Wer künftig bei der ehemaligen Soloflötistin des WDR studieren möchte, der muß sich in den Süden der Republik begeben. Andrea Lieberknecht wechselt zum Wintersemester von Hannover nach München.
Wer künftig bei der ehemaligen Soloflötistin des WDR studieren möchte, der muß sich in den Süden der Republik begeben. Andrea Lieberknecht wechselt zum Wintersemester von Hannover nach München.
Das Baltic Youth Philharmonic bietet in der Rubrik “Lab” Videos von so genannten Coaching Sessions der verschiedensten Orchesterinstrumente. Unten findet Ihr als Beispiel natürlich das Flöten-Video. Es gibt aber auch Blechbläser, Percussion und vieles mehr. Ein Besuch lohnt sich….
BYP Lab – Alison Mitchell – Coaching Session 2011 from Baltic Youth Philharmonic on Vimeo.
Die vielen Jahre, in denen ich Flötenunterricht genommen und die wenigen, in denen ich auch welchen gegeben habe, haben mir sehr eindrücklich gezeigt, wie wichtig die richtigen Bilder sind. Der Lernprozess beim Flötespielen beginnt meiner Meinung nach mit einer richtigen Zielvorstellung, dem korrekten Gedanken sozusagen. Diese Zielvorstellung wird durch Worte hervorgerufen. Wahlweise kann ein Lehrer (oder auch Dirigent) dabei “technisch” bzw. “physiologisch” beschreiben oder aber auch “bildlich”. Ich glaube, die bildliche Beschreibung ist insbesondere bei Anfängern und bei nicht so sehr reflektierten Musikern die beste. Das heißt, man beschreibt beispielsweise eine Klangvorstellung (majestätisch… stelle Dir einen schreitenden König mit Krone und Mantel vor oder weich und zärtlich, wie das Fell einer Katze). Nach allem, was ich über das Gehirn weiß, ist diese bildhafte Arbeitsweise auch dem menschlichen Denken näher als die Abstraktion, die immer ein paar weitere Verarbeitungsschritte erforderlich macht.
In der technisch-physiologischen Sprachführung würde ein Lehrer vielleicht sagen: spiele mit härterem Stoss, kürzere Töne, lauter, betonter. Das ist recht abstrakt. Noch schwieriger wird es, wenn die Anweisung lautet: die Spitze der Zunge muss am Gaumen direkt hinter den Zähnen berühren. Solche Anweisungen lenken leicht von der Musik ab und führen auch zu Verkrampfung, weil man dann ganz auf den in der Anweisung genannten Körperteil fixiert ist.
Die Definition der Zielsetzung direkt klanglich zu definieren birgt den Vorteil, dass der Musizierende zur Kontrolle hören muss, was leider keine Selbstverständlichkeit ist.
Die Aufgabe eines Lehrer ist es, für jeden Schüler die passenden Bilder zu finden. Jeder ist da anders und eine Vorstellung, die dem einen hilft, mag einem anderen ganz fremd sein.
Irgendwann wird man durch diese Vorstellung, indem man an sie denkt während man spielt, zu einem neuen Spielgefühl gelangen. Wenn der Erfolg sich einstellt, so kann man im nächsten Schritt des Lernprozesses versuchen, das Spielgefühl des richtigen Ergebnisses abzuspeichern. Der Gedanke wird dann irgendwann überflüssig und nur die Spielsituation intuitiv nachempfunden. Bei falsch gelernten Arbeitsweisen muss dieser Prozess wieder umgekehrt werden. Das heißt, automatische Abläufe müssen bewusst gemacht werden, dann durch neue Zielgedanken ersetzt und später wieder automatisiert werden. Ganz schön viele Schritte, die viel Zeit benötigen. Auch das ist ein Argument für qualifizierten Unterricht.
Derzeit lese ich das kleine Büchlein Über Brahms. Darin finden sich auch Zeitzeugnisse von Klavierschülern des Meisters. Ich fand die Beschreibung seines Unterrichts sehr interessant. Beide von mir bisher gelesenen Berichte beschreiben seine Betonung des Musikalischen, die Überzeugung, dass Technik nur das Mittel ist, um die musikalische und gefühlsmäßige Aussage des Komponisten zu vermitteln. Eigentlich sollte das selbstverständlich sein, aber häufig verliert man dieses Ziel des musikalischen Musizierens vor lauter Üben aus den Augen.
