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Zunächst ein Termin in eigener Sache. Am 14. Dezember 2013 um 15 Uhr startet eine kleine Adventsmusik für Flöte (ich) und Klavier (Roswitha Buchheim) im DRK Zentrum plus Reisholz/ Hassels Nord in Düsseldorf. Der Eintritt ist frei und geboten wird ernsteres von Fauré, Bach und Mozart sowie unterhaltsameres von Joplin, Andersen oder Kreisler.

Zuvor eröffnet das Trio Vacanza am 1. Advent (1. Dezember 2013) mit Werken französischer und russischer Komponisten in der Besetzung zwei Querflöten und Harfe. Los geht’s im Palais Rastede um 18 Uhr, der Eintritt kostet 12 bzw. 14 Euro.

Am 5. Dezember 2013 findet bei PPC-Music in Hannover um 19 Uhr ein LehrerInnenkaffee statt, bei dem die bekannte Flötenschulen-Autorin Gisler-Haase Unterrichtsmethoden für junge Schüler ab 5 Jahre erläutert. Gesponsert von Jupiter, deren Schüler-Flöte mit dem „blub“, die Loop-Flöte (Patent von Azumi übernommen), vorgestellt wird.

Im neuen Jahr ist am 2. Februar 2014 Emmanuel Pahud zusammen mit der Kammerakademie Potsdam und Trevor Pinnock in München zu hören. Im Herkulessaal der Residenz erklingen ab 20 Uhr Werke von Bach und seinem Sohn Carl Philipp Emanuel. Karten sind ab 28 Euro erhältlich, das Konzert nach meiner Erfahrung sehr zu empfehlen.

Das Kurpfälzische Kammerorchester konzertiert am 17. März 2014 mit der Flötistin Magali Mosnier im Onoldiasaal im bayerischen Ansbach. Die Gewinnerin des ARD-Wettbewerbs im Jahr 2004 gibt Werke von Bach Vater und Sohn sowie vom libanesischen Komponisten Houtaf Khoury. Die Veranstaltung beginnt um 20 Uhr. Karten gibt es ab 11 Euro.

Wirklich gelesen habe ich das hier besprochene Buch nicht. Das liegt aber daran, dass es eigentlich ein Nachschlagewerk ist und ich auch nicht dazu tendiere, Telefonbücher zu lesen. Kurz die bibliographischen Angaben:

KOM Komponistinnen im Musikverlag

Herausgeber: Clara Mayer

Furore Edition 863, ISBN 3-927327-29-8

Das Taschenbuch aus der Furore-Edition ist 1995 erschienen und stellt ein Verzeichnis der zu diesem Zeitpunkt erhältlichen Notenausgaben von Werken weiblicher Komponisten dar. Die Übersicht ist auf Ausgaben beschränkt, die 1995 im europäischen Musikalienhandel verfügbar waren, einige mir bekannte Ausgaben gerade aus Amerika sind daher nicht gelistet.

Auf 275 Seiten im DIN A 5 Format finden sich nach Besetzung geordnet die Notenausgaben. Die übergeordneten Kategorien sind Instrumentalmusik, beginnend bei Tasteninstrumenten über Saiten zu Blas- und Schlaginstrumenten, gefolgt von Kammermusikbesetzungen, dann Vokalmusik und zuletzt Bühnenmusik. Abgerundet werden die Darstellungen durch ein Verzeichnis aller aufgeführten Komponistinnen.

Innerhalb der Besetzungskategorien werden die Ausgaben alphabetisch nach den Komponistinnen sortiert. Genannt werden Titel, Herausgeber (falls relevant), Verlag und gegebenenfalls Bestellnummer sowie falls bekannt die Internationale Standard Music Number (ISMN).

Der Abschnitt mit Flötenmusik umfasst nur ca. 10 Seiten. Dazu kommen einzelne Ausgaben im Bereich der Kammermusikausgaben.

Insgesamt ein interessanter Startpunkt für Recherchen, aufgrund des stattlichen Alters von 18 Jahren (eine Nachfolgeausgabe habe ich nicht gefunden) allerdings eben nur eine Hilfe und keine allumfängliche Darstellung. Vermutlich ist die eine oder andere Ausgabe nicht mehr erhältlich und weitere verfügbare dafür noch nicht aufgelistet.

 

Morgen, den 18. November 2013, ist der Tag der Klassenvorspiele. Morgens um 11 Uhr startet in Wien eine Matinee mit Studierenden der Klasse Andrea Wild vom Konservatorium Wien, am Abend um 19.30 Uhr sind in Karlsruhe im Schloss Gottesaue die Studierenden der Klasse Renate Greiss-Armin von der Karlsruher Musikhochschule zu hören. Der Eintritt ist in beiden Fällen frei.

