bisherigen sonstigen Begegnungen und Umständen, gezeigten gleichbleibenden Geduld, Freundlichkeit und Motivationskunst überzeugt (afrikanische Musik? dann stehen wir doch mal auf und tanzen das, genial). Ich gestehe, die Musikauswahl ist nicht so ganz die meine und Altflöte spielen sehr viel anstrengender als angenommen. Da ich in der vorangegangenen und den kommenden Wochen zunehmend feststellen musste, dass es mir nicht bekommt, wenn ich am Wochenende nicht wenigstens einen halben Tag frei habe, werde ich wohl nicht zum Dauergast aller Probephasen (wenigstens nicht dieses Jahr). Aber ich denke darüber nach, dass ich so ein Orchester für manchen Flötenschüler gerne zum lebendig werden lassen des Gelernten gehabt hätte und dass das für jeden Flötisten, der kein Ensemble oder Orchester hat, eine perfekte Umgebung ist, um gemeinsam zu musizieren.

Und da vor allem tiefe Flöten immer fehlen und ich mir denke, es gibt auch andere, die sich so ein Ding gekauft haben, das nun meist nur rumliegt, kann ich nur sagen: meldet Euch an! Man muss ja nicht aus NRW sein und wenigstens die Altstimmen sind sooooooo schwer nicht.

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