Durchsuche Beiträge in Es menschelt

Ohne Worte…

1 Kommentar

Ich bin ein Blattspieler. Irgendwie schon immer gewesen, vermutlich auch, weil ich als Kind fast nie geübt habe. Blattspiel ist meiner Meinung nach hauptsächlich eine Konzentrationsfrage, eine intellektuelle und weniger eine musikalische Leistung. Assoziatives Denken ist von Vorteil, eine schneller Erfassung des Notentextes von Nöten.  Die Tatsache, dass ich ganz gut vom Blatt spielen kann, bringt mir viele der wenigen Muggen, die ich so habe. Für einen Kirchenmusiker ist es sehr praktisch, wenn man sich einfach hinstellen und etwas spielen kann, nachdem es nur einmal oder gar nicht zuvor zusammen gespielt wurde. Minimaler Aufwand also. Das ist gerade bei reduzierten Kirchenmusiketats natürlich ein schlagendes Argument.

So schön ich es finde, auf diesem Weg zu Muggen zu kommen, so schade finde ich es, dabei dann immer nur an der Oberfläche der Musik zu kratzen. Auf der anderen Seite probe ich mit so vielen Kammermusik-Ensembles, mit denen wir aber keine Auftritte haben. Damit fehlen Ziele und auch hier wird zwar ein bisschen ausgearbeitet aber nicht bis ins letzte Detail, weil eben ein echtes Ziel fehlt.

Im Endergebnis bin ich aktuell immer ein bisschen unzufrieden, weil ich das Gefühl habe, eine echte Herausforderung fehlt. Ein Stück, das wirklich Arbeit verlangt, ein relativ technisch einfaches Stück, das musikalisch ausgereizt wird. Irgendwas, auf das man im Endergebnis richtig stolz sein kann.

Vielleicht wäre es ja besser, nicht vom Blatt spielen zu können? Andererseits gäbe es dann vielleicht keine Muggen mehr. Eine ausgewogene Mischung, das wäre sehr schön. Ich spiel ja auch gern vom Blatt, aber in der Probe täte es das auch…..

Derzeit ist das Urheber- und/oder Copyright eines der großen Tagesthemen, nicht zuletzt dank der Erdrutsch artigen Gewinne der Piraten in den verschiedenen Meinungsumfragen. Ich bin juristisch komplett ungebildet und habe selbst auch kein Patentrezept dafür, wie man diesen Interessenkonflikt lösen kann. Weil ich aber Freunde im Verlagswesen habe, Komponisten kenne, die in der GEMA sind und mich auch manchmal schon selbst über kopierte Inhalte von meiner Seite in fremden Webauftritten geärgert habe, lässt mich das Thema durchaus nicht kalt.

Ziemlich schockierend finde ich die Selbstverständlichkeit, mit der alles mögliche ständig kostenlos gefordert und erwartet wird. Als Beispiel möchte ich hier mal auf das Ratgeberportal www.gutefrage.net verweisen. Ich bin da verschiedentlich über meinen Google Alert “Querflöte” gelandet und habe auch die eine oder andere Frage beantwortet. Wenn man allerdings die Fragen anschaut, so sind ca. 70-80% der Fragen zum Thema Querflöte: “Ich brauche kostenlose Noten”. Es variiert das gesuchte Lied oder Genre, aber kostenlos ist immer ein Muss. Wie kommt so was? Keiner sucht kostenlose Autos, Schuhe oder Makeup. Aber Noten sollen kostenlos sein?

Hat einer von Euch Suchenden schon mal eine gut lesbare Notenseite auch nur durch Abschreiben produziert? Ich habe verschiedentlich Noten mit Capella zusammengeschrieben, entweder, weil das Original schlecht leserlich war, weil ich nur eine Partitur hatte, aus der ich eine Stimme benötigte, weil ich mehrere Stimmen zusammenführen wollte oder was zu transponieren hatte. Und ich kann Euch sagen, dass das bei einem umfangreicheren Stück auch schon Arbeit macht. Wenn ich jetzt auch noch selbst komponieren oder arrangieren würde, also neben der Handarbeit auch noch Grips investiert hätte, dann bräuchte ich ja noch viel mehr Zeit. Wenn man das gut und für viele Stücke machen möchte, dann muss man auch irgendwann auch davon leben können. Also muss es auch was kosten. Alle schimpfen über zu niedrige Löhne und Menschen, die arbeiten und davon nicht leben können. Aber warum soll dann ein Autor, Komponist, Arrangeur oder auch Übersetzer, Setzer und Publisher für seine Arbeit kein Geld bekommen? Wollt Ihr wirklich alles mit Werbung zugepflaster haben? Ich kann das ehrlich gesagt nicht verstehen. Ich denke schon, dass die aktuelle Abrechnungsform für die meisten Medien nicht mehr praxisgerecht ist, weil moderne Medien und Techniken einfach nicht kontrollierbar sind wie Hardcopies. Aber ich bin der Meinung, dass geistige Leistungen, Kunst, Bildung und Musik ein wertvolles Gut sind. Vermutlich sogar das wertvollste überhaupt. Und wertvoll ist eben nicht zwingend kostenlos. Wenn Ihr ein Lied unbedingt haben wollt (in Noten), dann setzt Euch hin und hört es raus. Das könnt ihr nicht? Vielleicht versteht ihr dann, dass es Geld wert ist, wenn sich jemand die Mühe macht und das aufschreibt?

