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Manchmal kommt ja so das eine zum anderen. Bei mir war das beispielsweise eine Altflöte, die seit ca. 5 Jahren in meinem Besitz ist und eigentlich erst einmal (für Jekyll & Hyde) so richtig produktiv (sprich mit Zuhörern) zum Einsatz kam. Geübt habe ich dann auch nicht sonderlich viel drauf. Die Versuche, ein vollständiges Flötenquartett auf die Beine zu stellen, weil man das Ofenrohr da öfter brauchen kann, sind bisher auch nicht ganz erfolgreich gewesen.

Die zweite Zutat, das was dazu gekommen ist zur Altflöte, war die Bekanntschaft mit dem überaus engagierten, engergiegeladenen und sympathischen Kopf und Herz hinter Flutissimo (Namen nenne ich hier grundsätzlich nicht). Der neben seinem unermüdlichen Einsatz für die Böhmflöte als Upgrade für alle Spielmannszüge auch gleich noch ein Flötenorchester gegründet hat und leitet. Das Projektorchester NRW.

Irgendwann bekam ich eine Aufnahme von ihm, geschickt per Mail mit dem Kommentar „leider sind wir in den tiefen Flöten noch etwas dünn“….. da zählte ich eins (eine allmählich oxidierende Altflöte) und eins (eine fehlende Altflöte) zusammen und heraus kam eine Anmeldung zur Probenphase des Orchesters letztes Wochenende.

Als ich vor einigen Wochen (oder Monaten?) meine Anfrage diesbezüglich startete, wurde ich kurz danach durch zahlreiche Mails von den verschiedenen engagierten Mitorganisatoren bezüglich der erforderlichen Schritte erleuchtet, erhielt Zugriff auf den Mitgliederbereich der Homepage und wurde sanft und perfekt in Richtung Probentag begleitet.

Die erste Pirsch durch Forum, Anmeldesystem etc. erfüllte mich zum einen mit Bewunderung für diese vollkommen durchdachte Organisation und Fürsorge, zum anderen spürte ich bei einigen der vereinsmässigen Kollektivmaßnahmen (z. B. alle brauchen die exakt gleiche Pultleuchte, wer keine hat, spielt nicht mit) meine mit dem Alter immer tiefer sitzende Unverträglichkeit mit dem deutschen Vereinswesen wieder einmal aufmuggen.

Kurz vor der Probe begab ich mich also auf das Portal und lud die dortigen Noten runter. Die ganzen alten Mails habe ich in der mir eigenen Ignoranz nicht nochmal gelesen. Das führte dazu, dass ich innerhalb von zwei Tagen (am ersten brach ich aus Verzweiflung irgendwann ab) meinem Drucker ein Kilo Papier abrang. In einer anderen Einheit gezählt: ca. 30 Arrangements gab es im Portal, ich habe sie alle geholt und gedruckt.

Abringen beschreibt dabei nur meinen Umgang mit dem aus Altersstarrsinn bockigen Brother-Drucker, der immer erst mal ca. 20 Seiten problemlos druckt und dann je gedruckte Seite gerne ca. 5 mal Papierstau beseitigt hätte…. grrrrrrr.

Sonntag morgen fiel ich dann pflichtschuldig kurz nach 8 aus dem Bett, schnappte mir das Papierbündel (wollen die das alles spielen????) und düste Richtung Wülfrath (für alle wie mich Unkundigen: auf der Nord-Ost-Schiene betrachtet zwischen Mettmann und Wuppertal aber etwas nördlich). Schöne Landschaft, dazu der erste strahlend blaue Sommerhimmel dieses Jahres, was will man mehr?

Dort angekommen finde ich die perfekte Organisation und eine für ein so großes Ensemble mir vollkommen neue Disziplin vor. Zunächst wird der Beitrag für den Probentag kassiert (10 Euro, dafür gibt es Kopien, wenn Noten fehlen und ein warmes Mittagessen). Meine kurzsichtige Frage nach dem richtigen Sitzplatz (weiß ich denn, wie die Stimmen im Flötenorchester verteilt sind?) zeigt wiederum, dass ich gute Organisation nicht gewohnt bin: auf jedem unbesetzten Stuhl liegt ein Namensschild (wow). Unbesetzt sind aber gar nicht so viele, da ca. 20 Minuten vor Probenbeginn tatsächlich schon viele mit ausgepacktem Instrument vor ihren Notenständern sitzen. Auch dafür nochmals meine Ver- und Bewunderung.

