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Derzeit ist das Urheber- und/oder Copyright eines der großen Tagesthemen, nicht zuletzt dank der Erdrutsch artigen Gewinne der Piraten in den verschiedenen Meinungsumfragen. Ich bin juristisch komplett ungebildet und habe selbst auch kein Patentrezept dafür, wie man diesen Interessenkonflikt lösen kann. Weil ich aber Freunde im Verlagswesen habe, Komponisten kenne, die in der GEMA sind und mich auch manchmal schon selbst über kopierte Inhalte von meiner Seite in fremden Webauftritten geärgert habe, lässt mich das Thema durchaus nicht kalt.

Ziemlich schockierend finde ich die Selbstverständlichkeit, mit der alles mögliche ständig kostenlos gefordert und erwartet wird. Als Beispiel möchte ich hier mal auf das Ratgeberportal www.gutefrage.net verweisen. Ich bin da verschiedentlich über meinen Google Alert “Querflöte” gelandet und habe auch die eine oder andere Frage beantwortet. Wenn man allerdings die Fragen anschaut, so sind ca. 70-80% der Fragen zum Thema Querflöte: “Ich brauche kostenlose Noten”. Es variiert das gesuchte Lied oder Genre, aber kostenlos ist immer ein Muss. Wie kommt so was? Keiner sucht kostenlose Autos, Schuhe oder Makeup. Aber Noten sollen kostenlos sein?

Hat einer von Euch Suchenden schon mal eine gut lesbare Notenseite auch nur durch Abschreiben produziert? Ich habe verschiedentlich Noten mit Capella zusammengeschrieben, entweder, weil das Original schlecht leserlich war, weil ich nur eine Partitur hatte, aus der ich eine Stimme benötigte, weil ich mehrere Stimmen zusammenführen wollte oder was zu transponieren hatte. Und ich kann Euch sagen, dass das bei einem umfangreicheren Stück auch schon Arbeit macht. Wenn ich jetzt auch noch selbst komponieren oder arrangieren würde, also neben der Handarbeit auch noch Grips investiert hätte, dann bräuchte ich ja noch viel mehr Zeit. Wenn man das gut und für viele Stücke machen möchte, dann muss man auch irgendwann auch davon leben können. Also muss es auch was kosten. Alle schimpfen über zu niedrige Löhne und Menschen, die arbeiten und davon nicht leben können. Aber warum soll dann ein Autor, Komponist, Arrangeur oder auch Übersetzer, Setzer und Publisher für seine Arbeit kein Geld bekommen? Wollt Ihr wirklich alles mit Werbung zugepflaster haben? Ich kann das ehrlich gesagt nicht verstehen. Ich denke schon, dass die aktuelle Abrechnungsform für die meisten Medien nicht mehr praxisgerecht ist, weil moderne Medien und Techniken einfach nicht kontrollierbar sind wie Hardcopies. Aber ich bin der Meinung, dass geistige Leistungen, Kunst, Bildung und Musik ein wertvolles Gut sind. Vermutlich sogar das wertvollste überhaupt. Und wertvoll ist eben nicht zwingend kostenlos. Wenn Ihr ein Lied unbedingt haben wollt (in Noten), dann setzt Euch hin und hört es raus. Das könnt ihr nicht? Vielleicht versteht ihr dann, dass es Geld wert ist, wenn sich jemand die Mühe macht und das aufschreibt?

Ich bekomme auch erschreckend häufig Emails, in denen ich gebeten (in guten Fällen) oder aufgefordert (in den auch nicht seltenen weniger Guten Fällen), Material oder Informationen für eine Schularbeit oder ein Referat zusammenzustellen. Hallo? Auf meiner Seite finden sich Informationen ohne Ende. Diese stammen aus dutzenden von Büchern, Artikeln. Booklets, Notenausgaben und Gesprächen. Ich habe die hier öffentlich gemacht, für lau und weil es mir Freude macht. Da kann sich jeder bedienen. Aber ich bin nicht die Bedienung. Fragen beantworte ich immer gerne, aber diese “Fütter-mich-Mentalität” geht mir wirklich so was von auf den Nerv. Nie gab es so viel Information und Möglichkeiten in Griffweite und nie war das Anspruchsdenken größer. Das ist sehr traurig und sehr bedenklich, finde ich.

Wie wäre es denn mit einem Tauschsystem? Wer ein Buch oder ein Musikstück in Noten oder gespielt für lau haben möchte, der gibt dafür ein analoges Werk aus eigener Feder. Das würde wenigstens den Kulturbetrieb beflügeln. Macht doch mal was selber, ehe ihr von anderen immer nur haben wollt, wie wäre es damit?

“Soviel Musik war nie” das ist der Titel eines Buches aus dem Jahr 1997. Der Autor ist Klaus Peter Richter, Lehrbeauftragter am musikwissenschaftlichen Institut der Universität München. Als Untertitel steht da “Von Mozart zum digitalen Sound – eine musikalische Kulturgeschichte”. Nachdem ich es gelesen habe, finde ich den zweiten Teil dieses Untertitels etwas irreführend.

Schon die letzten Tage habe ich mich immer wieder gefragt, wie ich dieses Buch hier besprechen kann oder soll. Schwierig wird das zum einen dadurch, dass ich es nicht vollständig verstanden habe. Zum anderen ist es ein ungewöhnliches Buch (jedenfalls nach meinen Lesererfahrungen) und ich möchte vermeiden, dem Autor irgendetwas zu unterstellen. Also vorbeugend: was ich schreibe ist das, was ich gedacht und empfunden habe bei der Lektüre. Gut möglich, dass es nicht das ist, was der Autor beabsichtigt hat.

Also, zum Buch. Der Titel “Soviel Musik war nie” beschreibt zum einen die Allgegenwart der Musik im heutigen Alltag (vom Kaufhaus über öffentliche Toiletten, Autoradio, Walkman, Mp3-Player etc.). Musik ist immer und überall für jeden verfügbar, der das möchte. Auf einer anderen Ebene spricht es aber auch von der verfügbaren Bandbreite von Musik. Nicht nur stilistisch (Klassik, Pop, Rock, Folk, Jazz etc.) sondern auch bezüglich der zeitlichen Bandbreite (Renaissance bis Zeitgenossen, die Hits der 50s, 60s, 70s, 80s, 90s). Aktuell hören und spielen wir die Musik der kompletten Menschheitsgeschichte, aller Regionen und Zeiten. Das ist schon ziemlich ungewöhnlich und rechtfertigt die Aussage “Soviel Musik war nie”.

