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Schmerzen

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Uff….. irgendwann vor Wochen habe ich  auf 3sat aus der Reihe Giganten eine Folge über Beethoven aufgenommen. Mir war die Serie an sich nicht bekannt und ich habe auch in der Beschreibung gelesen, dass Beethoven von Uwe Ochsenknecht gespielt wird. Und dennoch konnte mich nichts auf diesen Schreck vorbereiten….. für mich geht das gar nicht. Ochsenknecht als Beethoven. Passt nicht, geht nicht, überzeugt nicht…… aua…..

Ich finde generell diese Architektur von Sendungen, in denen Filmbeiträge von Meinungen irgendwelcher Promis unterbrochen werden eher fragwürdig und oft nervig. In diesem Fall sprechen die Mutter, Masur, ein Pharmakologe (Namen vergessen, sprach über Schriftbild Beethovens) und Klaus Maria Brandauer? Warum denn der? Fachleute mag ich schon hören, aber was macht Brandauer zum Beethoven-Fachmann?

Und Ochsenknecht nimmt man einfach die Granteligkeit nicht ab, den Unmut, die Schwere, das Leid, das Außenseitertum. Schlechtes Casting…..

Widersprecht mir, wenn Ihr es gesehen und es Euch gefallen hat…. ich bin verwundert. Besser ein unbekanntes Gesicht für so eine Rolle.

Gestern war der 300. Geburtstag von Friedrich dem Großen. Und gestern war Pahud in der Kölner Philharmonie und zwar zusammen mit der Kammerakademie Potsdam und Trevor Pinnock. Das ist exakt die Besetzung, die auf der aktuell so heftig beworbenen neuen CD Flötenkönig zu hören ist.

Das Programm des Abends war denn auch eine Hommage an den musikalischen Hof Friedrichs, zu hören waren Werke von Carl Philipp Emanuel Bach, Franz Benda und Johann Joachim Quantz. Eingerahmt wurde dieses Sanssouci-Programm durch zwei Werke von Haydn.

Die Stückauswahl hatte uns ein bisschen verwundert, hätte es doch nahe gelegen, an seinem Ehrentag auch ein Werk des Königs erklingen zu lassen. Aber schließlich kam es auch so, denn die Zugabe Pahuds war der dritte Satz aus Friedrichs C-Dur-Konzert.

Die Philharmonie war, wie nicht anders zu erwarten, recht gut gefüllt. Das Publikum war eine interessante Mischung des üblichen dem Rentenalter nahen Konzertpublikums, einiger Schulklassen (vermute ich) und nach meiner Einschätzung einer nennenswerten Anzahl Flöte spielender Teenager, Frauen, Kinder, Männer.  Spürbar wurde die Mischung mit offensichtlich größeren Anteilen wenig Konzert erfahrener Besucher, als bei beinahe jedem Werk zwischen den Sätzen geklatscht wurde.

Nun kenne ich von anderen die Meinung, dass es doch egal sei, dass man klatschen soll, wenn einem etwas gefällt.  Ich bin da anderer Ansicht und zwar deswegen, weil man deutlich spüren kann, wie sehr das Klatschen zwischen den Sätzen die Musiker irritiert, es unterbricht den Fluss der Musik, den Spannungsbogen zwischen den Sätzen. Die Sätze sind schließlich durch einen inneren Zusammenhang verbunden. Es wäre also wirklich schön, wenn das Publikum dieses Konzentrationsbedürfnis, die Empfindung der Musiker, ein zusammengehörendes Werk aufzuführen, berücksichtigen würde. Mehr noch, als Hörer sollte man sich selbst darauf einlassen. Das kennt jeder, der öfter klassische Musik hört. Am Ende eines Satzes erwartet man bereits den Klang des Anfangs des nächsten. Ich möchte das mal mit einem guten Essen vergleichen. Ein gutes Gericht ergibt sich aus der Mischung der einzelnen Geschmacksrichtungen. Ein leckeres Stück Fleisch, etwas Gemüse, eine Soße. Man schiebt alles nacheinander in den Mund und genießt den Geschmack jedes einzelnen, woraus sich ein wunderbares Ganzes entwickelt. So ist es auch bei mehrsätzigen Werken, bei denen beispielsweise ein fröhlicher erster Satz in schnellem Tempo auf einen melancholischen langsamen folgt und dann vielleicht von einem furiosen Finale gefolgt wird. So stellt sich ein Gleichgewicht ein, die verschiedensten Bedürfnisse werden befriedigt, verschiedene Gefühle angesprochen. Der Applaus dazwischen kann den Genuss nur reduzieren. Was er im übrigen auch gestern tat, leider.

