Die Carmen Fantasie von Borne ist ein wunderbares Stück Musik, besonders praktisch ist dabei die Tatsache, dass die brillianten Läufe in den Fantasien sehr sehr gut liegen und so ein sehr virtuoser Eindruck mit relativ wenig Übeaufwand erreicht werden kann. Von den wunderbaren Melodien Bizet’s muss man ja gar nicht erst sprechen.

Wie bei so vielen Standardwerken gibt es von der Fantasie eine ganze Reihe Ausgaben. Ich selbst habe schon seit über 20 Jahren eine von Southern Music, relativ klein (nicht ganz DIN A 4). Vom Druck ganz nett, zum Blättern vielleicht nicht optimal. Aber da ich das Notenbild gewohnt bin, habe ich mir nun, wo meine Ausgabe ziemlich Federn lässt, die gleiche einfach nochmal gekauft.

Eine Freundin hat sich kürzlich das Werk auch zugelegt, daher weiß ich nun, dass es neben Ausgaben von Billaudot, International Music Company und Schirmer, auch jeweils eine von Kunzelmann und von Amadeus gibt. Dies sind wohl die bevorzugt in Läden verfügbaren (jedenfalls bei Tonger in Köln).

Die Kunzelmann-Ausgabe war meiner Freundin von ihrem Lehrer bekannt. Sie notiert die Viertelpausen in diesem für uns befremdlichen französischen Stil, nämlich seitenverkehrt. Daher fiel die Wahl also auf die Amadeus-Ausgabe, da die anderen alle nicht verfügbar waren.

Beim Einrichten der neuen Noten und beim Üben stellte meine Freundin dann ein leichtes Unbehagen fest. Irgendwie schien der Notentext fremd und die Finger wollten nicht so recht. Beim Vergleich mit der Ausgabe von Kunzelmann zeigte sich dann auch, warum das so war. Die erste Variation zur Habanera, gewöhnlich in g-moll (also mit zwei vorgezeichneten B), stand bei Amadeus in G-Dur (ein vorgezeichnetes Kreuz). Die Melodie war korrekt dargestellt, was bedeutet, dass der Notentext alle erforderlichen Vorzeichen direkt vor den Noten eingetragen hatte. Das ist bei einem bekannten Stück durchaus eine Herausforderung, wenigstens für den optisch orientierten Menschen. Weitere Überraschungen bot dann der Blick in die Klavierstimme. Dort waren nämlich sowohl Solo- als auch Begleitstimme im gewohnten g-moll notiert. Die Darstellung im Flötenauszug war dadurch eindeutig als fehlerhaft identifziert. Die Konsequenz war der Umtausch.

Trotz Eintragungen und nach einigen Diskussionen war das auch möglich (wie gesagt bei Tonger, wo man aber zunächst auch unterstellte, dass das vielleicht so gemacht sei, weil Flötisten nicht gerne Bs spielen), allerdings nur nach Bezahlung der Differenz zur drei Euro teureren Kunzelmann-Ausgabe.

Was lernen wir daraus? Vielleicht doch besser öfter mal genau hingucken…. erstaunlich, dass in so etablierten Werken noch solche Fehler in den Ausgaben auf einen warten. Vielleicht doch besser nicht Amadeus in diesem Fall.