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Ich bin ein Blattspieler. Irgendwie schon immer gewesen, vermutlich auch, weil ich als Kind fast nie geübt habe. Blattspiel ist meiner Meinung nach hauptsächlich eine Konzentrationsfrage, eine intellektuelle und weniger eine musikalische Leistung. Assoziatives Denken ist von Vorteil, eine schneller Erfassung des Notentextes von Nöten.  Die Tatsache, dass ich ganz gut vom Blatt spielen kann, bringt mir viele der wenigen Muggen, die ich so habe. Für einen Kirchenmusiker ist es sehr praktisch, wenn man sich einfach hinstellen und etwas spielen kann, nachdem es nur einmal oder gar nicht zuvor zusammen gespielt wurde. Minimaler Aufwand also. Das ist gerade bei reduzierten Kirchenmusiketats natürlich ein schlagendes Argument.

So schön ich es finde, auf diesem Weg zu Muggen zu kommen, so schade finde ich es, dabei dann immer nur an der Oberfläche der Musik zu kratzen. Auf der anderen Seite probe ich mit so vielen Kammermusik-Ensembles, mit denen wir aber keine Auftritte haben. Damit fehlen Ziele und auch hier wird zwar ein bisschen ausgearbeitet aber nicht bis ins letzte Detail, weil eben ein echtes Ziel fehlt.

Im Endergebnis bin ich aktuell immer ein bisschen unzufrieden, weil ich das Gefühl habe, eine echte Herausforderung fehlt. Ein Stück, das wirklich Arbeit verlangt, ein relativ technisch einfaches Stück, das musikalisch ausgereizt wird. Irgendwas, auf das man im Endergebnis richtig stolz sein kann.

Vielleicht wäre es ja besser, nicht vom Blatt spielen zu können? Andererseits gäbe es dann vielleicht keine Muggen mehr. Eine ausgewogene Mischung, das wäre sehr schön. Ich spiel ja auch gern vom Blatt, aber in der Probe täte es das auch…..

Gegenwartskunst

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Wie kommt man bei einem Konzert über das Lampenfieber weg? Wie schafft man, dass Musik überzeugend klingt? Wie kann Musik, das Üben oder eine Probe zur Entspannung beitragen? Ich glaube, die Lösung für alle diese Fragen liegt darin, ganz in der Gegenwart zu sein. Wenn man es schafft, sich ganz auf den Klang zu konzentrieren, ganz im Moment, in der Musik zu sein, dann ist man nicht nervös, dann kann man abschalten und dann klingt es auch am besten. Das gilt natürlich für Konzerte, aber besonders auch für Proben. Wenn man in der Probe nicht zu hundert Prozent bei der Sache ist, wenn man die Zeit nur “ableistet” oder nur das nötige tut, dann kann man die Probe auch einfach lassen. Um richtig zu proben, muss man ja auch tatsächlich das proben, was man später im Konzert spielen möchte. Das heißt, man muss alles hineinlegen, absolut überzeugen wollen und den Ausdruck “leben”. So macht es dann auch am meisten Spaß und man entwickelt sich weiter.

Ich habe das früher nicht getan, bin von Probe zu Probe gerannt und habe nur vor mich hin gedudelt. Das ist Beschäftigungstherapie, mehr nicht. Musik ist ja eine Gegenwartskunst, das heißt, sie findet absolut im jetzt und hier statt. Selbst wenn man was aufnimmt, kann man ja nur aufnehmen, was auch gespielt wurde.  Eine Korrektur ist nicht möglich, das macht die absolute Konzentration so wichtig. Wenn ich nun beim Spielen abschweife, an eine schwere Stelle oder den nächsten Satz denke, oder womöglich an das Bier danach, dann kann es fast nur schief gehen. Schwierig ist das insbesondere bei einfachen Stücken, für die man diese Konzentration nicht zwingend benötigt. Aber gerade da kann man mit voller Konzentration besonders viel rausholen.

Auch hier merkt man wieder, das hat was von Autogenem Training oder Meditation.

Im Job habe ich gerade richtig viel zu tun. Projektabschluss zum Monatsende, da muss ein dicker Bericht fertig sein. Arbeitstechnisch heißt das täglich so neun bis zehn Stunden vor dem PC sitzen und mit Word, Worten und Zahlen kämpfen. Die einzigen zwischenmenschlichen Kontakte finden dann in der Mittagspause statt, dazwischen stürzt Word auch mal ab, dann muss ich Daten auswerten, Informationen nachschlagen etc. Alles in allem ein recht trockenes Geschäft, dass sich im Hirn einnistet wie der Holzwurm. Auf dem Heimweg, zuhause und manchmal auch nachts drehen sich dann die Gedanken noch um das wie und was, ist das zu schaffen, wo mache ich weiter, was habe ich vergessen. Abschalten? Ein echtes Problem….

Und obwohl ich eigentlich, wenn ich um halb acht heimkomme, müde und unfit aufs Sofa sinke, habe ich festgestellt, dass es sich lohnt, sich zum Üben aufzuraffen. Wenn ich das nämlich tue, dann wird der Kopf frei. Tonübungen haben was von Meditation irgendwie. Luft fließen lassen, den Ton an den Lippen und in den Fingern spüren. Je stupider, je besser. Sonorite zum Einspielen, dann auch ein bisschen Technik (Tonleitern im Maximaltempo), da denken überhaupt nur die Finger. Das Körperliche am Spielen läßt mich irgendwie wieder zusammenfinden, Kopf und Rest,  und der Körper, der den ganzen Tag vernachlässigt und ignoriert wurde, hat wieder zu tun.  Das ist geradezu heilsam.

Oft komme ich an solchen Tagen gar nicht über die Übungen raus, weil mir Stücke oder gar richtig Üben viel zu anspruchsvoll sind. Aber wenn es sich dann doch ergibt, wenn der Ton gut ist, alles fließt und das Gefühl einfach Lust auf mehr macht, dann ist das die eine halbe Stunde des Tages, die mir wirklich was gibt, wo ich dann endlich mal wieder das Gefühl habe, dass ich noch lebe.  Und wenn nicht, zwanzig Minuten oder eine halbe Stunde Ton und ein bisschen Technik, das reicht schon, um richtig auf der Höhe zu bleiben und wenigstens nicht mehr ausschließlich an die Arbeit zu denken. So eine Art Softreset. Für mich ganz ungewohnt, mein Leben lang habe ich das eigentlich immer gemieden und wollte nur spielen. Und jetzt bin ich ein wahrer Tonübungssüchtiger. Vielleicht ist das ja auch so eine Art flötistische Altersweisheit. :)

Musik und Gedächtnis

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Vermutlich kennt das jeder, auch jemand der selbst keine Musik macht. Musik kann Erinnerungen wecken und sogar die Gefühle, die man mal in einer Situation hatte. Ich habe das in letzter Zeit ziemlich häufig in den verschiedensten Zusammenhängen wieder erlebt.