Zurück zum gestrigen Abend. Das Orchester spielte im Stehen. Ein zunächst sehr ungewohnter Anblick. Der Abend zeigte aber, wie viel Dynamik sich aus dem stehend Spielen ergab. Wenn ich recht gezählt habe, standen da 10 Geiger, drei Bratschen, zwei Kontrabassisten und je nach Werk zwei Flötistinnen, zwei Oboisten,  zwei Fagottisten, zwei Trompeter und zwei Hornisten. Und je nach Charaktertyp  und Musik standen sie eben nicht, sondern tanzten beinahe. Insbesondere der junge Konzertmeister lebte diese Musik, er animierte seine Mitmusiker, sprang sie teilweise geradezu an.

Ein frappierendes Beispiel waren die Synkopen der ersten Geige gleich zu Beginn des ersten Satzes der Sinfonia von Carl Philipp Emanuel Bach. Die Synkopen waren eine Provokation an den Rest des Orchesters. Und der Konzertmeister trat auf die anderen zu wie ein Grundschulkind, das immer wieder einen Schritt nach vorne tut, um den anderen ein “Ätschbätsch” zu zu werfen. Foppen nennt man so etwas. Es war eine wahre Freude ihm zuzusehen und zuzuhören. Das Zusammenspiel profitierte ungemein von diesem stehend Spielen, das ein ganz eigenes Schwingen erzeugte.

Bemerkenswert war auch der Einsatz von Naturhörnern und -trompeten. Ein sehr feiner Klang. Ich habe nicht ganz verstanden, warum das Blech auf solchen “alten” Instrumenten spielte, das Holz aber auf modernen.

Vor dem Orchester stand Trevor Pinnock am Cembalo. Im Programm wurde er als Dirigent bezeichnet. Dirigiert hat er aber ausgesprochen wenig. Er hat musiziert und wenn das Cembalo nichts zu tun hatte, legte er seine Hände links und rechts auf dem Cembalo ab. Er war mehr wie ein weiterer Kristallisationspunkt für die anderen, neben dem des Konzertmeisters (der in der Tat manchmal mehr Einfluss zu haben schien als Pinnock).

Nun zum erwarteten Hauptakteur des Abends, Emmanuel Pahud. Auftritt im Smoking (Jacke und Hose) mit schwarzem T-Shirt. Der gewohnt federnde Schritt auf die Bühne, Spiel von Noten und auch hier, das mir von ihm schon wohl bekannte Tänzeln. Weniger bekannt war mir aus anderen Konzerten das “Taktschlagen” mit dem Fuss, das vielleicht gar keines war. Es ergab sich teils aus den “Tanzschritten”, teils wirkte es wie ein ungeduldiges Anmahnen, schneller zu spielen.  Jede lange Phrase war frühzeitig am Atemholen mit weit geöffnetem Mund zu erkennen. Insgesamt zeichnet sich Pahuds Spiel immer wieder durch eine ausgeprägte Körperlichkeit, ein Spiel mit dem ganzen Körper, unter vollem Einsatz und mit einer sichtbaren elastischen Körperspannung, der eines Balletttänzers vergleichbar, aus.

