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Vor wenigen Wochen hatte ich es hier schon angekündigt, Pahud war gestern in Düsseldorf. In der schönen Besetzung Flöte und Gitarre (Christian Rivet), die man leider gar nicht so oft in den größeren Konzerthäusern zu hören bekommt.

Als ich Anfang Januar zwei Karten kaufte, war der mir noch unbekannte Robert-Schumann-Saal im vorderen Bereich schon ganz gut belegt. Allerdings schlossen sich die bestehenden Lücken in den Reihen bis gestern nicht vollständig und es scheint mir auch, dass nicht alle erschienen sind, was eventuell dem im Rheinland eher seltenen Schneefall geschuldet war.

Meine Anreise war auch durch die Wetterbedingungen geprägt. Da ich den Saal und die Verhältnisse vor Ort ebenso wenig kannte wie die Verkehrsverhältnisse um diese Zeit, brach ich zeitig auf. Wider Erwarten (normalerweise verfahre ich mich immer furchtbar in Düsseldorf) fand ich das richtige Parkhaus sehr schnell und war dann eine Stunde früher als gewünscht vor Ort. Nicht schlimm, mit einem guten Buch und einem Latte Macchiato lässt sich eine Stunde wunderbar überbrücken.

Die Freundin, mit der ich zum Konzert verabredet war, hatte leider mehr Schwierigkeiten, die richtige Parkhauseinfahrt zu finden, also habe ich den Telefonlotsen gemacht. Wir beide ließen dann schon mal ein bisschen Geld am CD-Verkaufsstand. Das Foyer zum Saal füllte sich und es wurde offenbar, was zu erwarten gewesen war, alle Flötenstudenten aus dem Umkreis von 50 km schienen vor Ort zu sein.

Schön fand ich das kleinformatige Programmheft, eine günstige Größe, passend für Hosentasche oder jede Form von Handtasche. Leider habe ich natürlich geschafft, das Heftlein irgendwo zwischen Konzert und zuhause zu verlieren oder zu verlegen.

Beim Einlass zeigte sich ein wunderschöner Saal in hellem Holz mit schwarzer Bestuhlung, lang und schmal. Der Eindruck vom Saalplan im Vorverkauf, dass der vorderste Block durch einen Gang von der restlichen Bestuhlung getrennt wäre, war ein Irrtum. Vermutlich sollte der Abstand zeigen, dass hinter dieser Reihe der Boden ca. 15 cm ansteigt. Ein wenig irritierend bei der Suche nach dem Sitzplatz.

Wir saßen in Reihe 6 und harrten der Dinge, die da kommen sollten. Mit minimaler Verspätung betraten die beiden Protagonisten die Bühne. In der Mitte standen zwei ganz normale Notenständer, ein Stuhl und die Fußstütze für den Gitarristen.  Da sieht so eine Bühne richtig leer aus.

Das Programm wurde mit der C-Dur Sonate von J. S. Bach (nicht gesichert) eröffnet. Anfangs empfand ich das Zusammenspiel noch etwas wacklig. Kurz vor dem Beginn des ersten Satzes, als die Musiker gerade ihre Konzentration zusammensammelten, brach irgendwo im Saal ein Husten aus und man konnte den Gitarristen die Stirn runzeln sehen.  Der erste Hinweis auf sein während des ganzen Konzertes sehr ausdrucksvolles Mienenspiel. Im Verlauf der Sonate konnte man merken, wie das Timing stabiler wurde.

Dem Bach folgten zwei Duos von Francesco Molino. Sehr witzige Musik, die Pahud viel Gelegenheit zum Spiel und zur Gestaltung bot. Im Vergleich zu anderen Konzerten, die ich von ihm erlebt hatte, empfand ich das Zusammenspiel mit Rivet etwas anders. Ich habe von anderen Besetzungen ein sehr kommunikatives Zusammenspiel in Erinnerung. Gestern erschien die Arbeitshaltung des sitzenden Gitarristen, in seiner Position durch Fußstütze und Instrument weitgehend fixiert und auf die Noten konzentriert, für die Kommunikation etwas hinderlich. Pahud stand neben ihm und blickte sozusagen auf ihn herab. Rivet konnte nur durch extremes Verdrehen der Augen sehen, was Pahud so machte. Einen solchen Blick konnte ich ein oder zweimal beobachten. Damit war Pahud sozusagen genötigt, Rivet genau zu beobachten und damit nicht mehr im gleichen Maße beweglich wie vielleicht bei anderen Konzerten (ich habe ihn als Tänzer im Gedächtnis).