Die Hochschule für Künste Bremen veranstaltet am 22. November 2013 um 20 Uhr in der Simon-Petrus-Kirche Habenhausen ein Barockkonzert in der Besetzung Natalia Kostina (Traversflöte), Robert Herden (Barockoboe), Leonie Walther (Barockcello)  und Olga Chumikova (Cembalo).

In der Schloßkapelle Schönbrunn in Wien ist am 23. November 2013 um 17.45 Uhr ein Kirchenkonzert in der Besetzung Gesang, Flöte und Orgel zu hören. Es spielen Sabina Zapior (Sopran), Theresa Fürnthrath (Flöte) Christian Tarabbia (Orgel), der Eintritt ist frei.

„Zwischen Orient und Okzident“ das ist das Thema eines Gedenk-Konzertes zum 25. Todestag des ägyptischen Komponisten Gamal Abdel-Rahin, bei dem im Foyer der Frankfurter Oper am 24. November 2013 um 11 Uhr gleich mehrfach Flöte in verschiedenen Besetzungen zu hören ist. Es spielen Mitglieder des Frankfurter Opern- und Museumsorchesters, der Eintrittspreis beträgt 13 €.

In der Dauner Nikolauskirche ist am 8. Dezember 2013 um 17 Uhr ein Adventskonzert in der Besetzung  Prof. Johannes Geffert (Orgel), Peter Scheerer (Trompete), Markus Schmitz (Violoncello), Ulrike Friedrich (Flöte) und die  Martina Klesse-Schmitz (Mezzosopran) zu hören. Der Eintritt ist frei, um Spenden wird gebeten.

Die meisten werden wohl schon mal was vom „Versuch einer Anweisung, die Flöte traversiere zu spielen“ von Johann Joachim Quantz gehört. Das ist eine eine Flötenschule, die Quantz 1752 herausgegeben hat. Er war der Flötenlehrer Friedrich des Großen und diente diesem Jahre lang an dessen Hof, an dem auch der deutlich jüngere Carl Philipp Emmanuel Bach angestellt war. Quantz‘ Flötenschule ist heute neben der flötistischen Seite vor allem ein Wegweiser dafür, wie zur damaligen Zeit Musik gemacht wurde, was „in“ war und gefiel.

Vielleicht hat der eine oder andere, so wie ich, schon mal versucht, das Original zu lesen. Davon gibt es auch eine sehr schöne Faksimile-Fraktur-Ausgabe beim Bärenreiter-Verlag. Ich bin offen gestanden nicht sehr weit gekommen. Die über 250 Jahre alte Sprache, die Schrift und die teils sehr ausführlichen und komplizierten Ausführungen haben mir die Luft ausgehen lassen.

Das Buch das ich heute vorstelle, ist da die optimale Lösung. Der Flötist und Musikwissenschaftler Hans-Peter Schmitz hat 1987 unter dem Titel „Quantz heute – Der „Versuch einer Anweisung, die Flöte traversiere zu spielen“ als Lehrbuch für unser Musizieren“ einen erläuterten Extrakt des Schmökers herausgeben. Darin zitiert er die Paragraphen Quantz’s, die ihm für unser Spiel heute relevant erscheinen, hat diese Texte in der Rechtschreibung an heutige Gepflogenheiten angeglichen und erläutert dazwischen die Bedeutung, stellt Verbindungen zu Bach oder Händel und unserem Musikverständnis her und erläutert Begrifflichkeiten und Zeitgeist. Das ist in etwa vergleichbar mit der der Buchreihe „Königs Erläuterungen“ die wir in der Schule immer hatten, um uns die Literatur Klassiker näher zu bringen. Genau wie damals, wo sich der eine und die andere die eigentliche Lektüre gleich ganz geschenkt hat, kann man auch hier darauf verzichten, sich durch den dicken Quantz zu quälen.

Das Büchlein von Schmitz ist ca. DIN A 5 Format und mit knapp 80 Seiten sehr schmal. Die Gliederung besteht ganz nach Quantz aus 18 Hauptstücken zu verschiedenen Themen, ergänzt durch ein Vorwort, die Quantzsche Einleitung , das Literaturverzeichnis (unter dem Titel Anmerkungen) und ein Register der genannten Dinge und Menschen.