Gleich der Beginn des ersten Flötenkonzertes, Quantz G-Dur, offenbarte den unglaublichen Ton in der Tiefe. Ein eindrucksvoller Einstieg des Solisten. Dieses Konzert war eines der ersten, die ich auf Schallplatte hatte (die LP hieß: Flötenkonzert auf Sanssouci) und zu dem ich mir auch die Noten besorgte und versuchte, mit der Aufnahme mitzuspielen. Im gestrigen Konzert wurde mir erst bewusst, wie tief sich diese Musik in mein Gedächtnis eingegraben hatte. Jede zusätzliche Verzierung Pahuds liess mich aufschrecken. Gleichzeitig erschien mir aus dem Gedächtnis die Musik gestern viel leichtfüssiger, tänzerischer und eleganter.

Pinnock schien den ganzen Abend über die Intention und Agogik des Solisten geradezu zu wittern. Pahud flirtete mit dem Orchester, man beflügelte sich wechselseitig, kurz: es war ein Genuss.

“Empfindsamer Stil”. Das war zu sehen und zu hören. Lebendige Musik, vielleicht beschreibt das den Abend am besten. Ein Genuss, der nur durch meine hartnäckige Erkältung und die Notwendigkeit unablässig Hustenbonbons zu lutschen und das wie oft in Köln nach der Uhr aufbrechende Publikum, das bereits zehn Minuten nach zehn mitten im Konzert in Scharen den Saal zu verlassen begann, getrübt wurde. Anschließend dann mit wund gelutschter Zunge nach Hause.

Dieses Konzert heute morgen war ein echtes kleines Ereignis. Glück hatte, wer noch rein kam, ohne vorher reserviert zu hatten. Ausverkauft bis auf den letzten Platz und noch darüber hinaus, es wurden zusätzliche Stühle an den Seiten aufgestellt.

Der helle freundliche Raum in der ServiceResidenz im Bensberger Schloss bot die perfekte Kulisse für ein wunderschönes Konzert. Sheila Arnold am Hammerklavier und Michael Faust auf einem Lot-Flöten-Nachbau (Böhmsystem) der Firma Brannen. Der im ersten Moment für den modernen Hörer ungewohnte, etwas leisere, sanftere Klang der beiden Instrumente wurde in kürzester Zeit zur Gewohnheit und harmonierte perfekt.

Auf dem Programm standen als bekannte Namen Schubert und Böhm, daneben der etwas unbekanntere Ferdinand Ries und der mir völlig neue Wilhelm Wilms. Beide in etwa Zeitgenossen Beethovens und beide aus der Region. Detaillierte Informationen zu Komponisten und Werken finden sich bei Dr. Wieners.

Der Vormittag begann gleich aufregend. Während der ersten Töne des Flötisten ertönte vom Klavier (das von meiner Position schwer einzusehen war) Geraschel. Es gab wohl Probleme beim Umblättern. Faust brach völlig souverän ab und man begann mit einem Lächeln von Neuem. Nach diesem ersten Programmpunkt wurde die Ursache offenbar, die junge Dame, die geblättert hatte, war spontan eingesprungen, da die Erstbesetzung für diesen schwierigen Job, nicht rechtzeitig eintraf (die Räumlichkeiten waren nicht von der Tiefgarage kommend wohl nicht so einfach zu finden). Natürlich gab es für diesen Ersthelfer-Einsatz auch den entsprechenden Applaus. Ich glaube, ich hätte mich das gar nicht getraut.

Beim dritten Programmpunkt setzte das Klavier an, der Flötist blickte etwas irritiert und schon nach kaum einem Takt wurde wiederum abgebrochen. Auf dem Pult lag das falsche Stück, wenn auch vom richtigen Komponisten. Zudem wurde der Solist an zwei, drei Stellen von kurzem Husten geplagt. Alles in allem also etwas erschwerte Bedingungen, die wohl manche weniger routinierte und professionelle Musiker aus dem Tritt hätten bringen können.

