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Dieses Wochenende, 10. und 11. Mai 2014 finden an der Musikhochschule Würzburg die Flute Days 2014 statt. Geboten werden Meisterklassen, Konzerte, Workshops und ein Flötenorchester. Veranstalter sind die Deutsche Gesellschaft für Flöte e.V. und die Musikhochschule Würzburg.

An der Musikhochschule Rostock gibt es am Montag Abend, 12. Mai 2014, ab 17 Uhr ein Flötenvorspiel. Der Eintritt ist frei.

Im Konzertsaal der Hochschule für Musik in Saarbrücken spielen am 18. Mai 2014 um 18 Uhr Grigory Mordashov (Flöte) und Grigor Asmaryan (Klavier) Werke von C. Ph. E. Bach, Sancan, Taffanel und Prokofiew.

Flutissimo und Hochschule für Musik in Mainz veranstalten am 11. und 12. Oktober 2014 das erste Mainzer Flötenfestival. Auch hier gibt es Meisterkurse, Konzerte und Workshops, dazu aber auch Kinderkurse und eine große Instrumenten- und Notenausstellung.

Das heute besprochene Buch hält, was es im Titel verspricht: heute geht es um eine ganz klassische Biographie. Verfasst von Wilhelm Keitel und Dominik Neuer und erschienen 1992 im Verlag Albrecht Knaus wird die angenehm lesbare Biographie ergänzt durch einen Quellennachweis, eine Zeittafel, ein Werkverzeichnis (gleichzeitig Opernführer in Sachen Rossini), ein Verzeichnis mit Kurzinformationen zu allen im Buch vorkommenden Komponisten (hauptsächlich stilistische Einordnung ihres Werkes) und ein Stichwortverzeichnis. Wissenschaftlich fundiert also und ordentlich ausgearbeitet.

Alles in allem umfasst das fest gebundene Buch im DIN A 5 Format so ca. 320 Seiten, wovon die eigentliche Biographie ca. 230 Seiten ausmacht. Die Gliederung unterscheidet folgende Lebensabschnitte:

  • Anfänge und Aufbruch: Pesaro, Bologna 1792-1805
  • Ausbildung und Ausbruch: Bologna 1805-1810
  • Erste Erfolge: Venedig 1810-1815
  • Verpflichtungen: Neapel 1815-1822
  • Zwischen den Stühlen: Rom, Mailand 1817
  • Begegnungen: Wien 1822
  • Ausflüge: Paris – London 1823
  • Impulse, Intrigen, Irritationen: Paris 1824
  • Die Romantik, Rossini und die Deutschen: Paris 1825-1831
  • Mitten im Leben vom Tod umfangen: Bologna, Florenz – Bologna, Florenz 1855-1868

Einige dieser Abschnitte werden nochmals in verschiedene thematische Unterkapitel eingeteilt.

Die Biographie beleuchtet das, was ich je länger ich mich mit Biographien und Hintergründen befasse, immer wichtiger finde: den Einfluss der Politik und gesellschaftlichen Lage auf den Komponisten und sein Werk. Bei der Lektüre von Biographien stelle ich immer wieder fest, dass alleine die ungefähre Kenntnis der Lebensdaten eines Komponisten in meinem Kopf in den seltensten Fällen zu einer Verknüpfung mit Zeitgenossen führt (Ausnahme Bach und Händel). Sehr häufig stelle ich dann in Biographien verwundert fest, mit wem einer so alles Verkehr pflegte (ob nun alleine in Korrespondenz, indirekt durch Presse und Kritiker oder auch real). Teilweise prallen da für mich Welten aufeinander, Musik und Menschen, die ich so überhaupt nicht (zeitlich) miteinander verknüpft hatte. Hier im Buch vielleicht am offensichtlichsten: Rossini und Wagner.