Ich bekomme auch erschreckend häufig Emails, in denen ich gebeten (in guten Fällen) oder aufgefordert (in den auch nicht seltenen weniger Guten Fällen), Material oder Informationen für eine Schularbeit oder ein Referat zusammenzustellen. Hallo? Auf meiner Seite finden sich Informationen ohne Ende. Diese stammen aus dutzenden von Büchern, Artikeln. Booklets, Notenausgaben und Gesprächen. Ich habe die hier öffentlich gemacht, für lau und weil es mir Freude macht. Da kann sich jeder bedienen. Aber ich bin nicht die Bedienung. Fragen beantworte ich immer gerne, aber diese “Fütter-mich-Mentalität” geht mir wirklich so was von auf den Nerv. Nie gab es so viel Information und Möglichkeiten in Griffweite und nie war das Anspruchsdenken größer. Das ist sehr traurig und sehr bedenklich, finde ich.

Wie wäre es denn mit einem Tauschsystem? Wer ein Buch oder ein Musikstück in Noten oder gespielt für lau haben möchte, der gibt dafür ein analoges Werk aus eigener Feder. Das würde wenigstens den Kulturbetrieb beflügeln. Macht doch mal was selber, ehe ihr von anderen immer nur haben wollt, wie wäre es damit?

Abschiede

1 Kommentar

Ich fürchte, das ist nicht meine Stärke… das Abschiednehmen. Heute war es aber wieder mal soweit. Seit ca. 15 Jahren spiele ich mit und für Thomas Pehlken, mein längster musikalischer Kontakt im Rheinland, eine feste Größe für mich. Auch wenn wir nicht soooooo oft zusammen spielen, ist es doch eine musikalische Freundschaft für mich geworden, zumal ich seine Eigenkompositionen sehr schätze.

Am häufigsten haben wir in der Nathanaelkirche in Köln-Bilderstöckchen gespielt. Das war “seine” Gemeinde, da war er Kirchenmusiker, schon seit Beginn des Studiums (einige Jahre, bevor wir uns kennengelernt haben). Wenn ich sage, dass er Kirchenmusiker dort war, heißt das eine Neun-Stunden-Anstellung als C-Musiker. Die Vergangenheitsform ergibt sich, weil ab Mai dort jemand anders an der Orgel sitzen wird. Thomas wechselt nach Bergheim. Das ist ein wirklich guter Schritt für ihn und ich glaube auch, dass wir weiterhin miteinander musizieren werden. Und trotzdem war der heutige Abschiedsgottesdienst mit anschließendem Matineekonzert für mich sehr emotional.

Das war meine einzige musikalische “Heimat” in Köln, alles andere spielt sich im Umland ab. Es war so was wie meine Heimgemeinde (auch wenn ich aus der Kirche ausgetreten bin). Es waren viele zumindest vom Sehen bekannte Menschen, die mich auch kannten, es war ein lieb gewordenes Stückchen Köln, eine Kirche, die ich für einen Gottesdienst in nur höchstens 10 Minuten erreichen konnte. Die einzige Größe, die fast meine komplette Zeit hier im Rheinland konstant geblieben ist. Alles vorbei…. schon schade. Natürlich freue ich mich für Thomas und auch auf neue Konstellationen in Bergheim. Aber das Abschiedsgefühl ist da, ein Tränchen habe ich heute morgen verdrückt und traurig bin ich, dass nun Köln ein musikalischer weißer Fleck auf meiner privaten Landkarte wird. Ist da vielleicht ein Leser, der hier irgendwo orgelt und gelegentlich eine Flöte brauchen kann? Die Hoffnung stirbt zuletzt  :-D

Hier zwei erschreckende Beiträge zum Thema Bezahlung bei den wenigen, die überhaupt eine Anstellung im Kulturbereich finden:

Lehrbeauftragte an Musikhochschulen

http://www.fr-online.de/wissenschaft/billig-dozenten-an-musikhochschulen-der-lautlose-skandal-im-land-der-musik,1472788,14842400.html

oder auch Schauspieler

http://www.aachener-zeitung.de/artikel/2273361

ganz schön erschreckend…..

…. und das wird keine Konzertkritik. Ich bin eben nach Hause gekommen, habe das “große Fussballspiel” komplett verpasst und kann gar nicht so recht sagen, wo diese drei Stunden eigentlich geblieben sind. Wie so was geht? Ein Besuch bei Flutissimo. Das ist eine unauffällige Adresse in Sankt Augustin (wo ich ja auch mal gewohnt habe, sozusagen ein Besuch in meiner Vergangenheit). Zu meiner Zeit war da flötistisch nicht besonders viel los (ich bin schon seit 2005 oder 2006 weg). Heutzutage ist das aber eine Lokalität, die sich der flötende Mitmensch merken sollte.

Ich habe heute zum ersten Mal live Querflöten aus Kunststoff bzw. Grenadit (“Kunstholz?”) gesehen bzw. in Händen gehalten oder sogar gespielt. Ich konnte eine Azumi-Wave-Line-Flöte anspielen (das ist die mit dem “Plub”). Auch die Flötenmarke Koge war mir bis heute kein Begriff. Von der Flute d’amor in G (irgendwo zwischen Piccolo und Flöte) habe ich gehört, gelesen und geschrieben. Heute habe ich sie gehört. Daneben viele Geschichten und Informationen und die Bekanntschaft eines sehr sympathischen Flötenbekloppten. Ich bin begeistert.