Ich denke, die Faszination bei dem Matinee-Konzert von letzter Woche, beruhte genau darauf. Technik nicht zum “Angeben”, nicht als Selbstzweck sondern eingebunden in eine tiefe musikalische Darbietung. Die Technik ist das Werkzeug, die Musik das Ziel. Vielleicht muss man daran einfach noch öfter erinnern. Noch mehr auf die Ohren als Kontrollinstanz verweisen, nicht auf das Metronom. Noch mehr bei jedem Ton daran denken, dass jeder einzelne Ton gestaltet sein will, jeder einzelne ein Ziel hat, eine Richtung auf die er hinzielt….. Ich glaube ja daran, dass die richtigen Gedanken schon viel bewirken. So wie Fussballer oder Tennisspieler immer von der “mentalen Stärke” und “mentalen Einstellung” sprechen, so können wir vielleicht durch die Konzentration auf das “Gestalten” auch dahin kommen, dass die Musik lebendiger, farbiger und spannender wird…. ich werde das weiter ausprobieren. Und berichten….
Und anfangs ist das gar nicht so einfach mit dem “Lehrersein”. Darum gibt es auch dafür einen passenden Kurs (und das ist gut so). Wer so was belegt der zeigt auf jeden Fall, dass ihm auch die Verantwortung beim Unterricht geben bewusst ist:
Was?
“Querflötenmethodik für Berufseinsteiger” – Lehrerworkshop (für Berufsanfänger, die anfangen wollen, Flöte zu unterrichten)
Wo?
Flötenschule Vielfalt, Haafstr. 3, Würzburg (siehe Plan unten)
Wann?
am 26. März 2011, ca. 10 -17 Uhr (Zugverbindungen werden berücksichtigt)
Kosten?
50 Euro
Anmeldung bei der Flötenschule Vielfalt (mail@vielfalt.biz; 0931/9916269)
Ja, das gibt es tatsächlich. Bin selbst ein wenig überrascht, aber seit meiner letzten Unterrichtsstunde sitze ich tagsüber in meinem Büro und denke mit Sehnsucht ans abendliche Flöte üben. Und wenn ich dann abends nach Hause komme, dann bin ich müde und knochenlahm und habe eigentlich gar keine Lust mehr. Die ersten fünf Minuten…. und dann stehe ich plötzlich doch am Notenpult und spiele. Und das ist…… wunderbar!
Woher das kommt? Wie gesagt, von meiner letzten Unterrichtsstunde. Gute Hausaufgaben. Tonübungen, bei denen ich den Erfolg spüren kann und deren korrekte Ausführung ich gut kontrollieren kann. Übungen, die mich tatsächlich weiterbringen. Und dazu noch zwei neue Stücke. Beide machbar und beide mit ein paar Ecken und Kanten zum daran herumbasteln.
Sprich, das Geheimnis meiner Übefreude ist…… ein guter Lehrer. Der richtige Lehrer? Danke von hier aus
Naja, und die anderen Gründe sind nette Mitmusiker, Proben in wunderbaren Besetzungen. Immer wieder neue Leute, die genauso viel Spaß daran haben wie ich. Blasende und streichende Menschen der unterschiedlichsten Fähigkeiten, Begabungen und Altersstufen.
…. uh, jetzt werde ich sentimental. Die, die gemeint sind, die wissen das jetzt. Und ich höre wohl besser auf.
Wie schon häufiger angemerkt bin ich ein absoluter Verfechter von Unterricht. Dennoch besteht immer das Risiko, durch einen schlechten Lehrer mehr kaputt zu machen als Freude am Instrument zu wecken. Woran erkennt man also einen guten Lehrer?
Ich denke, es gibt verschiedene Arten von “guten” bzw. “schlechten” Lehrern. Zum einen gibt es natürlich Fälle, in denen ein Lehrer selbst nicht spielen kann oder zumindestens nicht gut. Es gibt Lehrer, die falsches lehren. Das ist in jedem Fall natürlich von Übel. Daneben gibt es aber auch Lehrer, die sehr gut spielen, es aber nicht vermitteln können. Entweder, weil ihnen hierfür passende Worte, Techniken und Bilder fehlen, oder weil sie kein wirkliches Interesse daran haben. Und dann gibt es noch den Fall, dass ein Lehrer alles richtig macht, aber nicht zum Schüler kompatibel ist. Und, ganz wichtig, ein Lehrer, von dem man vieles gelernt hat, kann irgendwann nicht mehr der richtige sein, weil sich das Lehrer-Schüler-Verhältnis mit der Zeit abnutzt.
Ein aus meiner Erfahrung wichtiger Rat ist daher auch der rechtzeitige Wechsel des Lehrers.
Ich bin der Ansicht, ein Lehrer sollte das Instrument, das er lehrt in jedem Fall unbedingt selbst beherrschen. Auch dies ist leider keine Selbstverständlichkeit. Zum zweiten muss zwischen Schüler und Lehrer eine Art Sympathie und auch gegenseitiger Respekt herrschen, sonst wird der Unterricht nichts bringen. Ein Lehrer, der ausschließlich unterrichtet, um davon zu leben und keinerlei persönliches Interesse am Fortkommen des Schülers hat, wird wohl häufig auch nicht viel zum Lernen beitragen können.
