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Alle drei sind derzeit in aller Munde. Der alte Fritz wird am 24. Januar 300 Jahre alt.  Das ist zwar erst nächstes Jahr, die Medienlandschaft brummt aber schon seit Monaten. Die EMI hat zu diesem Anlass eine CD mit Werken von Friedrich herausgegeben, die kein geringerer als Pahud eingespielt hat. Die derzeit rollende Werbelawine sucht ihres gleichen in der Klassikwelt. Pahud tourt von Radio-Interview zu Harald Schmidt  und das Cover der CD (mit grau gestyltem Haar und nachgemachter preussischer Uniform) ziert Dutzende von Onlinemedien. Kurz, man kommt nicht vorbei an diesem Album. Aktuell verlost zudem jpc einen Kunstdruck basierend auf diesem Coverbild. Der Reclam-Verlag veröffentlicht auch ein Bändchen zu Ehren des alten Preußen.

Hier einige der Online-Artikel der letzten Wochen:

Was findet man da so alles? Eigentlich nichts neues, der musizierende Fritz wäre eigentlich lieber nicht König geworden, er hat  den Deutschen die Kartoffelgebracht (das gibt Pommes frites (gesprochen “fritz”) noch eine zweite Bedeutung, wie schon Heinz Erhardt erkannte (siehe unten)), sein Vater richtete vor seinen Augen seinen Geliebten hin, als er mit diesem abhauen wollte. Kurz, er hatte es wirklich schwer, trotz oder wegen des Königseins. Sein von ihm überaus geschätzter Flötenlehrer war übrigens Quantz und am Hof war auch lange Carl Philipp Emanuel Bach Musikus, dessen Werke der König aber wohl nicht unbedingt schätzte (war ihm zu modern).

Im Potsdamer Neuen Palais veranstaltet die Stiftung Preußische Schlösser von April bis Oktober eine Ausstellung unter dem Titel Friederisiko. Das Land Brandenburg organisiert ebenfalls eine ganze Reihe von Events zu seinen Ehren, z. B. ein Konzert mit 300 Flöten in Rheinsberg, wo sein eigenes Schloss stand, eine Tagung in Potsdam und eine weitere Ausstellung in Schloss Branitz.

Die katholische Akademie des Bistum Dresden-Meißen veranstaltet am 16.02.2012 einen Vortragsabend zur Musik in der Zeit Friedrichs. Vortragende sind die Dres Poppe und Schwinger (20.00 Uhr im Kathedralforum Dresden). Die ARD bringt am 16. Januar um 22.45 Uhr einen flammneuen Dokumentarfilm (kommt bei Arte schon am 7. um 20.15 Uhr), in dem die beiden Damen Thalbach den alten Fritz geben (siehe Westfälische Nachrichten oben).

Hier noch Heinz Erhardt zum Thema:

Vom Alten Fritz, dem Preußenkönig

weiß man zwar viel, doch viel zu wenig.

So ist zum Beispiel nicht bekannt,

dass er die Bratkartoffeln erfand!

Drum heißen sie auch – das ist kein Witz -

Pommes Fritz!

Das Musikhaus Tonger in Köln wird im Herbst (spätestens Anfang November) umziehen. Zwar nicht weit, aber das Material will erst mal verpackt werden. Daher sind derzeit alle CDs und DVDs sowie alle Bücher und Noten aus dem Antiquariat nochmals um 20% reduziert. Letzte Woche war schon relativ viel ausgekauft, aber es gibt immer noch interessantes und auch ein paar echte Klassiker bei den Noten.

Dieser Artikel ist der erste einer kleinen Reihe mit Urlaubsberichten, meines lieben Mit-Bloggers Christian, der seinen Familienurlaub in Amerika für zahlreiche interessante Visiten genutzt hat. Viel Spaß damit!

Wenn man sich für (Quer)-Flöten interessiert und zufällig gerade in New York City ist, dann sollte man die Gelegenheit nutzen und einmal kurz beim New York Flutecenter reinschauen. Mitten in Manhattan, direkt am Columbus Circle. Die Wegbeschreibung im Internet ist keine echte Hilfe, denn da heißt es “Über Starbucks”. Über Starbucks ist aber in New York quasi jeder zweite Hauseingang. Die Amerikaner erzählen sich, es würde nicht mehr lange dauern bis es einen Starbucks im Starbucks gibt. Ich schweife ab.

