Emmanuel Pahud und das Franz Liszt Kammerorchester

Es folgte die Pause mit unfassbar langen Schlangen vor den Waschräumen (bei denen in solchen Fällen der Wasserdruck nicht mehr zum Spülen genügt, wie ich kürzlich bei einem Konzert von Sabine Meyer lernen musste). Das Publikum war im Schnitt noch etwas älter als gewöhnlich. Nicht wie in Düsseldorf, wo eine unübersehbare Menge von jüngeren Damen und Mädchen das Bild prägten. Versammelte Flötenstudentinnen und -schülerinnen der Region. Dort war natürlich der Saal kleiner, aber gestern dominierte in jedem Fall offensichtlich die Ruhestandsfraktion. Wir kämpften uns über die verstopften Treppen (für dieses Publikum ist die Stufendichte in der Philharmonie eine echte Herausforderung).  Im menschengefüllten Foyer konnte ich zunächst die zuvor auf den Treppen im Stau erspäten Bekannten nicht mehr entdecken. Bis wir sahen, dass es schon in der Pause einen Signiertisch gab, an dem mutterseelenallein Pahud saß. Keine Schlange davor, gar nix. Aber mein lieber Lehrer im Gespräch mit ihm. So wurde ich also meinem Grundsatz untreu, dass ich mir nie Autogramme abhole. Ich neige gar nicht zum Personenkult und was mich an Pahud interessiert ist etwas für die Ohren, sein Flötenspiel, nicht seine Signatur. Was soll’s, da war kein Mensch und es war eine witzige Gelegenheit Mr. Faust zu überraschen, der den Solisten unterhielt, von dem keiner eine Unterschrift wollte (Vielleicht hätte man frühzeitig Hinweise anbringen sollen, dass es in der Pause Autogramme gibt?).Signiertes Konzerprogramm

Bis wir die Treppe wieder runterkamen, war schon wieder der Pausengong zu hören und wieder mussten wir an unzähligen Knien vorbei zu unserem Platz (diesmal aber von der anderen Seite, Gerechtigkeit muss sein, wenn man in der Mitte sitzt).

Bei solchen Konzerten trifft man unweigerlich auf viele bekannte Gesichter. Die meisten davon kennt man mit einem silbernen Rohr quer vor dem Gesicht. So auch gestern. Der liebe Kollege aus dem Projekt-Blasorchester tippte uns kurz vor dem Saaleingang auf die Schulter. Eine gute Gelegenheit, gleich Werbung für den anstehenden nächsten Programmpunkt zu machen. Die Ballade von Martin. Ein super schönes Stück, auf das ich mich schon die ganze erste Hälfte gefreut hatte.

Auch jetzt wieder Auftritt des Orchesters und des Solisten, ohne Dirigent. Das Cembalo war in der Pause verschwunden und gegen einen Flügel getauscht worden. Obwohl er nur minimal geöffnet war, fand ich ihn ein wenig laut. Pahud spielte phänomenal, die Streicher begleiteten perfekt, trotz all der kniffligen Rhythmen (hier wäre vielleicht eine dirigierende Hand eine echte Hilfe gewesen). Die in der Tendenz eher düsteren Farben des Werkes, der spürbare Nebel in den leisen, tiefen Flötenteilen…. es war ein Stimmungsbild.

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