Es bewahrheitet sich, was ich bei meinem kürzlich beschriebenen Workshop bei Camilla Hoitenga auch von ihr gehört habe: die Lebensdaten alleine reichen zur Einordnung nicht. Die Tradition in der ein Komponist schreibt, seine Ideen, Ideale und Vorstellungen sind wesentlich um einem Werk gerecht zu werden.

Rossini lebte in einer Zeit rasanter Entwicklung: politisch, gesellschaftlich und auch musikalisch. Für den Flötisten wird das bei Betrachtung obiger Jahreszahlen ganz klar: in seine Lebensphase fällt auch die Geburtsstunde der Böhmflöte, der schleichende Wechsel von Travers- auf Querflöte. Gleiches gilt aber auch für die Entwicklung der Oper, dem Haupttätigkeitsfeld Rossinis. Italienischer Belcanto und romantische deutsche Oper wie Freischütz und später gar Wagner.

Wesentlich ist hier auch die Entwicklung der Strukturen. Opernhäuser, früher an Würdenträger und Adelige geknüpft, werden nun zu Wirtschaftsbetrieben, mit allen Vor- und Nachteilen, die so eine Veränderung mit sich bringt. Interessant in diesem Zusammenhang auch, dass vor Rossini einem Komponisten praktisch keine Rechte an seinem Werk blieben. Rossini hat hier quasi als erster bessere Konditionen für sich verhandelt und auch Partituren und Rechte zurückgefordert. Er arbeitet auch in einer Zeit, in der allmählich Musikverlage für das Auskommen eines Komponisten wesentlich werden.

Rossini hat extrem schnell gearbeitet und war ein totaler Popstar seiner Zeit. Gleichzeitig war er ein kränkelnder und unglücklicher Mensch im Alter. Seine letzte Oper Wilhelm Tell wurde bereits 1829 uraufgeführt, da war der Komponist gerade 37 Jahre alt! Danach entstand noch geistliche Musik und Instrumentalmusik (ich empfehle die Gesamtaufnahme seiner Alterssünden durch Stefan Irmer).

Ein spannender Lebenslauf also. Was gibt Rossinis Werk für Flötisten her? Zum einen sind da seine wunderbaren Opernmelodien, die es in Bearbeitungen für zwei und mehr Flöten oder auch für Bläserquintett gibt. Außerdem geistern seine frühen Quartette zum einen als Bläserquartett (Quintett ohne Oboe) und zum anderen für Flöte mit Streichtrio durch die Welt. Bekannt natürlich auch Chopins Variationen über ein Thema von Rossini. Für Flöte mit Klavier oder Harfe gibt es zudem ein Andante und Allegro verlegt. Rossinis musikalischen Humor kann man im Katzenduett in einer Bearbeitung für Flöte, Klarinette und Klavier persönlich kennen lernen.

Unabhängig von dieser eher spärlichen Flötenliteratur ist mir allerdings einfach seine Musik sympathisch. Der Barbier von Sevilla war eine meiner schönsten Opernerfahrungen und die Leichtigkeit seiner Musik hat mir schon manche Stunde versüßt.

Zurück zum Buch kann ich nur sagen, dass ich die Lektüre genossen habe, die so kurzweilig war, dass ich das Werk in kürzester Zeit verschlungen hatte (was nicht für jede Biographie gilt). Daher für alle interessierten hier nochmal die bibliographischen Informationen in Zusammenfassung:

Wilhelm Keitel – Dominik Neuner

Gioachino Rossini

1. Auflage 1992, Albrecht Knaus Verlag GmbH, München

ISBN 3-8135-0364-X

  • Sonntag den 27. April 2014 bringt Arte von 16:45 bis 18.05 Uhr in 3 Folgen eine Dokumentation, die ein Jahr verschiedene Studenten der Juilliard School in New York begleitet hat: Tänzer, Musiker und Schauspieler.
  • Ebenfalls auf Arte, direkt im Anschluss 18.05 Uhr bis 19.15 Uhr eine Aufnahme der Berliner Philharmoniker unter Rattle von den zwei letzten Mozart-Symphonien, aufgenommen in Luzern 2013
  • Wiederum auf Arte kommt am Montag den 28. April 2014 um 0.00 Uhr ein fast einstündiges Portrait des Komponisten Isang Yun, gleichzeitig ein Dokument der Spaltung Koreas.
  • Am ersten Mai 2014 überträgt die ARD von 11 bis 13 Uhr das Europakonzert der Berliner Philharmoniker
  • 9.-11. Mai 2014, Forum Artium in Georgsmarienhütte: Flöte und Traversflöte mit Klaus Holsten (220 Euro, Studenten 180 Euro, passive Teilnahme 100 Euro, Unterkunft 130 Euro)
  • 25.-28. September 2014, Forum Artium in Georgsmarienhütte: Traversflöte mit Barthold Kuijken (250 Euro, Studenten 200 Euro, passiv 120 Euro, Unterkunft 200 Euro)

Seit gut einem Jahr gebe ich wieder Unterricht. Zwei relative Anfänger wurden damals sozusagen Flöten technisch obdachlos, da ihre Lehrerin nicht weiter unterrichten konnte oder wollte. Da bin ich eingesprungen (ich finde, jeder sollte die Chance haben, das Instrument seiner Wahl zu lernen). Die Große von beiden (ca. 13 Jahre) spielt inzwischen knapp 4 Jahre und hatte bis Ende letzten Jahres ein relativ altes Instrument von Ihrem Großvater. Yamaha-Flöte mit Silberkopf. Leider schwächelte die Flöte zunächst mit geschrumpftem Kork, der ständig verrutschte, dann mit echten Ausfallerscheinungen, die eine Generalüberholung mit Kosten von gut 500 Euro erforderlich gemacht hätten. Zunächst konnten wir das Problem mit meiner alten Flöte überbrücken, aber eine echte Lösung war gefragt. Daher ging es dann gestern zur österlichen Flötenwahl.

Ich zähle mich seit ca. anderthalb Jahren zu den Fans des Angebots und der Beratung von Flutissimo, daher lag es nah, zunächst dort mal zu sehen, was denn so in Frage kommen könnte. Wir liefen also 4 Mann hoch in Sankt Augustin (der Zentrale) auf: die Eltern, die Flötistin und ich als beratende Lehrerin. Die Hausaufgabe bei Vereinbarung des Termins lautete für die Eltern, ein Limit festzusetzen. Sehr sinnvoll. So vermeidet man eine heiße Liebe zu einem unbezahlbaren Instrument (sowas hat schon manchen in meinem Umfeld Jahre lang verfolgt). Die Grundfrage war: Anfängerflöte oder Instrument mit Silberkopf. Die Wahl fiel auf letztere Kategorie mit einem geschätzten Preisbereich von 900-1600 Euro. Das familiäre Limit wurde in Etwa in der Mitte mit 1300 Euro festgelegt.

Nun konnte also aufgetischt werden. Flutissimo hatte in diesem Preisbereich ca. 12 Flöten (ich habe nicht gezählt, könnten auch etwas mehr oder weniger gewesen sein) unterschiedlicher Hersteller und Modelle anzubieten. Alle mit Ringklappen, E-Mechanik und Offline-Mechanik (so muss es sein). Zwei davon mit H-Fuß und eine (Altus/Azumi) mit einer Silber-Mundlochplatte statt einem Silberkopf (Altus ist immer etwas teurer, hat aber auch einen wirklich vollen, warmen Klang).