Das heißt natürlich nicht, dass er unbeweglich blieb, nein wie auch sonst spielte er sehr aktiv, nur die Blickrichtung war eben an den Mitmusiker gebunden. Die Körperarbeit schien mir sehr atmungsunterstützend, Pahud hat ja einen unfassbar großen Ton (wenn er möchte), mit der Erinnerung an die Übungen aus dem „Höhenflüge“-Buch, schien mir manches tänzerische gleichzeitig fast wie „Luftpumpen“.

Die eher unterhaltsamen Duos von Molinari wurden gefolgt von dem Solostück „Voice“ von Takemitsu. Die Komposition erfordert den Einsatz vieler moderner Spieltechniken wie singen und spielen, rufen, sprechen, Klappenklappern usw. Das war naturgemäß ein extremer Kontrast zur vorherigen Musik. Wie das leider oft so ist, wurde es im Saal unmittelbar unruhig. Von Husten über Rascheln und sogar unterdrücktes Kichern, Stühlerücken…. das Übliche. Leider scheint niemand Lust zu haben, seine volle Aufmerksamkeit auf solche Werke zu richten. Schade, es hätte sich wirklich gelohnt. Eine derartige Bandbreite an Klangfarben und Dynamik. Persönlich finde ich es immer sehr viel schwerer meine Stimme öffentlich zu nutzen als zu spielen. Daher habe ich den größten Respekt davor, wenn jemand den Mut für solche Stücke aufbringt (aber das nur am Rande, Pahud kratzt so was sicher nicht).

Den Abschluss der ersten Konzerthälfte bildete ein Werk von Ravi Shankar, das dieser ursprünglich für Flöte und Harfe komponiert und Rampal gewidmet hatte. Geprägt von indischer Harmonik entwickelt das Stück aus einer eher meditativen Stimmung zu Beginn immer mehr Bewegung. Pahud betonte in den schnelleren Teilen ausgesprochen jazzig, das Zusammenspiel harmonierte hervorragend und die Musik, obwohl ebenfalls in gewisser Weise fremdartig, fesselte das Publikum (endlich, ich empfand den Saal gelegentlich als sehr unruhig). Ein toller Abschluss vor der Pause. Mich würde interessieren, wie Rampal dieses Stück gespielt hat, ich kenne in jazziger Richtung von ihm nur die Aufnahme der Bolling-Suite und da schien mir das eher nicht sein bevorzugter Musikstil.

Der zweite Teil startete, nachdem sich in der Pause jeder Autogramme holen konnte, mit Gitarre solo. Ein Werk von Manuel de Falla zum Tode von Debussy. Spanisch und schwermütig, wie Komponist und Anlass erwarten lassen. Sehr schön. Es folgte der in dieser Besetzung wohl unvermeidliche Piazzolla. Flöte und Gitarre ohne Histoire du Tango ist wohl auch nicht denkbar. Auch hier hatte ich wiederum verschiedentlich den Eindruck, dass die beiden nicht hundertprozentig das gleiche Timing hatten. Auch die Blicke zwischen beiden nach dem Stück wirkten ein wenig belustigt. Nichtsdestotrotz, ein wunderbares Stück Musik und von zwei großartigen Musikern dargeboten.

Nach Programm den Abschluss bildeten Rumänische Volkstänze von Bartok. Von melancholisch bis furios, auch hier konnten beide wiederum ihre ganze Spielfreude ausleben und die Vielfalt ihres musikalischen Ausdrucksvermögens voll ausspielen. Zu recht wurde der Abend mit ausdauerndem Applaus beschlossen, der dem Publikum ein weiteres Werk (Titel konnte ich leider nicht verstehen) von Villa-Lobos und nochmals ein wenig Bartok bescherte.