Nicht so bei diesem Duo, das das gemeinsame Spiel schlicht zu genießen schien. Musikalisch wurde geflirtet, dazwischen auch mit Blicken das Publikum in die Kommunikatione mit einbezogen. Der Solist sang Passagen des Klaviers stumm mit und lebte die Musik auch in Gestik und Mimik voll aus. Schauspiel und Entertainment eben so sehr, wie musikalische Meisterleistung.

Was sich aufgrund der überdurchschnittlichen Zahl von kleinen Pannen vielleicht nach einem etwas chaotischen Morgen anhört, war der reine Genuss. Beide Musiker brillierten mit technisch perfektem Spiel und musikalischem Ausdruck vom Feinsten. So drückte sich die Professionalität nicht alleine in der Perfektion aus, sondern vor allem in der Bereitschaft an die Grenzen zu gehen. Unfassbar leise, sehr laut, ins Unendliche gedehnte Schlussphrasen am Klavier, die einen den Atem anhalten ließen.  Das Wagnis verlangte gelegentlich Tribut, wenn die Flöte nicht auf Anhieb sondern erst durch Korrektur die Intonation erwischte, ein Ton nicht ansprach oder beide rhythmisch nicht 100%ig zusammen kamen. Diese Feinheiten störten jedoch zu keinem Zeitpunkt sondern trugen nur zu dem lebhaften Eindruck bei, der den Zuhörer Zeit und Raum vergessen lassen konnte. Ein Rundum-Genuß gekrönt durch die vom Solisten auswendig vorgetragenen Variationen über “Trockne Blumen”. Man fragt sich, ob ohne die offensichtliche Erkältung von Michael Faust, das ganze noch besser hätte werden können.

Vielen Dank! Da bin ich wirklich froh, dass ich mich aufraffen konnte, an einem Sonntag meinen Wecker zu stellen um mich in Richtung Bergisches zu bewegen.

Am Ende eines wirklichen langen Tages möchte ich kurz berichten, wie es war, beim Workshop für Musik-Kinesiologie der DGfF im Hochschen Konservatorium in Frankfurt.

Los ging es um 10 Uhr. Leider ohne mich…. eine Viertel Stunde zu spät und unausgeschlafen. Um sieben raus am Samstag, das war ziemlich heftig für meine Motivation. Glücklicherweise war ich trotz allem nicht die letzte.

Versammelt hatte sich ein bunt gemischtes Trüppchen von Schülern, Studierenden, Studierten und Hobbymusikern. Sogar eine Geigerin und Blockflötist gesellten sich dazu und gaben dem ganzen einen weniger “inzestuösen” Geschmack. Alles in allem eine gute Mischung lauter sympathischer Menschen, die auch dazu führte, dass während des Tages keine Hemmungen oder peinliche Momente auftraten. Glück gehabt!

Vielleicht das wichtigste für so einen Ein-Tages-Workshop: die Dozentin, Britta Roscher. Ebenfalls eine sehr sympathische Erscheinung, die für den Kurs eine gute Mischung von Theorie und Praxis, einen aufmunternden und frischen Ton und die richtige Ansprache für die durchaus bunte Truppe fand. Auch hier also ein Glücksfall.

Der Kurs begann nach der gegenseitigen Vorstellung der bereits anwesenden Teilnehmer mit einer kurzen Einführung in die Geschichte der Kinesiologie. Dann ging es gleich ziemlich in die vollen. Ein paar Übungen, ein bisschen Erklärung und immer wieder Diskussion, Fragen etc.

Inhaltlich will ich nicht zu vieles aus dem Nähkästchen plaudern, schließlich wäre das auch so was wie eine Copyright-Verletzung. Nur in Kürze mein persönliches Fazit: die vielen Übungen für die Muskeln, die Durchblutung oder um das Hirn dazu zu bringen, seine beiden Hälften zu benutzen, fand ich durchweg überzeugend und interessant und will ich auch auf jeden Fall versuchen in meine Gewohnheiten mit einzubauen.

