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Heimatlosigkeit

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Vielleicht stand der eine oder andere von Euch ja auch irgendwann vor der Entscheidung, ob er vielleicht Musik studieren soll. Bei mir war das früher auch mal der Fall. Das ist eine ganz schön schwierige Entscheidung, wie ich finde. Ich habe mich bekanntlich dagegen entschieden (also nicht mal eine Aufnahmeprüfung versucht).  Da das ganze eine sehr persönliche und individuelle Entscheidung ist, möchte ich dazu weiter gar nichts mehr sagen. Um was es mir geht, ist die Frage wo man landet, wenn man sich dagegen entschieden hat, der Sache, der Flöte nämlich, aber dennoch treu bleibt.

Ich habe eigentlich immer weiter mit kleinen Pausen Unterricht genommen, habe in Ensembles und Orchestern gespielt und auch geübt (mal mehr und mal weniger). Das führt dann dazu, dass man nach so langer Zeit auch einigermaßen gut spielen kann. Und irgendwann steht man dann an einer Stelle, wo man irgendwie nirgends mehr so richtig reinpasst.

Ich bin kein Profi, aber ein richtiger Laie auch nicht mehr. Da wird es schwierig, musikalisch unterzukommen. Egal ob es um Unterricht, Orchester, Ensemble oder Kurse geht. Irgendwie ist man immer oder sehr häufig ein bisschen fremd. Viele Flötenlehrer haben keine oder wenig Übung mit Schülern, die schon Töne und Rhythmus beherrschen und auch Literatur spielen. Kurse richten sich oft entweder an Kinder und Jugendliche oder an Profis/Studenten. Bei den Laienkursen geht es dann häufig mehr um Grundlagen und Spaß für Leute, die spät noch ein Instrument begonnen haben.

Kurz, Zielsetzung und musikalischen Niveau liegen irgendwie immer zwischen allen Welten. Bei Kursen mit Studenten sitzt man dazwischen wie eine Uroma und spielt gleichzeitig am schlechtesten. In Ensembles mit Profis kommt das Terminproblem dazu, weil man die Woche über tagsüber arbeiten muss, die Musiker häufig abends aber konzertieren oder unterrichten.

Glücklicherweise gibt es aber einige Menschen wie mich, die schon lange und mit Begeisterung und Qualität musizieren. Und solche Bekanntschaften muss man dann wirklich gut pflegen. Am besten ist es, Projekte dann einfach selbst zu initiieren. Für Unterricht bedarf es eben etwas Recherche und am besten sucht man jemand, der an einer Hochschule lehrt oder ähnliches, der hat dann Erfahrung mit fortgeschrittenen Schülern.

Als Jugendliche dachte ich immer, wenn Beruf und Familie kämen, dann müsste ich irgendwann die Musik drangeben. Das war die Motivation über ein Studium überhaupt nachzudenken. Heute habe ich einen Beruf, zwar keine Familie aber eine Beziehung und es geht sehr gut. Nur hätte ich nie gedacht, dass gerade das Dabeibleiben mich irgendwann in so eine Niemandsland befördern könnte. Da sieht man mal, das Leben ist nicht vorhersehbar….

Das mag vielleicht erst mal komisch klingen, aber das tut man ja ständig, wenn man neue Noten auflegt. Mit manchen Gruppierungen spielt man das dann zum ersten Mal und übt es in der Folge konsequent und manchmal spielt man auch viele verschiedene Sachen durch, um die Literatur kennenzulernen, einfach aus Spaß oder um dann ein Werk zum richtig Üben auszuwählen.

Ein Grundproblem beim Spielen unbekannter Noten in der Gruppe ist die Wahl des Tempos. Nach meiner Erfahrung hat jeder so seine intuitiven Grundtempi für die verschiedenen Bezeichnungen. Dieses automatisch gespielte Tempo beim Alleinespielen muss in der Gruppe natürlich erst mit allen abgestimmt werden. Und das ist nicht immer einfach.  Ich musiziere mit einigen, bei denen die Vorstellung eines Allegro relativ genau mit der meinigen übereinstimmt. Andere Kollegen haben es für mein Gefühl immer ausgesprochen eilig. Jemand deutlich langsameres hatte ich noch nicht, vielleicht bin ich ja einfach schon an der unteren Grenze mit meinem Tempoempfinden.

