Die Wahl der richtigen Flöte – ein Erfahrungsbericht

Seit gut einem Jahr gebe ich wieder Unterricht. Zwei relative Anfänger wurden damals sozusagen Flöten technisch obdachlos, da ihre Lehrerin nicht weiter unterrichten konnte oder wollte. Da bin ich eingesprungen (ich finde, jeder sollte die Chance haben, das Instrument seiner Wahl zu lernen). Die Große von beiden (ca. 13 Jahre) spielt inzwischen knapp 4 Jahre und hatte bis Ende letzten Jahres ein relativ altes Instrument von Ihrem Großvater. Yamaha-Flöte mit Silberkopf. Leider schwächelte die Flöte zunächst mit geschrumpftem Kork, der ständig verrutschte, dann mit echten Ausfallerscheinungen, die eine Generalüberholung mit Kosten von gut 500 Euro erforderlich gemacht hätten. Zunächst konnten wir das Problem mit meiner alten Flöte überbrücken, aber eine echte Lösung war gefragt. Daher ging es dann gestern zur österlichen Flötenwahl.

Ich zähle mich seit ca. anderthalb Jahren zu den Fans des Angebots und der Beratung von Flutissimo, daher lag es nah, zunächst dort mal zu sehen, was denn so in Frage kommen könnte. Wir liefen also 4 Mann hoch in Sankt Augustin (der Zentrale) auf: die Eltern, die Flötistin und ich als beratende Lehrerin. Die Hausaufgabe bei Vereinbarung des Termins lautete für die Eltern, ein Limit festzusetzen. Sehr sinnvoll. So vermeidet man eine heiße Liebe zu einem unbezahlbaren Instrument (sowas hat schon manchen in meinem Umfeld Jahre lang verfolgt). Die Grundfrage war: Anfängerflöte oder Instrument mit Silberkopf. Die Wahl fiel auf letztere Kategorie mit einem geschätzten Preisbereich von 900-1600 Euro. Das familiäre Limit wurde in Etwa in der Mitte mit 1300 Euro festgelegt.

Nun konnte also aufgetischt werden. Flutissimo hatte in diesem Preisbereich ca. 12 Flöten (ich habe nicht gezählt, könnten auch etwas mehr oder weniger gewesen sein) unterschiedlicher Hersteller und Modelle anzubieten. Alle mit Ringklappen, E-Mechanik und Offline-Mechanik (so muss es sein). Zwei davon mit H-Fuß und eine (Altus/Azumi) mit einer Silber-Mundlochplatte statt einem Silberkopf (Altus ist immer etwas teurer, hat aber auch einen wirklich vollen, warmen Klang).

Meine arme Flötenschülerin sollte nun ausprobieren und man konnte ihr (ausgeprägt schüchtern) ansehen, wie unwohl ihr war angesichts der vier Zuhörer und der Frage: was soll ich bloß spielen, wie geht so was? Und ab hier profitierten wir alle von der jahrelangen Erfahrungen des Hausherrn. Bernd nahm die Zügel in die Hand und führte ab hier souverän Regie (nachdem er sich selbstverständlich vorher über Vorlieben, Interessen und Fragen informiert hatte, aber hier gab es keine Vorüberlegungen). Die Testerin startete also in der tiefen Lage mit einfachen Tonfolgen (Tonleiter von g1-d2).  Die Unterschiede in Ansprache und Klangqualität waren absolut frappierend. Keiner von uns wusste, was sie gerade für ein Instrument spielte, das war auch nicht wichtig. Wir alle konnten aber trotz vorlaufender diesbezüglicher Skepsis der Eltern, deutlich hören, welche Instrumente spontan spielten und bei welchen Anstrengung erforderlich war. Auch die Klangqualität war sehr verschieden.

Nach der tiefen Lage folgte die mittlere (e2-g2) und dann die hohe (d3-f3). In jeder Runde disqualifizierte sich das eine oder andere Modell. Am Ende blieben vier, die dann noch an der von flutissimo aufgelegten Literatur (ein Gospel) getestet wurden. Die bei den Einzeltönen durch mehr Klangvolumen vorne liegenden Flöten wurden hier von ihren Konkurrenten abgeschlagen. Die Sprünge innerhalb der Melodie waren mit zwei anderen Modellen einfacher zu spielen. Am Ende stand eine Flöte der Marke Anthem (hatte ich noch nie gehört, ist eine Gründung ehemaliger Powell-Mitarbeiter, die sich auf Schülerinstrumente spezialisiert haben). Der Preis: 980 Euro (also weit unter dem Limit). Das war eindeutig, die für meine Schülerin am leichtesten spielbare Flöte.

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