Als kürzlich Whitney Houston starb und schon morgens der Radiowecker ihre Lieder spielte, da bekam ich so ein eigenartiges Gefühl. Das ist die Musik meiner Teenager-Tage, sie wieder zu hören hat ein bisschen meines damaligen Selbstgefühls wieder hochgeholt. Das war eigenartig, aber auch schön.

Heute hatte ich ein ähnliches Gefühl, nur für die Zeit als ich in den zwanzigern war. Heute habe ich mir nämlich eine Aufnahme des Shea Stadion Konzertes von Billy Joel auf Video angesehen. Das ist meine Musik, wenn ich mich von irgendeinem Musiker als “Fan” bezeichnen würde, dann von ihm. Diesmal kam zu diesem Erinnerungsschwall noch dazu, dass er inzwischen ganz gut gealtert ist. Da sass also ein fast zwanzig Jahre älterer Mann und spielte die Musik von “damals”. Da konnte ich aber sehr deutlich merken, wie viel Zeit seit damals vergangen ist. Ich habe mir fest vorgenommen, die Platten wieder rauszuholen…. schön.

Noch etwas viel besondereres ist aber Musik, die man selbst gespielt hat. Wir haben heute Flute en vacances von Casterede gespielt. Ein wunderschönes Stück. Wir haben das an der Musikschule im Quartett gespielt. Da war ich so zwischen 15 und 17 Jahre alt, ich weiß es nicht mehr so genau. Dann, ca. 10 Jahre später habe ich das wieder in einem Quartett gespielt, in Sankt Augustin. Beim ersten Mal an der Musikschule habe ich die erste Stimme gespielt. Das war damals ganz schön schwierig für mich und ich habe ordentlich geübt, vor allem am vierten Satz. Welche Stimme ich 10 Jahre später gespielt habe, das weiß ich gar nicht mehr. Naja und nun spielen wir es wieder, diesmal im Trio (die vierte Stimme ist sowieso ad libitum). Wir haben uns erst mal alle Stimmen angesehen, um dann heute zu entscheiden, wer welche übernimmt. Was soll ich sagen, die erste lief einfach noch immer. Beinahe ohne Probleme. Alle anderen Stimmen waren mir sehr fremd, obwohl ich definitiv in den 90ern nicht die erste hatte. Aber ich habe keine andere wiedererkannt.  Daran habe ich gemerkt, dass ich damals an der Musikschule wohl wirklich gut geübt habe. Und das hat gehalten, bis heute. Beim Proben kam heute dann so vieles wieder hoch. Ich habe die Gesichter meiner Mitmusiker an der Musikschule wieder vor mir gesehen. Ich konnte mich an den Proberaum erinnern und sogar an meine Haltung den anderen gegenüber, wie die Atmosphäre war bei den Proben und all das. Einfach alles war wieder da…. was Musik so alles bewegt. Und außerdem: wie lohnend wahres Üben doch ist, das hält eine Ewigkeit. Ist das nicht eine wunderbare Motivation?

Und je länger man musiziert, desto mehr akustische Erinnerungen sammeln sich an. Ich habe so oft Besuch von meiner Vergangenheit, wenn ich Pretty Woman im Radio höre oder den Radetzky Marsch oder die Sportpalast-Polka oder Billy Jean von Michael Jackson oder den Dritten Mann aus Harry Lime oder Words oder Africa von Toto oder In the Mood oder Just a Gigolo, oder, oder, oder…. so ist das, wenn man Blasmusik gemacht hat und Tanzmusik und Big Band und Orchester und Kammermusik. Natürlich (und glücklicherweise) sind nicht alle Erinnerungen mit viel Emotion verbunden und manchmal weiß ich auch nur: “das hab ich schon mal gespielt, was ist das bloß?”

Altern mit Musik. Vielleicht nicht immer schön, aber auf jeden fall VIEEEEEEEEEEELLLLLL besser als ohne…..

Blattspiel mit dem Ensemble

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Das mag vielleicht erst mal komisch klingen, aber das tut man ja ständig, wenn man neue Noten auflegt. Mit manchen Gruppierungen spielt man das dann zum ersten Mal und übt es in der Folge konsequent und manchmal spielt man auch viele verschiedene Sachen durch, um die Literatur kennenzulernen, einfach aus Spaß oder um dann ein Werk zum richtig Üben auszuwählen.

Ein Grundproblem beim Spielen unbekannter Noten in der Gruppe ist die Wahl des Tempos. Nach meiner Erfahrung hat jeder so seine intuitiven Grundtempi für die verschiedenen Bezeichnungen. Dieses automatisch gespielte Tempo beim Alleinespielen muss in der Gruppe natürlich erst mit allen abgestimmt werden. Und das ist nicht immer einfach.  Ich musiziere mit einigen, bei denen die Vorstellung eines Allegro relativ genau mit der meinigen übereinstimmt. Andere Kollegen haben es für mein Gefühl immer ausgesprochen eilig. Jemand deutlich langsameres hatte ich noch nicht, vielleicht bin ich ja einfach schon an der unteren Grenze mit meinem Tempoempfinden.

Seltsamerweise hat das intuitiv angeschlagene Tempo nicht immer etwas damit zu tun, wie gut der Tempomacher dann auch die eigene Stimme in diesem Tempo im Griff hat. Ich für meinen Teil überfliege gern ein Stück zunächst, identifiziere die technisch anspruchsvollen Stellen und versuche dann, mir vorzustellen, wie schnell ich das wohl hinbekommen würde. Das geht am Ende nicht immer auf, weil manchmal die Tücke im Detail steckt, aber es kommt meist in etwa hin um durchzukommen.