Zum Thema Noten “bemalen” denke ich, bleibe ich für mich weiterhin bei meiner “Technik”, mir Stichworte einzutragen und Farben eher zum Hervorheben von Auszeichnungen (z. B. Dynamik) zu verwenden. Das liegt aber vor allem daran, dass ich sehr “wortorientiert” bin und mir ein Wort irgendwie mehr sagt als ein Bild (denke ich jedenfalls). Für Schüler glaube ich, ist diese Technik wirklich interessant. Was ich auch probieren will, ist Transparenzpapier über die Noten zu legen. Ich glaube, Farben erzeugen Stimmungen. Allerdings denke ich, nur dann, wenn ich sie sehe und nicht, wenn ich darauf sitze (aber das ist ein Insider).

Besonders interessant ist die Übetechnik mit dem Überkreuzgehen und auch das in die Hocke gehen beim Spielen, dass hörbar das Einatmen verändert. Beides sehr interessant. Für ersteres werde ich das Wohnzimmer entrümpeln müssen und letzteres habe ich auch schon mal in einem anderen Buch gelesen… aber das macht die Anwendung ja eher noch interessanter.

Der Tag wurde abgerundet durch ein nettes und leckeres gemeinsames Mittagessen beim Italiener, interessante Mitteilnehmer und nette Gespräche. All das für 50 Euro, nicht zu verachten.

Ich würde sagen, wenn Wiesbaden nicht so weit wäre, wäre Britta Roscher auch eine interessante Alternative sowohl für Flötenunterricht als auch für Kinesiologie-Stunden. Aber von Köln ist das leider ein wenig weit.

Wer näher dran ist, erfährt weit mehr auf der Homepage www.brittaroscher.de. Übrigens ist sie auch Mitglied des Flötenquartetts verquer. Eine Intensiveinheit, Flöte, Ensemble und Kinesiologie in Italien wäre eine weitere Möglichkeit: vom 11.- bis 16.6.2011 in Italien. Alle Infos dazu beim Veranstalter Cinqueterre Urlaub.

Ein rundum schöner Tag also, aber müde bin ich jetzt trotzdem.

Gestern um 19 Uhr spielte das WSO in der Kölner Philharmonie unter der Leitung von Thierry Fischer ein wunderschönes Programm mit Gustav Mahlers Liedern aus “Des Knaben Wunderhorn”, gesungen von Christian Gerhaher und im zweiten Teil die Bilder einer Ausstellung von Mussorgskij in der Orchestrierung von Ravel.

Die Mahler-Lieder waren ein wirkliches Klangbild. Die Bandbreite der Stimmungen ist unglaublich. Leider hatte ich gelegentlich den Eindruck, dass innerhalb des Orchesters nicht wirklich rhythmische Einigkeit herrschte und die Einsätze etwas kleckerten. Ein totaler Genuss war der Solist. Manche Einsätze kamen  wie aus dem Nichts. Da war plötzlich ein glasklarer Ton, man wusste gar nicht so recht, ob Instrument oder Stimme, aus dem sich dann der Gesang herausentwickelte. Ich wusste gar nicht, dass eine Stimme so klingen kann.

Leider wurde der erste Teil durch die ausgesprochen große Unruhe im Publikum sehr beeinträchtigt. Die Zielgruppe des Abends, die Jugend, war wohl von der Programmauswahl nicht so angetan. Nach jedem Lied wurde geklatscht und ich hatte den Eindruck, man konnte den Musikern, dem Sänger und dem Dirigenten ansehen, wie schwer es war, die Spannung zu halten. Leider schienen die Klatscher das  nicht zu bemerken. Das Übel gipfelte, als einmal an einer leisen Stelle mitten im Stück applaudiert wurde…. ein Tipp: Man muss nur gucken, was der Dirigent macht. Alle Interpreten holen sich Ihren Applaus, wenn sie fertig sind. Sie drehen sich um, sehen ins Publikum und verbeugen sich. Es reicht, wenn man dann anfängt……Auch am Ende konnte man gar nicht wirklich genießen, da sofort Applaus einsetzte. Sehr schade! Zum wirklich in der Musik Versinken, war diese Atmosphäre nicht tauglich. Vielleicht ist auch die gute Akustik in der Philharmonie Teil des Problems. Unterhaltungen während der Musik sind eben leider sehr weit zu hören.