Richter teilt sein Buch in zwei Hauptabschnitte, von denen der zweite deutlich der bei weitem längere ist:

  1. Eine Bestandsaufnahme
  2. Wie es dazu kam

Was mich an diesem Buch so irritiert hat, ist die Aufeinanderfolge von Aufzählungen und Beispielen. Ich verliere dabei gelegentlich ein wenig den Faden. Der Autor spricht eigentlich keine Wertung aus zu dem was er beschreibt. Seine Sprache ist aber für mein Empfinden wertend. Ich hatte den Eindruck, dass die von ihm beschriebene Entwicklung ihm nicht behagt. Er erscheint mir deutlich kritisch, ohne dass er dies explizit ausspricht. Sprachlich ist das Werk sehr anspruchsvoll, wie ich finde. Der Stil erinnert an eine Konzertkritik oder einen anspruchsvollen Feuilleton. Es würde mich nicht wundern, wenn Herr Richter sich auch in diesem Bereich betätigen würde.

Was ich definitiv mitgenommen habe, ist eine für mich nachvollziehbare Erklärung dafür, warum sich in unserer Zeit die E-Musik so weit von der U-Musik entfernt hat und warum die Musik der aktuellen, noch lebenden Komponisten von E-Musik nicht unser Musikleben dominiert, sondern viel mehr die Hits der vergangenen Jahrhunderte von Bach bis Schubert. Richter beschreibt hier die Entwicklung von der Ordnung der Kontrapunktzeit, die er als “übergeordnete” Ordnung bezeichnet, über die individuellere, menschlichere, subjektive Form bei Mozart oder Beethoven (hier steht das “ich” mehr im Vordergrund, die Musik wird zum Dialog, individualisiert und vermenschlicht), weiter über die harmonischen Erweiterungen der Romantik (Chromatisierung), die zu einer Auflösung und Ausdehnung des harmonisch zulässigen führte (Wagner als Extrem) bis zur neuen Konstruktionsmethode der Zwölftontechnik, in der die Harmonie in den Hintergrund tritt. Und etwa ab diesem Punkt haben die Komponisten dann einen großen Teil ihrer Zuhörerschaft verloren, weil ab hier die emotionale Seite des Musikhörens eingeschränkt wurde. Die Musik wurde zu einer durchkonstruierten Kunst. Die Option, eigene Gefühlszustände zu unterstützen oder auch zu verändern durch die Musik, die man hört, ist bei diesen Konstrukten kaum noch gegeben. Der Zugang erfolgt eher intellektuell. Dem Konzert geht eine Erläuterung voran, die den Bauplan der Werke offenbart. Man folgt der Musik dann mehr mit dem Gehirn als mit dem Herz. Für mich beschreibt das meine Hörerfahrung in vielen Konzerten zeitgenössischer Musik ganz gut. Häufig fasziniert mich die technische Seite, das was die Interpreten so mit ihren Instrumenten anstellen, interessante Instrumentierungen und ähnliches. Aber diese Faszination ist eine intellektuelle.

Richter sagt, dass die emotionale Seite der Musik daher heute durch ältere Musik oder eben durch U-Musik bedient wird. Ein Grundbedürfnis der Menschen beim Musikhören ist die emotionale Wirkung. Die ergibt sich aus Struktur, Melodie und Harmonie. Wiedererkennen und verstehen sind wichtig und befriedigend. Ich finde, das trifft es ganz gut und die Entwicklung der Musik weg von diesen Strukturen finde ich auch erkennbar und nachvollziehbar.

Die Musikszene hat parallel zum “Verlust” der Publikumswirksamkeit der aktuellen ernsten Werke einen Kult um die Interpreten entwickelt. Auch hier kann ich Herrn Richter zustimmen. Heute sind Solisten und Dirigenten die modernen Stars. Klassische aktuelle Komponisten sind selten in Person bekannt (eine Ausnahme ist hier vielleicht Stockhausen gewesen). Diejenigen, die bekannt sind, sind dies häufig durch ihre Dirigiertätigkeit (Boulez oder Holliger). Mozart oder Beethoven waren dagegen nicht nur aufgrund ihrer Interpretentätigkeit Stars sondern gerade aufgrund ihrer Kompositionen (sehr gut in Ortloffs Roman zur Uraufführung des Don Giovanni in Prag beschrieben).

Richters Buch beschreibt ausführlich die Entwicklungen seit Erfindung des Recording, den CD- und Video-Wahn der Branche, die Verfügbarkeit von Musik und den Anspruch, der aus den perfekten Aufnahmen auch an Live-Veranstaltungen gerichtet wird. Auch hier hat er überall recht. Was mir fehlt ist aber die Seite der nicht-professionellen Musikausführung. Das Hausmusizieren, das von der Verfügbarkeit von Musik aller Zeiten und auch von wenig bekannten Komponisten profitiert, spielt in seiner Betrachtung keine Rolle. Im Buch geht es um Konzerte und Aufnahmen, um Kommerz und Musik. Ich glaube aber, dass wir heute auch so viel Musiktreibende wie noch nie haben und dass dies ein Luxus ist, der auch der Gesellschaft nutzt.

Ich denke, die Beobachtungen sind alle richtig und auch gut beschrieben (obwohl mich die Aufzählungen und die teils ziemlich hochgeschraubten Formulierungen dabei etwas irritieren). Nur die für mich immer mitschwingende Kritik teile ich nicht. Ich glaube, jede Gesellschaft hat ihre eigene Form mit Kunst, Musik und Kultur umzugehen. All das ist ja Teil der Gesellschaft. Es macht keinen Sinn, sich daneben zu stellen und zu kritisieren. Beobachten finde ich gut und selbst gestalten ist toll. Nörgeln ist sinnlos.

Besonders amüsant an der Lektüre war für mich die “Aktualität”. Das Buch ist mittlerweile 15 Jahre alt (steht schon eine Weile in meinem Regal und stammte auch aus irgendeinem Wühltisch oder Antiquariat). Alle monetären Zahlen sind noch in DM und die Verfügbarkeit von Musik über den PC wird als Prognose oder aller jüngste Entwicklung beschrieben. Eine Beispiel-Interpretin für “Crossover” ist Vanessa Mae, von der man heute schon fast nichts mehr hört.

Ich bin schon lange sehr fasziniert von der Wechselwirkung zwischen politischen, technischen und sozialen Entwicklungen und Musik. Daher war das Buch für mich sehr spannend. Ich finde allerdings auch, dass zwischen all den Beispielen und Aufzählungen eine wirkliche Aussage ein wenig untergeht. Ich fände eine eigene Meinung oder Bewertung des Autors in Klartext nicht schlecht. Insgesamt bleibt für mich das gelesene, die unendlich vielen Fakten, Zahlen und Namen, wenig greifbar und diffus. Overload oder so ähnlich. Hier für alle, die es selbst mal lesen möchten die exakten bibliographischen Angaben:

Klaus Peter Richter: Soviel Musik war nie.