Meine arme Flötenschülerin sollte nun ausprobieren und man konnte ihr (ausgeprägt schüchtern) ansehen, wie unwohl ihr war angesichts der vier Zuhörer und der Frage: was soll ich bloß spielen, wie geht so was? Und ab hier profitierten wir alle von der jahrelangen Erfahrungen des Hausherrn. Bernd nahm die Zügel in die Hand und führte ab hier souverän Regie (nachdem er sich selbstverständlich vorher über Vorlieben, Interessen und Fragen informiert hatte, aber hier gab es keine Vorüberlegungen). Die Testerin startete also in der tiefen Lage mit einfachen Tonfolgen (Tonleiter von g1-d2).  Die Unterschiede in Ansprache und Klangqualität waren absolut frappierend. Keiner von uns wusste, was sie gerade für ein Instrument spielte, das war auch nicht wichtig. Wir alle konnten aber trotz vorlaufender diesbezüglicher Skepsis der Eltern, deutlich hören, welche Instrumente spontan spielten und bei welchen Anstrengung erforderlich war. Auch die Klangqualität war sehr verschieden.

Nach der tiefen Lage folgte die mittlere (e2-g2) und dann die hohe (d3-f3). In jeder Runde disqualifizierte sich das eine oder andere Modell. Am Ende blieben vier, die dann noch an der von flutissimo aufgelegten Literatur (ein Gospel) getestet wurden. Die bei den Einzeltönen durch mehr Klangvolumen vorne liegenden Flöten wurden hier von ihren Konkurrenten abgeschlagen. Die Sprünge innerhalb der Melodie waren mit zwei anderen Modellen einfacher zu spielen. Am Ende stand eine Flöte der Marke Anthem (hatte ich noch nie gehört, ist eine Gründung ehemaliger Powell-Mitarbeiter, die sich auf Schülerinstrumente spezialisiert haben). Der Preis: 980 Euro (also weit unter dem Limit). Das war eindeutig, die für meine Schülerin am leichtesten spielbare Flöte.

Ich war (und bin) beeindruckt. Es hatte eine Stunde gedauert und war eine eindeutige Entscheidung, an der keiner im Raum zweifeln konnte. Dank fachkundiger Führung durch den Verkäufer war der Stress für die jugendliche Hauptperson erträglich geblieben. Ich selbst hätte mangels Erfahrung zu diesem Prozess nur wenig beizutragen gehabt. Flöte spielen und Flöte kaufen sind einfach sehr verschiedene Dinge. Den abschließenden Antrag der Eltern, das Ergebnis nun mit einer Silberkopf-Flöte aus dem oberen Preissegment zu vergleichen, wurde von Bernd abgelehnt. Sehr vernünftig. Sicher hätte manch anderer versucht, auf diesem Weg ein teureres Instrument an den Mann zu bringen. Das war hier aber nie Thema (sonst wären wir sicher auch nicht so weit unterhalb des Limits gelandet). Das Risiko, dass die Probandin sich doch noch in ein unerreichbares Instrument verlieben könnte, wurde einfach von Bernd nicht mitgetragen. (Sehr anständig, wie zu erwarten)

Hätte es sich um eine ältere Schülerin mit deutlichen flötistischen Ambitionen gehandelt, die mehr Spiel-Sicherheit mitbringt, so hätte ich eventuell der aktuellen Ansprache und Leichtigkeit beim Spiel ein geringeres Gewicht geben wollen und mehr auf den erzielbaren Klang geachtet (auch wenn dafür dann einige Arbeit zu investieren gewesen wäre). In diesem Fall aber war Motivation ein wichtiges Thema, eine feste Zahnspange oben (die bereits zu viel Flöten-Frust geführt hatte) und die bevorstehende Ergänzung am Unterkiefer, gepaart mit vielen anderen Hobbies und wenig Zeit fürs Flöten, machen diese Wahl auf jeden Fall zur richtigen. Spannend wäre es, in einem anders gelagerten Fall zu sehen, wie der Evaluationsprozess dann aussähe (ich bin sicher, auch hierzu existieren schon Erfahrungen bei Flutissimo).

Ich habe also viel zur Kaufsystematik und dem aktuellen Marktangebot an Schülerflöten gelernt. Sehr spannend.