Bisher musste man für eine gute Auswahl von Instrumenten zum Anspielen recht weit fahren (Bertram in Freiburg oder Adams in Holland). In Sankt Augustin findet der Interessierte vom Piccolo der günstigen bis mittelteuren Klasse bis zu hochklassigen Flöten, Altflöten und Bassflöten alles wünschenswerte vor (heute drei verschiedene Bassflöten, was ich viel fand, für Flutissimo wohl aber eher Ebbe auf der Basslinie bedeutet). Termin vereinbaren und eventuell noch spezielle Wünsche absprechen und es kann losgehen.  Auf keinen Fall vollständig, aber hier ein Ausschnitt aus dem Angebot: Bassflöten von Jupiter, Pearl, Guo, Koge, Altflöten von Pearl, Miyazawa und ich weiß nicht wem, Flöten von Miyazawa, Sankyo, Powell, Sonarè, Yamaha, Pearl, Azumi, Altus, Trevor James, Viento, Koge, Piccoli (auch Hammig), Köpfe, Flötenständer, sonstiges Zubehör. Alles was Sinn macht und Qualität darstellt und dazu ausführliche Beratung, Probespielen (auch mit Mitnehmen und mehrere Tage testen). Eine echte Empfehlung für jeden, der gerne quer pfeift. Vom Anfängerschüler bis zum Profi kann hier jeder das passende finden.

Der Service wird ergänzt durch Kursangebote, Flötenorchesterprojekte und die Tatsache, dass da einer aus innerem Antrieb und eigener Leidenschaft werkelt und nicht um möglichst viel Geld am Ende übrig zu behalten (das wird durch die nebenberufliche Selbständigkeit und ein festes Gehalt sozusagen garantiert).

Irgendwie finde ich es jetzt schon wieder ganz schön schade, dass ich schon wirklich gut mit Instrumenten bestückt bin. So viele Möglichkeiten und Klänge, wirklich beeindruckend.

Fast ein Happy End

1 Kommentar

Ich hatte ja kürzlich von meinem enttäuschenden Probenabend berichtet. Ostermontag kam dann die Stunde der Wahrheit….. die eigentliche Mugge. Als Viertel vor acht mein Wecker klingelte war ich nicht gerade begeistert. Während Badbesuch, Kaffe kochen und trinken und Schuhe anziehen nahm ich mir fest vor, direkt nach Noten zu fragen, das Mitspielen aus Chorpartituren mit dem Umblätterproblem vorneweg zu verweigern und in dem Fall, dass keine Noten da sein sollten, mein Instrument gar nicht erst auszupacken. Ich sammelte also meine Anspannung und den Rest meines Dienstags-Zorns und latschte die (glücklicherweise nur) zwei Straßen durch den österlichen Nieselregen zur Kirche. So ein Vorsatz jetzt aber mal durchzugreifen macht mich immer recht nervös, nervöser als das Musizieren in jedem Fall.

Ich schlug da also auf, wackelte auf meinen Dirigenten los und fragte mit strenger Stimme, ob er denn Noten für mich hätte. Und er? Sagt “Nö” und lacht. Scherzkeks. Ich mit meiner Vorspannung kam mir ganz gut verarscht vor. War dann aber doch erleichtert, als er die Notenausgabe rauszog. Es war die zweite Flöte, die erste ist wohl mit der Stammbesetzung im Urlaub. Cheffe hatte aber, und das hat mich sehr versöhnt, mit Bleistift an einigen Stellen die erste Stimme aus der Partitur in die Noten abgeschrieben. Das nenne ich Einsatz.

Mein forscher Vorstoß, die Sopranstimmen zu verweigern, wurde verständnisvoll aufgenommen und akzeptiert. Damit hatte ich meine Durchsetzungs-Vorsätze umgesetzt und wars zufrieden. Das frühe Aufstehen war gerechtfertigt und mein Tag schon fast gerettet.

Das Einspielen umfasste glücklicherweise auch das Anspielen der fraglichen zwei Nummern aus der Schöpfung. In der nackigen Flötenstimme stellte sich das Mitspielen zunächst ganz fremd dar (da hatte die Probe vom Dienstag mit Spiel aus der Partitur nun wirklich nix geholfen). Das Vivace war so langsam, dass ich anfangs dachte, er gäbe Halbe, nicht Viertel und gar nicht erst reingefunden habe. Nachdem Vorzähler und Einheit geklärt waren, klappte das aber und so musste ich nur jeweils die zweite Hälfte jedes Satzes im Gottesdienst vom Blatt spielen.

Als Tüpfelchen auf dem i wurden die Solisten aus dem Chor, das heißt hinter mir, wegen der Akustik zwischen die Streicher, das heißt vor mich, postiert, was mein Gehör noch zusätzlich entspannt hat. Alles in allem also ein tatsächlich versöhnliches Ende des Dramas.

Flop der Woche

4 Kommentare

Zweimal an einem Tag bloggen ist normalerweise gar nicht meine Art (schon mangels Ideen und Zeit). Aber eben habe ich mich echt geärgert und weil es noch so grummelt, muss ich nun Dampf ablassen.

Ich habe Urlaub diese Woche (ein Glück, war und ist bitter nötig). Im Allgemeinen bemühe ich mich da, den Schwerpunkt auf für mich befriedigende Tätigkeiten zu legen. Dazu kann schon auch Bügeln und Putzen gehören, weil ich den Dreck irgendwann nicht mehr ertrage und nach der Arbeit oft nicht so gut den Hintern hoch bekomme (wenn ich nicht sowieso bei irgendeiner Probe bin). Bisher war dieser Urlaub diesbezüglich sehr angenehm. Bügeln, bisschen staubsaugen, mal wieder was richtig schönes kochen, schön Essen gehen, üben, homepageln, gestern der bisherige Höhepunkt: Flötenunterricht :)

Heute dann Reifen wechseln, Auto waschen, ein paar Erledigungen machen, bloggen… alles ganz ok und Teil meiner Planung. Heute Abend stand dann eine Probe auf dem Zettel. Ich helfe Ostermontag bei meinem ehemaligen Orchester im Gottesdienst aus. Irgendwelche Ausschnitte aus der Schöpfung. Mache ich kostenlos, war ja mal meine musikalische Heimat, da ist das selbstverständlich. Probe war schon in der Kirche für Montag, fern der Orchesterräume. Um halb acht sollte es losgehen und darum habe ich heute mittag sicherheitshalber meinen Dirigenten angerufen, bestätigt, dass ich komme, wo und wann das ganze stattfindet, gefragt, ob ich einen Notenständer brauche und erinnert, dass er bitte die Noten mitbringen soll.