Mein Eindruck im Ganzen war der, einer vielversprechenden Zusammenarbeit, die vielleicht noch ganz am Anfang steht. Es wäre toll, wenn der Name Pahud der unterschätzten Besetzung Flöte und Gitarre ein wenig Glanz geben könnte. Ein Genuss war es allemal, auch durch die geradezu humoristischen Einlagen in Form der Notensortiererei, schwungvollen Umblätterns, Stuhl Einrichtens etc., das jeweils von Pahud mit Schmunzeln beobachtet wurde. Ich wünsche mir mehr davon und denke, so wird das allen gehen, die gestern anwesend waren.

Auf Flickr gibt es auch die Bilder vom gestrigen Abend zu sehen.

 

Eigentlich war ich nie ein großer Freund von alten Instrumenten, eingeschlossen die Traversflöte. Irgendwie klang sie mir immer etwas zu blockflötig. Aber dennoch haben mich dieses Jahr Begegnungen mit diesem Vorfahren der von mir so geliebten Querflöte verfolgt.

Bei meinem Kammermusikkurs im Mai wurde ich von einer begeisterten Barock-Oboistin mit den Worten „Nächstes mal vielleicht mit Traversflöte“ verabschiedet, was ich noch grinsend abgewunken habe.  Dann flatterten mir immer wieder irgendwelche Meldungen von gebraucht zu kaufenden Traversos ins Haus, die ich dann immer schön gelöscht habe. Bei alle dem hatte sich aber auch eine gewisse Neugier in meinem Hirn eingehakt. Es folgten verschiedene Artikel im Netz, die von Traversflötisten, Konzerten und ähnlichem berichteten (natürlich auch teilweise im Zusammenhang mit dem Friedrich-Jubiläum dieses Jahr).

Im Sommer erhielt ich dann elektronische Post von Klaus Holsten, der auch viele Termine für seine Kurse im Forum gepostet hat. Und das waren? Traverskurse (teilweise wenigstens). Fast zeitgleich fragte mich auch der neue Organist in meiner „Stammgemeinde“, ob ich eventuell auch Traverso spielen würde.

Nun war es mir echt zu viel. Irgendwie schien eine neue Herausforderung auch kein Fehler, also habe ich mit Herrn Holsten Kontakt aufgenommen und ihn ein bisschen ausgefragt, ob das für einen Laien überhaupt machbar wäre, neben der Böhmflöte auch ein Travers zu lernen und dann beides zu machen. Er meinte, dass das ginge und beriet mich sogar bezüglich der angebotenen Gebrauchtinstrumente. Sehr, sehr nett.….

Also machte ich auf dem Heimweg vom Urlaub einen Umweg, um mir das am geeignetsten erscheinende Instrument anzusehen und es womöglich auch zu kaufen. Leider musste ich dabei feststellen, dass ich aufgrund der unfallbedingten Verkürzung der Sehnen in meiner rechten Hand die Grifflöcher rechts nicht abdecken kann. Das war (obwohl zuvor schon ein wenig befürchtet) ein ziemlicher Schreck und trieb mich schnell von dort fort. Genauso schnell stellte sich ein Gefühl von „jetzt erst recht“ ein. Schließlich lasse ich mir nicht gern in meine Pläne pfuschen.

Also habe ich zuhause angekommen ein bisschen herumgemailt (auch einer Empfehlung von Herrn Holsten folgend) und mich mit dem Traversflötenbauer Herrn Aurin in Düsseldorf verabredet. Erstaunlicherweise hatte er schon mal einen ähnlichen Fall und meine sofort, dass es da Abhilfe gäbe…..

Heute war ich da. Ein wunderschönes Haus in Düsseldorf, ein sehr freundlicher Instrumentenbauer und eine Tasse leckerer Espresso. Und nun weiß ich schon viel mehr. Es wird gehen, alle drei Löcher der rechten Hand etwas zu verschieben und die Klappe für den kleinen Finger zu verlängern.  Außerdem habe ich erfahren, dass es inzwischen auch eine richtige Schule für Traversflöte (heißt Notenheft) gibt und dass man in jedem Fall besser zunächst ein paar Unterrichtsstunden nimmt. Das ist natürlich wieder ein Zeitproblem (Stunde und Üben)…. aber wie ich mich kenne, wird es mich wohl nicht mehr loslassen, bis ich es mal probiert habe. Daher also….. to be continued.

 

In Jena ist eine Praktikantenstelle für Flöte zu vergeben. Interessenten können sich noch bis zum 7. September 2012 bewerben. Alle Details sowie die Kontaktinfos gibt es auf VioWorld.