Während des Spielens kommt es dann eigentlich immer zu Tempoverlusten. Weil man eben genauer gucken muss, die Läufe nicht gehen oder einfach, weil eigentlich ohne Lampenfieber fast jedes Stück bei uns ein wenig verschleppt. Ich selbst neige dazu, das Tempo zu bremsen zu versuchen, wenn ich merke, dass ein Mitmusiker an einer technisch schwierigen Stelle richtig Probleme bekommt. Ich finde, auch das ist Teil des Begleitens, dass man erkennt, wenn etwas nicht geht und nachgibt. Der “Solist”, der mit der interessanten und/oder wichtigen Stimme, hat das Sagen, daher darf man ihn oder sie nicht hetzen, finde ich. Das ist etwas anderes, wenn man ein Stück probt (unter Umständen). Beim Blattspiel finde ich wichtig, dass jeder das Recht hat, am Ende anzukommen.

Es gibt auch eine umgekehrte Ansicht. Ein Mitmusiker merkt, dass das Tempo nicht mehr stimmt und zieht an. Meist wenn er nicht sooooo viel zu tun hat (einfach, weil er dann überhaupt erst merkt, dass es zu langsam ist und weil er dann gut anziehen kann, unstressigerweise). Das sind die Fälle, in denen die Begleitstimme (mit Nachschlag oder ähnlichen, eigentlich unterstützenden Stimmen) dann den “Solisten” jagt. Ich sage ehrlich: das hasse ich. Ich finde es unkollegial und auch unmusikalisch. Man kann so etwas absprechen, wenn ein Stück immer im gleichen Teil zu langsam wird und der technisch am meisten geforderte es eigentlich auch schneller könnte. Wenn aber eine Stelle für einen Mitmusiker wirklich an die Grenze des Machbaren geht, dann ist sie eben etwas langsamer, dann muss man danach wieder anziehen (oder man darf eben so ein schweres Stück gar nicht auflegen). Ich finde immer, ein Ensemble muss wie ein Organismus sein. Wir sind dann aber keine Eidechsen, die bei Gefahr einfach den Schwanz abstoßen, nein, wir wollen gemeinsam und am Stück am Ende ankommen (ich jedenfalls).

Meist wenn man dann mit dem ersten Spielen eines Stückes durch ist kommen direkt die ersten Kommentare zum Werk: “Das ist aber schön!”, “Naja, ein bisschen langweilig.” oder “Das gehört viel schneller, dann wirkt es sicher auch besser.”

Gerade die letzte Phrase höre ich häufig und habe sich wohl auch manches mal selbst ausgesprochen. In letzter Zeit denke ich aber, dass die Stücke, die nur in waghalsigem Tempo anhörbar sind einfach auch schlechte Stücke sind (meistens).  Ich denke auch, dass man die Frage, ob ein Stück durch höheres Tempo gewinnt, leicht schon beim langsamen spielen sicher erkennen kann. Im Regelfall können dutzendfache Wiederholungen eines einfallslosen Themas nicht durch Tempo geheilt werden. Auch Stücke, die ständig alle Stimmen doppeln, gewinnen nicht durch Geschwindigkeit. Zerhackte Kompositionen ohne einen inneren Zusammenhang gehen schneller nur einfach schneller vorüber. Daher tendiere ich jüngstens dazu, das Anliegen, ein Stück “mal im Originaltempo” zu versuchen, wobei dann aber innerhalb kürzester Zeit vielleicht das Originaltempo, nicht aber die Originalbesetzung verfügbar ist, weil in jeder Kurve ein weiterer Mitmusiker die Rennbahn verlässt, eher abzulehnen. Meistens verschwimmt dann alles, der eine rennt in Balkenpanik los, der andere sieht Sechzehntel und spielt nur noch zwei Drittel so schnell wie zu Anfang, alle spielen viel zu laut und vor lauter Panik hört keiner mehr hin, was eigentlich gerade abgeht. Und in diesem Tohuwabohu kann man dann erkennen, dass das Stück schneller plötzlich ganz toll ist? pffffff…. ich glaube nicht.

Veröffentlichung

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Beim Verfolgen veralteter Verlinkungen auf  www.flutepage.de bin ich auf eine Veröffentlichung gestoßen, die als Quelle auch auf diese Website verweist.  Ein Jungforscher hat eine “Silent-Flöte” zum Üben ohne Belästigung der Nachbarn entwickelt (wenn das funktioniert, wäre es ja wirklich toll). Der ganze Artikel steht online: http://www.issuu.com/jungewissenschaft/docs/juwi_78

Frei nach der aktuellen Anti-Aids-Kampagne, habe ich mich gestern mal wieder am Improvisieren versucht. Als bekennender Noten-Abhängiger ist das für mich immer eine ganz spezielle Herausforderung. Noten sind ja irgendwie eine Deckung, ein Handbuch, was zu tun ist.  Jedenfalls taugen sie immer gut dazu, sich dahinter zu verstecken.

Gestern habe ich also mit einer lieben und ausgesprochen fähigen befreundeten Pianistin unserer dritten Frau im Trio ein Geburtstagsständchen auf ihrer Party gebracht. Auf dem Programm standen Caravan, Girl from Ipanema und Take five (zum Anhören siehe unten). Alle drei in recht schlichten Arrangements in Art eines Songbooks. Und alle drei dazu gedacht, variiert zu werden. Wir hatten das natürlich auch geübt, Abläufe abgesprochen usw. Insgesamt drei Proben und dann gestern “die Show”.

Festgestellt habe ich, während der Proben und erst Recht im gestrigen Ernstfall, dass ich eigentlich immer ein bis zwei Durchläufe oder ca. 20 Minuten brauche, um mich reinzufinden und vor allem auch, um frei zu werden und mich zu “trauen”. Das hat mir gestern natürlich gefehlt. Probeläufe gehen ja vor Publikum schlecht….

