Die Berliner Philharmoniker – eine Biografie und hier auch eine Buchbesprechung

Diese erste Biographie eines ganzen Kollektivs – eines Orchesters – die ich je gelesen habe, wurde von Herbert Haffner verfasst. Der ist laut Klappentext kein Berliner sondern lebt in Freiburg. Das Buch ist im Schott-Verlag erschienen und liegt mir als Hardcover-Ausgabe mit einem schönen Foto-Schutzumschlag vor. Das Cover zeigt zum einen das Orchester auf der Bühne der Berliner Philharmonie, darunter außerdem eine Außenansicht des Gebäudes.  Auf 336 Seiten in ca. DIN A 5 Format wird in acht Kapiteln die Geschichte des Orchesters erzählt. Abgerundet wird die Darstellung durch ein Personenregister und ein Literaturverzeichnis. Bildnachweis und Danksagung dagegen sind eher technische Details.

Wie schreibt man die Biographie eines Orchesters? Vermutlich gäbe es dazu verschiedene denkbare Ansätze. Haffner gliedert nicht überraschend nach den Chefdirigenten, so dass sich folgende Kapitel ergeben:

Beschrieben wird jeweils, wie es zu der jeweiligen Besetzung des Postens kam, eine kurze Biographie des jeweiligen Dirigenten ist obligatorisch, dazu kommen Informationen zu Vertragsbedingungen, Besetzungen des Managements und des Orchestervorstands, wirtschaftliche Randbedingungen, Gastdirigate, Beschreibung der Programme, wesentlicher Auftritte und Tourneen sowie Platten-, Film- und Fernsehaufnahmen. Dazwischen mischen sich politische Entwicklungen, die Einfluss auf den Verlauf des Orchesterlebens hatten (Kriege, Mauerfall, Nazi-Herrschaft etc.). Auch einige Anekdoten von betrunkenen Musikern, Unfällen und ähnlichem sind eingewoben.

Insgesamt liest sich diese Mischung recht unterhaltsam. Allerdings empfand ich die Auflistungen von Konzerten, Programmen und Dirigenten zeitweise verwirrend und ermüdend. Hier ein Beispiel von sehr, sehr vielen:

„Ungeachtet der politischen Situation kommt ab 1936 Karl Böhm als neuer Plattendirigent hinzu, dessen erste Aufnahme Otto Nicolais Ouvertüre zu Die lustigen Weiber von Windsor gilt. Schuricht spielt Beethoven und Bruckner ein, und am 10. Mai 1938 schließt der junge Karajan einen Plattenvertrag ab. Mit den Philharmonikern bannt er die Ouvertüre zu Mozarts Zauberflöte sowie Tschaikowskys Pathétique in Schellack. De Sabata spielt seine viel beachteten Werke von Brahms und Ottorino respighi ein, und im November 1937 nimmt sich Beecham mit den Philharmonikern gar die (noch heute geschätzte) Gesamtaufnahme von Mozarts Zauberflöte vor.“

Ca. jede zweite Seite solche und ähnliche Absätze…. da bleibt bei mir aber auch gar nix hängen.

Recht anschaulich fand die Darstellung der Arbeitsweise und des Führungsstils der jeweiligen Chefs. Ich habe mich nie sonderlich für Dirigenten interessiert, daher war hier vieles bis alles neu für mich. Dass Karajan beispielsweise wenig Uraufführungen gespielt und eher konservative Programme bevorzugt hat, wie Furtwängler sich im dritten Reich anstellte oder dass Sir Simon Rattle Schlagzeug studiert hat.

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