Wie immer in meiner amerikanischen Erlebniswelt war auch der (unangemeldete) Besuch bei Mr. Unger mit einer herzlichen Aufnahme und dem “alles beiseite legen” und sich um den Gast kümmern verbunden. Die Räumlichkeiten sind schnell beschrieben: Der Eingangsraum mit einem PC Platz und dem Arbeitsplatz von Herrn Unger und ein Testraum.

Verkaufsbereich des New York Flutecenter

New York Flutecenter: der Einkaufsbereich


Wie auf dem Foto zu sehen, gibt es auch ein Hochregalsystem, das der Lagerhaltung dient und eine schnelle Zugriffsgeschwindigkeit erlaubt. Hier wird das Prinzip der kurzen Wege wirklich gelebt. Nein, ohne Ironie, mehr ist nicht nötig um sich sehr intensiv um die Belange von Flötenspielern zu kümmern. Ich kann natürlich nichts über die fachliche Qualifikation aussagen, gehe aber davon aus, dass der Principal Flutist der Met sich seinen Händler schon gut aussucht und da mit uns zusammen auch gerade ein Isländer mit seinem Sohn bei Herrn Unger reinschaute, kam das Gespräch auf Stefan Ragnar, der wenig später einen Termin mit Herrn Unger hatte.
Eingangsbereich und Arbeitsplatz im New York Flutecenter

Das Entree

Am Samstag, den 20. August findet um 16 Uhr in Suckow im dortigen Marstallhof ein Konzert mit Werken von Bach bis Villa-Lobos statt. Mit dabei die Flötistin Barbara Hill

Mehr Infos zu diesem und weiteren Konzerten der Reihe

Kurzwochenende in Wien mit meinem früheren Orchester. Anreise an Freitag, Samstag Vormittag Probe und Sonntag um 17 Uhr Konzert. Samstag Nachmittag war also frei für Streifzüge durch die Stadt. Was liegt da für den Musikinteressierten näher als das Mozarthaus und das Haus der Musik? Also los…

Zuerst Mozart. Erster Schreck waren die stattlichen 9 Euro Eintritt. Das Haus selbst wunderschön mit alten Dielenböden, Stuckdecken und Innenhofartigem Treppenhaus.

Blick aus Mozarts ehemaliger Wohnung

Blick aus Mozarts ehemaliger Wohnung

Für jeden Besucher gab es einen Audioguide. Das ist ein Gerät, auf den ersten Blick einem Rasierapparat nicht unähnlich, das einem nach Eingabe eines Artikels per Nummer den Führer ersetzt. Leider waren für meinem Geschmack alle Texte sehr länglich, so dass alle Besucher permanent wie mit dem Handy telefonierend durch die Räume schlenderten. Austausch untereinander war fast eingestellt. Die Exponate schließlich hatten eher indirekten Bezug zu Mozart und waren für mich eher enttäuschend. Im Grunde wurde hier die leere Hülle einer Hauses, in dem Mozart mal gewohnt hat, mit Willkürlichkeiten angefüllt. Der Eintritt wäre also genauso gut oder gar besser in eine Mozartbiographie investiert.

Unsere zweite Station, das Haus der Musik toppte Mozart noch mit einem Eintrittspreis von 11 Euro. Es hätte einen verbilligten Kombitarif für beide Häuser gegeben, das haben wir aber leider erst an der Kasse der zweiten Museums gesehen und nach voller Bezahlung der Preises für Haus 1 war eine Verrechnung leider nicht mehr möglich. Das Haus der Musik bot Biografien der großen Wiener Haydn, Mozart, Beethoven, Schubert, Strauss und Mahler sowie ein wenig zu den 12-Tönern. Dann Abteilungen zur Stimme, zum Hören und zu Klangerzeugung. Viel Interaktives, vornehmlich über Touchscreens und angebundene Kopfhörer. Teils spannend, teils für mich nicht nachvollziehbar. Auch hier für den Bereich Biographien ein Audioguide, durchaus angenehmer als der bei Mozart. Die Komponistenecke fand ich am schönsten, vermisst habe ich neben Brahms die vielen weniger bekannten Wiener Musiker. Am Ende gab es die Möglichkeit, virtuell die Wiener Philharmoniker zu dirigieren. Alles in allem viel interessanter als Mozart und eher sein Geld wert. Mir ein wenig zu viele Spielereien. Ansonsten auf dem Weg viele “musikalische” Gedenktafeln in der ganzen Stadt, die deren Bedeutung für die musikalische Geschichte Europas sehr anschaulich machen.