Beim Packen meiner Tasche habe ich in weiser Voraussicht schon mal meine aktuelle Lektüre mit eingesteckt, ich kenne den Laden ja. Es ging los, wie es immer ist, das erste Stück ohne Flöte. Na gut, Buch raus und gelesen (hat mich mein Instinkt doch wieder ganz gut geführt). Das nächste Stück…. ohne Flöte. Sie fangen an, Chef bricht ab: “Claudia, spiel doch mal den Sopran mit, das ist mir wichtig”. Man reicht mir einen handgeschriebenen Zettel, irgendwas choralartiges. Mitgespielt. Ist ok (begeistert mich nicht, aber wenn ich schon da bin…..).

Nächstes Stück: Keine Flöte. Frau Haider zückt ihr Buch und bemüht sich, den Inhalt zu verstehen, obwohl der Sopran mir direkt ins Genick singt. Wieder ein Abbruch, wieder der Dirigent: “Claudia, spiel doch mal den Sopran mit.” Hinter mir wird gesucht, ich erhalte eine Chorpartitur. Das ist schon schlecht, da muss man alle fünf Takte blättern und dann klappt der Schinken auf dem Notenständer alle Nase lang zu. Ätzend. Aber, die Schöpfung steht mir ja noch bevor und da gibt es Flötennoten.

Das nächste Stück: Hurra, die Schöpfung! Und…… der Dirigent hat die Noten vergessen. Wollen wir raten? “Claudia, spiel doch einstweilen mal den Sopran mit.” Ja super. Jetzt komme ich mir ziemlich verarscht vor. Beim Blick in die Noten stelle ich fest, dass der Klavierauszug unterhalb der Chorstimmen auch Eintragungen wie Fl.Ob. enthält. Dieser “Flob” meint offensichtlich die Bläser, ich lasse mir also das OK geben, lieber das zu spielen, als neben den fünf verschiedenen Tönen des Sopran noch einen sechsten mit der Flöte zu setzen. Ist ja toll, nur auch hier muss man alle drei Takte blättern, das Buch schlägt zu, solche Besetzungs-Eintragungen sind spärlich und eine vierstimmige Klavierstimme vom Blatt für mich nicht die angenehmste Vorlage. Und dann kommt: “Claudia, in Takt soundso wäre schön, wenn Du das spielst.” Ich hatte es gespielt und mir platzt der Kragen. “Hier steht alles durcheinander. Wenn Du Noten bringst, dann spiele ich die. Wenn nicht, stehe ich Montag nicht extra so früh auf.” “Ja, wir gehen gleich rüber, dann gebe ich die Dir.” “Nein, ich gehe gleich heim. Bring sie am Montag mit, üben werde ich die ohnehin bis dahin nicht mehr.” Grummel.

Super. Ich kann meine Abende auch netter verbringen als in einer kalten Kirche bei schiefer Musik und mit dem Chor im Genick. Schon gar, wenn ich Urlaub habe. Offensichtlich heißt “kostenlos” auch gleich “wertlos”. Da ärgere ich mich über meine Gutmütigkeit. Ich bin nicht der musikalische Mülleimer für West-Köln, der alles spielt, was übrig ist. Grrrrrrrrrr

Im Job habe ich gerade richtig viel zu tun. Projektabschluss zum Monatsende, da muss ein dicker Bericht fertig sein. Arbeitstechnisch heißt das täglich so neun bis zehn Stunden vor dem PC sitzen und mit Word, Worten und Zahlen kämpfen. Die einzigen zwischenmenschlichen Kontakte finden dann in der Mittagspause statt, dazwischen stürzt Word auch mal ab, dann muss ich Daten auswerten, Informationen nachschlagen etc. Alles in allem ein recht trockenes Geschäft, dass sich im Hirn einnistet wie der Holzwurm. Auf dem Heimweg, zuhause und manchmal auch nachts drehen sich dann die Gedanken noch um das wie und was, ist das zu schaffen, wo mache ich weiter, was habe ich vergessen. Abschalten? Ein echtes Problem….

Und obwohl ich eigentlich, wenn ich um halb acht heimkomme, müde und unfit aufs Sofa sinke, habe ich festgestellt, dass es sich lohnt, sich zum Üben aufzuraffen. Wenn ich das nämlich tue, dann wird der Kopf frei. Tonübungen haben was von Meditation irgendwie. Luft fließen lassen, den Ton an den Lippen und in den Fingern spüren. Je stupider, je besser. Sonorite zum Einspielen, dann auch ein bisschen Technik (Tonleitern im Maximaltempo), da denken überhaupt nur die Finger. Das Körperliche am Spielen läßt mich irgendwie wieder zusammenfinden, Kopf und Rest,  und der Körper, der den ganzen Tag vernachlässigt und ignoriert wurde, hat wieder zu tun.  Das ist geradezu heilsam.