Ich platziere mich also und harre der Dinge die da kommen. Sehr schnell lerne ich, dass man natürlich nicht 30 Werke aufzuführen gedenkt (hätte zur sonstigen Organisation auch nicht gepasst), vielmehr wäre ich gut beraten gewesen, nochmal die Mails alle durchzusehen, da gab es nämlich ein gültiges Programm mit ca. 10 Titeln. Dafür hätten auch ich und mein bockiger Drucker vermutlich höchstens ne halbe Stunde gebraucht (seufz) und ich hätte in der Probe nicht stets mit zunehmender Verzweiflung den ganzen Haufen nach dem gewünschten Stück durchsuchen müssen.

Ich lerne außerdem, dass man nicht aus NRW sein muss, um hier zu spielen (meine Nebensitzerin ist aus Aschaffenburg angereist, nochmal wow, warum das „wow“ ist, zeigt die Karte für alle Geographie-Dilettanten (ich bin einer)).

Karte zentrieren
Verkehr
per Fahrrad
Transit

Außerdem lerne ich einiges über Spielmannszüge und deren aktuelle Modernisierungsarbeit (Nebensitzerin andere Seite). Ich lerne, dass es hier viele Menschen gibt, die Arrangements für Flötenorchester schreiben, häufig wohl als Bearbeitung von Blasorchesterausgaben. Ich darf mir das Genick von den sanften Tönen einer Kingma-Subkontraflöte kitzeln lassen (das macht in meinem Hinterkopf ein leises „will haben“ zum Dauerhintergrund). Und ich merke schnell, wer 8 Stunden mit einer Altflöte mit geradem Kopf spielen will, der sollte zuvor seinen rechten Arm trainieren (aua).

Was ist mein Fazit? Nie habe ich einen disziplinierteren, motivierteren oder besser organisierten Haufen von Hobbymusikern (und ein paar Profis) erlebt (und ich habe schon manches mitgemacht). Unser musikalischer Leiter hat mich mit der hier, wie auch in allen bisherigen sonstigen Begegnungen und Umständen, gezeigten gleichbleibenden Geduld, Freundlichkeit und Motivationskunst überzeugt (afrikanische Musik? dann stehen wir doch mal auf und tanzen das, genial). Ich gestehe, die Musikauswahl ist nicht so ganz die meine und Altflöte spielen sehr viel anstrengender als angenommen. Da ich in der vorangegangenen und den kommenden Wochen zunehmend feststellen musste, dass es mir nicht bekommt, wenn ich am Wochenende nicht wenigstens einen halben Tag frei habe, werde ich wohl nicht zum Dauergast aller Probephasen (wenigstens nicht dieses Jahr). Aber ich denke darüber nach, dass ich so ein Orchester für manchen Flötenschüler gerne zum lebendig werden lassen des Gelernten gehabt hätte und dass das für jeden Flötisten, der kein Ensemble oder Orchester hat, eine perfekte Umgebung ist, um gemeinsam zu musizieren.

Und da vor allem tiefe Flöten immer fehlen und ich mir denke, es gibt auch andere, die sich so ein Ding gekauft haben, das nun meist nur rumliegt, kann ich nur sagen: meldet Euch an! Man muss ja nicht aus NRW sein und wenigstens die Altstimmen sind sooooooo schwer nicht.

Impulse…

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…. was für ein vielseitiger Begriff. Abgesehen von der physikalischen Bedeutung des „Impulses“ wird der Begriff ja in vielerlei Zusammenhang verwendet: einem Impuls folgen, impulsiv, Impulse geben etc.

Mir hat sich dieses Wort seit ein paar Tagen im Kopf festgesetzt und zwar im Zusammenhang mit einem Kammermusikkurs, den ich letzte Woche besucht habe, quasi als dessen Quintessenz.