Gedenkstein für Fritz Kreisler, Wien

Gedenkstein für Fritz Kreisler in Wien

Gedenktafel für Conradin Kreutzer

Gedenktafel für Conradin Kreutzer

Ein Geigenbauer in Wien

Ein Geigenbauer in Wien

 

Anti-Gedenktafel in Wien

Verständlich, dass es manchen Wiener auch nervt....

In Wien ist Musik ein Verkaufsschlager....

Musikalische Unterwäschewerbung, in Wien verkauft Musik alles....

Gedenkstein für Toscanini in Wien

Gedenkstein für Toscanini in Wien

Vivaldi-Denkmal im Park neben der Votiv-Kirche in Wien

Denkmal für Vivaldi

Auf meiner Suche nach einer Kleinigkeit zu Ostern für meine Nichten und Neffen, bin ich in einem Musikgeschäft gelandet, da alle drei selbst auch schon Musik machen. Und dort hat ein Verkäufer sofort eine Nasenflöte vorgeschlagen. Ich habe zunächst gar nicht reagiert, weil ich das eher unappetitlich fand. Auch die zweite Nennung des Stichworts stieß bei mir auf keine positive Reaktion. Und plötzlich pfoff es hinter meinem Rücken in glasklaren Tönen…. irgendein Volkslied oder so was. Mich hat es richtig gerissen… und da stand der junge Mann und überzeugte mich durch Taten statt durch Worte…. ein bisschen seltsam sah das ja aus, so ein buntes Plastikteil vor der Nase, ein bisschen Schweinchen Dick oder so was…. aber da kamen ganz klare korrekte Töne raus, das leicht schäbig aussehende Plastikteil machte tatsächlich Musik…..

Naja, da habe ich sieben mitgenommen und am Ostersonntag haben dann alle gemeinsam die komplette Nachbarschaft wahnsinnig gemacht. Das Lernen ging nach anfänglichen Hemmungen in Sachen durch die Nase schnauben schnell und bald klangen auch hier die ersten Kinderlieder und Beatles-Hits durch die Lande.

Der freundliche Musikalienhändler, Tonger in Köln, hatte eine schriftliche selbst verfasste Anleitung beigelegt.
In Kurzform: das Ende mit dem Loch ohne Kante geht vor die Nase, aus der Nase bläst man und die Luft wird dann gegen die Kante geblasen, die sich im Mund befindet. Die Tonhöhe kann man durch die Mundform ändern. Ganz einfach und sehr effektiv….. ich kann das nur heiß empfehlen. Ein Riesenspaß und für jeden zu schaffen…..

Lazy afternoon mit Nasenflöten auf YouTube

Auf dem Heimweg von unserer Fachtagung haben eine Kollegin und ich heute dann eine kleine Schleife durch die Dresdner gezogen und sind dabei doch noch ganz durch Zufall auf viele Spuren der musikalischen Bedeutung dieser Stadt gestossen.
Schumann-Büste hinter der SemperoperAls erstes kamen wir durch einen kleinen, von der Elbe aus gesehen hinter der Semperoper gelegenen Park. Aus überfüllten und unbelüfteten Räumen kommend und bei aufreissenden Wolken eine wahre Oase mitten in der Stadt. Auf der Wiese links unseres Weges, die direkt an die Semperoper angrenzt, fand sich ein Bronzekopf auf einer Steinstele. Bei genauer Betrachtung erwies sich das Portrait als das von Robert Schumann. Er lebte von 1844 bis 1850 in Dresden und war hier Chorleiter.

Beim Weitergehen über den Vorplatz der Oper und dann hinter dem Taschenbergpalais durch die Kleine Brüdergasse fanden wir als nächstes eine Gedenktafel für einen weiteren Musiker, Jan Pismas Zelenka, laut Tafel “kurfürstlich-königlicher Musicus und Kirchencompositeur”. Zelenka wäre eigentlich gerne Hofkapellmeister bei August II geworden, nachdem der alte, Heinichen, den er bereits vertreten hatte, verstorben war. Mit seiner Bewerbung unterlag er allerdings Johann Adolf Hasse. Er verstarb in Dresden und wurde hier auf dem alten katholischen Friedhof begraben, sein Grab ist allerdings nicht mehr erhalten.

