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Der bayerische Verlag Laaber ist auf Fachliteratur zum Thema Musik spezialisiert. Vor einigen Monaten habe ich hier beispielsweise das von Adorjan herausgegebene Lexikon der Flöte besprochen, das bei Laaber erschienen ist. Aktuell bewirbt der Verlag auf seiner Webseite das neue Portal Musikwissen.de.

Das Angebot gliedert sich in vier Bereiche, von denen für drei zu bezahlen ist. Das vierte, ein Sachlexikon der Musik, wird kostenfrei zur Verfügung gestellt.  Die Bezahlangebote sind pdf-Ausgaben der musikwissenschaftlichen Zeitschrift MusikTheorie, ein Konzert- und Opernführer sowie Komponisten-Chroniken.

Der Reihe nach also: zum Gratisangebot „Sachlexikon der Musik“. Die Stichwortliste umfasst Tempoangaben, Satzbezeichnungen, musiktheoretische Begriffe und Instrumentennamen. Die einzelnen Artikel sind untereinander verlinkt, es ist also eine Anpassung an das Medium Internet vorgenommen worden. Auf den ersten Blick macht das Ganze einen wirklich guten Eindruck und ist auch auf dem Handy ganz gut lesbar. Also tatsächlich eine Bereicherung für jeden, der mal was sucht.

Der Opern- und Konzertführer ist kostenpflichtig. Je Werk sind 1,95 – 7,95 Euro zu bezahlen. Als Zahlungsarten stehen die Sofortüberweisung, PayPal oder Kreditkarte zur Auswahl. Damit man nicht blind kaufen muss, bietet der Verlag eine handvoll Beispieltexte an. Leider sind auch diese gekürzt, so dass man letzten Endes nicht wirklich einschätzen kann, wie viel man für sein Geld tatsächlich bekommt. Ein Blick in die Beispieltexte zeigt zudem, dass die Beiträge nicht gleichartig aufgebaut sind. Einige haben zu Beginn eine Art „Steckbrief“ des Werkes mit Entstehungszeit, Erstaufführung, Erstdruck und anderen Daten. Leider ist das nicht bei allen Texten der Fall. Den Autor einer Werkbeschreibung findet man, wenn man das einzelne Werk anklickt, dort ist dann auch die Länge des Textes angegeben. Die Texte werden als pdf-Dateien angeboten, in den Beispieltexten finden sich keine Verlinkungen zu anderen Online-Inhalten.

Ich habe mal einige der angebotenen Titel in Google eingegeben. Zu ca. 80-90% der Werke finden sich eigene Wikipedia-Artikel. Dort gibt es ein vorgegebenes Format für die Darstellungen. Die Ausführungen sind nicht immer seitenlang, dafür aber verlinkt mit weiteren Quellen. Zu den wenigen Werken, zu denen Wikipedia nichts im Angebot hatte, gab es andere Suchergebnisse, beispielsweise von Opernhäusern etc.

Nun frage ich mich, für wen ist dieses Angebot interessant? Dem Otto Normalverbraucher werden für den Besuch eines Konzertes oder einer Oper vermutlich die freien Informationen aus dem Internet genügen. In Beschreibungstiefe und Stilistik sind die Beispieltexte eher für einen Musikwissenschaftler von Interesse, eventuell auch für einen Ausführenden, der zunächst eine Analyse des Werkes seiner Erarbeitung zugrunde legen möchte. Auch die teilweise recht exotischen Werke, die Laaber im Portal anbietet, sprechen für diesen Kundenkreis. Musikwissenschaftler verfügen sicherlich zuhause über eine gut ausgestattete Bibliothek zu ihrem Fachgebiet. Wird sich ein Spezialist also diese Artikel herunterladen? Ich würde vermuten, dass diese Sparte im Portal Schwierigkeiten hinsichtlich des Absatzes haben wird. Zumal ich die Beispieltexte im Schriftsatz relativ unangenehm zu lesen empfand.

Im Bereich der Komponisten-Chroniken fällt zunächst auf, dass noch relativ wenige Namen mit Inhalten verknüpft sind. Die beiden als Beispiele angebotenen Texte zu Brahms und Verdi zeigen den prinzipiellen Aufbau. Die Zwischenüberschriften bezeichnen Jahre, zu denen dann in Spiegelstrichen Ereignisse beschrieben werden. Trotz des prinzipiell gleichartigen Aufbaus unterscheiden sich die beiden Beispiele erheblich in der Beschreibungstiefe. Verdi ist eher Stichwortartig beschrieben, bei Brahms finden sich ausformulierte Texte. In beiden Fällen werden auch wesentliche Ereignisse der Zeitgeschichte in die Darstellung aufgenommen, ebenso wie Uraufführungen und Ausgaben wesentlicher Werke der Zeit. Das finde ich eine gute Herangehensweise.

Für Komponisten-Chroniken werden anscheinend durchgängig 7,95 Euro verlangt. Die Detailansicht gibt den Umfang in Seiten und den Autor an. Aktuell werden erst acht Chroniken angeboten, die verfügbaren Namen sind lauter große, zu denen sich umfangreiche Informationen frei im Internet finden lassen (z. B. auf flutepage :)).

Die Stärke dieses Angebots sehe ich daher in der Tat in der Verknüpfung mit dem Zeitgeschehen. Allerdings würde mir das nicht reichen, um dafür fast acht Euro zu investieren. Vielleicht wäre es ein kluger Schachzug, sich hier auf Exoten zu stürzen, die ansonsten kaum im Netz zu finden sind.

Im Bereich Musiktheorie online werden alle Ausgaben der gleichnamigen Zeitschrift ab 2006 zum Download angeboten. Eine Ausgabe ist zum Preis von 23,80 Euro zu bekommen. Bei manchen Ausgaben können auch einzelne Artikel für 7 Euro heruntergeladen werden. Für die Auswahl des gewünschten Artikels oder einer ganzen Ausgabe sind jeweils Vorwort und Inhaltsverzeichnis frei einzusehen.

Der Preis für das Einzelheft im Download ist identisch mit dem auf der Verlagsseite ausgewiesenen für die Printversion. Ob bei Kauf einer Printausgabe auch Versandkosten anfallen, konnte ich der Verlagsseite nicht entnehmen. Nun ist es Geschmacksache, ob man lieber was in der Hand hält oder auf dem Bildschirm liest und dafür eine Suchfunktion hat. Ich finde es ungewöhnlich, für beide Formate den gleichen Preis zu verlangen. Ich würde den Download günstiger erwarten, da kein Aufwand in Abhängigkeit der Anzahl der verkauften Ausgaben für Druck, Papier etc. anfällt.

Alles in allem finde ich es legitim und zeitgemäß für einen Verlag, die Onlinemedien als Vertriebsweg zu nutzen. Ob dieses spezifische Angebot jedoch einschlagen wird, wage ich nach einem ersten Blick darauf zu bezweifeln. Es gibt im Bereich Musik einfach sehr viel freie Information, weil das Thema eben vielen eine Herzensangelegenheit ist und im Rahmen des Hobbies auch publizier wird (so ist das bei mir ja auch).

Rechtzeitig für 2011 findet Ihr nun auch die Trillergriffe als pdf zum Runterladen.

Ich wünsche Euch allen ein glückliches, gesundes und mit Musik erfülltes 2011 mit viel Freude am Flöte Spielen.

Besucht mich mal wieder und hinterlaßt gerne Eure Meinung hier oder im Forum.

Ich danke Euch für viele Mails und Nachrichten und freue mich auf weitere Jahre!

Claudia

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