Zunächst mal in alt gewohnter Weise die Fakten: Ich war von Montag Abend bis einschließlich Samstag auf einem Kammermusikkurs der Werkgemeinschaft Musik in der Jugendbildungsstätte in Altenberg. Es handelte sich um einen reinen Bläserkurs für zwei Quintette. Dabei sollten von jedem Quintett ein Werk und von beiden Quintetten zusammen zwei Dezette erarbeitet werden, wobei die Stimmen zwischen beiden Dezetten jeweils getauscht wurden. Der Dozent war Peter Wuttke, Oboist (Barockoboe) aus Essen.

Dem Namen nach und vom Erzählen kenne ich den Kurs schon lange durch eine Freundin, die früher immer da war. Dieses Jahr bin ich da gelandet, weil mich eine Oboistin fragte, die ich von einem anderen Kurs im letzten Jahr kenne. Erstaunlicherweise fehlte tatsächlich eine Flöte zur vollen Besetzung. So was gibt es eigentlich gar nicht. Die einmalige Chance ergriff ich spontan und freute mich fortan und war auch nervös, da die Veranstaltung durchaus den Ruf eines hohen Niveaus hat.

In Sachen Quintett standen zur Auswahl das vierte Quintett von Sobeck und die Ligeti-Bagatellen.  Ich wünschte mir frühzeitig Ligeti, weil der bei mir schon lange im Schrank steht und von meinen zwei Quintetten keines dazu zu motivieren ist, sich mit dem auseinanderzusetzen. Fortan habe ich dann heftig geübt, auch ein bisschen Piccolo, im Ligeti muss man ja wechseln.

Als Dezette waren Florent Schmitt (Lied und Scherzo) und eine Serenade von Jadassohn. Ich wählte für ersteres Flöte und war damit bei letzterem die zweite Stimme.

Bei der Anreise zeigte sich als erstes, dass die Unterkunft ein echter Knüller war. Zweierzimmer mit eigenem Bad und in super gutem Renovierungszustand. Die Mitmusiker waren bunt gemischt, im Alter zwischen Anfang zwanzig und um die 50, zwei Studenten und eine Menge engagierter Amateure. Menschlich passte das prima, wie die Woche (inklusive der späten Abende) noch zeigen würde.

Der Ligeti ist rein technisch nicht so wahnsinnig schwer. Die Dynamik (ganz häufig pp) und die Taktwechsel dagegen ließen zusammen mit den Tempoangaben schon einigen Spaß beim Proben erwarten. Und so war es dann auch.

Meine alte „Intonationsphobie“ war in dieser Woche gar kein Thema. Mit der Oboistin stimmte es von Anfang an wirklich gut und an dieser Front hatte ich keine Probleme. Zu meiner Überraschung dominierte dagegen das Thema „Rhythmus“ die ganze Woche. „Zu meiner Überraschung“ sage ich, weil ich eigentlich im Rhythmus eher immer eine meiner Stärken gesehen habe. Und mit dem Stichwort „Rhythmus“ sind wir dann auch schon wieder beim Titel. Im Ligeti drehte sich alles um Impulse. Den Anfangsimpuls, damit alle das Tempo verstehen, den Impulsen bei den plötzlichen Tempowechseln, Taktwechseln oder stringendi und ritardandi. Als Flöte ist man da häufig sehr in der Pflicht.

Prinzipiell kenne ich das aus meinen regelmässigen Kammermusikaktivitäten in verschiedenen Ensembles. Plötzlich aber war es unendlich schwer, diese Impulse zu geben. Wie kams? Ich habe viel darüber nachgedacht und bin zu dem Schluss gekommen, dass diese Form des „Leitens“ früher schon immer mal schwierig für mich war und eigentlich aktuell überall gut klappt, weil ich mich kompetent dafür fühle, die mit mir Musizierenden zu führen. In Altenberg allerdings war ich gefühlt in der „Defensive“, traute mir das nicht recht zu, hatte viel Respekt vor den Mitmusikern und fühlte mich gar nicht in der Position, denen irgendetwas vorzugeben. Ein Teufelskreis, der zu immer mehr Korrekturen, immer weniger Selbstbewusstsein und immer mehr Fehlern (inklusive abstürzender Töne in der dritten Oktave) führte.