Außerdem bekam ich mal wieder bestätigt, dass nach einem guten Essen, zwei Kölsch und entspannter Unterhaltung der Sprung auf “die Bühne” kaum mehr möglich ist. Ein bisschen zu müde, ein bisschen zu wenig konzentriert und ganz ohne die erforderliche Anspannung. Nicht so gut……

Auch eine frühere Erfahrung, dass es beim Improvisieren für mich sehr wesentlich ist, eine Klangvorstellung von dem zu haben, was meine Finger da greifen, schon bevor der Ton erklingt, wurde bestätigt. Gelernt habe ich das erstmalig als Teenager bei den ersten Improvisationsversuchen auf dem Alt-Saxophon. Da ich notorisch nie geübt habe und die Griffe denen der Flöte in weiten Bereichen gleichen, war ich immer aufs neue irritiert, wenn ich was gegriffen habe und der erklingende Ton dann regelmässig eine kleine Terz darüber lag (Alt-Saxophon ist in Es gestimmt, Flöte in C). Das ging so gar nicht. Auf der Flöte kam mir das bei meinen seltenen Versuchen schon einfacher vor, weil ich hier tatsächlich eine korrekte Erwartung des zu hörenden Klangs habe.

Gestern also hatten wir es mit einem angekündigt sehr tiefen Klavier zu tun. Und ich glaube in der Tat, das hat zu meiner Verwirrung noch beigetragen (so weit da noch was beizutragen war).

Da es ein Klavier war, das wie so häufig an der Wand stand, fehlten auch die bei der Probe dank Flügel häufig ausgetauschten Blicke, da ich nur in den Nacken meiner Begleitung starren konnte…. schade.

Trotz allem, es hat gut geklappt (nicht so gut wie in den Proben leider), was ich vor allem der Professionalität und guten Reaktionszeit meiner lieben Mitmusikerin zu verdanken habe, die über meine Aussetzer souverän hinweggespielt hat. Danke!

Wichtig ist, dass es beiden Geburtstags”kindern” gut gefallen hat und anscheinend auch den Gästen. Wichtig ist auch, dass ich meinen inneren Schweinehund bezwungen habe (normalerweise trau ich mich ja gar nicht), wichtig ist, dass es uns beiden viel Spaß gemacht hat und das Vorfreude auf mehr macht.

Gelernt habe ich, was ich eigentlich auch schon wusste, dass man für gutes Improvisieren wirklich viel üben muss. Man muss das Harmonieschema gut kennen, man sollte sich irgendwelche Patterns und Linien überlegen, man muss die Harmonien sicher in den Fingern haben (wenigstens Skalen und Akkorde). Das ist richtig viel Arbeit, für die man sich auch noch selbst einen Plan, ein Vorgehen entwickeln muss. Der zunächst verlockende Eindruck, keine Noten, absolute Freiheit, keine Arbeit ist also grundlegend falsch.

Und das gleiche gilt natürlich auch für Improvisieren im Klassischen. Ich sollte da noch eigene Kadenzen für Carl Philipp Emanuels Solosonate kreieren. Das gleiche Problem. Es ist so schwer, die Deckung zu verlassen…..

Ich denke, dieses freie Spielen ist aber total wichtig. Und ich hoffe (und glaube), dass dies in modernem Instrumentalunterricht ein fester Bestandteil ist. Kindern fällt das sicher viel leichter und sie gewöhnen sich dann frühzeitig daran. Ich glaube einfach, dass es ein sehr wesentlicher Bestandteil von Musikalität und Gestaltung ist, auch mal ohne Noten auszukommen. Und ich für meinen Teil leider manchmal darunter, dass mir das so schwer fällt bzw. ich es eigentlich gar nicht kann.

Hier unsere Playlist zum Anhören:


Die vielen Jahre, in denen ich Flötenunterricht genommen und die wenigen, in denen ich auch welchen gegeben habe, haben mir sehr eindrücklich gezeigt, wie wichtig die richtigen Bilder sind. Der Lernprozess beim Flötespielen beginnt meiner Meinung nach mit einer richtigen Zielvorstellung, dem korrekten Gedanken sozusagen. Diese Zielvorstellung wird durch Worte hervorgerufen. Wahlweise kann ein Lehrer (oder auch Dirigent) dabei “technisch” bzw. “physiologisch” beschreiben oder aber auch “bildlich”. Ich glaube, die bildliche Beschreibung ist insbesondere bei Anfängern und bei nicht so sehr reflektierten Musikern die beste. Das heißt, man beschreibt beispielsweise eine Klangvorstellung (majestätisch… stelle Dir einen schreitenden König mit Krone und Mantel vor oder weich und zärtlich, wie das Fell einer Katze). Nach allem, was ich über das Gehirn weiß, ist diese bildhafte Arbeitsweise auch dem menschlichen Denken näher als die Abstraktion, die immer ein paar weitere Verarbeitungsschritte erforderlich macht.
In der technisch-physiologischen Sprachführung würde ein Lehrer vielleicht sagen: spiele mit härterem Stoss, kürzere Töne, lauter, betonter. Das ist recht abstrakt. Noch schwieriger wird es, wenn die Anweisung lautet: die Spitze der Zunge muss am Gaumen direkt hinter den Zähnen berühren. Solche Anweisungen lenken leicht von der Musik ab und führen auch zu Verkrampfung, weil man dann ganz auf den in der Anweisung genannten Körperteil fixiert ist.
Die Definition der Zielsetzung direkt klanglich zu definieren birgt den Vorteil, dass der Musizierende zur Kontrolle hören muss, was leider keine Selbstverständlichkeit ist.
Die Aufgabe eines Lehrer ist es, für jeden Schüler die passenden Bilder zu finden. Jeder ist da anders und eine Vorstellung, die dem einen hilft, mag einem anderen ganz fremd sein.
Irgendwann wird man durch diese Vorstellung, indem man an sie denkt während man spielt, zu einem neuen Spielgefühl gelangen. Wenn der Erfolg sich einstellt, so kann man im nächsten Schritt des Lernprozesses versuchen, das Spielgefühl des richtigen Ergebnisses abzuspeichern. Der Gedanke wird dann irgendwann überflüssig und nur die Spielsituation intuitiv nachempfunden. Bei falsch gelernten Arbeitsweisen muss dieser Prozess wieder umgekehrt werden. Das heißt, automatische Abläufe müssen bewusst gemacht werden, dann durch neue Zielgedanken ersetzt und später wieder automatisiert werden. Ganz schön viele Schritte, die viel Zeit benötigen. Auch das ist ein Argument für qualifizierten Unterricht.