Von Mozart zum digitalen Sound. Eine musikalische Kulturgeschichte.

Luchterhand Literaturverlag 1997,

ISBN 3-630-87989-6

Reich mir die Hand….

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Vielleicht eine der berühmtesten Arien überhaupt. Wir haben diese wunderbare Melodie aus dem Don Giovanni schon in der Grundschule in Musik behandelt (was sich mir bis heute eingeprägt hat). Die Variationen aus Beethovens Feder über diese Arie gibt es in zahlreichen Besetzungen unter Flötenbeteiligung (drei Flöten, Flöte – Klarinette – Fagott, Flöte – Violine – Bratsche und sicher noch in manch anderer Bearbeitung). Und nun habe ich einen Roman gelesen, in dem auch gerade diese Arie eine zentrale Rolle spielt.

Mal wieder ein Buch von dem von mir so gerne gelesenen Hanns-Josef Ortheil: Die Nacht des Don Juan. Es dreht sich, wie man aus dem Titel schon erahnen kann, um die Entstehung der Oper Don Giovanni. Die Geschichte handelt in Prag (logisch, da wurde Don Giovanni uraufgeführt). Neben den zu erwartenden Figuren Mozarts und seiner Frau sowie des Librettisten da Ponte, stehen Casanova und der Haushalt seines Gastgebers, des Grafen Pachta, im Zentrum der Geschichte.

Meines Wissens vermutet man, dass Casanova sich tatsächlich in Prag aufhielt zur Premiere von Don Giovanni, die Geschichte, die ihm eine Mitwirkung am Zustandekommen der Premiere unterstellt, stimmt vermutlich so aber nicht. Das tut dem Lesegenuss aber keinen Abbruch.

Das Buch beschreibt ein sehr sympathisches Paar Wolfgang Amadeus – Constanze, es handelt von Musik, Liebe und Genuss (wie oft und gerne bei Ortheil) und wählt eine Sprache, die einem das Prag des 18. Jahrhunderts und die Figuren sehr nahe kommen lässt. Es ist unverkennbar, dass Ortheil Mozart liebt. Er schafft es, in Worten die Musik so zu beschreiben, dass man den Wunsch hat, eine Don Giovanni-Aufführung zu besuchen (am liebsten sofort).

Kurz, es ist ein Buch, das mir warm ums Herz gemacht hat. Ein Buch für Musikliebhaber und auch für diejenigen, die gerne historische Romane lesen.

Lexikon der Flöte

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Aktuell habe ich mich bis zum Buchstaben L durchgearbeitet. Da das beinahe die Hälfte ist, denke ich, kann ich schon mal ein paar meiner Eindrücke hier von mir geben.

Das Lexikon erweckt den Eindruck, einen Spagat zwischen Nachschlagewerk und “interessanter Lektüre” versuchen zu wollen. Leider gelingt das nicht so gut, finde ich. Die Artikel sind in Stil und Länge sehr unterschiedlich. Gerade bei den Biographien, von denen ich am meisten gelesen habe, wird häufig sehr viel Information außen herum mit in die Artikel hineingepackt. Leider sind auch viele biographische Daten nicht korrekt (verglichen mit diversen Quellen im Internet). Viele Texte gleiten in eine sehr subjektiv erscheinende Darstellung ab. Auch die Auswahl der aufgenommenen Personen ist für mich in vielen Einzelfällen nicht ganz nachvollziehbar.

Toll ist die große Ansammlung von Informationen zum Repertoire der Flöte. Da gibt es vieles rund um die Werke und auch einfache Listen von Werken mit Flöte am Ende von biographischen Artikeln. Der Versuch, flötistische Inhalte (soll heißen Anleitungen zu Spieltechnik) in ein Lexikon zu packen, war mutig, konnte aber eigentlich nicht wirklich klappen, denke ich. Vieles ist hier ja auch sehr subjektiv und ich erwarte von einem Lexikon eine mehr sachliche, objektive Darstellung. Kurz, man würde sich häufig eher trocknere, sachliche oder gar wissenschaftliche Definitionen wünschen und findet stattdessen eher persönliche Ansichten oder auf andere Art nicht sehr sachlich wirkende Prosa (kann ich schwer in Worte fassen).

Bei den Artikeln zu Personen würde ich mir unterhalb des Namens neben den Lebensdaten noch jeweils ein Stichwort zur Einordnung wünschen (Flötist, Blockflötist, Komponist oder ähnliches). Das ist vermutlich für jemand, der gezielt nach jemandem sucht nicht so wichtig, aber durch die teils sehr ausführlichen Artikel und den Schreibstil ist das Lexikon sowieso nur bedingt als Nachschlagewerk anzusehen.

Kurz, für weitere Auflagen ist auf umfangreichen Feinschliff zu hoffen. Das ganze ist ja auch ein echtes Mammutwerk mit über 900 Seiten.

Eine Buchempfehlung mal wieder. Es geht um einen Roman und dieser handelt nicht hauptsächlich von Musik. Aber Musik kommt vor und daher kann ich mir diese Empfehlung nicht verkneifen, auch und vor allem, weil es einfach zu den besten Büchern gehört, die ich in letzter Zeit gelesen habe. Zuerst mal alle Infos:

Muttersohn von Martin Walser,
erschienen im Rowohlt Verlag
ISBN 3498073788

Aufmerksam wurde ich durch verschiedene Berichte in Fernsehen, Zeitung usw. Irgendwas an den Buchbesprechungen hat mich sehr neugierig gemacht und da habe ich mir das Buch zum Geburtstag gewünscht. Ich glaube, vorher habe ich noch nie Walser gelesen.

Mich hat das Buch von Anfang an gefesselt und begeistert. Jetzt bin ich durch und möchte behaupten, dass ich vermutlich nur einen Bruchteil wirklich verstanden habe. Seltsamerweise hatte ich schon beim Lesen öfter den Gedanken, dass ich das nochmal lesen möchte, obwohl das normalerweise gar nicht meine Art ist.

Um was es in dem Buch geht ist gar nicht so einfach zu sagen. Es gibt eine Menge eigenartiger Figuren in diesem Buch. Die Geschichte spielt in Süddeutschland und größtenteils in einer Nervenheilanstalt. Hauptfigur ist Percy, der Muttersohn, wobei er den Namen trägt, weil er laut seiner Mutter ohne Beteiligung eines Mannes entstanden ist. Damit wird auch schon das erste Thema eingeführt, hier geht es auch um Glauben. Vor allem geht es aber um Menschen und ich fand, dass das Buch auf viele Aspekte des Zusammenlebens eine neue Sicht anbietet.