Am 4. Oktober 2012 spielen um 19.30 Uhr in der Düsseldorfer Markuskirche Nili Riemer (Sopran), Klaus-Peter Riemer (Querflöte), Ivana Mehlem (Harfe) und Torsten Laux (Orgel) Werke von Vivaldi, Mozart, Offenbach, Händel, Donizetti und anderen. Der Eintritt kostet im Vorverkauf 12 Euro, an der Abendkasse 14 Euro.

Flöte ganz geballt bieten die Intercity Flute Players, ein Flötenorchester aus Bern. Hier kann man sie hören:

  • 26. August 2012, 17.30 Uhr evangelische Kirche Bèvilard
  • 21. Oktober 2012, 17.00 Uhr Kirche Reichenbach i. K.
  • 11. November 2012, 17.00 Uhr reformierte Kirche Köniz
  • 17. November 2012, 20.00 Uhr Nydeggkirche Bern
  • 13. Januar 2013, 17.00 Uhr Pauluskirche Olgen.

Das Programm für alle Termine ist gleich und stammt aus folgenden Federn: Geminiani, Bovey, Bach, Hofer, Rota und Grieg.

Schon weit ins nächste Jahr geblickt: Am 19. März 2013 spielen das Hába Quartett und Sebastian Wittiber (Flöte) in Hilchenbach im Gebrüder-Busch-Theater zwei Flötenquartette von Mozart sowie zwei Streichquartette von Hába und Smetana.  Los geht es um 20.00 Uhr zu Eintrittspreisen von 16 bis 22 Euro, bzw. 12 Euro für Schüler.

Gestern fand um 19 Uhr im großen Partika-Saal der Robert-Schumann-Hochschule Düsseldorf das Klassenvorspiel von Prof.  Michael Faust statt. Ein wahres XXL-Ereignis, das letzte Werk war ungefähr um 23 Uhr verklungen, und das obwohl es zahlreiche Programmkürzungen gab, da ein Klavierbegleiter, der eigentlich für sechs auch teilweise längere Programmpunkte eingeplant war, kurzfristig schwer erkankte. An Herrn Faltermeier von hier aus unbekannterweise herzliche Genesungswünsche! Sicherlich hätte das Konzert ohne diese Kürzungen die Datumsgrenze zum Sonntag hin durchschlagen.

Für Herrn Faltermeier sprang in einigen Programmpunkten seine Kollegin Frau Wiemann ganz spontan und sehr souverän ein. Toll, wenn so etwas funktioniert.

Die Ankündigung lautete „Flötenmusik durch vier Jahrhunderte“, was beginnend bei Marais und endend bei Höller auch erfüllt wurde.  Aber eigentlich wurde das sogar noch übertroffen, da neben Flötentönen auch Kammermusikbesetzungen zu hören waren.

Aber jetzt erst mal der Reihe nach. Eröffnet wurde das Programm mit Mozart G-Dur-Konzert.  Aufgrund der Klavier-Situation jedoch nur der erste Satz, das Rondo entfiel, ebenso wie die Martin-Ballade (leicht verständlich, dass man das nicht eben mal vertretungsmässig übernimmt als Pianist). Für Flöte und Klavier erklangen außerdem La Merle Noir von Messiaen, einzelne Sätze aus der Undine-Sonate, der e-moll-Sonate von Bach sowie den Joueurs de Flûte von Roussel. Komplett dargeboten wurden die Franck-Sonate, Miniature I (wirklich eine Miniatur und mir vorher unbekannt) von Ferneyhough sowie die Sonatine von Dutilleux.

Unbeeinträchtigt von Krankheitsfällen standen die Werke für Flöte solo: (é)cri(t) von Holliger, die Carl Philipp Emanuel Bach Solo-Sonate, Scan von Höller (gleich zweifach) und und die Incantations von Jolivet, dargeboten von zwei verschiedenen Studenten (jeder spielte andere Sätze, so dass insgesamt einmal das Gesamtwerk erklang).

Die h-moll-Sonate von Bach erklang mit Cembalo, für die E-Dur Sonate wurde noch ein Cello dazu genommen, ebenso wie bei der dargebotenen Version de Folies d’Espagne von Marais.