Spielen im Sitzen

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Für mich ist das schon immer und auch immer mehr ein heikles Thema. Geübt wird bei mir grundsätzlich im Stehen. Allmählich habe ich da auch ein ganz gutes Gefühl, die Atmung passt und die Gesamtspannung ist auch ok. In vielen Proben und im Orchester wird aber im Sitzen gespielt. Und das ist leider gar nichts meins. Atmung und Spannung passen nicht und ich glaube, mir fehlt auch die im Stehen vorhandene Beweglichkeit. Gerade in den letzen Monaten bewege ich mich relativ viel, einen Ausfallschritt nach vorne oder ein wenig zur Seite, Gewichtsverlagerung, auf die Zehenspitzen gehen, all das ist irgendwie auch Teil davon, die für den aktuellen Zustand richtige Spannung zu erzeugen. Mit dem Hintern auf dem Stuhl, dem Notenständer davor, ist man da reichlich eingeschränkt.

Die Grundregeln für das Spielen im Sitzen sind simpel und mir schon lange bekannt:

  • Nicht anlehnen
  • Aufrecht sitzen
  • Beine nicht einfach schräg ausstrecken, sondern anständig aufstellen

Im Fall des Orchesterspiels gehört unbedingt dazu, den Stuhl und den Notenständer so einzurichten, dass der Dirigent gut zu sehen ist. Beim Ensemblespiel sollte man die Mitmusiker im Auge behalten können. Der Notenständer muss so weit weg stehen und eine Höhe haben, die verhindert, dass man den Kopf senken muss und damit den Hals ein bisschen zu macht.

Ganz früher habe ich dazu tendiert, mich auf dem Stuhl zu drehen und den rechten Arm irgendwie auf der Rückenlehne abzulegen. GANZ SCHLECHT! Ich hab das auch von anderen schon gesehen. schlecht ist auch, wie im Stehen, die Arme am Körper anliegen zu lassen, da bekommt man keine Luft.

Im Sitzen ist es besonders störend, wenn man vor der Probe zu viel gegessen hat, oder die Hose zu eng ist. Da staut sich alles und Luft geht gar keine mehr rein.

Werner Richter widmet dem Spielen im Sitzen in Bewusste Flötentechnik  einen eigenen Abschnitt. Dadurch bin ich auch auf diesen Problembericht gekommen. Wesentlich finde ich den sehr naheliegenden Tipp, wichtige Stücke, die im Sitzen gespielt werden müssen, auch im Sitzen zu üben. Ich nehme mir das immer wieder vor und tu es dann nicht, weil ich dafür hier alles umräumen müsste (schlechte Ausrede). Es ist also von Vorteil, im eigenen Übezimmer einen tauglichen Stuhl und auch ausreichend Platz dafür zu haben. Tatsächlich kann ich viele Stücke, die im Stehen super gehen, im Sitzen nur schlecht spielen.

Ein weiter wichtiger Tipp aus Bewusste Flötentechnik ist, dass Becken beim sitzend Spielen zu kippen.

Noch ein Wort zu tauglichen Stühlen: ich mag keine irgendwie schrägen Sitzflächen, keine Armlehnen und keine wackeligen Stühle. Auch solche mit einer richtigen Sitzkuhle sind nicht toll. Eine Kante am vorderen Rand ist auch nicht schön, da sitze ich drauf, weil ich zum Spielen immer nach vorne rutsche (macht die richtige Haltung einfacher). Ganz ohne Rückenlehne mag ich nicht, da bekomme ich Rückenschmerzen, weil ich wenigstens in den Pausen mich ab und an anlehnen möchte. Für Quartettspiel habe ich mir mal vier Klappstühle gekauft, die kann man leicht wegpacken und die gibt es günstig bei einem bekannten schwedischen Möbelhaus. Habe ich mir von einer früheren Mitmusikerin abgeguckt… noch schöner ist aber, wenn alle im Stehen spielen können und mögen… finde ich.

Blattspiel ist anscheinend eine der Fertigkeiten oder auch Vorlieben, die die Musikwelt teilt. Ich für meinen Teil spiele sehr gerne vom Blatt und kann das auch einigermaßen. Ich bin aber auch schon vielen Musikern begegnet, die sich geradezu weigern, vom Blatt zu spielen oder doch bemüht sind, in keine Situation zu geraten, die das erforderlich macht. Es gibt auch viele an sich ganz gute Musiker, die das in der Tat nicht gut können. Woran könnte das liegen?

Meiner Meinung nach gibt es eine handvoll Fähigkeiten, die einem das Blattlesen erleichtern. Zum einen eine gute Konzentrationsfähigkeit, dann eine Begabung zur Mustererkennung, man muss seine Technik (Tonleitern, Dreiklänge etc.) gelernt haben und ich denke, assoziatives Denken ist von Vorteil (wenn es den Begriff so überhaupt gibt). Eine kurze Reaktionszeit ist vermutlich auch eine wesentliche Eigenschaft des erfolgreichen Blattspielers. Ein bisschen Kaltschnäuzigkeit und/oder Frechheit, vielleicht auch Mut zu nennen, hilft weiter. Erfahrung und musikalisches Formverständnis tun ein übriges.

Kann man das alles lernen? Ich denke schon. Vermutlich gibt es wie bei allen Tätigkeiten Menschen, denen das leichter fällt und solche, die sich schwerer tun. Ich denke, den ersten Schritt zum Blattspielen habe ich gemacht als ich die ersten Jahre nie für den Unterricht geübt habe. Viel wesentlicher ist es aber, dass ich grundsätzlich Spaß daran habe, meinen Kopf zu benutzen. Knobelspiele, Kreuzworträtsel, Sudoku etc., damit kann ich Stunden verbringen. Die meisten Knobelspiele auf dem Computer oder Handy tragen entweder zu Reaktionsverbesserung oder Mustererkennung bei. Zudem neige ich dazu, überall Ähnlichkeiten zwischen Menschen oder Formen (die Wolke sieht aus wie…) zu erkennen. Das nenne ich assoziativ. Etwas unbekanntes auf etwas bekanntes beziehen. Dann merkt es sich leichter. Außerdem heißt das, dass das Hirn permanent im Archiv nach Parallelen sucht, sonst könnten einem Ähnlichkeiten ja nicht auffallen.