Donnerstag war ich am Tiefpunkt, empfand mich als absoluten Bremsklotz der Nation und brachte irgendwie gar nix mehr auf die Reihe (meine Wahrnehmung). Da half nur frische Luft, einsame Analyse und ein paar Worte mit einigen meiner Mitmusiker in der Mittagspause. Das brachte mich jedenfalls wieder in probentaugliche Form. Freitag Abend hatten wir dann eine Art Generalprobe für die Quintette (gegenseitiges Vorspielen des geprobten Werkes). Gleich in unserer sichersten Nummer, der ersten, ging so manches übel schief und  dennoch kamen wir durch. Außerdem lag es nicht ausschließlich an mir, dass manches nicht klappte. Auch mancher meiner aus meiner Sicht so deutlich überlegenen Mitmusiker patzten und auf einmal schöpfte ich etwas Mut. Eine eigenartige Reaktion auf unsere Fehler.

Samstag stand dann dass Abschlusskonzert im Haus Fuhr in Essen (wunderschöner Saal) an. Ich kann mich nicht erinnern, schon mal so nervös gewesen zu sein. Der Schmitt zu Anfang klappte nicht besonders. Es folgte Sobeck und dann Ligeti. Die 25 Minuten während unsere Kollegen musizierten waren für mich geradezu gespenstisch. Dann ging es raus und auf die Bühne. Und irgendwie fluppte es erstaunlich gut. Ich denke, die beste Version, die wir die ganze Woche hinbekommen hatten (in Summe).

Ab Sonntag hallte dann die Woche in mir nach. Kein so ganz positiver Blick zurück. Was ist da bloß alles passiert? Der Kurs war ein Impuls für mich. Der Anstoß dafür, meine musikalischen Aktivitäten ganz neu zu überdenken. Wie kann ich mich weiterentwickeln, wenn in den Kammermusikproben, an denen ich teilnehme, keiner da ist, der mich wirklich korrigiert, der mich auf  die Dinge, die ich selbst gar nicht bemerke, hinweist? Wenn in meinen Ensembles kaum Repertoire auf das Pult kommt, das mich zum Üben bringt? Wenn sich in jahrelangem Zusammenspiel kein gemeinsames musikalisches Empfinden und keine Ensembledynamik entwickelt? Ich habe mich schon oft gefragt, ob das nicht anders ginge. So gerne würde ich in Gruppen spiele, in denen ich irgendwo im Mittelfeld oder am unteren Ende der Leistungsskala wäre. Momentan habe ich nur ein Trio, in dem wir alle auf gleichem Niveau musizieren, ansonsten sehe ich das nicht (ich weiß, das klingt vermessen und unbescheiden, sorry dafür).

Dazu kommen Muggen, die meist mit einer Probe auskommen, wo also niemals wirklich an den Stücken gearbeitet wird. Auch nicht förderlich für eine echte Weiterentwicklung. Im Unterricht lerne ich immer sehr viel, allerdings ist das eine etwas andere Ebene, mehr in instrumentaler Spieltechnik und natürlich auch musikalischer Gestaltung, allerdings eben ohne die Aspekte des Zusammenspiels und der Kommunikation im Ensemble, die ich in Altenberg als Defizite identifiziert habe.

Ich habe das Bedürfnis, meine musikalischen Fähigkeiten und mein Selbstverständnis als Flötistin neu zu definieren, einen anderen Bezugsrahmen für mein Spielen zu finden. Nur wo und wie? Ich möchte nicht mehr so abhängig von Feedback und meinen Ängsten sein, bräuchte mehr Mut zum Fehler und Selbstbewusstsein, dann hätte ich viel souveräner spielen können. Die erforderliche Sicherheit, um den „Ton“ angeben zu können, wo es nötig ist, oder auch nur die eigene Stimme durchzuziehen, stammt beim alltäglichen Musizieren offensichtlich alleine aus der Wahrnehmung einer Überlegenheit hinsichtlich Instrumentenbeherrschung, musikalischer Erfahrung und Repertoirekenntnis (als „Legitimation“ sozusagen). Sobald das Umfeld wechselt und versiertere Musiker mich umgeben, knicke ich ein und büße alle musikalische Souveränität ein. Nicht gut.