Wo kommt die Musik ins Spiel? Percy selbst spielt Orgel, genau wie einer seiner besten Freunde. Zwei der beschriebenen Personen beschäftigen sich sehr intensiv mit Musik. Diese beiden Charaktere sind eigentlich auch diejenigen, die ausschließlich positiv geschildert werden. Irgendwie fand ich das bemerkenswert, diese Verknüpfung von Musik und netten Menschen.

Im Mittelteil des Buches werden die Proben zu einer großen Oratiorums-Aufführung ausführlich beschrieben. In diesem Teil merkt man, dass Herr Walser wohl selbst Musik machen muss. Anders kann man sich eine so einfühlsame, treffende Beschreibung nicht vorstellen.

Am Ende des Buches wird eine musikalische Bildungsstätte ins Leben gerufen, auch hier fand ich mich wieder. Diese Akademie ist all denen gewidmet, die schon immer hauptsächlich Musik machen wollten, aber bisher nicht die Möglichkeit hatten.

Für mich war dieses Buch so was wie ein modernes Märchen. Es ist toll geschrieben und hat mir ein sehr leichtes Gefühl vermittelt. Viele Anregungen, viel Menschlichkeit und eben auch ein bisschen Musik. Und irgendwie auch ein bisschen verrückt. Da waren viele zitiertaugliche kluge Sätze, die ich mir leider alle nicht merken konnte. Eine Fundgrube und für mich sehr faszinierend. Jetzt vielleicht öfter mal Walser….

Alle drei sind derzeit in aller Munde. Der alte Fritz wird am 24. Januar 300 Jahre alt.  Das ist zwar erst nächstes Jahr, die Medienlandschaft brummt aber schon seit Monaten. Die EMI hat zu diesem Anlass eine CD mit Werken von Friedrich herausgegeben, die kein geringerer als Pahud eingespielt hat. Die derzeit rollende Werbelawine sucht ihres gleichen in der Klassikwelt. Pahud tourt von Radio-Interview zu Harald Schmidt  und das Cover der CD (mit grau gestyltem Haar und nachgemachter preussischer Uniform) ziert Dutzende von Onlinemedien. Kurz, man kommt nicht vorbei an diesem Album. Aktuell verlost zudem jpc einen Kunstdruck basierend auf diesem Coverbild. Der Reclam-Verlag veröffentlicht auch ein Bändchen zu Ehren des alten Preußen.

Hier einige der Online-Artikel der letzten Wochen:

Was findet man da so alles? Eigentlich nichts neues, der musizierende Fritz wäre eigentlich lieber nicht König geworden, er hat  den Deutschen die Kartoffelgebracht (das gibt Pommes frites (gesprochen “fritz”) noch eine zweite Bedeutung, wie schon Heinz Erhardt erkannte (siehe unten)), sein Vater richtete vor seinen Augen seinen Geliebten hin, als er mit diesem abhauen wollte. Kurz, er hatte es wirklich schwer, trotz oder wegen des Königseins. Sein von ihm überaus geschätzter Flötenlehrer war übrigens Quantz und am Hof war auch lange Carl Philipp Emanuel Bach Musikus, dessen Werke der König aber wohl nicht unbedingt schätzte (war ihm zu modern).

Im Potsdamer Neuen Palais veranstaltet die Stiftung Preußische Schlösser von April bis Oktober eine Ausstellung unter dem Titel Friederisiko. Das Land Brandenburg organisiert ebenfalls eine ganze Reihe von Events zu seinen Ehren, z. B. ein Konzert mit 300 Flöten in Rheinsberg, wo sein eigenes Schloss stand, eine Tagung in Potsdam und eine weitere Ausstellung in Schloss Branitz.

Die katholische Akademie des Bistum Dresden-Meißen veranstaltet am 16.02.2012 einen Vortragsabend zur Musik in der Zeit Friedrichs. Vortragende sind die Dres Poppe und Schwinger (20.00 Uhr im Kathedralforum Dresden). Die ARD bringt am 16. Januar um 22.45 Uhr einen flammneuen Dokumentarfilm (kommt bei Arte schon am 7. um 20.15 Uhr), in dem die beiden Damen Thalbach den alten Fritz geben (siehe Westfälische Nachrichten oben).

Hier noch Heinz Erhardt zum Thema:

Vom Alten Fritz, dem Preußenkönig

weiß man zwar viel, doch viel zu wenig.

So ist zum Beispiel nicht bekannt,

dass er die Bratkartoffeln erfand!

Drum heißen sie auch – das ist kein Witz -

Pommes Fritz!

Der Klassiker für den musikalischen Roman – es geht um Pianisten. Die Geschichte spielt in den Jahren 1968-70 in Oslo. Ich habe ein bisschen gebraucht, ehe ich mit dem Buch warm wurde. Anfangs fehlten mir irgendwelche Sympathieträger, ich konnte die Verhältnisse innerhalb der Familie des Erzählers nicht nachfühlen. Irgendwann spielte dann die Musik mehr und mehr eine Rolle, dazu erste Liebesgeschichten eines 17-jährigen. Für mich wurde das Buch ab da spannend und es wurde schwer, es aus der Hand zu legen.

Der Autor ist selbst Pianist und Komponist, das merkt man auch beim Lesen. Die Hauptfigur ist ein Jugendlicher, der durch seine Mutter eine enge Beziehung zu klassischer Musik hat und ausgezeichnet Klavier spielt. Die geliebte Mutter verunglückt gleich zu Beginn des Buchs. Die Restfamilie (Vater, Schwester und er) verliert mit der Mutter zunächst jede interne Bindung. Auf den Tod der Mutter folgt bald der Entschluss, die Schule aufzugeben und nur noch Klavier zu spielen, mit dem Ziel Pianist zu werden.

Ein Nachbarsmädchen, in das er sich aus der Ferne verliebt, stellt sich als ebenfalls begabte Pianistin heraus. Es beginnt eine Geschichte von Üben, Wettbewerben, Konzertieren und untereinander überraschend gut befreundeten Ausnahme-Jugendpianisten. Ich habe beim Lesen oft bereut, dass ich die genannten Klavierwerke nicht besser kenne, ich bin sicher, dass viele der Anmerkungen von einem Pianisten geteilt würden, ich konnte das jedoch gar nicht einschätzen.