Auch beim Blattspiel hilft diese Assoziation oder das Erkennen von Mustern. Eine Tonfolge oder ein Rhythmus den man schon mal geübt oder gespielt hat wird in unbekannten Noten wiedererkannt und dann wie etwas bekanntes wiedergegeben. Wenn wir das ganze auf größere Muster erweitern, werden auch musikalische Zusammenhänge erkennbar. Hier kommt dann auch die Erfahrung ins Spiel. Je mehr ich schon gespielt habe, desto mehr Muster habe ich zur Verfügung. Deswegen ist es auch unter Umständen ganz leicht etwas klassisches zu spielen und bei einem Stückchen Swing geht es plötzlich nicht, weil man die rhythmischen Muster nicht kennt. Neue Musik ist extrem schwer vom Blatt zu spielen, hier sind die Muster oft nicht vorhanden, nicht erkennbar oder einfach fremd.

Wie geht man also ran? Zunächst mal muss man es versuchen und nicht immer nein dazu sagen. Sich trauen und dann eben im Zweifel falsch spielen. Am besten natürlich mit einfachen Dingen anfangen. Die ganze Zeit brav Technik üben, ein Großteil unserer Musik besteht aus Tonleitern und ähnlichen Schnipseln, die man trainieren kann. Dann spielt es auch kaum noch eine Rolle, wieviele Vorzeichen davor stehen (es gibt Leute, für die sind das Feinde :) ). Wenn Stellen zu schwer sind für Blattspiel, dann aussetzen, den Fluss der Musik verfolgen und wieder einsteigen. Das ist vielleicht das wichtigste überhaupt. Sich nicht unter Druck setzen lassen und in Panik erstarren, sondern immer die Ohren offen halten. Wenn ich die eins im Takt erkenne, dann kann ich auch wieder einsetzen. Und damit ist schon die halbe Miete gewonnen, Töne fehlen oder sind falsch, aber die Musik geht weiter. Mut zur Lücke!

Anfangs wird man die richtigen Töne und den richtigen Rhythmus zu erreichen versuchen, irgendwann kann man dann auch vom Blatt die Dynamik oder Agogik mitnehmen. Noch später können wir erkennen, wer führen sollte und beim Blattspiel schon gestalten. Das geht tatsächlich und ich schwöre, es kann süchtig machen.

Warum ich Blattspielen so liebe? Ich weiß nicht genau, weil es spannend ist, weil es eine Herausforderung darstellt, weil man immer neue Musik erlebt, weil ich zum richtig super gut üben nicht tauge, weil es so viel Musik gibt und unser Leben zu kurz ist. Ich glaube, es braucht keinen Grund. Wenn Stück und Musiker zusammenpassen, dann eröffnen sich beim Blattspielen einfach jedesmal wieder neue Horizonte (pathetisch, gebe ich ja zu). So viel Abwechslung. Probiert es aus, habt Mut und gebt nicht auf. Beim Blattspiel darf doch jederzeit falsch gespielt werden, keiner hat es geübt…. also nur zu.

Seit ich mir vor ca. 4 Jahren meine Flöte gekauft hatte, stellte ich bald fest, dass ich den großen Ton und tollen Klang mit Kurzatmigkeit bezahlen musste. In altbekannten Stücken reichte plötzlich der Atem nicht mehr für die gewohnten Phrasen. Außerdem passierte es mir leichter als zuvor, dass Töne in der dritten Lage nicht ansprangen oder abstürzten. Als diese Zustände sich auch mit der Zeit nicht wirklich besserten, war ich schon kurz davor, mir mal andere Köpfe anzusehen und glaubte beinahe an einen Fehlkauf, dass das größere Gewicht der Flöte, die dickere Rohrwand eben neben dem Klangunterschied auch für diese Veränderungen verantwortlich war.

Am Kopf-Kauf gehindert hat mich zum einen das Geld (schließlich möchte ich ja auch bald mal ein Haus kaufen) und die Überlegung, dass mit einem anderen Kopf auch der Klang nicht der selbe bleiben würde und der gefiel mir ja außerordentlich gut und hatte auch den Kauf des Instruments bestimmt. So quälte ich mich lange und wurde nicht glücklich damit.

Inzwischen ist das anders. Ich empfinde eine deutliche Verbesserung aller oben beschriebenen Probleme. Und alles nur wegen ein paar Tonübungen. Die Hinweise auf Kurse und im Unterricht mehrten sich, dass ich nicht zu wenig Luft hatte, sonder vielmehr zu viel davon vergeudet habe. Die Information alleine konnte ich noch nicht für mich nutzen.

Fokus war wohl das eigentliche Zauberwort. Und nun habe ich zwei ganz simple Tonübungen, die ich in der Tat praktisch jeden Tag mache, wenn es der Tagesablauf irgendwie zulässt. Manchmal, wenn die Motivation ganz übel ist, dann mache ich nur diese Übungen und spiele sonst gar nichts. Für mich ist das optimal, eine Art Fitness-Training und Grund-Erhaltungsbetrieb.

Ich habe lange überlegt, ob ich das hier posten soll, schließlich ist es vermutlich ein Teil des Kapitals meines Lehrers, so was zu wissen und aufzugeben. Aber ich denke, Kapital hat er so viel, dass er mir das nicht übel nehmen wird….

Hier also Übung Nummer eins: Oktaven. Und zwar in der unteren Oktave im piano oder pianissimo beginnend, crescendierend und am lautesten Punkt in die obere Oktave wechseln. Dort dann ebenso weit wieder decrescendo. Klingt ganz einfach. Der theoretische Teil ist es auch… ausprobieren….. das fordert den Ansatz ganz ordentlich.

Teil zwei ist eine modulhaft aufgebaute Übung. Beginnend mit der achtmaligen Wiederholung des Ausgangstons, dann vier Töne hoch, vier wieder runter. Diesen Bogen zweimal und anschließend wieder achtmal der Anfangston. Das ganze dann beginnend von jedem Ton der gewählten Tonleiter. Wenn man damit durch ist, das gleiche nochmal. Diesmal schiebt man zwischen die zwei Vierer und die abschließende Tonwiederholung einen Oktavbogen hoch und wieder runter. Auch das wieder die ganze Oktave durch. Die dritte Steigerung ergänzt das ganze dann symmetrisch, indem nach dem Oktavbogen und vor den Tonwiederholungen nochmal die zwei Viererbögen gespielt werden.