Im zweiten Teil wurde das Publikum ruhiger. Außerdem war die Musik ja glücklicherweise im Schnitt lauter, vielleicht habe ich also die Unruhe auch nur nicht so gut hören können, oder aber die Unruhestifter haben in der Pause das Konzert verlassen. Ich frage mich aber auch, was Kinder im Grundschulalter in so einem Konzert verloren haben? Selbst für Jugendliche ohne entsprechende “Vorkenntnisse” und aktives Interesse ist meiner Meinung nach der Mahler einfach zu viel. Das ist keine leichte Kost und überhaupt fand ich selbst als Jugendliche klassischen Gesang immer eher “unnatürlich”.

Das ganze Konzert dauerte am Ende fast zweieinhalb Stunden. Das lag unter anderem daran, dass die einführenden Texte von Herrn Lengersdorf so lange gedauert haben. Würde es nicht Sinn machen, zu einem Jugendkonzert vielleicht nur ein Werk zu spielen? Dann wäre man zusammen mit den ausführlichen Erläuterungen vielleicht nur bei anderthalb Stunden und die Chance, dass das Publikum “dabeibleibt” wäre viel größer.

Ich bin ein wirklicher Verfechter von einer breiten und frühen Förderung des musikalischen Interesses. Ich denke jedoch, dass ein Konzert, wie das, das ich erleben durfte, keine neuen fleissigen Konzertbesucher und Musikbegeisterten erzeugt. In einem anderen Rahmen wäre der Mahler vermutlich ein einmaliger Genuss gewesen, so ging leider viel verloren. Ich denke, auch für die Musiker war das vermutlich ein eher hartes Brot…… und es steht zu befürchten, dass einige der jungen Gäste so froh waren, dass sie draußen waren, dass sie so schnell kein Konzert mehr hören wollen.

Der Dirigent war übrigens früher mal Flötist…. und er ist sehr sympathisch :) . Ach ja…. und an den Flöten waren diesmal Michael Faust, Martin Becker und Leonie Brockmann.

Unter der Überschrift

Apotheosen der Virtuosität und des Tanzes

fand gestern das zweite Konzert des Deutschlandfunk-Abonnements in Köln statt. Auf der Bühne das WDR Sinfonieorchester mit seinem neuen Chef Jukka-Pekka Saraste.

Los ging es im ausverkauften Haus mit Scherzo fantastique von Strawinsky. Ein Werk, das voller Farben einfach nur Freude machte. Für Flötisten von besonderem Interesse ein vierköpfiger Flötensatz, bei dem zu meiner Überraschung die Altflöten-Passagen von Martin Becker übernommen wurden.  Hans-Martin Müller dafür zeitweise am Piccolo. Neben ihm gewohnt routiniert Leonie Brockmann am Piccolo. Erste Soloflöte der junge Kollege des abwesenden Michael Faust, Jozef Hamernik. Bewusst hatte ich den jungen Mann noch nie gehört und ich habe es genossen. Gelegentlich fand ich, hätte er etwas lauter spielen dürfen, aber das kann auch an unseren Plätzen gelegen haben, die diesbezüglich nicht günstig liegen. So jedenfalls fand ich bei parallelen Passagen ab und an die Oboe etwas dominant. Aber dafür fügt sich Herr Hamernik einfach hervorragend ein.