Das gezeichnete Bild einer so wenig in Konkurrenz lebenden Nachwuchs-Pianistenschar schien mir etwas unrealistisch, die all den jungen Leuten geöffneten Türen ebenso, aber vielleicht ist das vor 40 Jahren und in einem “kleinen” Land wir Norwegen auch tatsächlich so gewesen. Dennoch wird der Konflikt, der mit einer Entscheidung für eine musikalische Karriere verbunden ist, der Druck, der entsteht sehr deutlich. Die Beziehungen zum Klavierlehrer und die Gefühlsverwirrungen eines Heranwachsenden sind wunderbar gezeichnet. Alles in allem ein dann doch irgendwie spannendes, vor allem aber auch sehr trauriges Buch mit viel Musik darin. Ich könnte mir vorstellen, dass ich demnächst ein paar CDs mit Klaviermusik anschaffen werden um nochmal Nachzuhören….

Hier die bibliographischen Daten zum Roman:

Ketil Bjørnstad: Vindings Spiel,

erschienen im Suhrkamp-Verlag,

ISBN 978-3-518-45891-4

Heute bin ich durchgekommen. Und meine Begeisterung hat mich durch das ganze Buch begleitet.

Zunächst zum Äußerlichen: Es handelt sich um ein ca. 1 cm starkes Buch in Klebebindung und DIN A 4 Format, vergleichbar mit einem Notenheft. Das ist nicht ganz zufällig, da das Buch vom Bärenreiter-Verlag herausgegeben wird.

Hans-Peter Schmitz bietet uns die Flötenschulen Fürstenau’s als Einführung in die Vortragsgepflogenheiten der Klassik und Romantik. Dabei werden ganze Absätze von Fürstenau zitiert und dazwischen durch Schmitz erläutert, in den Kontext der musikalischen Praxis zu Fürstenau’s Lebenszeiten gesetzt und für den heutigen Flötisten brauchbar gemacht. Es geht um die Gepflogenheiten in Sachen Verzierungen, Artikulation, Gestaltung. Wo kann ich atmen? Wieviel Freiheit ist zulässig? Wie werden Tempi richtig angesetzt etc.? Der Leser profitiert dabei von den umfassenden Kenntnissen Schmitz’ ebenso wie von der großen Erfahrung Fürstenau’s.  Besonders wichtig finde ich, dass Schmitz auch Beispiele aus der Literatur (von Bach bis Mozart) anführt, in denen die Empfehlungen Fürstenau’s angewendet werden können, zudem wird darauf hingewiesen, wie spezifische Techniken und Aussagen von damals auf die heutige Flöte übertragen werden können, die sich ja technisch extrem von den Holzflöten zu Lebzeiten von Fürstenau unterscheiden.

Im Anhang sind auch die den Schulen beigefügten Duette, Soli und Stücke für Flöte und Klavier enthalten, die Klavierstimme sinnvollerweise in einem eigenen eingelegten Heft. Leider macht die Stärke des Heftes und die Klebebindung es extrem schwierig, diese Seiten aufzuschlagen, so dass sie auf dem Notenständer stehen bleiben und dennoch der Rücken nicht bricht. Abgesehen von dieser kleinen Trübung habe ich die Lektüre aber sehr spannend gefunden, auch wenn ich noch nicht ganz schlüssig bin, wie ich das gelesene verinnerlichen und in mein Spiel integrieren soll. Es gibt definitiv viele spannende Informationen, die ich jedem Interessierten nur empfehlen kann.

Das ist eines der neulich erwähnten Belletristik-Bücher mit und um Pianisten. Ich habe es geschenkt bekommen und vermutlich hätte ich es mir ansonsten auch nicht gekauft, weil mir der Autor vorher nichts gesagt hätte und weder Titel noch Titelbild oder Klappentext mich dazu motiviert hätten.

Und trotzdem würde ich sagen, es war eines der besten Bücher, die ich im letzten Jahr gelesen habe. Wirklich sehr schön. Im Mittelpunkt steht ein Pianist, der auch der Erzähler ist. Die Geschichte umfasst drei oder vier Tage in Zürich, an deren letzten Abend sein Konzert steht. Und es geht um eine Liebesgeschichte. Die Geliebte ist eine Kunsthistorikerin. Und so dreht sich das ganze Buch neben der Liebe eben um Musik und Kunst und vor allem die Verbindung von beiden. Und auch um Literatur. Und irgendwie lassen sich all diese Themen auch gar nicht trennen (dazu gehört auch die Liebe).

Obwohl mir die Denkungsart des Erzählers teilweise sehr fremd blieb (ist eben auch ein Mann), fand ich die Beschreibung seiner Proben- und Vorkonzertszenen doch sehr nachvollziehbar. Ich könnte mir denken, dass das so ist, wenn man professionell Klavier spielt. Diese Einblicke in Konzertplanung, -vorbereitung und -alltag fand ich sehr spannend und eben auch glaubwürdig. Gleiches gilt für die mir noch viel fremdere Welt der Ausstellungsvorbereitung, die ebenfalls eine Rolle spielt. Das Buch macht Lust, sich Zürich auch mal anzusehen und ist einfach eine runde Sache und noch dazu mit einem sprachlich sehr ansprechenden Stil.

Ich kann mich nur bei der edlen Schenkerin mit dem guten Geschmack und der Kenntnis der Literatur bedanken. Das war sicher nicht mein letztes Buch von Herrn Ortheil. Hier die bibliographischen Fakten für alle, die jetzt Lust auf mehr haben:

Hanns-Josef Ortheil
Das Verlangen nach Liebe
btb, 2. Auflage, 2009

Witzig fand ich den Zufall, dass Herr Ortheil in Köln geboren ist und nun einen Wohnsitz in Stuttgart hat. Mich hat es ja eher in umgekehrter Richtung getrieben….. Dass er in der Tat selbst dem Klavier eng verbunden ist, zeigt die Inhaltsangabe zu Die Erfindung des Lebens, einem stark autobiographischem Roman (sagt Amazon). Es gibt übrigens noch weitere Romane von ihm mit Musikbezug schon im Titel: Das Glück der Musik: Vom Vergnügen, Mozart zu hören.... Mozart scheint sowieso eine besondere Bedeutung für den Autor zu haben, denn iDie Nacht des Don Juan ist er eine der handelnden Hauptfiguren.

Ich bin begeistert, eine neue Buchwelt hat sich eröffnet, das passiert mir nicht jeden Tag.

In meiner persönlichen Unterhaltungsbibliothek herrscht ein Klavier-Überhang. Irgendwie scheint es am beliebtesten zu sein, wenn man Musik oder Musiker oder Instrumente in einem Buch hat, das Klavier zu wählen. Wie kommt das?