Oft komme ich an solchen Tagen gar nicht über die Übungen raus, weil mir Stücke oder gar richtig Üben viel zu anspruchsvoll sind. Aber wenn es sich dann doch ergibt, wenn der Ton gut ist, alles fließt und das Gefühl einfach Lust auf mehr macht, dann ist das die eine halbe Stunde des Tages, die mir wirklich was gibt, wo ich dann endlich mal wieder das Gefühl habe, dass ich noch lebe.  Und wenn nicht, zwanzig Minuten oder eine halbe Stunde Ton und ein bisschen Technik, das reicht schon, um richtig auf der Höhe zu bleiben und wenigstens nicht mehr ausschließlich an die Arbeit zu denken. So eine Art Softreset. Für mich ganz ungewohnt, mein Leben lang habe ich das eigentlich immer gemieden und wollte nur spielen. Und jetzt bin ich ein wahrer Tonübungssüchtiger. Vielleicht ist das ja auch so eine Art flötistische Altersweisheit. :)

Heimatlosigkeit

2 Kommentare

Vielleicht stand der eine oder andere von Euch ja auch irgendwann vor der Entscheidung, ob er vielleicht Musik studieren soll. Bei mir war das früher auch mal der Fall. Das ist eine ganz schön schwierige Entscheidung, wie ich finde. Ich habe mich bekanntlich dagegen entschieden (also nicht mal eine Aufnahmeprüfung versucht).  Da das ganze eine sehr persönliche und individuelle Entscheidung ist, möchte ich dazu weiter gar nichts mehr sagen. Um was es mir geht, ist die Frage wo man landet, wenn man sich dagegen entschieden hat, der Sache, der Flöte nämlich, aber dennoch treu bleibt.

Ich habe eigentlich immer weiter mit kleinen Pausen Unterricht genommen, habe in Ensembles und Orchestern gespielt und auch geübt (mal mehr und mal weniger). Das führt dann dazu, dass man nach so langer Zeit auch einigermaßen gut spielen kann. Und irgendwann steht man dann an einer Stelle, wo man irgendwie nirgends mehr so richtig reinpasst.

Ich bin kein Profi, aber ein richtiger Laie auch nicht mehr. Da wird es schwierig, musikalisch unterzukommen. Egal ob es um Unterricht, Orchester, Ensemble oder Kurse geht. Irgendwie ist man immer oder sehr häufig ein bisschen fremd. Viele Flötenlehrer haben keine oder wenig Übung mit Schülern, die schon Töne und Rhythmus beherrschen und auch Literatur spielen. Kurse richten sich oft entweder an Kinder und Jugendliche oder an Profis/Studenten. Bei den Laienkursen geht es dann häufig mehr um Grundlagen und Spaß für Leute, die spät noch ein Instrument begonnen haben.

Kurz, Zielsetzung und musikalischen Niveau liegen irgendwie immer zwischen allen Welten. Bei Kursen mit Studenten sitzt man dazwischen wie eine Uroma und spielt gleichzeitig am schlechtesten. In Ensembles mit Profis kommt das Terminproblem dazu, weil man die Woche über tagsüber arbeiten muss, die Musiker häufig abends aber konzertieren oder unterrichten.

Glücklicherweise gibt es aber einige Menschen wie mich, die schon lange und mit Begeisterung und Qualität musizieren. Und solche Bekanntschaften muss man dann wirklich gut pflegen. Am besten ist es, Projekte dann einfach selbst zu initiieren. Für Unterricht bedarf es eben etwas Recherche und am besten sucht man jemand, der an einer Hochschule lehrt oder ähnliches, der hat dann Erfahrung mit fortgeschrittenen Schülern.

Als Jugendliche dachte ich immer, wenn Beruf und Familie kämen, dann müsste ich irgendwann die Musik drangeben. Das war die Motivation über ein Studium überhaupt nachzudenken. Heute habe ich einen Beruf, zwar keine Familie aber eine Beziehung und es geht sehr gut. Nur hätte ich nie gedacht, dass gerade das Dabeibleiben mich irgendwann in so eine Niemandsland befördern könnte. Da sieht man mal, das Leben ist nicht vorhersehbar….

Musik und Gedächtnis

1 Kommentar

Vermutlich kennt das jeder, auch jemand der selbst keine Musik macht. Musik kann Erinnerungen wecken und sogar die Gefühle, die man mal in einer Situation hatte. Ich habe das in letzter Zeit ziemlich häufig in den verschiedensten Zusammenhängen wieder erlebt.

Als kürzlich Whitney Houston starb und schon morgens der Radiowecker ihre Lieder spielte, da bekam ich so ein eigenartiges Gefühl. Das ist die Musik meiner Teenager-Tage, sie wieder zu hören hat ein bisschen meines damaligen Selbstgefühls wieder hochgeholt. Das war eigenartig, aber auch schön.

Heute hatte ich ein ähnliches Gefühl, nur für die Zeit als ich in den zwanzigern war. Heute habe ich mir nämlich eine Aufnahme des Shea Stadion Konzertes von Billy Joel auf Video angesehen. Das ist meine Musik, wenn ich mich von irgendeinem Musiker als “Fan” bezeichnen würde, dann von ihm. Diesmal kam zu diesem Erinnerungsschwall noch dazu, dass er inzwischen ganz gut gealtert ist. Da sass also ein fast zwanzig Jahre älterer Mann und spielte die Musik von “damals”. Da konnte ich aber sehr deutlich merken, wie viel Zeit seit damals vergangen ist. Ich habe mir fest vorgenommen, die Platten wieder rauszuholen…. schön.