Ab dem zweiten Programmpunkt, Rachmaninoff‘s erstes Klavierkonzert, dann nur noch zwei Flöten, Hamernik und Brockmann. Damit hatten Müller und Becker einen zeitigen Feierabend. Die Klaviersolistin Valentina Lisitsa sorgte bei ihrem Auftritt bereits für hörbares Raunen. Strohblond, groß und schlank in feuerrotem Kleid mit hinter ihr flatterndem roten Umhang. Sehr eindrucksvoll und irgendwie in dieser strahlenden Jugendlichkeit auch ein wenig überraschend.

Das rote Kleid erwies sich als gute Wahl, so feurig wie die Farbe war auch das Spiel. Mit viel Kraft und nach meinem Empfinden in gutem Zusammenspiel mit dem Orchester fand ich Rachmaninoff wunderbar. Ist es wichtig, ob das Unterhaltungsmusik ist oder was sonst? Ich hatte wunderbare Minuten beim Zuhören und dafür gehe ich ja ins Konzert. Danach entsprechend begeisterter Applaus und eine Solozugabe von Chopin.

Vermutlich waren viele im Konzert gespannt auf den zweiten Akt, Beethovens siebte Sinfonie. Wie würde der neue Chef an Beethoven rangehen? Ich fand, sehr schön. Auswendig dirigierend und sehr beschwingt, mit relativ kleinen Gesten, an denen aber das gesammelte Orchester hing. Wie ein Puppenspieler zauberte jede Handbewegung vollkommen organisch das gewünschte Ergebnis. Ich fand, das wirkte sehr vertraut und sehr natürlich. Hier fielen mir höchstens die Blechbläser ein bisschen negativ auf. Insgesamt fand ich die kurzen Themenköpfe sehr betont. Generell bin ich zwar kein Freund davon, die Klassiker und frühen Romantiker nach den groß orchestrierten Werken ihrer Nachfolger zu hören. Als Freund der dramatischen und dicken Orchesterwerke finde ich das immer etwas schwierig, wieder eine “kleine” Besetzung vor mir zu haben. Aber das ist vermutlich Geschmackssache.

Beim Applaus zeigte sich, dass das Orchester wohl auch sehr zufrieden mit seinem Frontmann ist. Applaus aus den Reihen der Musiker zu frühem Zeitpunkt. Die Sympathie Richtung Pult kann man hören.

Alles in allem für mich ein sehr gelungener Abend. Ich freu mich schon auf meine Brille, dann kann ich auch aus der 26. Reihe wieder etwas erkennen. Aber Hören ist ja das wichtigste und das hat sich definitiv gelohnt. Vielen Dank!

Nun ist es vorbei…. das diesjährige KBO-Projekt (Kreisblasorchester). Gestern war unser Konzert, und ich denke, es war gut. Da ich mitgespielt habe und daher recht beschäftigt war, werde ich nicht mal versuchen, eine Kritik oder auch nur Meinung zum Klang der Musik zu äußern. Dafür kann ich aber darüber schreiben, wie es war zu spielen und auch vorher zu proben:

Es war schön!

Unser lieber Dirigent Ekkehard Feldmann hat es gleich von Beginn (Armenische Tänze) geschafft, alle 70 Mann/Frau zu fesseln, seine Konzentration und Spannung an alle weiterzugeben, Nervosität in Konzentration zu übersetzen. Das ist toll und macht sehr viel Freude. Natürlich gab es auch wackelige Momente. Unsicherheiten und auch Fehler können gar nicht ausbleiben. Aber die musikalische Spannung überwog, die Momente, in denen man den unangenehmen Eindruck hatte, in einer Art Nebel zu schwimmen, waren seltener als die Augenblicke gemeinsamen Musizierens.

Ein schweres Programm und eigentlich viel zu wenige Proben. Kein perfektes, aber ein schönes Konzert und lauter nette Mitmusiker. Was will man da noch mehr?