Die letzte musikalische Station auf unserem eher zufälligen Weg war dann deutlich neueren Datums und auch vom Stil von ganz anderem Kaliber: die Dresdner Philharmonie.

Ein willkürlicher Rundgang mit so vielen Zufallsfunden ist schon eher, was ich mir erhofft hatte. Leipzig ist so was wie eine musikalische Hauptstadt Deutschlands oder war es zumindestens. Jederzeit einen Besuch wert, auch einen eher unfreiwilligen….

Berufliche Gründe haben mich heute für den Rest der Woche nach Dresden gebracht. Mit den Kollegen haben wir einen kleinen Stadtrundgang gemacht und uns endlich die Frauenkirche von innen angesehen. Wunderschön, auch wenn ich diese barock-typischen Pastellfarben immer etwas eigenartig bunt empfinde.

Dort, in der Frauenkirche, fand ich auch das erste Zeugnis der großen musikalischen Geschichte Dresdens, eine Gedenkplatte im Boden für Heinrich Schütz, der unter der alten Frauenkirche begraben wurde. Für uns Holzbläser ist der Name vielleicht nicht so wichtig, aber alle Blechbläser werden ihn nur zu gut kennen.

Passend zu diesen Impressionen hörte man in der Altstadt eine leise Trompete von weitem klingen, ich würde auf Händel tippen. Der junge Mann stand direkt vor der Semperoper. Und immer wieder bin ich über die Akustik in den Gassen und auf den weiten Plätzen hier erstaunt.

Die Semperoper in Dresden

Die Semperoper in Dresden

 

Dann gings zum abendlichen Geschäftsessen. Auch hier wieder Musik, allerdings für mich eher anstrengend. Ein vagabundierender Akkordeonspieler zwischen den Tischen. Das Spiel war schon ok, nur dass diese Dauerberieselung mich ständig am Überlegen hält, welche Titel ich gerade höre. Und warum spielt man in Dresden “Ein Schiff wird kommen” und andere eher maritime Edelschnulzen? Seltsam…..

Zum Ausklang dann der Große Zapfenstreich vom Band…. das war der Wink mit dem Zaunpfahl.

Noch nicht ganz das, was ich mir von einem Besuch in Dresden an musikalischen Genüssen erhofft hatte…. aber ich habe ja noch zweieinhalb Tage Zeit und es ist Raum für Verbesserungen….

Musik-Sightseeing

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Wer kennt Sehenswürdigkeiten der musikalischen Art? Denkmäler, Geburtshäuser, Ausstellungen oder sonst was…. egal wo. Ich besuch so was ganz gerne und es ist nicht immer so leicht, da ohne Ortskenntnis drauf zu stossen…. Freue mich über jeden Kommentar, Danke!

Der Link zu diesem YouTube-Video kam gerade per Mail bei mir an. Ich dachte mir, das könnte alle Flötenfreunde begeistern:

Den Flötisten Gergely Ittzes findet Ihr auch auf Flutepage.de. Besonders empfehlenswert finde ich seine Aufnahme von Werken des Komponisten Dubois.

Heute wäre er 94 geworen, Hans-Peter Schmitz. Von hier aus daher ein kurzer Gruß. Immerhin war sein Name der allererste geschriebene, den ich mit Querflöte verbunden habe. Ich gehöre zu den sicher unzähligen Kindern, die mit seiner Schule “Flötenlehre” die ersten Töne gelernt haben.

Das Heft zeichnete sich durch seine Überformatigkeit aus, die großen Textmengen mit geradezu wissenschaftlich anmutender Aufmachung (da waren sogar Röntgenbilder drin, wenn ich mich recht entsinne). Weit ab von der heutigen eher Kind-orientierten Gestaltung einer Instrumentalschule.

Auch die Literaturauswahl war mir mit etwas über 9 Jahre eher fremd. Da war neben Quantz und anderen “alten Hasen” auch Neue Musik zu finden und das ging mir gar nicht ein. Aus der Grundschule und dem Blockflötenheft war ich dann doch eher Kinder- und Volkslieder gewohnt. Irgendwo im Mittelteil dann die verhassten Tonleitern. Und doch gab es einige Stücke in diesem ersten Band, die ich noch Jahre lang mit Begeisterung gespielt habe.