Noch etwas viel besondereres ist aber Musik, die man selbst gespielt hat. Wir haben heute Flute en vacances von Casterede gespielt. Ein wunderschönes Stück. Wir haben das an der Musikschule im Quartett gespielt. Da war ich so zwischen 15 und 17 Jahre alt, ich weiß es nicht mehr so genau. Dann, ca. 10 Jahre später habe ich das wieder in einem Quartett gespielt, in Sankt Augustin. Beim ersten Mal an der Musikschule habe ich die erste Stimme gespielt. Das war damals ganz schön schwierig für mich und ich habe ordentlich geübt, vor allem am vierten Satz. Welche Stimme ich 10 Jahre später gespielt habe, das weiß ich gar nicht mehr. Naja und nun spielen wir es wieder, diesmal im Trio (die vierte Stimme ist sowieso ad libitum). Wir haben uns erst mal alle Stimmen angesehen, um dann heute zu entscheiden, wer welche übernimmt. Was soll ich sagen, die erste lief einfach noch immer. Beinahe ohne Probleme. Alle anderen Stimmen waren mir sehr fremd, obwohl ich definitiv in den 90ern nicht die erste hatte. Aber ich habe keine andere wiedererkannt.  Daran habe ich gemerkt, dass ich damals an der Musikschule wohl wirklich gut geübt habe. Und das hat gehalten, bis heute. Beim Proben kam heute dann so vieles wieder hoch. Ich habe die Gesichter meiner Mitmusiker an der Musikschule wieder vor mir gesehen. Ich konnte mich an den Proberaum erinnern und sogar an meine Haltung den anderen gegenüber, wie die Atmosphäre war bei den Proben und all das. Einfach alles war wieder da…. was Musik so alles bewegt. Und außerdem: wie lohnend wahres Üben doch ist, das hält eine Ewigkeit. Ist das nicht eine wunderbare Motivation?

Und je länger man musiziert, desto mehr akustische Erinnerungen sammeln sich an. Ich habe so oft Besuch von meiner Vergangenheit, wenn ich Pretty Woman im Radio höre oder den Radetzky Marsch oder die Sportpalast-Polka oder Billy Jean von Michael Jackson oder den Dritten Mann aus Harry Lime oder Words oder Africa von Toto oder In the Mood oder Just a Gigolo, oder, oder, oder…. so ist das, wenn man Blasmusik gemacht hat und Tanzmusik und Big Band und Orchester und Kammermusik. Natürlich (und glücklicherweise) sind nicht alle Erinnerungen mit viel Emotion verbunden und manchmal weiß ich auch nur: “das hab ich schon mal gespielt, was ist das bloß?”

Altern mit Musik. Vielleicht nicht immer schön, aber auf jeden fall VIEEEEEEEEEEELLLLLL besser als ohne…..

Überraschungen

2 Kommentare

Wie jeder Besucher im Impressum von Flutepage sehen kann, nutze ich Google Analytics. Das ist ein kleiner Softwareschnipsel, mit dessen Hilfe man nicht nur sehen kann, wie viele Menschen auf der Website waren, wie viele Seiten Sie aufgerufen und wie lange Sie geblieben sind, sondern auch, wie Sie da hin kamen, aus welchen Ländern und mit welchen Browsern Sie unterwegs waren und auch, wenn Sie die Sitesuche benutzt haben, was Sie so gesucht haben.

Das ist oft sehr informativ und hat mir auch geholfen, manche Seiten zu verbessern, Inhalte zu erweitern und manches mehr. Aber es gibt auch manches, was mich da immer wieder überrascht. Die vielleicht größte Überraschung für mich ist, dass der häufigste Suchbegriff für die Suche innerhalb der Seite (also das kleine Suchfeld oben links auf jeder Seite), das häufigste Suchwort also ist “querflöte”. Was fängt man nun mit so einer Information an? Was sucht jemand, der auf eine Webseite über Querflöten geht und dann auf einer Seite, wo es eigentlich um nix anderes geht als um diese Querflöten, “Querflöte” sucht. Ich würde den Leuten ja gerne helfen, aber da habe ich keine Idee zu.

Hat vielleicht jemand einen Vorschlag? Ich meine, ganz oben in der Navigation steht “Instrument”. Da geht es also um die Flöte selbst, ist das nicht verständlich? Ist da vielleicht jemand, der auch schon mal hier auf der Seite nach “Querflöte” gesucht hat und das hier jetzt liest? Wenn ja, bitte unbedingt melden. Ich möchte das verstehen und ich möchte ja auch gerne die Seite so machen, dass keiner was suchen muss, sondern alle alles nur finden.

Interessant ist auch, dass bei den Besuchern der englischen Seiten nur knapp 0,5% überhaupt suchen, bei den Besuchern der deutschen Seiten aber etwas mehr als 2 %. Auch irgendwie interessant.

Die beliebtesten Seiten sind übrigens die mit den Griffen bei den deutschen Besuchern, bei den Besuchern der englischen Seiten sind es die Seiten zur Geschichte der Flöte. Die werden anscheinend nicht mehr so oft von deutschsprachigen Besuchern aufgerufen.  Ich fürchte ja, dass das am relativ neuen Design mit den Bildern liegt. Daher gibt es neuestens einen einleitenden Text.

Ja, so funktioniert das mit der Statistik. Sie ist das Hauptkommunikationsmittel, über das sich mir die Besucher mitteilen. Außer den Kommentaren hier und gelegentlichen Mails, über die ich mich immer sehr, sehr freue. Es gibt übrigens auch viele Besucher im Forum, nur schreibt keiner was. Und offen gestanden, geht mir die Luft beim Monologisieren da auch allmählich aus.

Ja, so ist das. Vielleicht sollte ich mal eine Abstimmung über die Sinnhaftigkeit des Forums starten und dann einfach das Forum wieder einstampfen, wenn das eh keiner mag. Schade irgendwie…..