Vergangenes Wochenende war es so weit. Das Adams Flute Centre lud wieder mal zum Flötenfestival in Ittervoort, kurz hinter Roermond. Vor drei Jahren war ich schon mal da und habe auch hier davon berichtet. Das Festival war angekündigt mit Instrumentenausstellung, Konzerten, Meisterkursen und Workshops. Um den voraussichtlich sehr überfüllten Samstag zu vermeiden und weil ich nicht zum großen Gast-Star James Galway wollte, nahm ich mir also für Freitag einen Tag frei.

Bei der Anmeldung empfand ich die Seiten mit dem Programm und der Anmeldung als sehr unübersichtlich. Ich interessierte mich besonders für die Masterclasses bei Natalia Gerakis und Anne-Catherine Heinzmann als Zuhörer und für den Workshop von Camilla Hoitenga. Über die entsprechenden Online-Formulare meldete ich mich also an und da die Meisterklassen von morgens bis nachmittags eingetragen waren,  wies ich darauf hin, dass die Buchungen nur gälten, wenn es möglich wäre, nach dem Workshop den Raum zu wechseln. Das Geld wurde direkt über Kreditkarte einbehalten, eine Antwort auf die Frage, ob ein Wechsel möglich wäre, habe ich leider nie erhalten. Die Buchungsbestätigung enthielt den Hinweis, dass genauere Angaben per Mail folgen würden.

Etwa eine Woche vor dem 4.4. kam dann tatsächlich eine Mail, dass man sich spätestens eine halbe Stunde vor der aktiven Teilnahme (der Workshop) im OG beim Festival-Sekretariat anmelden solle. Leider enthielt das Mail keine weiteren Angaben zur Möglichkeit, in die Meisterkurse mit Verspätung reinzugehen oder zu der Frage, wie der Workshop ablaufen würde.

Am Freitag morgen zeigte sich dann an besagtem Sekretariat (einem Tisch mit zwei jungen Herren direkt am Kopf der Treppe) eine lange Schlange. Die Ursache? Man hatte anscheinend die Batches für Freitag nicht oder fehlerhaft ausgedruckt und musste nun nochmals drucken und laminieren. Die angekündigte Instrumenten-, Noten- und CD-Ausstellung war noch reichlich unbesetzt, schwierig also, die Wartezeit irgendwie halbwegs spannend zu verbringen. Als die Anmeldung dann lief, erhielt ich ein Namensschild zum Umhängen mit meinem Namen und den gebuchten Kursen. Ohne einen Hinweis auf das wie und wann. War mittlerweile auch egal, ich hatte erfahren, dass Gerakis und Heinzmann  gar nicht anwesend waren, da deren Kurse zu schlecht gebucht waren. Gesagt hat mir das bei der Anmeldung keiner, erfahren habe ich es von Camilla. Von anderen Workshop-Teilnehmern hörte ich, dass man andere Kurse besuchen sollte. Viel war da ja nicht mehr zur Wahl, da der Vormittag mit dem Workshop belegt war…. naja. Schön wäre eigentlich, wenn der Veranstalter die angemeldeten Teilnehmer (aktiv und passiv) über derartige Ausfälle von sich aus informieren würde. Streng genommen würde ich die Möglichkeit erwarten, mein Geld zurückzubekommen.

Erstes Fazit also: total schlecht organisiert, kein Service für diejenigen, die etwas gebucht haben und eine nicht nachvollziehbare Preisstruktur (warum nimmt man von Zuhörern 5 Euro? Zumal wenn die Teilnahme überhaupt nicht kontrolliert wird?). Alles sehr eigenartig.

Die Ausstellung enthielt die üblichen Verdächtigen: Mancke-Köpfe, Kingma-Flöten, Haynes, Pearl, Powell, die Edition Kossack, der nette kleine niederländische Notenladen, der letztes mal auch da war und….. eine Reihe leere Tische, weil wohl auch einige Aussteller lieber erst Samstag kommen wollten (darauf wurde man bei der Anmeldung aber auch nicht hingewiesen).