Auch er war einer der Musiker, die aktiv am zweiten Weltkrieg teilnehmen mussten. Ich stelle mir diese Erfahrung gerade für musisch begabte Menschen extrem schwer vor. Als Lehrer muss er wohl sehr beeindruckend gewesen sein, wie dieser Bericht eines Studenten zeigt.

Für alle heutigen Flötisten haben wohl vor allem seine Verdienste um Neuauflagen von schon fast verschollener Flötenmusik Bedeutung. Die durch ihn praktizierte Zweigleisigkeit als aktiver Flötist (im Orchester, als Lehrer und kammermusikalisch mit dem Berliner Trio) und Musikwissenschaftler trifft man bei deutschen Flötisten seiner Generation häufiger. Mir scheint diese Verknüpfung von Praxis und Wissenschaft tatsächlich ein Deutschland-spezifisches Phänomen. Vielleicht sogar mit begründet durch die Kriegserfahrung, da während der Militärzeit eine praktische Auseinandersetzung mit Musik so gut wie unmöglich wurde und die rein theoretisch-wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem vermissten Themengebiet in solchen Zeiten ein Trost sein kann. Zudem kann ich mir vorstellen, dass die Erlebnisse des Kriegsgeschehens einen neuen Blick auf Geschichte und Vergänglichkeit öffnen und so die Bewahrung und Wiederbelebung verschütteten Kulturguts zu einem sehr persönlich empfundenen Anliegen machen.

Vielleicht bringt der 95. Geburtstag im nächsten Jahr uns ja noch weitere Einblicke in das Wirken von Hans-Peter Schmitz. Wäre doch eine schöne Gelegenheit….

Beim Zusammenschreiben der vielen Biographien bin ich immer wieder verwundert, wie eng die Geflechte zwischen den Lebensläufen sind. Das eine sind musikalische und biologische Stammbäume. Das soll heißen familiär miteinander verbundene Musiker und Komponisten, wie die Bach-Familie, die Brüder Doppler, Rampal und sein Herr Papa oder auch Mozart, sein alter Herr und weniger bekannt, auch sein Sohn. Musikalische Stammbäume sind die zahllosen Schüler-Lehrer-Beziehungen, auf deren Spuren man vermutlich vom Barock bis zu Stockhausen von einem großen zum nächsten wandeln könnte.

Neben diesen sehr organischen Zusammenhängen gibt es aber auch unzählige Freundschaften, unterstützende Beziehungen und Zufallsbegegnungen. Gerade unter diesen unerwarteten Zusammenhängen findet man viele echte Überraschungen. Zum Beispiel schätzte Beethoven einen Herrn Emmanuel Aloys Förster sehr, dessen Quintett meine Kollegen und ich eher als langweilig bewertet haben. Herr Spohr, heute ein Insidertipp, war ebenfalls mit Beethoven befreundet. Danzi war durch eine enge Freundschaft mit Carl Maria von Weber verbunden. Im Licht der Musikgeschichte aus heutiger Sicht eher ein ungleiches Paar. Weber war außerdem auch mit Fürstenau, dem Flötisten befreundet, der noch dazu Weber nach dessen Tod in seiner Wohnung auffand.

Auch Liszt scheint ein weites Netzwerk an musikalischen Freundschaften gepflegt zu haben, darunter Chopin und Saint-Saens. Milhaud war mit Villa-Lobos und Koechlin verbandelt, Joseph Bohuslav Foerster stand mit Mahler in engem Kontakt. Im Barock war Händel ein Kumpel von Scarlatti, Haydn war ein väterlicher Freund für Mozart… so könnte man ewig fortfahren.

Oftmals erfreuten sich die “kleinen” großer Wertschätzung durch ihre heute berühmten Kollegen und sicher haben gemeinsame Abende und Musizieren beide Seiten bereichert. Teils verhalfen sich Freunde gegenseitig zu Schülern, Veröffentlichungen oder Gönnern oder die Werke des einen wurden durch den anderen bearbeitet oder instrumentiert. Und all dies zeigt nur, was jeder musizierende Mensch auch heute noch erfährt. Musik verbindet, sie ist ein guter Grundstein für Freundschaften, überdauert Entfernungen und Jahre und ist sehr kommunikativ. Konkurrenz spielt da häufig anscheinend eher eine kleinere Rolle.

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In der Hansestadt Greifswald wurde in der malerischen Altstadt dem Meister eine Straße gewidmet. Über spezifischer flötistische
Eindrücke bin ich dort nicht gestolpert.

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