Bei uns in der Familie bin ich zuständig, wenn ein Musik bezogenes Geschenk benötigt wird. Und da meine Nichten und mein Neffe alle musizieren, kommt das öfter mal vor. Dieses Jahr war der Wunsch ein Stimmgerät fürs Schlagzeug. Ein bisschen Recherche und mein eigenes Bauchgefühl führten dazu, dass wir ausnahmsweise nicht das Gewünschte besorgt haben (besser die Ohren benutzen). Musikalisch sollte es dennoch sein, also haben wir für meine Schlagzeug und Marimba spielende Nichte ein Cajon gesucht.

Zunächst eine Onlinerecherche, dann dachten wir, es kann nix schaden, sich ein paar dieser vielen verfügbaren Modelle mal in echt anzusehen. Wir also raus zum nagelneuen Riesenladen des Musicstore in Köln-Kalk. Neugierig war ich ja ohnehin. Leider brachte der Besuch wenig Erkenntnis, da der offensichtlich einzige Kundenbetreuer in der Percussion-Abteilung gerade auf dem Sprung zum Mittagessen war. Wir also so geguckt, keine neuen Erkenntnisse gewonnen und wieder heimgefahren.

Abends dann eine weitere Internetrecherche, die drei möglichen Bezugsquellen waren der Musicstore, der Rockshop und Thomann. Das ganze fand exakt eine Woche vor Weihnachten statt. Wichtig war also vor allem die unmittelbare Verfügbarkeit und der zeitnahe Versand (sollte ja nach Süddeutschland zu meiner Familie und darum wollte ich es professionell verpackt haben). Letztendlich habe ich mich Samstag abend (17.12.) für ein Cajon vom Musicstore entschieden, dass als “auf dem Lager” gekennzeichnet war. Laut Versandbedingungen sollte das bestellt unter diesen Voraussetzungen in ein bis zwei Tagen, also bis ca. Mitte der Woche, beim Empfänger sein.

Dienstag (zwei Wochentage nach Bestellung) erhielt ich eine Auftragsbestätigung, die besagte, dass hiermit ein Vertrag zustande gekommen sei. Dazu eine Bestellnummer und ein Ansprechpartner. Ich hab erst mal abgewartet und als ich nichts weiter hörte habe ich angerufen (Donnerstag, 4 Wochentage nach Bestellung) um zu erfragen, was denn die Auftragsbestätigung bezüglich des Versandstatus bedeute (meine erste Bestellung bei dem Verein).

Der freundliche Mensch am Telefon erklärte, das Ding sei nicht am Lager. Ich, schon leicht gereizt, weise darauf hin, dass diese aber im Netz als “am Lager” gekennzeichnet gewesen wäre. Er guckt nochmal und sagt, doch, ja, es sei da, aber im alten Lager in der Budengasse. Ich Ahnungslose frage, was das den für den Versand heißt, da meint er, von da würde nicht versendet (????). Wo ich den wohnen würde? Ich sag “in Köln”, da bietet er mir an, ich könnte es abholen. Ich erklär ihm, dass das nach Stuttgart muss. Da meint er, dass das wohl nicht mehr zu schaffen sei. Da bin ich echt stinkig geworden und habe ihm erklärt, dass es ja wohl eine Frechheit wäre, das als “am Lager” und “in 1 bis 2 Tagen beim Empfänger” zu markieren. Wann sie denn gedächten, das zu versenden. Das wusste er nicht.

Also habe ich mich ans Telefon gehängt, bei Thomann in der Percussion-Abteilung angerufen, telefonisch noch eine kompetente Beratung zur Wahl des richtigen Cajon erhalten, telefonisch bestellt, für UPS-Versand 25 Euro abgedrückt und wups….. am nächsten Morgen um kurz vor neun Uhr ist es angekommen. So geht es also auch.

Die Musicstore-Bestellung habe ich storniert. Ich habe mich auch per Kontaktformular beschwert, natürlich ohne Reaktion. Ich frage mich nur, wie es sein kann, dass zu Beginn des 21. Jahrhunderts der Rhein ein derartig unüberwindliches Hindernis für die Logistik darstellen kann? Wie kann man sich so dämlich anstellen? Es gibt in Köln sieben oder acht Brücken um auf die Schäl sick (Deutzer Seite, wo der neue Laden ist) zu kommen. Es gibt Autos, Züge, Versanddienste. Und es gibt die Möglichkeit, zu kennzeichnen, dass ein Artikel nicht unmittelbar verfügbar ist.

Was die da machen ist für mich eigentlich eine Art von Betrug. Man gaukelt etwas vor und erhält so eine Bestellung. Der Kunde spielt keine Rolle. Die Ignoranz, die mir bei meiner Anfrage entgegenschlug war atemberaubend. Mich haben die jedenfalls gesehen. Nie wieder, das ist mal sicher. Scheinbar führt eine gute Marktposition dazu, dass man meint, sich nicht mehr anstrengen zu müssen.

Übrigens liegen laut Google maps (siehe auch unten) knapp 6 km zwischen den beiden Standorten dieses Ladens. Ebenfalls laut Google benötigt man mit dem Auto dafür 10 Minuten. Rechnet man weihnachtliche Verkehrsprobleme en, das Be- und Entladen, dann kommt man vielleicht auf eine halbe Stunde. Nöööööö, so eine Weltreise kann man natürlich nicht planen, geht ja gar nicht.

Das ist wie in dem alten Lied von den zwei Königskindern: “Sie konnten zueinander nicht kommen”. Da war auch ein Gewässer im Weg. Vielleicht müssen die armen Store-Mitarbeiter ja mit der Ware rüberschwimmen oder nehmen das Paddelboot oder ein Floss? Wer weiß, wer weiß….

Thomann hat mich sehr positiv überrascht. Freundlich, hilfsbereit, kompetent und zuverlässig. Das hat mich ehrlich überzeugt. Hut ab und danke schön!

