Durchsuche Beiträge in Finger

Im Job habe ich gerade richtig viel zu tun. Projektabschluss zum Monatsende, da muss ein dicker Bericht fertig sein. Arbeitstechnisch heißt das täglich so neun bis zehn Stunden vor dem PC sitzen und mit Word, Worten und Zahlen kämpfen. Die einzigen zwischenmenschlichen Kontakte finden dann in der Mittagspause statt, dazwischen stürzt Word auch mal ab, dann muss ich Daten auswerten, Informationen nachschlagen etc. Alles in allem ein recht trockenes Geschäft, dass sich im Hirn einnistet wie der Holzwurm. Auf dem Heimweg, zuhause und manchmal auch nachts drehen sich dann die Gedanken noch um das wie und was, ist das zu schaffen, wo mache ich weiter, was habe ich vergessen. Abschalten? Ein echtes Problem….

Und obwohl ich eigentlich, wenn ich um halb acht heimkomme, müde und unfit aufs Sofa sinke, habe ich festgestellt, dass es sich lohnt, sich zum Üben aufzuraffen. Wenn ich das nämlich tue, dann wird der Kopf frei. Tonübungen haben was von Meditation irgendwie. Luft fließen lassen, den Ton an den Lippen und in den Fingern spüren. Je stupider, je besser. Sonorite zum Einspielen, dann auch ein bisschen Technik (Tonleitern im Maximaltempo), da denken überhaupt nur die Finger. Das Körperliche am Spielen läßt mich irgendwie wieder zusammenfinden, Kopf und Rest,  und der Körper, der den ganzen Tag vernachlässigt und ignoriert wurde, hat wieder zu tun.  Das ist geradezu heilsam.

Oft komme ich an solchen Tagen gar nicht über die Übungen raus, weil mir Stücke oder gar richtig Üben viel zu anspruchsvoll sind. Aber wenn es sich dann doch ergibt, wenn der Ton gut ist, alles fließt und das Gefühl einfach Lust auf mehr macht, dann ist das die eine halbe Stunde des Tages, die mir wirklich was gibt, wo ich dann endlich mal wieder das Gefühl habe, dass ich noch lebe.  Und wenn nicht, zwanzig Minuten oder eine halbe Stunde Ton und ein bisschen Technik, das reicht schon, um richtig auf der Höhe zu bleiben und wenigstens nicht mehr ausschließlich an die Arbeit zu denken. So eine Art Softreset. Für mich ganz ungewohnt, mein Leben lang habe ich das eigentlich immer gemieden und wollte nur spielen. Und jetzt bin ich ein wahrer Tonübungssüchtiger. Vielleicht ist das ja auch so eine Art flötistische Altersweisheit. :)

Blattspiel ist anscheinend eine der Fertigkeiten oder auch Vorlieben, die die Musikwelt teilt. Ich für meinen Teil spiele sehr gerne vom Blatt und kann das auch einigermaßen. Ich bin aber auch schon vielen Musikern begegnet, die sich geradezu weigern, vom Blatt zu spielen oder doch bemüht sind, in keine Situation zu geraten, die das erforderlich macht. Es gibt auch viele an sich ganz gute Musiker, die das in der Tat nicht gut können. Woran könnte das liegen?

Meiner Meinung nach gibt es eine handvoll Fähigkeiten, die einem das Blattlesen erleichtern. Zum einen eine gute Konzentrationsfähigkeit, dann eine Begabung zur Mustererkennung, man muss seine Technik (Tonleitern, Dreiklänge etc.) gelernt haben und ich denke, assoziatives Denken ist von Vorteil (wenn es den Begriff so überhaupt gibt). Eine kurze Reaktionszeit ist vermutlich auch eine wesentliche Eigenschaft des erfolgreichen Blattspielers. Ein bisschen Kaltschnäuzigkeit und/oder Frechheit, vielleicht auch Mut zu nennen, hilft weiter. Erfahrung und musikalisches Formverständnis tun ein übriges.

Kann man das alles lernen? Ich denke schon. Vermutlich gibt es wie bei allen Tätigkeiten Menschen, denen das leichter fällt und solche, die sich schwerer tun. Ich denke, den ersten Schritt zum Blattspielen habe ich gemacht als ich die ersten Jahre nie für den Unterricht geübt habe. Viel wesentlicher ist es aber, dass ich grundsätzlich Spaß daran habe, meinen Kopf zu benutzen. Knobelspiele, Kreuzworträtsel, Sudoku etc., damit kann ich Stunden verbringen. Die meisten Knobelspiele auf dem Computer oder Handy tragen entweder zu Reaktionsverbesserung oder Mustererkennung bei. Zudem neige ich dazu, überall Ähnlichkeiten zwischen Menschen oder Formen (die Wolke sieht aus wie…) zu erkennen. Das nenne ich assoziativ. Etwas unbekanntes auf etwas bekanntes beziehen. Dann merkt es sich leichter. Außerdem heißt das, dass das Hirn permanent im Archiv nach Parallelen sucht, sonst könnten einem Ähnlichkeiten ja nicht auffallen.