Ich vermute mal, das Klavier ist bei uns ganz allgemein das bekannteste und vertrauteste Instrument. Klaviere stehen offen in allen möglichen Wohnzimmern, in Kneipen, in Sälen und Schulen. Fast jeder hat schon mal irgendwie ein paar Töne angeschlagen und vermutlich hat auch jeder jemand in Familie oder Bekanntenkreis, der tatsächlich spielt oder mal gespielt hat.

Wenn man bei amazon in der Kategorie Bücher den Suchbegriff “Pianist” eingibt, erhält man unter Belletristik genau 666 Treffer, was für eine symbolische Zahl :) Im Gegensatz dazu ergibt die gleiche Suche mit “Flötist” nur 133 Hits. Ist das nicht ungerecht? Ich finde schon…. Vermutlich müssen sich diese 133 Einträge auch noch unter Quer-, Block- und Panflöten aufteilen…. bleibt nicht eben viel für uns übrig (genau gesagt, für “Querflötist”: 2 Einträge), wie ich finde. Das einzige Belletristik-Buch mit einer “Flöte” im Titel, an das ich mich aktiv erinnern kann, ist 

Amazon query failed to return any results - Have you configured the AWS settings?

. Ein wunderbares Buch, aber es war trotzdem keine Querflöte….

In der Poesie dagegen ist die Flöte durchaus verbreiteter, was ja irgendwie auch schön ist. Zum Beispiel auf www.gedichte.xbib.de oder auf Gratis-Gedichte.de.

Das Klavier und die Pianisten in Büchern sind eigentlich immer mit professionellem Musizieren, mit Konzerthäusern und elitären Kreisen verknüpft. Die Flöte in der Poesie ist dagegen meist mit Natur und Liebe verknüpft, wird mit Hirten, Frühling und Liebe verbunden. Das mag an der Mehrstimmigkeit des Klavierspiels liegen und der relativen Einfachheit einer Flötenmelodie.

Wenn man übrigens statt nach den Musikern (Pianist und/oder Flötist) nach dem Instrument in Amazon sucht, dann sind die Verhältnisse etwas ausgeglichener (ca. 3:2 für das Klavier). Vielleicht heißt das auch, dass der durchschnittliche Leser oder Autor mit dem Instrument Flöte eher etwas verbindet als mit dem Musiker, der es bedient.

Macht man den gleichen Vergleich mit den Suchbegriffen Pianist und Flötist in der Kategorie Biographien bei Amazon, so sieht das Verhältnis zunächst wieder sehr ungleich aus. Bei genauem Betrachten der Ergebnisse zeigt sich dann aber schnell, dass es tatsächlich noch viel krasser ist, als die Zahlen vermuten ließen. Die Ergebnisse für Flötist sind gar keine Flötisten-Biographien, da finden sich Dirigenten, Komponisten und gar die Beatles. Flötisten scheinen nicht das gleiche Sendungsbewusstsein zu haben wie Pianisten. Vielleicht verleiht einem die Bezähmung eines so großen Gegenübers wie dem Konzertflügel und die dabei freigesetzte Schallenergie einfach ein anderes Selbstbewußtsein. Nach dieser Logik müsste es unfassbar viele Orgelbiographien geben.

Vielleicht wäre das mal ein gutes Thema für eine kulturwissenschaftliche Arbeit: “Die Bedeutung der verschiedenen Instrumente in Poesie und Belletristik”. Ich finde das nicht uninteressant und dann könnte man in der Psychologie die Erwartungen und Klischees aus der Literatur gegen die Typen, die tatsächlich diese Instrumente spielen, spiegeln.

Ich bin schon der Ansicht, dass es bestimmte Typen gibt, die tendenziell bestimmte Instrumente spielen (und natürlich gibt es auch immer Ausnahmen dazu). Die Mutter einer Schülerin hat mir mal gesagt, dass Querflötistinnen für sie immer dünne, große, bleiche rothaarige Mädchen gewesen wären. Sie war sehr überrascht, als ich vor Ihrer Tür stand :)

Ich denke dennoch, wenn jemand das für sich passende Instrument gefunden hat und sich lange und intensiv damit befasst hat, dann hat er eine Vorliebe für dieses Instrument und die damit verbundenen Schwierigkeiten und den richtigen Charakter und die richtigen Eigenschaften, um damit umzugehen. Und darum sind sich diese Menschen häufig ähnlich. Das ist natürlich nur eine Meinung, die ich allerdings häufig bestätigt sehe. Wobei es mit dieser Bestätigung auch ein bisschen wie mit dem Eintreten von Horoskopen sein kann, man sieht nur das, was man erwartet….

In den 80-ern war dieses Buch, soweit ich mich noch erinnern kann, eine völlige Neuheit. Dieses Werk geht in der Tat sehr strukturiert und wissenschaftlich an das Thema und steht damit in starkem Kontrast zu den bis dahin erschienen Büchern, die größtenteils auf Erfahrungen von altgedienten Flötisten beruhten und weniger die wissenschaftlichen Grundlagen bemühten.

Ich selbst habe es kurz nach dem Erscheinen (1986) erworben und auch in dieser Zeit gelesen. Jetzt habe ich es wieder hervorgeholt und arbeite mich noch einmal durch. Zu meiner Freude verstehe ich heute mehr und stelle fest, dass ich auf vielen Ebenen doch wohl etwas dazu gelernt habe.

Bisher bin ich mit erst mit dem ersten Kapitel durch “Der Spieler und das Instrument”. In vielen Punkten möchte ich Herrn Richter laut zustimmen. Erstens denke auch ich, dass das Flötenspiel an sich ein sehr dynamisches und damit auch anfälliges System darstellt, bei dem sich alle Komponenten gegenseitig beeinflussen. Auch teile ich die Ansicht des Autors, dass die früher sehr übliche Prüfung der körperlichen Tauglichkeit fürs Flötenspiel eigentlich ziemlich überflüssig ist (außer jemand hätte nicht alle zehn Finger oder ähnliches). Der dritte Punkt, der meinen stillen Applaus verdiente, war die Behauptung, dass eine übertriebene Willensleistung, purer Fleiß und das Abarbeiten von irgendwelchen Pflicht-Kontingenten (mindestens 5 Stunden am Tag üben und ähnliches) nicht der Weg zum Erfolg sind. In all diesen Punkten bin ich also überzeugtermaßen der gleichen Ansicht wie Herr Richter.