Frohe Weihnachten

Keine Kommentare

Allen, die hier ab und an vorbeisehen, wünsche ich von Herzen

Schöne Weihnachtstage

Ein bisschen Ruhe, viele liebe Menschen und dazu einen guten Schlag wunderbarer Musik!

Bleibt mir treu und danke für alle Kommentare, Mails und sonstige Beiträge in 2011.

Lampenfieber

5 Kommentare

Eigentlich bin ich meistens bei Konzerten verhältnismässig ruhig. Da ich schon so lange spiele und von Anfang an immer wieder auch öffentlich, kann mich da nicht mehr so richtig viel schocken. Ein bisschen Nervosität, klar, aber nicht so richtig schlimm. Dennoch gibt es oft spezielle Situationen, in denen ich sehr nervös werde. Das ist immer dann der Fall, wenn ich irgendwo spielen soll, wo ich nicht weiß, was für Mitmusiker mich erwarten und wenn mir ein gutes Ergebnis besonders wichtig ist.

So war es auch am Mittwoch. Einzige Probe für meine morgige Weihnachtsmugge und ich hatte keine Ahnung, ob da Profis angeheuert wurden, Gemeindemitglieder oder was sonst. Kurz, keine Ahnung, was da auf mich zukommt. Und ich wollte doch so gerne, dass man mich vielleicht irgendwann mal wieder fragt. Da stellte sich natürlich neben der Frage, ob ich positiv würde auffallen können, auch die Frage, warum eine “fremde” Flöte benötigt wurde. So was kann ja ein Einzelfall wegen Krankheit oder Verhindertsein der “Stammflöte” sein, oder aber jemand spielt da gar nicht mehr (wegen Umzug, Krankheit oder schlimmerem), oder, oder, oder….

Ich hatte also keine Ahnung, was mich erwartet. Nur die Noten hatte ich und die waren ganz einfach. Trotzdem, im Büro merkte ich, wie die Nervosität in mir hochstieg. Ich kam mir richtig albern vor. Nur eine Probe und noch dazu so simples Zeug. Aber, wie gesagt, ich mag nicht, wenn ich nicht weiß, was mich erwartet und ich wollte zwingend einen guten Eindruck hinterlassen.

Also war ich sehr pünktlich, soll heißen, 10 Minuten zu früh. Aber ich war nicht die erste, das fand ich schon mal eher ungewöhnlich. Cellistin und Kontrabassistin waren auch schon da und wirkten auf mich sehr sympathisch. Kurz danach ein bekanntes Gesicht. Eine Geigerin, mit der ich schon in einer anderen Gemeinde häufiger gespielt habe, das hat mich beruhigt. Mit einem bekannten Gesicht hat man schon mal eine Hausnummer und weiß, dass die Liga nicht eine ganz unbekannte ist.

Beim Auspacken muss ich dann feststellen, dass von einem Dutzend normalerweise in meiner Flötentasche herumfliegenden Bleistiften kein einziger da ist. Das ist wirklich ungewöhnlich. Mist, das kann ich nicht leiden. Anmerkungen sollten sofort eingetragen werden und Stift leihen sieht nicht gut aus. Vermutlich habe ich die ganzen Bleistifte bei diversen Proben und auf dem heimischen Notenständer liegen gelassen. Und ein paar hatte ich für das bereits erwähnte Musicalprojekt in meine andere Tasche umgepackt (die große, wo die Altflöte reingeht).

Ich also etwas peinlich berührt und ohne Bleistift. Dann gab es noch ein paar zusätzliche Stücke (neben dem, was ich schon seit zwei Wochen zuhause hatte und nur einmal angespielt hatte).

Während der Probe dann leichte Verständigungsprobleme. Dirigent und große Teile des Ensembles russisch-stämmig. Da ist die Wortwahl manchmal etwas anders und ich mit meinem nervösen Kopf habe zweimal Schwierigkeiten zu verstehen, was der da vorne schlägt (Viertel? Halbe?) und komme gar nicht erst rein. Alles wird eher total langsam gespielt, damit hatte ich nicht gerechnet.

Zweiter Teil der Probe dann in der (arschkalten) wunderschönen Kirche. Jetzt stößt der Chor dazu. Die sind auch nicht besser als andere Chöre, die ich bisher begleitet habe. Allmählich gewinne ich meine Ruhe zurück und schaffe es, den notwendigen Schalter umzulegen. Das ist der Schalter “Trau Dich”. Alles geben, sich richtig reinlegen und auch das Risiko, dass dann mal was schief geht, nicht scheuen. Einfach wirklich 100% spielen und nicht nur vorsichtig reinhauchen. Auf die Art steht die Musik plötzlich im Zentrum und all die doofen Gedanken und Ängste, die das Lampenfieber eigentlich verursachen, verschwinden. Das geht immer, egal ob Probe, Konzert oder sonstige Verwirrungen. Wenn man es schafft, den Schalter umzulegen und sich ganz auf “denen zeig ich es” oder “jetzt geb ich alles” konzentriert, dann geht das Lampenfieber auch weg und was bleibt ist nur die zum guten Spielen erforderliche Anspannung. Das ist dann ein richtig gutes Gefühl.

Ab diesem Moment geht es also auch in meiner Probe besser, trotz eiskalter Flöte, endlos Kondenswasser im Instrument und entsprechenden Intonationsproblemen. Jetzt kann auch der Gottesdienst morgen kommen….

Natürlich gibt es leider auch Tage und Gelegenheiten, an denen man den Schalter nicht findet. Das ist dann Pech. Aber ich glaube, zu wissen, dass es so einen Schalter überhaupt gibt, ich glaube, das kann schon eine Hilfe sein.

Switch to our mobile site