Der Witz dabei ist, jeweils einen Durchgang (von Tonwiederholung bis Tonwiederholung) in einem Atem zu spielen. Der erste Ton soll sauber ansprechen und nicht rausplatzen. die Klangqualität ist gleichbleibend und die Töne alle sauber in Ansprache und Klang. Dazu muss man wirklich jeden exakt treffen und stellt bald fest, dass in jeder Lage und für jeden Ton für ein optimales Ergebnis die Lippenposition ein winziges bisschen variiert. Für mich war der Hinweis, zwischen der Lippenöffnung und der Stütze eine Spannung (langziehen) aufzubauen, sehr hilfreich. Und es zeigt sich: Zielübungen sind alles. Genau wie bei den ganz frischen Anfängern kann man auch als alter Hase hier noch viel rausholen. Eigentlich kannte ich das Prinzip…. manchmal schon peinlich. Jedenfalls habe ich Hoffnung in Sachen Luft und keinen Bedarf mehr, Geld für einen neuen Kopf zu investieren. Außerdem habe ich das Gefühl, nach einer Pause oder vor einem wichtigen Konzert jetzt ein nicht mehr geheimes Mittel zur “Stärkung” zu haben. Wunderbar! Danke nochmal an meinen wunderbaren Herrn Lehrer :)

Und wer sich nun fragt, warum das ganze mit der neuen Flöte anfing, dem kann ich nur meine Vermutungen mitteilen. Zum ersten ist der Kopf natürlich anders und man muss ihn sich erarbeiten. Zum zweiten hat das ältere leichtere Instrument mit der total leichten Ansprache eben auch mehr Ungenauigkeit verziehen. Ich brauche für diese Flöte einfach eine höhere Effektivität. Die absolute Nutzung aller Luft für den Ton. Das war vorher nicht erforderlich. Aber wie gesagt… nur meine persönliche Vermutung.

Claudia hat es ja schon angedeutet, ich möchte ein ganz unscheinbares „Sportgerät“ vorstellen, das mir seit einer guten Woche zum ständigen Begleiter bei meinen Flötenübungen geworden ist.
Kurz die Vorgeschichte: Ich hatte eine Unterrichtstunde und war, wie es je nach Verlauf des vorangegangen Tages gelegentlich vorkommt, ziemlich verspannt. Ich fühlte das zwar, konnte aber mit der Erkenntnis alleine nicht viel zur Verbesserung der Situation beitragen.
Meine ausgesprochen kompetente und aufmerksame Lehrerin, bat mich dann, mich auf ein Balance Board zu stellen.
Kurz eine Beschreibung, was sich hinter dem neudeutschen Begriff Balance-Board verbirgt:
Eine kreisrunde Scheibe, ca. 40cm Durchmesser mit einer Halbkugel mittig auf der Unterseite. Radius der Halbkugel etwa 6-8 cm.
Mit den einführenden Worten „Kinder können das am besten, Frauen lernen es auch sehr schnell und Du…“, bat mich meine Lehrerin auf die Scheibe. Umsichtiger weise hatte sie mir das Instrument abgenommen.
Mein Erstkontakt mit diesem Teil war ein persönliches Waterloo. Eindeutig bin ich weder Kind noch Frau.
Aber allein die Ablenkung und der Versuch mich auf diesem Teil zu halten, reichten aus, um einen Teil meiner musikalischen „Verkrampfung“ an diesem Abend zu lösen.
Inzwischen habe ich so ein Teil, kann es ganz gelöst besteigen und ohne Gefahr für Schüler und Instrument auch darauf stehend spielen. Mit erstaunlichen Auswirkungen auf den Ton, die Luftreserve und nicht zuletzt auf die Allgemeinbefindlichkeit.
Hiromi, vielen Dank!
Nebenbei: Zu diesen Boards gibt es Anleitungen mit einer Vielzahl von zum Teil sehr anspruchsvollen Übungen, die keinen Lärm machen und auf kleinstem Raum ausgeführt werden können.

Christian

Derzeit lese ich “Die Flöte” von Pierre-Yves Artaud und bin dabei heute im Kapitel zur Technik und Physiologie gelandet. Artaud’s erstes Stichwort zu diesem Thema ist “Gleichgewicht”.

Einerseits ist das natürlich nicht überraschend, da wohl bei jeder Muskelnutzung das Gleichgewicht das wichtigste ist und ja auch jede Verspannung, Rückenschmerzen oder ähnliches letzten Endes aus einem Ungleichgewicht zwischen den verschiedenen Muskelgruppen entsteht (dank an meinen lieben Physiotherapeuten, der mir mit Gyrotonics (keine Ahnung, ob man das so schreibt) da endlich Abhilfe geschaffen hat). Gleichgewicht an sich ist also logisch. Aber warum ist das gerade für Flötisten vielleicht ein besonderes Thema? Und hier hat Artaud eine interessante und für mich sehr logische Beobachtung angeführt.

Die Flöte unterscheidet sich in verschiedener Hinsicht sehr von anderen Instrumenten. Zum einen erfolgt die Tonerzeugung an sich vollkommen unsichtbar indem die Luft auf die Schneide des Mundlochs trifft. Und die Luft kann man ja nicht sehen…. Das heißt auch, die Intensität mit der man spielt kann sich nicht so leicht in Form entsprechend ausladender oder kraftvoller Bewegung beim Spielen “entladen”.  Zum anderen geht die Luft durch die Lippen direkt in die Umgebung, man hat also auch keinen “Gegendruck” (das merken auch Trompeter unangenehm, wenn sie mal auf einer Flöte zu spielen versuchen. Die Luft geht einfach weg. Die Dosierung muss man selbst machen, das wird nicht durch einen Gegendruck irgendwie geregelt). Und, das fand ich besonders interessant, wir sehen die Flöte ja nicht. Die meisten Instrumentalisten haben ja Blickkontakt zu dem was sie da machen und gerade Anfänger können sonst immer sehen, was ihre Hände so machen. Dieses “Nicht Sehen” führt zu einer am Anfang sehr spürbaren Verunsicherung. Man hat zu Beginn immer das Gefühl, dass einem die Flöte wegrollt und dass sie nicht stabil liegt.