Allerdings denke ich, dass man durchaus schon früh auf Intonation eingehen sollte. Sicher kann und soll man von einem Anfänger nicht perfekte Intonation fordern. Aber ich denke, man muss frühzeitig auf grobe Intonationsmängel hinweisen und zeigen, was dagegen getan werden kann. Ich denke, aufgrund meiner eigenen Lernerfahrungen und dessen, was ich beim Unterrichten erlebt habe, dass man von Beginn alle Parameter des Musizierens vermitteln und korrigieren sollte. Ich glaube, so lernt es sich leichter, auch bei der Flöte. Die Frage ist, welchen Anspruch man dann stellt. Das Achten auf Intonation, Rhythmus, Klangqualität und -farbe aber sollte man von Anfang an fördern und fordern. Neben dieser einen Abweichung bin ich außerdem der Ansicht, dass Schüler lieber früher als später auch an Vorspielen teilnehmen sollten. Wichtig ist nur, dass die Vorbereitung und die Atmosphäre stimmt.

Buchtipp

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Ich möchte an dieser Stelle ein Buch vorstellen, das mich vollkommen begeistert hat und mehr ist als ein ” Nice to have” für Flötenspieler/innen: “The Complete Guide To The Flute and Piccolo” von James Phelan mit Beiträgen von Lillian Burkart.

Wie der Titel vielleicht schon ahnen lässt, handelt es sich bei diesem sehr umfassenden Werk um eine Anleitung für die Pflege und Wartung des eigenen Instrumentes. Die Bebilderung ist nicht üppig aber vollkommen ausreichend. Je nach Begeisterung für die Technik wird dem Interessierten auf sehr freundliche und vor allem sehr entspannte Weise gezeigt, dass sich hinter der Mechanik einer Flöte keine Wunder oder unlösbare Abstimmungsarbeiten verbergen.  Der Leser erfährt, wie man die Mechanik zerlegt, die gewünschten Arbeiten ausführt und dann das gute Stück wieder komplettiert. Alles ist ganz unaufgeregt, mit minimalem Werkzeugeinsatz und völlig angstfrei ausführbar.

Je nach handwerklichem Geschick des Musikers ist alles machbar. Sehr sympathisch finde ich zum Beispiel die Hinweise auf zu verwendende Pflegemittel. Nehmen wir nur einmal das Öl: statt hochgerechneten Literpreisen von mehreren hundert Euro, nimmt man Sommer-Motorenöl füllt sich eine kleine Menge ab und kippt den Rest in den Motor…Nicht-Pkw-Besitzer können dann mit dem Rest vielen Kollegen eine Freude machen.

Dieses Buch ersetzt nicht die Fachwerkstatt, und die 60 USD incl. Fracht sind auch nichts für Musiker, denen es wirklich ausschließlich um die Musik geht und deren Pflege und Wartung des Instruments beim Trockenwischen endet. Wer aber technikinteressiert ist, über ein Basiswissen im Englischen verfügt und hinter die Kulissen des eigenen Instruments schauen will, macht sich mit diesem Buch eine wirkliche Freude.

The Complete Guide To The Flute and Piccolo, ISBN 0-9703753-0-1, Paperback, 163 Seiten, Format ca. DIN A4 und für die Fluggäste: Gewicht 566g

Zu beziehen ist das Buch über:

www.burkart.com auf dieser HP findet man in einer Rubrik eine Bestellmöglichkeit.

Christian

Heute habe ich mir etwas gegönnt. Einen Besuch im Musikhaus Tonger und zwar ausschließlich in der Abteilung Antiquariat. Ab und an, wenn ich Zeit (und Geld) habe, gönne ich mir das. Antiquariate, Wühltische und Flohmärkte sind eine stete Versuchung, da ich mich wohl mittlerweise zu den Sammlern zählen muss.

Sammler von Noten und Büchern zum Thema Musik (und leider zusätzlich auch noch von sonstigen Büchern, aber das gehört nicht hierher).

Warum nun also Antiquariate, Wühltische und sonstige alt, billig und Secondhand-Quellen?

Dafür gibt es neben dem Preis, der natürlich auch eine wesentliche Rolle spielt, noch viel mehr Ursachen. Zum einen erlaubt der günstigere Preis auch eher den Griff nach Unbekanntem, weil das “Risiko” nicht so groß ist. Auf diese Art habe ich schon völlig neue “Schätze” aufgetan. Zum zweiten bietet sich häufig die Chance, Ausgaben zu ergattern, die auf dem Markt so gar nicht mehr erhältlich sind. Und, im Falle von Noten aus Nachlässen und ähnlichen Quellen, findet man manchmal auch noch Eintragungen und lernt daraus oder erhält einen ganz neuen Blick auf die Dinge. Zudem sind ältere Ausgaben häufig sehr schön gestaltet. Die günstigen Preise erlauben es, ein etwas umfänglicheres Repertoire für das von mir so geliebte Blattspielen anzusammeln.

Der einzige Nachteil ist, dass häufig nur exotisches und viel modernes in den Wühltischen landet. Derzeit gilt das allerdings in Köln nicht. Beim Musikhaus Tonger finden sich auch reihenweise Standards wie die Beethoven-Serenade im Antiquariats-Stapel.

Mir ist es inzwischen eine liebe Gewohnheit geworden, wenn sich die Gelegenheit bietet, auf Dienstreisen, im Urlaub und auf Tagungen, einen Abstecher in Musikhäuser und/oder Buchläden zu machen und dort die Wühltische heimzusuchen. Das Willkürliche der Auswahl macht für mich diese Visiten gerade mal noch reizvoller…. die Frage bleibt nur: wann soll ich das alles lesen?

Hier noch ein paar Internet-Adressen für Freunde des gebrauchten oder antiquarischen Buchs/Notenhefts:

Hier entfällt natürlich überall das wunderbare Wühlen in Notenstapeln. Ich praktiziere das auch immer besonders gern in Freiburg bei Tschäppät’s.

http://www.zvab.com/index.do

Derzeit lese ich mal wieder ein sehr spannendes Buch Musicophilia: Tales of Music and the Brain von Oliver Sacks (wahlweise gibt es das auch auf deutsch). Der Herr ist Neurologe und hat unter anderem das Buch geschrieben, das dem Film “Zeit des Erwachens” zugrunde liegt. In dem Werk, das ich momentan verschlinge geht es darum, was das Gehirn so beim Musik hören und machen zu tun hat und welche Probleme und Phänomene dabei auftreten können.

Die Form des Buches ist zunächst etwas ungewohnt, da echte Krankheitsfälle beschrieben werden, sowohl aus der Korrespondenz des Autors als auch aus der Fachliteratur. Das ganze ist ganz in Art einer wissenschaftlichen Arbeit mit Fußnoten gespickt. Trotz dieser tendenziell trockenen und wissenschaftlichen Darstellungsform sind für mich die Inhalte absolut faszinierend.