Ich bin der Ansicht, dass es für die wichtigen Qualitäten eines Lehrers verschiedene Gewichtungen gibt, je nachdem, wie weit ein Schüler ist. Für den Anfänger ist es wichtig, nichts wirklich falsches zu lernen und eine Bindung zum Instrument zu entwickeln. Bei Kindern heißt das auch eine Begeisterung für das Spielen zu wecken. Das hat hier auch viel mit Sympathie und mit Freude am Spielen zu tun. Je älter und je fortgeschrittener die Schüler werden, desto wichtiger ist die Systematik des Unterrichts und eine gewisse Forderung und Förderung durch den Lehrer. Auch die Arbeit an Literatur und die Möglichkeit zum Vorspielen finde ich mit wachsendem Können wichtiger. Bei Jugendlichen spielt Ensemblespiel mit Gleichaltrigen hier auch eine sehr große Rolle, um gerade über die Pubertät hinweg, die Musik weiterhin als selbstverständlichen Lebensanteil zu erhalten.
Bei Erwachsenen ist es wichtig, dass die Randbedingungen (Uhrzeit, Häufigkeit, Flexibiltät und Zahlungsplan) des Unterrichts zum eigenen Lebensstil passen, sonst ist das Vorhaben Unterricht sofort zum Scheitern verurteilt. Je stärker die Bindung zum Instrument ist, desto weniger sollte die Sympathie für den Lehrer eine Rolle spielen, da ein erwachsener Mensch in der Lage sein sollte, auch gegen die eigene Neigung den Nutzen des Unterrichts erkennen zu können. Für alle, die schon eine gewisse Selbsteinschätzung Ihres Spiels haben, ist außerdem wichtig, dass der Schwerpunkt des Unterrichts sich mit den eigenen Interessen und Bedürfnissen deckt.
Wichtig ist, zu verstehen, dass es nicht “den guten Lehrer” gibt, sondern es sich um eine Beziehung handelt, die durchaus von Mensch zu Mensch verschieden gelingen kann. Darum muss ein mündiger Schüler auch selbst entscheiden, ob und wie lange er einem Lehrer treu bleibt (Ausnahme ist natürlich die Beziehung zwischen Student und Professor, wo ein Wechsel unter Umständen viele Schwierigkeiten mit sich bringen kann). Musik ist stark mit Persönlichkeit und Gefühl verknüpft. Daher kann auch der damit verbundene Lernprozess meiner Ansicht nach nur in einem menschlich angenehmen Klima wirklich funktionieren. Daher möchte ich auch Eltern ermutigen, andauernde Unlust des Kindes oder häufige Beschwerden ruhig ernst zu nehmen und nach Alternativen Ausschau zu halten oder/und das Gespräch mit dem Lehrer zu suchen (ich konnte nie verstehen, dass so viele Eltern ihre Kinder einmal die Woche zum Unterricht schicken, ohne den dort auf die Kinder wartenden Menschen auch nur einmal kennengelernt zu haben).
Für funktionierenden Unterricht halte ich es für besser, wenn Eltern nicht permanent im Raum anwesend sind (außer das Kind fürchtet sich, aber das spricht dann wohl dafür, dass es der falsche Lehrer ist).
Für mich sind wichtige Qualitäten eines guten Unterrichts, dass ich mich auf jede Stunde freue, dass ich nach jeder Stunde das Bedürfnis habe, das Gelernte und Gehörte auszuprobieren, dass ich das, was ich gehört habe in meinem Musizieren auch bei anderen Stücken nutzen und einsetzen kann, dass mein musikalischer Horizont durch den Unterricht erweitert wird (neue Literatur und zusätzliche Informationen), dass möglichst alle Bereiche des Flötenspiels zum Tragen kommen (musikalische Arbeit, Fingertechnik, Ansatz, Atmung, Haltung) und insbesondere das Wechselspiel dieser Bestandteile erkannt wird.
Mich irritiert es, wenn die Information einer Stunde derjenigen einer anderen Stunde diametral entgegengesetzt ist. Ich mag es, wenn ich auch verstehen kann, warum ich etwas tun soll und nicht nur Vorgaben erhalte, was zu tun ist (z. B. Herleitung von Betonungen oder Spannungsbögen aus der Harmonik, stilistische Details eingebettet in musikhistorische Tatsachen, Zusammenhang zwischen Physiologie und Klang etc.). Ich wünsche mir von meinem Lehrer, dass er mein Empfinden eigener Schwachpunkte in seiner Unterrichtsgestaltung berücksichtigt.
Ein ganz besonderer Glücksfall ist es dann, wenn ein Lehrer auch noch selbst die geübte Literatur am Klavier begleiten kann. Aber erwarten sollte man das nicht, es ist die Ausnahme (und das hier ein freundlicher Gruß in Richtung Karl Strobel).