Die vielen Jahre, in denen ich Flötenunterricht genommen und die wenigen, in denen ich auch welchen gegeben habe, haben mir sehr eindrücklich gezeigt, wie wichtig die richtigen Bilder sind. Der Lernprozess beim Flötespielen beginnt meiner Meinung nach mit einer richtigen Zielvorstellung, dem korrekten Gedanken sozusagen. Diese Zielvorstellung wird durch Worte hervorgerufen. Wahlweise kann ein Lehrer (oder auch Dirigent) dabei „technisch“ bzw. „physiologisch“ beschreiben oder aber auch „bildlich“. Ich glaube, die bildliche Beschreibung ist insbesondere bei Anfängern und bei nicht so sehr reflektierten Musikern die beste. Das heißt, man beschreibt beispielsweise eine Klangvorstellung (majestätisch… stelle Dir einen schreitenden König mit Krone und Mantel vor oder weich und zärtlich, wie das Fell einer Katze). Nach allem, was ich über das Gehirn weiß, ist diese bildhafte Arbeitsweise auch dem menschlichen Denken näher als die Abstraktion, die immer ein paar weitere Verarbeitungsschritte erforderlich macht.
In der technisch-physiologischen Sprachführung würde ein Lehrer vielleicht sagen: spiele mit härterem Stoss, kürzere Töne, lauter, betonter. Das ist recht abstrakt. Noch schwieriger wird es, wenn die Anweisung lautet: die Spitze der Zunge muss am Gaumen direkt hinter den Zähnen berühren. Solche Anweisungen lenken leicht von der Musik ab und führen auch zu Verkrampfung, weil man dann ganz auf den in der Anweisung genannten Körperteil fixiert ist.
Die Definition der Zielsetzung direkt klanglich zu definieren birgt den Vorteil, dass der Musizierende zur Kontrolle hören muss, was leider keine Selbstverständlichkeit ist.
Die Aufgabe eines Lehrer ist es, für jeden Schüler die passenden Bilder zu finden. Jeder ist da anders und eine Vorstellung, die dem einen hilft, mag einem anderen ganz fremd sein.
Irgendwann wird man durch diese Vorstellung, indem man an sie denkt während man spielt, zu einem neuen Spielgefühl gelangen. Wenn der Erfolg sich einstellt, so kann man im nächsten Schritt des Lernprozesses versuchen, das Spielgefühl des richtigen Ergebnisses abzuspeichern. Der Gedanke wird dann irgendwann überflüssig und nur die Spielsituation intuitiv nachempfunden. Bei falsch gelernten Arbeitsweisen muss dieser Prozess wieder umgekehrt werden. Das heißt, automatische Abläufe müssen bewusst gemacht werden, dann durch neue Zielgedanken ersetzt und später wieder automatisiert werden. Ganz schön viele Schritte, die viel Zeit benötigen. Auch das ist ein Argument für qualifizierten Unterricht.