Was also bleibt? Eine Menge zum Grübeln, ein Haufen Baustellen und einige zu treffende Entscheidungen bezüglich der Zukunft meiner Kammermusikaktivitäten. Ein denkwürdiger Kurs und nachdrücklicher Impuls im Frühjahr, das war er wohl für mich, der Kammermusikkurs in Altenberg.

 

 

Bläsertag

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Das ist nicht etwa der Unesco Tag der Bläser (so wie es Tage der Kinder, Frauen, Fahrradfahrer, Haustiere und was weiß ich gibt), nein es ist die kurze Bezeichnung, die ich vor ca. einem halben Jahr für ein musikalisches Projekt gewählt hatte. Es begann vor ca. einem halben Jahr und wurde gestern sozusagen Realität.

Seit vielen Jahren habe ich einige Werke für größere Bläserbesetzungen im Regal stehen. Und seit ich nicht mehr in einem Orchester spiele, ergibt sich einfach keine Möglichkeit, diese Stücke zu spielen. Nie hat man genug Leute zusammen, einen Raum zur Verfügung, in dem einem mit 10 Bläsern nicht die Ohren abfallen.

Nun spiele ich aber seit einiger Zeit in zwei Quintetten und habe daneben noch eine Menge musizierende Freunde und Bekannte. So entstand die Idee, an einem Wochenende einen Tag lang alle die Lust haben zusammenzuholen und einfach nur zu musizieren.

Das Vorhaben wurde nebenbei zu einer Gelegenheit, alle die zusammenzuführen (abgesehen von den Streichern natürlich), mit denen ich Musik mache oder gemacht habe. Es bot mir neben dem zum Leben bringen der Noten auch die Gelegenheit, Musiker zusammenzubringen, denen ich gegenseitig voneinander erzählt hatte. Irgendwie war das auch eine Art „Familienzusammenführung“.

Im Mittelpunkt stand aber natürlich die pure Lust am Musizieren in einer Art Maßlosigkeit, verglichen mit den üblicherweise zweistündigen Proben unter der Woche. Zu meiner Freude waren alle angesprochenen spontan von der Idee eingenommen und wollten mitmachen. Mit Hilfe von Doodle wurde ein Termin gesucht, an dem alle frei haben. Und wie nicht anders zu erwarten, lag dieser weit in der Zukunft. September…. das klingt im Februar oder März wie eine Ewigkeit.

Als der Termin stand, war die nächste Hürde zu nehmen: Wo kann man mit so vielen Leuten einen Tag lang spielen. Noch dazu für eine bezahlbare Miete und bitte mit Klavier, da ich die Gelegenheit nutzen wollte, die wunderschönen Sextette (Bläserquintett + Klavier)  auch mal auszuprobieren. Die erwarteten Schwierigkeiten entstanden aber gar nicht erst. Vielmehr stand ich in Kürze vor zwei Angeboten, eines kostenlos, beim anderen war das noch nicht so klar (vielleicht eine kleine Spende). Die Räumlichkeiten waren beide kirchlich, was mich wiederum nicht überraschte. Am Ende sind wir in der evangelischen Kirche in Köln Esch gelandet. Einer unserer zwei Hornisten spielt da auch die Orgel und die Gemeinde nahm uns mehr als freundlich auf. Wunderbar, großzügig und heute nicht mehr selbstverständlich. Das war die Basis des Ganzen und von hier ein ganz herzliches Dankeschön! Natürlich auch insbesondere an den Vermittler.

Die Rahmenbedingungen standen, die Planung konnte beginnen. Listen mit verfügbaren Noten und den erforderlichen Besetzungen, zunächst meine Ausgaben, dann ergänzt um die der Mitmusiker. Und dann natürlich dafür sorgen, dass alle Stimmen besetzt werden können. Zunächst ein kleiner Überhang in Fagott (drei Interessenten) und Oboe (drei Interessenten). Ich fand das ganz gut, weil ich wohl weiß, dass alle anderen Beteiligten mehr Schwierigkeiten mit  stundenlangem Spielen bekommen werden, als ich mit der Flöte. Ein Problem waren die Hörner. Zwei Hörner zu finden, die einen ganzen Tag am Wochenende Zeit für so was haben? Wo gute Hörner doch von bezahlter Mugge zu bezahlter Mugge fallen können….