Nach ersten Kapiteln über musikalische Vorstellungskraft (beim Angucken von Noten sich die Melodie vorstellen können und ähnliches), musikalische Halluzinationen (Musik im Kopf, die genauso klingt, als spiele sie eigentlich vor der eigenen Haustür) und den Verlust der Fähigkeit Musik aufzunehmen (auf englisch amusia), geht es an der Stelle, wo ich momentan bin, um absolutes Gehör und auch um die Folgen von verschiedenen Formen der Schwerhörigkeit sowie um die Zusammenarbeit zwischen Hirn und Ohr. Und das ist derartig faszinierend, dass  ich es einfach nicht für mich behalten mag.

Zum absoluten Gehör gibt es mittlerweise sehr viele Studien und Statistiken. Dabei zeigt sich, dass es einen Zusammenhang zwischen musikalischer Ausbildung und dem Auftreten des Phänomens gibt. Wesentlich scheint vor allem die frühe Ausbildung vor dem achten Lebensjahr in diesem Zusammenhang zu sein. Außerdem wurde festgestellt, dass bestimmte Völkergruppen deutlich häufiger Menschen mit absolutem Gehör hervorbringen als zum Beispiel wir Mitteleuropäer. Das sind vor allem asiatische Völker, bei denen die Sprache auf Tonhöhenunterschieden aufbaut (z. B. Mandarin). Alles in allem wird durch diese Befunde eine Theorie (unbewiesen) unterstützt, die annimmt, dass zu Zeiten des Neandertalers womöglich Sprache als eine Art Singen zunächst ohne Silben entstand. Aufgrund dieser Kommunikationstechnik entwickelte sich im Gehirn die Fähigkeit, Tonhöhen genau wie Farben sehr genau erkennen zu können. Mit der Weiterentwicklung der Sprache in Silben und Worten und mit wenig oder keinem Gewicht mehr auf der Tonhöhe, ging diese Fähigkeit nicht wirklich ganz verloren. Sie ist bei kleinen Kindern noch weitgehend vorhanden. Beim Erlernen unserer heutigen Sprache ist diese Fähigkeit aber nicht nötig, kann sogar zu Verwirrung führen (wenn Papa tief und Mama hoch spricht und doch beide das gleiche sagen) und wird allmählich abgebaut, wenn nicht durch die musikalische Förderung dagegen gearbeitet wird. Die Phase, in der sich das absolute Gehör durch Schulung fördern lässt liegt somit nicht zufällig in den gleichen Entwicklungsjahren wie die Zeit, in der Kinder Sprachen mit muttersprachlichem Akzent und großer Leichtigkeit erwerben. Damit wäre das absolute Gehör sozusagen eine aussterbende Fähigkeit, vergleichbar mit den Weisheitszähnen.

Daneben habe ich gerade heute erst gelernt, dass es durch Gehörschäden (z. B. bei zu lauter Musik) passieren kann, dass man einzelne Töne unsauber hört. Im Buch gibt es Beispiele von Musikern und Komponisten, die in den oberen Oktaven Töne um bis zu eine kleine Terz verfälscht hören. Das scheint durchaus keine seltene Erkrankung zu sein und es trifft manchmal nur einzelne Töne. Welch eine Horrorvorstellung.

Und für alle, die bei sich selbst solche Effekte beobachten, hier noch eine erstaunliche Beobachtung aus dem Buch: das Gehirn kann diese physiologisch bedingte Veränderung teilweise ausgleichen. Durch Konzentration und Übung korrigiert das Hirn die falsche Meldung aus dem Ohr. Dabei wurde festgestellt, dass dies besser funktioniert, wenn man trotz des Problems die Ohren weiter fordert. Das heißt auch, Hörpausen, Zeiten großer Ruhe und das Vermeiden von Musik und Tönen ist kontraproduktiv.

Und wieder einmal bin ich absolut fasziniert, was unser Gehirn so alles fertig bringt und es macht einem Angst, sich den einen oder anderen Defekt vorzustellen. Hoffentlich trifft mich so was nie.

Seit einigen Wochen lese ich ein Buch, das mir Freunde geschenkt haben. Eigentlich wollte ich erst eine Empfehlung schreiben, wenn ich ganz durch bin, aber da stieß ich heute im Fernsehprogramm auf einen Beitrag, der mich veranlasst hat, den Tipp doch vorzuziehen.
Das Buch heißt

Konzert für die linke Hand von Lea Singer

Es handelt sich um die Romanfassung der Biographie des Pianisten Paul Wittgenstein, Sohn einer reichen österreichischen Industriellenfamilie und Bruder des Philosophen Ludwig Wittgenstein.

Puristen mögen jetzt sagen, hat ja nix mit Flöte zu tun. Richtig. Aber viel mit Musik. Brahms und Hindemith spielen kleine Nebenrollen und insgesamt zeichnet das Buch ein schönes Bild vom Verhältnis zwischen Mäzen und Künstler, von Wien vor, während und nach dem ersten Weltkrieg und von der Stelle, die Musik in einem Leben einnehmen kann. Das ist natürlich für jeden Menschen verschieden und genau das zeigt das Buch auch. Nebenbei habe ich auch noch viel geschichtliches dazugelernt (was nie meine Stärke war) und es ist sehr schön zu lesen, wie ich finde. Wunderbar verpackte Fakten sozusagen.

Nebenbei handelt das Buch von einer meiner Grundängste, da die Hauptfigur, wie der Titel ahnen lässt, im Krieg einen Arm verliert und seine gerade angebrochene Pianisten-Karriere beendet scheint. Nicht nur das, das Klavierspiel scheint zunächst verloren, wenn einen solch ein Schicksal trifft. Für mich war die Vorstellung, einen Finger zu verlieren oder ähnliches immer ein Horror, da ich nicht ohne Flöte spielen sein wollte. Verstärkt wurde diese Angst durch eine Freundin, die Cello spielte und dann durch einen Unfall die Fingerkuppe des Zeigefingers an der Griffhand verlor. Unvorstellbar! Dieses Buch allerdings macht tatsächlich Hoffnung, der “Held” spielt weiter…. sehr, sehr bewegend wie ich finde……

Der Anlass für diese verfrühte Empfehlung (obwohl ich sicher bin, die zweite Hälfte des Buchs wird genauso fesselnd bleiben) war wie gesagt das Fernsehprogramm. Am 16.9. zeigt der Bayrische Rundfunk um 23:40 Uhr eine Biographie von Paul Wittgenstein, die ich mir sicher ansehen oder aufnehmen werden. Vielleicht kann der filmische Beitrag ja noch den einen oder anderen für das Buch gewinnen.

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