Seltsamerweise hat das intuitiv angeschlagene Tempo nicht immer etwas damit zu tun, wie gut der Tempomacher dann auch die eigene Stimme in diesem Tempo im Griff hat. Ich für meinen Teil überfliege gern ein Stück zunächst, identifiziere die technisch anspruchsvollen Stellen und versuche dann, mir vorzustellen, wie schnell ich das wohl hinbekommen würde. Das geht am Ende nicht immer auf, weil manchmal die Tücke im Detail steckt, aber es kommt meist in etwa hin um durchzukommen.

Während des Spielens kommt es dann eigentlich immer zu Tempoverlusten. Weil man eben genauer gucken muss, die Läufe nicht gehen oder einfach, weil eigentlich ohne Lampenfieber fast jedes Stück bei uns ein wenig verschleppt. Ich selbst neige dazu, das Tempo zu bremsen zu versuchen, wenn ich merke, dass ein Mitmusiker an einer technisch schwierigen Stelle richtig Probleme bekommt. Ich finde, auch das ist Teil des Begleitens, dass man erkennt, wenn etwas nicht geht und nachgibt. Der „Solist“, der mit der interessanten und/oder wichtigen Stimme, hat das Sagen, daher darf man ihn oder sie nicht hetzen, finde ich. Das ist etwas anderes, wenn man ein Stück probt (unter Umständen). Beim Blattspiel finde ich wichtig, dass jeder das Recht hat, am Ende anzukommen.

Es gibt auch eine umgekehrte Ansicht. Ein Mitmusiker merkt, dass das Tempo nicht mehr stimmt und zieht an. Meist wenn er nicht sooooo viel zu tun hat (einfach, weil er dann überhaupt erst merkt, dass es zu langsam ist und weil er dann gut anziehen kann, unstressigerweise). Das sind die Fälle, in denen die Begleitstimme (mit Nachschlag oder ähnlichen, eigentlich unterstützenden Stimmen) dann den „Solisten“ jagt. Ich sage ehrlich: das hasse ich. Ich finde es unkollegial und auch unmusikalisch. Man kann so etwas absprechen, wenn ein Stück immer im gleichen Teil zu langsam wird und der technisch am meisten geforderte es eigentlich auch schneller könnte. Wenn aber eine Stelle für einen Mitmusiker wirklich an die Grenze des Machbaren geht, dann ist sie eben etwas langsamer, dann muss man danach wieder anziehen (oder man darf eben so ein schweres Stück gar nicht auflegen). Ich finde immer, ein Ensemble muss wie ein Organismus sein. Wir sind dann aber keine Eidechsen, die bei Gefahr einfach den Schwanz abstoßen, nein, wir wollen gemeinsam und am Stück am Ende ankommen (ich jedenfalls).

Meist wenn man dann mit dem ersten Spielen eines Stückes durch ist kommen direkt die ersten Kommentare zum Werk: „Das ist aber schön!“, „Naja, ein bisschen langweilig.“ oder „Das gehört viel schneller, dann wirkt es sicher auch besser.“

Gerade die letzte Phrase höre ich häufig und habe sich wohl auch manches mal selbst ausgesprochen. In letzter Zeit denke ich aber, dass die Stücke, die nur in waghalsigem Tempo anhörbar sind einfach auch schlechte Stücke sind (meistens).  Ich denke auch, dass man die Frage, ob ein Stück durch höheres Tempo gewinnt, leicht schon beim langsamen spielen sicher erkennen kann. Im Regelfall können dutzendfache Wiederholungen eines einfallslosen Themas nicht durch Tempo geheilt werden. Auch Stücke, die ständig alle Stimmen doppeln, gewinnen nicht durch Geschwindigkeit. Zerhackte Kompositionen ohne einen inneren Zusammenhang gehen schneller nur einfach schneller vorüber. Daher tendiere ich jüngstens dazu, das Anliegen, ein Stück „mal im Originaltempo“ zu versuchen, wobei dann aber innerhalb kürzester Zeit vielleicht das Originaltempo, nicht aber die Originalbesetzung verfügbar ist, weil in jeder Kurve ein weiterer Mitmusiker die Rennbahn verlässt, eher abzulehnen. Meistens verschwimmt dann alles, der eine rennt in Balkenpanik los, der andere sieht Sechzehntel und spielt nur noch zwei Drittel so schnell wie zu Anfang, alle spielen viel zu laut und vor lauter Panik hört keiner mehr hin, was eigentlich gerade abgeht. Und in diesem Tohuwabohu kann man dann erkennen, dass das Stück schneller plötzlich ganz toll ist? pffffff…. ich glaube nicht.

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