Für unser Vorhaben war ein Hornmangel ein großes Problem. Das Horn ist beinahe in jeder Besetzung größer als Quintett gedoppelt. Und Hornisten haben auch nur eine begrenzte Kondition (dachte ich jedenfalls bis gestern). So wäre mir lieber gewesen, drei oder vier zur Verfügung zu haben, damit jeder auch mal aussetzen kann.

In dieser Notsituation griff zum ersten mal das, was uns im Verlauf der Vorbereitungsphase noch öfter zugute kommen sollte. Jeder der beteiligten spielt ja nicht nur in einem Ensemble, jeder hat eine Geschichte und Kontakte und unser Einzugsgebiet ging von Wuppertal über Leverkusen und Köln ins gesamte Umland. Ein zweites Horn konnte also über die verzweigten musikalischen Bekanntschaften gefunden werden. Und ich war beeindruckt, dass auch Musiker, die eigentlich gar nicht so recht wissen konnten, auf was sie sich einlassen, wen sie da antreffen werden und ob wir überhaupt irgendein Stück zustande bekommen würden, dass auch solche sich darauf einließen und Zeit und Weg nicht scheuten. Ich war ja in der komfortablen Situation, fast alle zu kennen und zu wissen, was in etwa machbar sein würde.

Somit lief die Vorbereitung an, Aufnahmen der geplanten Stücke wurden gestreut, Noten verteilt (allerdings nur einige wenige Werke). Im Verlauf der Vorbereitungszeit kamen vereinzelte Absagen oder die Einschränkung der verfügbaren Zeit bei einzelnen Musikern. Und immer wieder musste über unser tönendes Netzwerk ein Ersatz gefunden werden. Am Ende waren wir nur am vormittag vorübergehend Fagott-technisch unterbesetzt.

Und was soll ich sagen? Gestern morgen um 9.30 Uhr trafen wir uns. Gegen 10.00 Uhr begannen wir zu spielen und ich war erst um 19.30 Uhr wieder zuhause. Wir spielten Beethoven, Mozart, Gouvy (den meisten unbekannt und wohl eine positive Überraschung), Reinecke, D’Indy, Schmitt (zu schwer vom Blatt, vor allem vom spontanen Verständnis her,  und der einzige stimmungsmäßige Missklang des Tages), Rheinberger und natürlich den allgegenwärtigen Gounod, dazu noch Caplet und vermutlich habe ich auch noch Werke vergessen.

Neben und zwischen der Musik gab es Pizza, Tee, Kaffee, Kuchen, Kekse und Gespräche. Immer wieder die Überraschungen, wer so alles wen kennt und wie klein die Welt der Musikbekloppten doch so ist.

Und selbst nach dem Musizieren zogen alle weiterhin an einem Strang beim gemeinsamen Aufräumen. Ich weiß nicht, auf welche Art ich für mich einen Tag besser hätte verbringen können. Viel Musik, lauter nette Menschen, kaum Mißstimmungen. Und es war doch so einfach, weil eben alle das gleiche wollten und mitgeholfen haben. Es ist also nicht nur ein Projekt, das nach Wiederholung schreit sondern auch eines, das ich jedem musizierenden Menschen zur Nachahmung wärmstens empfehlen möchte. Vieles ist möglich, wenn man die Initiative ergreift und man ist nicht alleine mit solchen Ideen 😉

Dem kann abgeholfen werden. Mal wieder weitere Termine:

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…. weil ja jetzt so viele auch ein paar Tage frei haben. Darum also: noch mehr Termine  🙂

Morgen (23.12.) wird um 20 Uhr zum dritten und letzten Mal in Berlin in der Philharmonie von den Philharmonikern ein Programm gespielt, das unter anderem mit Syrinx von Debussy und der Sequenza von Berio, beides vorgetragen natürlich von Pahud, aufwartet. Die Karten kosten zwischen 23 und 70 Euro und im Internet gibt es eine kostenpflichtige Live-Übertragung (da gäbe es das dann für 9,90 Euro).