Als größere kammermusikalische Besetzungen erklangen zwei Sätze aus dem Musikalischen Opfer in der Besetzung Flöte, Violine, Fagott und Cembalo sowie zwei Sätze aus dem wunderschönen Nielsen-Quintett.

Diese längliche Inhaltsangabe zeigt schon, dass es etwas Sitzfleisch brauchte, um das Ende in Form der Franck-Sonate zu erleben. Das führte dazu, dass in der Tat der Applaus im Verlauf der Veranstaltung mangels Publikum leiser wurde, was nichts mit der Leistung der Interpreten zu tun hatte. Zwei Pausen im Ablauf erlaubten das unauffällige Verschwinden, das aber auch durchaus zulässig war.

Die musizierenden Studenten aus der Klasse Faust, Maria Busch, Sayaka Ota, Miho Shirai, Jana Cuske, Vanessa Hepers, Claudia Tiller, Nathan Lange (der Quoten-Mann, sozusagen), Anna Hendriksen  und Svenja Kips sowie Antje Thiele (Privatschülerin)  boten Flötenspiel auf höchstem Niveau (was zu erwarten war).

Es gibt so viele Klischeebilder von Flötisten und Flötistinnen, ein solcher Abend zeigt, dass sie alle nicht wahr sind. Jede der Musikerinnen und natürlich erst recht der einzige Herr in der Runde, zeigten eine vollkommen eigene Persönlichkeit, in der Musik und auch in der Art und Weise der Darbietung. Spannend fand ich auch, zu sehen, ob und wie jeweils der Blick des Lehrers auf dem Weg aus dem Saal gesucht oder vermieden wurde. Als Nicht-studierter Musiker kann man bestenfalls ahnen, was so ein Klassenvorspiel jedem einzelnen bedeutet, schon gar, wenn es die letzte Feuerprobe vor dem Abschlusskonzert ist.

Insgesamt war die Atmosphäre aber eher angenehm entspannt, Moderation im freundschaftlichen Umgangston und Bühnenauf- und -abbau durch den Chef höchstpersönlich. Eigentlich ein Rahmen, der relativ wenig Stress aufkommen lassen sollte (auch durch die wenigen Zuschauer, die nicht zur Klasse gehörten), aber dennoch bleibt es natürlich ein Teil des Wegs zum (Traum-)beruf. Das lässt sich auch durch Kuschelatmosphäre nicht verhehlen.

Eine musikalische Bewertung möchte ich gar nicht vornehmen. Nur ein paar Auffälligkeiten, die mir persönlich besonders in Auge sprangen und die ich trotz der Menge der Eindrücke behalten habe. Die Klavierbegleiter fand ich alle ausgesprochen beeindruckend. Da hab ich in vergleichbarem Rahmen schon schlechteres gehört. Insbesonders beeindruckt hat mich der junge Dominic Chamot, der Antje Thiele sehr gefühlvoll und musikalisch begleitet hat. Auch die nur für die Franck-Sonate erschienene Frederike Möller bildete mit Jana Cuske eine eindrucksvolle Einheit (wobei ich  auch feststellte, dass das auch optisch sehr ausdrucksvolle Spiel der Pianistin mich etwas von der relativ wenig agierenden Flötistin ablenkte). Die letzte (nur in dieser Aufzählung) der Pianistinnen, Frau Wiemann, war ebenfalls die perfekte Begleiterin sowohl für die geplanten als auch für die aushilfsweise übernommenen Stücke. Toll.

Das Trio Flöte, hier Jana Cuske, Cembalo und Cello wirkte leider im Zusammenspiel ein wenig unsicher und wackelig, vielleicht eine Folge von zu wenig Probengelegenheiten? So was nimmt dann auch ein Stück weit Gestaltungsmöglichkeiten und bindet viel Konzentration.

Im Quartett Flöte (Claudia Tiller), Violine, Fagott und Cembalo entwickelte sich eine sehr musikalische Eigendynamik, vor allem zwischen Geige und Flöte. Der Fagottist (vielleicht gerade, weil er ein Mann war?), blieb dabei irgendwie ein wenig außen vor, was sich auch an (fehlenden) Blickkontakten und seinem etwas weiter abseits Stehen zeigte.