Die perfekte Entschädigung für diese kleineren Unbillen war mein Workshop. Quarter Notes…. auf Basis meines schlechten Englisch hatte ich irgendwas in Sachen Vierteltöne erwartet, war zuvor aber schon von Camilla aufgeklärt worden, dass es um Viertelnoten ging…. Viertel im Wandel der Zeiten sozusagen. Freitag morgen machte sie aus dem Workshop einen kleinen Meisterkurs. Ich durfte ein Stück Schubert spielen, wobei ich von der angenehmen Atmosphäre profitierte. Normalerweise traue ich mich gar nicht an solchen Veranstaltungen aktiv teilzunehmen. Diesmal waren wenig Studenten anwesend, was mir die Sache sehr erleichterte.

Thema des Workshops waren also Viertelnoten als beispielhafte Größe für Stilfragen sozusagen. Die Frage also, ob bei einem Stück eine Note von Anfang bis Ende in voller Lautstärke zu spielen wäre oder aber abphrasiert werden sollte, welche Gestaltungsspielräume in den verschiedenen Epochen und bei den verschiedenen Komponisten bestehen und wie viel Kenntnis der Entstehungsgeschichte eines Werkes und der Biographie des Komponisten erforderlich sind, um die richtigen Entscheidungen in Sachen Gestaltung zu treffen. Sehr komplex, sehr spannend und sehr anschaulich vorgetragen.

Nach mir spielte dann die einzige Studentin des Tages. Sie war extra aus Luzern angereist, um aus berufenem Mund mehr Informationen zur Ausführung von zwei Werken von Kaija Saariaho zu erhalten. Für mich war es die erste Berührung mit deren Musik, zuvor kannte ich nur den Namen. Wir hatten das Glück, während der Erläuterungen auch die Partitur vor uns sehen zu können und ich war total beeindruckt. Da war so viel neues zu lesen und es gab so viele Anweisungen und Symbole, dass ich gar nicht wüsste, wie man das üben sollte. An für mich völlig neuen Techniken sind insbesondere der Doppeltriller, notiert als zwei Schlangenlinien übereinander, und das Spielen und gleichzeitige Sprechen hängen geblieben. Der Doppeltriller wird übrigens ausgeführt, indem man mit Zeige- und Mittelfinger abwechselnd auf eine Klappe trommelt, statt diese wie im normalen Triller mit einem Finger zu öffnen und wieder zu schließen. Das klingt echt witzig und ist glaube ich gar nicht einfach….

Der Workshop war also wirklich spannend und darum habe ich dann nachmittags einfach auch gleich Ihre Masterclass besucht. Da gab es noch mehr Saariaho von der Luzernerin und anschließend habe ich sie dann zum Bahnhof gefahren, da der Shuttle-Service von Adams leider auch nicht so unproblematisch funktionierte, dass man sich für einen Anschluss darauf hätte verlassen wollen.

Als letzten Termin des Tages habe ich dann nach meiner Rückkehr noch das Konzert von Camilla Hoitenga und Cordula Hacke besucht. Der Saal ist eigentlich eine Blechhalle, vergleichbar mit dem Adams-Hauptgebäude. Von der Galerie der oberen Etage waren schwarze Moltons herabgehängt, in der Mitte des Raums stand eine Bühne aus mobilen Podesten, mit Lichtanlage, Werbung für den parallel ablaufenden Wettbewerb und einem tragischerweise bescheiden klingenden Flügel (Marke blechern scheppernd). Dank des vielen Stoffes (rund um die Bühne hing noch so ein Vorhang) war die Akustik mega ober super trocken.

Auf dem Programm standen American classics in Form eines mehrsätzigen Werks von Copland (Titel weiß ich leider nicht mehr), einige Lieder von Barber aus den 50ern, die aber klingen wie höchstens von 1920 (einfach traumhaft schön und meine Entdeckung des Tages) und zwei Valentines aus dem gleichzeitigen Heft von Carol Wincenc. Die Sammlung umfasst Werke, die befreundete Komponisten für die Flötistin geschrieben haben und auch hier konnte man echte Kleinode entdecken.