Darum eine herzliche Einladung: Auch nächstes Jahr wird es ein KBO-Projekt geben. Dann wird Matthias Kiefer die Proben leiten und Ekkehard die Holz-Satzproben übernehmen. Das Programm ist noch nicht bekannt. Aber ganz sicher wird es eine Herausforderung, Proben mit Kaffee- und Kuchenversorgung und ein Benefiz-Konzert mit anschließendem Büffet. Man lernt andere engagierte Musiker kennen und knüpft neue Freundschaften und Kontakte. Die Anmeldephase wird wieder kurz vor den Sommerferien beginnen und die Proben dann nach den Ferien richtig anlaufen….. meldet Euch! Proben finden am Wochenende und in der Regel in Bonn-Duisdorf statt…..

Gestern war es soweit, das erste Konzert unseres Gemeinschaftsabos in der Kölner Philharmonie. Als Auftakt kam schon vor gut zwei Wochen ein Brief, dass aufgrund von Erkrankungen der Dirigent und der Solist ersetzt werden müssten und daher auch ein anderes Programm gespielt würde. Und was für eines!

Als Dirigent konnte Sakari Oramo gewonnen werden, den Klavierpart übernahm Francesco Piemontesi.

Und was war der Programmwechsel für eine Freude. Ligeti wäre uns sonst entgangen und der war einfach zu schön. An den Flöten vielen auf: Natalie Schwaabe mit wunderschönen Solostellen am Piccolo in der ersten Konzerthälfte. Die Soloflöte übernahme Henrik Wiese.

Beide spielten in einem insgesamt sehr überzeugenden Bläsersatz mit sehr vielen wunderbaren solistischen Momenten. Insgesamt brillierte das Orchester. Die erste Hälfte des Programms zeichnete sich durch viel Witz und eine Vielfalt von Klangfarben aus. Sehr, sehr schön und ein echter Muntermacher.

Dass der Dirigent “nur” Vertretung war, war nicht zu bemerken. Einfach perfekt, wie ich fand.

Von unseren hohen Plätzen aus (Block I) empfand ich den Körpereinsatz im Gebläse manchmal als etwas übertrieben, der Ausdruck versöhnte aber, wenn also soviel Action erforderlich ist…. dann bitte weiter so. Herr Wiese war in unserer Ecke an einigen Stellen schon fast zu dominant, die Flöte strahlte ganz vom Restklang separiert durch den Saal.

Das Klavierkonzert im zweiten Teil konnte mich persönlich nicht mehr so begeistern wie Teil eins, aber das kann auch daran gelegen haben, dass ich sehr, sehr müde war. Beethoven vertritt eben auch einen ganz anderen Orchesterstil und die von mir geliebten Bläser-Highlights sind da natürlich in einem Klavierkonzert nicht zu finden.

Alles in allem aber ein sehr gelungener Auftakt der Konzertreihe des Deutschlandfunks, der durch die leicht verlängerte Pause auch sehr entspannt begangen werden konnte. Vielen Dank an alle Mitwirkenden!

Gestern war das letzte Konzert unseres Rundfunkorchester-Abos. Das Orchester des hr mit Matthias Goerne. Eigentlich bin ich kein großer Gesangsfreund. Aber die Abokonzerte haben mir das Orchesterlied nahegebracht. Und die Schubert- und Strauss-Lieder gestern waren ein Traum.
Mit Namen und aktuellen Größen der Szene habe ich mich noch nie ausgekannt. Daher war mir auch Goerne zuvor kein Begriff. Asche auf mein Haupt.
Eine wunderbare Stimme, unglaubliche Spannung. Er lebte die Lieder und ich fand, man konnte seine Körperspannung richtig mitleben.
Das Orchester war gut, gefiel mir aber nicht so gut wie er. Vermutlich ist es aber fast unmöglich, immer leise genug zu begleiten und mit einem so großen Ensemble alle Nuancen eines solchen Vortrags mitzugehen.
Im Programm konnte ich leider nicht für alle Schubert-Lieder entdecken, wer sie orchestriert hat. Ein echtes Manko, wie ich finde. Aber Goerne mit Orchester gerne ganz bald wieder! Vielleicht dann ohne absonderliche Nebengeräusche aus den Publikum…

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