Das Quintett schließlich erschien mir als die musikalisch geschlossenste Gruppe. Hier konnte man jeweils die wechselnden Blickkontakte zwischen parallel laufenden Stimmen beobachten. Die Körpersprache harmonierte perfekt mit diesem gar nicht flötenlastigen Stück und es ergab sich ein homogener Gesamtklang, in dem aber jeder auch dann die Führung übernahm (und bekam), der gerade das Sagen hatte. Sehr gelungen. Rein optisch könnte man vielleicht sagen, hielt sich der Hornist noch am ehesten aus der visuellen Kommunikation heraus.

Bei den Solostücken konnte man die Eigenständigkeit und Verschiedenheit der Ausführenden (Maria Busch – Holliger, Sayaka Ota – CPE Bach, Claudia Tiller – Höller, Nathan Lange – Jolivet, Svenja Borgstädt – Höller und Jana Cuske – Jolivet) vielleicht am deutlichsten erkennen. Gerade auch im Falle des zweifach gespielten Scan oder der sich ergänzenden Darbietungen der Incantations. Einen „Faust“-Klang jedenfalls konnte ich nicht identifizieren. Ich könnte mir vorstellen, dass man bei einer so großen Zahl von Studierenden ohne Anwendung eines „Schemas“ und „Einheitsziels“ ganz schön Arbeit hat als Lehrer.

Was ist mir geblieben? Ich habe gelernt, dass für mich beim Hören auch der optische Eindruck eine Rolle spielt, die größer ist, als ich erwartet hatte. Das heißt, dass es mich irritiert, wenn Flötisten sehr „statisch“ spielen. Ich selbst habe irgendwann angefangen, mich relativ viel zu bewegen beim Spiel, irgendwie ist das eine Art Reflex geworden, als Teil des musikalischen Empfindens und/oder Ausdrucks und auch für eine flexible Ein- und Ausatmung. Natürlich ist der Schluss, wer sich nicht bewegt, gibt nicht alles oder empfindet die Musik nicht, nicht richtig. Dennoch habe ich festgestellt, dass mir die „bewegten“ Interpretationen einfach näher stehen und mich auch vollständiger erfassen (ich kann das nicht gut erklären). Manchmal glaubte ich auch tatsächlich, das eher „statische“ Spielen auch im Musizieren wiedererkannt zu haben. Wie gesagt, ich bin aber kein Fachmann.

Ich fand, die spät auftretenden hatten einen wirklich schweren Job. Sich so spät noch zu konzentrieren, die Spannung so lange zu halten, das ist wahrlich nicht einfach. Chapeau!

Aus der Anzahl der jeweils gespielten Werke würde ich mal schließen, dass Maria Busch, Claudia Tiller und Jana Cuske in Kürze ihren Abschluss machen. Sollte das so stimmen, wünsche ich viel Erfolg dafür und natürlich für den mindestens ebenso schwierigen Teil der Berufsfindung, der dann folgt. Danke für einen langen aber sehr schönen Abend!

Wettbewerbe 2012

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Neben dem Amateur-Wettbewerb der DGfF gibt es für Flötisten auch noch folgende Competitions in 2012:

  • 9. Competition Woodwind vom 19.-22. April in Pozarevac (Serbien) an der Music school „Stevan Mokranjac“ (Mail: office@mokranjac.rs)
  • 60. Hochschulwettbewerb der Rektorenkonferenz der deutschen Musikhochschulen (Flöte) vom 1.-4. Juni an der Robert-Schumann-Hochschule Düsseldorf
  • Kein richtiger Wettbewerb: Ausschreibung von Stipendien durch die Stiftung Yamaha Music Foundation of Europe (Mail an Herrn Hauschild)

Am 12. Mai 2011, einem Donnerstag, findet in der Philippus Kirche in Düsseldorf (Oberkassel) um 19 Uhr ein Benefizkonzert für Opfer von Erdbeben, Tsunami und Nuklearkatastrophe in Japan statt.

Die ausführenden Künstler sind Michael Faust (Flöte), Tadashi Sasaki (Gitarre) und Alexander Rengach (Gitarre).

Gespielt werden Werke für Gitarre solo, zwei Gitarren, Flöte solo, Flöte und Gitarre und Flöte mit zwei Gitarren von Scarlatti, Albeniz, Legnani, Granados, Schubert (in einer Bearbeitung von Böhm), Fukushima, Takemitsu und Sasaki.

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