Während des Konzertes öffnete sich die Tür und James Galway lief mit seinem Gepäck quer durch den Saal. Witzig. Er war DER Flötist meiner Pubertät und nun habe ich ihn das erste mal live gesehen (wenn auch ohne Flöte).

Es war also sowohl ein ereignisreicher und auch interessanter Tag, dennoch würde ich nicht nochmal einen Freitag für meinen Besuch wählen…..

Das Buch, das ich heute hier vorstellen möchte, ist eine sehr ausführliche Biographie des französisch-amerikanischen Flötisten Georges Barrère, der in New York Mitbegründer des dortigen Flute Club war. Die Autorin, Nancy Toff, war selbst Jahre lang Präsidentin dieses Clubs und ist bis zum heutigen Tag dessen Archivarin.

Die mir vorliegende Ausgabe ist ein Hard-Cover-Band, deutlich größer als DIN A 5 aber nicht ganz DIN A 4 und umfasst inklusive aller Verzeichnisse im Anhang fast 440 Seiten, natürlich komplett auf Englisch, wie der Titel verrät. Hier alle bibliographischen Angaben in der Übersicht:

Nancy Toff

Monarch of the flute

The life of Georges Barrère

Oxford Press 2005, ISBN 13 978 0 19 517016 0

Das Buch gibt es bei Amazon auch in einer Ebook-Variante (natürlich kindle), oder als Taschenbuch. Wo ich das Hardcover her hatte, weiß ich gar nicht mehr. Die Papierqualität ist leider nicht sooooo super, dafür ist das aber auch für unter 20 Euro zu bekommen.

Die Widmung auf dem inneren Deckblatt gilt einer Schülerin Barrères und einer der ersten professionellen Flötistinnen Amerikas: Frances Blaisdell.

Nancy Toff beschreibt das Leben des für Amerika so bedeutenden Flötisten in insgesamt 19 Kapiteln. Dem folgt eine Würdigung durch die Autorin, zwei Verzeichnisse mit Werken, die ihm oder seinen Ensembles gewidmet wurden und solchen, die von ihnen uraufgeführt wurden. Es schließen sich die Endnoten, eine Bibliographie und ein Stichwortverzeichnis an.

In Deutschland dürfte Barrère den aller meisten kein Begriff sein, daher zunächst ein paar Fakten zu ihm. Geboren und aufgewachsen in Frankreich, studierte er dort am Koservatorium bei Altes, mit dem er nicht so gut zurecht kam, und anschließend bei Taffanel. Er besetzte in Paris einige Orchesterstellen, teilweise auch parallel (soll heißen zur gleichen Zeit). Die Perspektiven in Frankreich waren allerdings bei der aktuellen Konkurrenz (Hennebains, Gaubert, Lafleurance etc.) nicht so golden. 1905 folgte er daher einer Einladung nach New York, wo er den Rest seines Lebens (neben den vielen Tournee-bedingten Abwesenheiten) wirkte.

Er wird Soloflötist der New York Symphony (später Teil des New York Philharmonic). Er war ab der Gründung der Juillard School dort Lehrer, gründete zunächst in Paris und später auch in New York verschiedene Kammermusikensemble und arbeitete sowohl an einer Wiederentdeckung der Barockmusik als auch an der Verbreitung aktueller Werke. Unter den zahlreichen Uraufführungen, an denen er beteiligt war, ist unter anderem der Nachmittag des Faun von Debussy (spielte er noch in Paris als erster) und Varèses Density.

Diese kurze Zusammenfassung zeigt schon, wie rege er war. In der Würdigung am Ende der Biographie vergleicht Toff ihn nicht zu unrecht mit Rampal, der in den 60ern-80ern zu einer großen Popularität der Flöte und ihrer Musik beitrug. Zu Zeiten Barrères war diese Öffentlichkeitsarbeit noch durchaus mühsam, da erst in einer späten Phase seiner Karriere Radio und Plattenaufnahmen zur Verfügung standen. Barrère verbrachte einen großen Teil seines Lebens mit Konzertreisen durch ganz Amerika und mit dem Knüpfen von Kontakten zu wohlhabenden Sponsoren für seine verschiedenen Ensemble, Konzertreihen und Tourneen.