Und nun passt diese Beobachtung und die von Artaud angestellten Überlegungen auch noch zu einem Thema, dass mein lieber Coautor Christian demnächst mal vorstellen will. Die interessante Übevariante, auf einem Balance Board stehend zu spielen. Und auch da geht es, wie der Name sagt, ja um Gleichgewicht. Und so schließt sich der Kreis und Praxis und Theorie begegnen sich.

Ich finde das immer wieder sehr faszinierend. Mehr, wie gesagt, in Kürze hier….

Technik und Musik

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Derzeit lese ich das kleine Büchlein Über Brahms. Darin finden sich auch Zeitzeugnisse von Klavierschülern des Meisters. Ich fand die Beschreibung seines Unterrichts sehr interessant. Beide von mir bisher gelesenen Berichte beschreiben seine Betonung des Musikalischen, die Überzeugung, dass Technik nur das Mittel ist, um die musikalische und gefühlsmäßige Aussage des Komponisten zu vermitteln. Eigentlich sollte das selbstverständlich sein, aber häufig verliert man dieses Ziel des musikalischen Musizierens vor lauter Üben aus den Augen.

Ich denke, die Faszination bei dem Matinee-Konzert von letzter Woche, beruhte genau darauf. Technik nicht zum “Angeben”, nicht als Selbstzweck sondern eingebunden in eine tiefe musikalische Darbietung. Die Technik ist das Werkzeug, die Musik das Ziel. Vielleicht muss man daran einfach noch öfter erinnern. Noch mehr auf die Ohren als Kontrollinstanz verweisen, nicht auf das Metronom. Noch mehr bei jedem Ton daran denken, dass jeder einzelne Ton gestaltet sein will, jeder einzelne ein Ziel hat, eine Richtung auf die er hinzielt….. Ich glaube ja daran, dass die richtigen Gedanken schon viel bewirken. So wie Fussballer oder Tennisspieler immer von der “mentalen Stärke” und “mentalen Einstellung” sprechen, so können wir vielleicht durch die Konzentration auf das “Gestalten” auch dahin kommen, dass die Musik lebendiger, farbiger und spannender wird…. ich werde das weiter ausprobieren. Und berichten….

Am Ende eines wirklichen langen Tages möchte ich kurz berichten, wie es war, beim Workshop für Musik-Kinesiologie der DGfF im Hochschen Konservatorium in Frankfurt.

Los ging es um 10 Uhr. Leider ohne mich…. eine Viertel Stunde zu spät und unausgeschlafen. Um sieben raus am Samstag, das war ziemlich heftig für meine Motivation. Glücklicherweise war ich trotz allem nicht die letzte.

Versammelt hatte sich ein bunt gemischtes Trüppchen von Schülern, Studierenden, Studierten und Hobbymusikern. Sogar eine Geigerin und Blockflötist gesellten sich dazu und gaben dem ganzen einen weniger “inzestuösen” Geschmack. Alles in allem eine gute Mischung lauter sympathischer Menschen, die auch dazu führte, dass während des Tages keine Hemmungen oder peinliche Momente auftraten. Glück gehabt!

Vielleicht das wichtigste für so einen Ein-Tages-Workshop: die Dozentin, Britta Roscher. Ebenfalls eine sehr sympathische Erscheinung, die für den Kurs eine gute Mischung von Theorie und Praxis, einen aufmunternden und frischen Ton und die richtige Ansprache für die durchaus bunte Truppe fand. Auch hier also ein Glücksfall.

Der Kurs begann nach der gegenseitigen Vorstellung der bereits anwesenden Teilnehmer mit einer kurzen Einführung in die Geschichte der Kinesiologie. Dann ging es gleich ziemlich in die vollen. Ein paar Übungen, ein bisschen Erklärung und immer wieder Diskussion, Fragen etc.

Inhaltlich will ich nicht zu vieles aus dem Nähkästchen plaudern, schließlich wäre das auch so was wie eine Copyright-Verletzung. Nur in Kürze mein persönliches Fazit: die vielen Übungen für die Muskeln, die Durchblutung oder um das Hirn dazu zu bringen, seine beiden Hälften zu benutzen, fand ich durchweg überzeugend und interessant und will ich auch auf jeden Fall versuchen in meine Gewohnheiten mit einzubauen.

Zum Thema Noten “bemalen” denke ich, bleibe ich für mich weiterhin bei meiner “Technik”, mir Stichworte einzutragen und Farben eher zum Hervorheben von Auszeichnungen (z. B. Dynamik) zu verwenden. Das liegt aber vor allem daran, dass ich sehr “wortorientiert” bin und mir ein Wort irgendwie mehr sagt als ein Bild (denke ich jedenfalls). Für Schüler glaube ich, ist diese Technik wirklich interessant. Was ich auch probieren will, ist Transparenzpapier über die Noten zu legen. Ich glaube, Farben erzeugen Stimmungen. Allerdings denke ich, nur dann, wenn ich sie sehe und nicht, wenn ich darauf sitze (aber das ist ein Insider).

Besonders interessant ist die Übetechnik mit dem Überkreuzgehen und auch das in die Hocke gehen beim Spielen, dass hörbar das Einatmen verändert. Beides sehr interessant. Für ersteres werde ich das Wohnzimmer entrümpeln müssen und letzteres habe ich auch schon mal in einem anderen Buch gelesen… aber das macht die Anwendung ja eher noch interessanter.

Der Tag wurde abgerundet durch ein nettes und leckeres gemeinsames Mittagessen beim Italiener, interessante Mitteilnehmer und nette Gespräche. All das für 50 Euro, nicht zu verachten.

Ich würde sagen, wenn Wiesbaden nicht so weit wäre, wäre Britta Roscher auch eine interessante Alternative sowohl für Flötenunterricht als auch für Kinesiologie-Stunden. Aber von Köln ist das leider ein wenig weit.

Wer näher dran ist, erfährt weit mehr auf der Homepage www.brittaroscher.de. Übrigens ist sie auch Mitglied des Flötenquartetts verquer. Eine Intensiveinheit, Flöte, Ensemble und Kinesiologie in Italien wäre eine weitere Möglichkeit: vom 11.- bis 16.6.2011 in Italien. Alle Infos dazu beim Veranstalter Cinqueterre Urlaub.

Ein rundum schöner Tag also, aber müde bin ich jetzt trotzdem.

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