Auch beim Blattspiel hilft diese Assoziation oder das Erkennen von Mustern. Eine Tonfolge oder ein Rhythmus den man schon mal geübt oder gespielt hat wird in unbekannten Noten wiedererkannt und dann wie etwas bekanntes wiedergegeben. Wenn wir das ganze auf größere Muster erweitern, werden auch musikalische Zusammenhänge erkennbar. Hier kommt dann auch die Erfahrung ins Spiel. Je mehr ich schon gespielt habe, desto mehr Muster habe ich zur Verfügung. Deswegen ist es auch unter Umständen ganz leicht etwas klassisches zu spielen und bei einem Stückchen Swing geht es plötzlich nicht, weil man die rhythmischen Muster nicht kennt. Neue Musik ist extrem schwer vom Blatt zu spielen, hier sind die Muster oft nicht vorhanden, nicht erkennbar oder einfach fremd.

Wie geht man also ran? Zunächst mal muss man es versuchen und nicht immer nein dazu sagen. Sich trauen und dann eben im Zweifel falsch spielen. Am besten natürlich mit einfachen Dingen anfangen. Die ganze Zeit brav Technik üben, ein Großteil unserer Musik besteht aus Tonleitern und ähnlichen Schnipseln, die man trainieren kann. Dann spielt es auch kaum noch eine Rolle, wieviele Vorzeichen davor stehen (es gibt Leute, für die sind das Feinde :) ). Wenn Stellen zu schwer sind für Blattspiel, dann aussetzen, den Fluss der Musik verfolgen und wieder einsteigen. Das ist vielleicht das wichtigste überhaupt. Sich nicht unter Druck setzen lassen und in Panik erstarren, sondern immer die Ohren offen halten. Wenn ich die eins im Takt erkenne, dann kann ich auch wieder einsetzen. Und damit ist schon die halbe Miete gewonnen, Töne fehlen oder sind falsch, aber die Musik geht weiter. Mut zur Lücke!

Anfangs wird man die richtigen Töne und den richtigen Rhythmus zu erreichen versuchen, irgendwann kann man dann auch vom Blatt die Dynamik oder Agogik mitnehmen. Noch später können wir erkennen, wer führen sollte und beim Blattspiel schon gestalten. Das geht tatsächlich und ich schwöre, es kann süchtig machen.

Warum ich Blattspielen so liebe? Ich weiß nicht genau, weil es spannend ist, weil es eine Herausforderung darstellt, weil man immer neue Musik erlebt, weil ich zum richtig super gut üben nicht tauge, weil es so viel Musik gibt und unser Leben zu kurz ist. Ich glaube, es braucht keinen Grund. Wenn Stück und Musiker zusammenpassen, dann eröffnen sich beim Blattspielen einfach jedesmal wieder neue Horizonte (pathetisch, gebe ich ja zu). So viel Abwechslung. Probiert es aus, habt Mut und gebt nicht auf. Beim Blattspiel darf doch jederzeit falsch gespielt werden, keiner hat es geübt…. also nur zu.

Rechtzeitig für 2011 findet Ihr nun auch die Trillergriffe als pdf zum Runterladen.

Ich wünsche Euch allen ein glückliches, gesundes und mit Musik erfülltes 2011 mit viel Freude am Flöte Spielen.

Besucht mich mal wieder und hinterlaßt gerne Eure Meinung hier oder im Forum.

Ich danke Euch für viele Mails und Nachrichten und freue mich auf weitere Jahre!

Claudia

Frohe Weihnachten! Da ich weiss, dass ein Großteil meiner Gäste kommt, weil er Griffe sucht, gibt es die Grifftabelle jetzt auch zum Download als pdf.

Hallo zusammen,

es gibt Neuigkeiten…. nichts weltbewegendes, lediglich ein bisschen Umstrukturierung:

  • der Bereich Goodies heißt jetzt Extras…. ich denke, das kennt man aus vielen Anwendungen so und ist vielleicht verständlicher
  • ein neuer Bereich namens Spieltechnik enthält jetzt alle Hinweise zum Spielen selbst: wie hält man die Flöte richtig, wie greift man oder trillert etc…..
  • es gibt unter Instrument einen Bereich zur Pflege des Instruments

Daneben habe ich versucht, die elend langsamen Besetzungs-Listen der Notenübersicht ein wenig zu beschleunigen.

Naja, ich hoffe, die Änderungen gefallen und passen so…. und vielleicht bekomme ich ja auch ein bisschen Feedback, ob das denn alles verständlich und sinnvoll ist und ob es Euch jetzt besser gefällt als früher….. Gelegenheit dazu gibts entweder hier, indem Ihr einen Kommentar verfasst, oder per Mail oder im Forum, das leider bisher gar niemanden zu interessieren scheint…..

Ich würde mich wirklich sehr freuen (wie immer)…. und das ist ernst gemeint…

Frohes Schwitzen!

Claudia

Da anscheinend das Interesse an Griffen die allermeisten umtreibt (jedenfalls laut Statistik), habe ich die Griffseite überarbeitet. Die Griffe stehen jetzt alle auf einer Seite in Übersicht und können so auch ausgedruckt werden. Die Flashspielerei habe ich mal da gelassen….. für Liebhaber sozusagen.

Trillergriffe

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Im Bereich Spieltechnik findet Ihr jetzt eine Übersicht von gebräuchlichen Trillergriffen. Diesmal kann man das auch ausdrucken.

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