Ebenfalls am 23.12., aber schon um 19.30 Uhr und am anderen Ende der Republik, in Eltville-Erbach, wird ganz stilecht mittelalterliche Chormusik dargeboten. Sieben Herren in Mönchskutten, nur begleitet von einer Querflöte, das ist der Chor Gregorianika auf seiner Tour „Ora et labora“, zu hören in der Johanneskirche zu Eintrittspreisen ab 24 Euro.

Direkt am 1.1.2012 kann man im Alten Rathaus in Gerolzhofen ein Konzert mit Flöte und Klavier genießen. Es spielt das Duo op. 19, bestehend aus Corinna Döring und Tayuko Nakao. Auf dem Programm steht Musik aus Deutschland und Frankreich vom Spätbarock bis ins 20. Jahrhundert. Das Konzert findet zur Eröffnung der Gerolzhöfer Kulturtage 2012 statt und kostet Eintritt, der Betrag ist mir leider nicht bekannt.

Mal was ganz anderes wird am 7. Januar schon ab 15.30 Uhr geboten (Einlass ab 13.45 Uhr). Das Bremer Kaffeehaus-Orchester ist eine Quintett-Besetzung mit Kontrabass, Geige, Bratsche und Cello, sowie einem ambitionierten Bläser, der zwischen Piccolo, Flöte, Klarinette und Saxophon wechselt. Das Konzert findet im Landidyll -Hotel Backenköhler in Stenum statt und kostet regulär 15 Euro.

Im Kunstmuseum Liechtenstein spielen am 22. Januar 2012 Hieronymus Schädler (Flöte), Stephanie Beck (Harfe) und Eddy Hackett (Percussion) ab 11 Uhr zum ersten Mal als Trio zusammen. Gespielt wird neuere Musik von Cage, Scelsi , Beecroft und anderen. Das Konzert findet innerhalb der Ausstellung statt, wie das mit dem Eintrittspreis aussieht, ist mir nicht bekannt.

Wer etwas Gutes tun möchte, der sollte am 27. Januar um 20 Uhr das Benefizkonzert zugunsten einer neuen Orgel in der Dreifaltigkeitskirche in Speyer besuchen. Eine bunte Besetzung, natürlich mit Flöte, bietet venezianische Mehrchörigkeit unter der Führung von Professor Leo Krämer. Der Eintrittspreis beträgt 20 Euro.

Schon weit im Frühjahr, am 22. April, ist um 19.30 Uhr in der Stadthalle Kirchheim das Bläserquintett PentAnemos zu hören. Gespielt werden die großen Standardwerke von Francaix, Milhaud, Ibert und Taffanel. Das Konzert ist Teil des Konzert-Abos des Kulturrings.

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Durch eine kürzlich erschienene CD bin ich auf einen mir vollkommen unbekannten Schweizer Komponisten mit dem markigen Namen „Hans Huber“ aufmerksam geworden. Die taufrische Aufnahme umfasst zwei Werke: das Sextett für Bläserquintett und Klavier und das Quintett für Flöte, Klarinette, Horn, Fagott und Klavier.

Beide Werke zeichnen sich durch die von mir so geliebte beinahe symphonische Farbigkeit und Klangfülle aus. Einige Sätze erinnern an ein Klavierkonzert mit Bläserbegleitung, das Sextett enthält aber auch eine wunderbare Solopassage der Oboe und auch das Horn kommt schön zur Geltung.

Ich habe die CD bei meinem Fahrten nach und von Bedburg (Musical-Mission) nicht mehr aus dem CD-Player genommen und heute die Tatsache, da ich dank Erkältung nicht übefähig bin, dafür genutzt, mal eine kleine Recherche zu unternehmen. Leider hat Herr Huber offensichtlich das Klavier und die Streicher bevorzugt. Die beiden genannten Werke sind tatsächlich die einzigen mit Flötenbeteiligung, die ich entdecken konnte. Und doch gibt es eine sehr gute Nachricht zu vermelden. Die Noten sind sämtlich aktuell nicht mehr verlegt, bei IMSLP aber als pfd zum Download im Angebot. Jetzt könnt Ihr mal raten, wer da eben mal ein paar MB durch den Äther gesaugt hat 🙂

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