Spannend fand ich insbesondere den Einblick in die musikalischen und gesellschaftlichen Strukturen der Zeit und das Schlaglicht auf die Amerikanisch – Französischen Verhältnisse gerade im Bereich Musik. Bei Ankunft Barrères in New York herrschten dort musikalisch die Deutschen vor. Zu Beginn wurden die Musiker im Orchester für Proben gar nicht bezahlt (kann man sich heute auch nicht mehr so recht vorstellen). Die Gewerkschaften vertraten zunächst ausschließlich die Rechte der Musiker vor Ort, bei Ankunft herrschte daher viel Widerstand gegen die französischen Musiker, die Damrosch für sein Orchester rekrutierte.

Bald waren gerade bei den Holzbläsern die Franzosen absolut führend und beherrschten die Musikszene. Auf den Konzertprogrammen standen deutsche und französische Werke, amerikanische Musik spielte fast keine Rolle. Barrère arbeitete während seiner Tätigkeit in New York stetig an der Verbreitung der Werke einheimischer Komponisten, gleichzeitig begründete er in Amerika eine Vererbung der französischen Flötentechnik. Bald waren alle Lehrpositionen an den bedeutenden Konservatorien mit seinen Schülern besetzt und noch heute kann vermutlich beinahe jeder amerikanische Flötist seine Wurzeln bis zu ihm zurück verfolgen (Kincaid, Lora, Baker (zu Zeiten, als er schon nicht mehr selbst spielen konnte) waren alle seine Schüler).

Zu den beeindruckenden Namen, die einem in dieser Biographie begegnen, gehören Caplet, Casella, Fauré, Varese, Toscanini etc.  Die Schaffensperiode Barrères fällt in die Hochzeit der Flöte und er war ein bedeutender Motor für die Holzbläser-Kammermusik. Alleine das macht diese Biographie schon sehr interessant.

Das Werk beruht auf einer sehr ausführlichen Recherche. Demzufolge bestehen die Darstellungen hauptsächlich aus dem, was heute über die Zeit von vor über 100 Jahren noch zu finden ist: Konzertprogramme und Konzertkritiken. Das ist wohl auch der Grund, warum sich das ganze ein wenig schwer liest. Es ist zwar total spannend, was Barrère so alles gespielt hat und wo, die Auflistung der Konzerte und Konzertreisen, Besetzungen und Werke ist allerdings auf die Dauer etwas trocken. Das Privatleben des Flötisten ist eher unterbelichtet, was aber auch in Ordnung ist, schließlich ist er aufgrund seiner musikalischen Tätigkeiten von Interesse.

Deutlich wird in jedem Fall, dass er wohl ein sehr lebensfroher und netter Mensch war. Sein Lebensstil brachte in ständig in Geldnot, er war unfassbar fleißig und musste neben Unterricht und Konzertieren permanent für Sponsoren sorgen. Er war also nicht nur Musiker, sondern auch Geschäftsmann und wohl auch ein Marketing-Profi (z. B. pflegte er seinen französischen Akzent, weil er beim Publikum gut ankam). Tragisch fand ich das Ende seiner Karriere: ein Schlaganfall machte die rechte Hand praktisch unbrauchbar. Dennoch hat er noch eine Zeit lang unterrichtet.

Am Ende der Lektüre bin ich mit dem Gefühl übrig geblieben, dass ich ihn gerne kennengelernt hätte. Da ich die vielen Repertoirehinweise noch nutzen möchte, habe ich mir zusätzlich auch das durchsuchbare Kindle-Buch besorgt, um es „auszuschlachten“.

Zu allerletzt hier noch der Ausdruck meiner Hochachtung an die Autorin für diese unfassbar umfängliche Recherche. Wirklich toll, vielen Dank!

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