Im Band sind auch zahlreiche Abbildungen enthalten, die im Faksimile die Notenbeispiele Quantz’s zeigen. Die Themen der Hauptteile sind:

  • Kurze Historie und Beschreibung der Flöte traversiere
  • Von Haltung der Flöte und Setzung der Finger
  • Von der Fingerordnung oder Applikation und der Tonleiter oder Skala auf der Flöte
  • Von dem Ansatz (Embouchre)
  • Von den Noten, ihrer Geltung, dem Takt, den Pausen und den übrigen musikalischen Zeichen
  • Vom Gebrauch der Zunge bei dem Blasen auf der Flöte
  • Vom Atemholen bei ausübung der Flöte
  • Von den Vorschlägen und den dazu gehörigen kleinen wesentlichen Manieren
  • Von den Trillern
  • Was ein Anfänger bei seiner besonderen Übung zu beobachten hat
  • Vom guten Vortrag im Singen und Spielen überhaupt
  • Von der Art das Allegro zu spielen
  • Von den willkürlichen Veränderungen über die simplen Intervalle
  • Von der Art das Adagio zu spielen
  • Von den Kadenzen
  • Was ein Flötist zu beobachten hat, wenn er in öffentlichen Musiken spielt
  • Von den Pflichten derer, welche akkompagnieren oder die einer konzertierenden Stimme zugesellten Begleitungs- oder Ripienstimmen ausführen
  • Wie ein Musikus und eine Musik zu beurteilen sei

Die Titel zeigen schon, dass Quantz weiter über den flötistischen Tellerrand blickt. Dabei greift er manchmal auch in die Moralkiste und doziert zu Charaktereigenschaften und schlechten Gewohnheiten. Vieles was man da liest wird noch heute so gelehrt, auch manches von dem Schmitz zu Recht sagt, dass es vielleicht gar nicht so ganz sinnvoll ist. Schon eindrucksvoll, wie lange sich diese tradierten Aussagen halten.

Der musikalische Geschmack hat sich in den mehr als 250 Jahren natürlich erheblich verändert. Besonders interessant ist, dass es damals absolut unerwünscht war, alle gleichartige Töne einer Sequenz gleich laut, gleich lang und gleich betont zu spielen. Damals war „Ungleichheit“ und Abwechslung das Ziel. Schmitz weist darauf hin, dass sich dieser Trend erst umkehrte, als die Gesellschaft im 19. Jahrhundert weg von der ungleichen Betrachtung der Menschen (mit Adel, Ständen und ähnlichem) mehr zur Gleichberechtigung kam. Das Gesellschaftsbild hat also den musikalischen Geschmack geprägt. Mich kann das immer wieder begeistern. Musik ist eben Teil des Lebens.

Da wo heutige Schulen häufig aufhören, nach dem Erlernen von Anblastechnik, Griffen und musikalischen Symbolen, geht Quantz viel weiter. Er erläutert, worauf man beim Zusammenstellen eines Konzertprogramms achten soll, wie man sich an die Raumakustik anpasst usw. Schmitz übersetzt das perfekt in unsere Zeit, bildet das Bindeglied und erläutert alles das, was ohne Musik historische Vorkenntnisse heute nicht direkt verständlich ist.

Ganz ähnlich wie das Fürstenau-Buch von Schmitz für Fürstenaus Zeit, ist dieser kleine Band eine Abkürzung zu Quantz, die ich sehr empfehlen kann. Leider wird das Büchlein nicht mehr verlegt und ist nur noch im Antiquariat mit etwas Glück und für zu viel Geld erhältlich.

Mit Ergebnissen meine ich hier nicht das Fazit meines Vergleichs, dafür bin ich noch lange nicht erfahren genug mit Finale. Nein mit Ergebnis ist einfach eine Partitur gemeint, das Ergebnis der Arbeit mit dem Programm.  Meine letzte praktische Übung mit Finale bestand in Änderungen an einem Notentext, den ich vor Monaten mit Capella erstellt hatte. Es handelt sich um eine Klarinetten-Transposition einer Violin-Stimme einer Triosonate.

Leider hatte ich einige Fehler in die Stimme eingebaut, die während der Proben von meiner lieben Mitmusikerin händisch korrigiert wurden. Eine gute Gelegenheit das gesamte Stück in bessere Form zu bringen. Ich habe die Dateien zu den drei Sätzen also in Capella als MusicXML exportiert und die XML-Daten dann nach Finale importiert.

Die Ausgangsdatei im Capella-Format ist in dem Bild rechts zu sehen. Besonderes Augenmerk bitte ich auf die Nachschläge in Zeile eins am Ende und auf die Taktmarkierungen zu richten.

Screenshot der Klarinettenstimme in Capella

Capella-Druckbild Klarinettenstimme

Bei dem Umweg über MusicXML nach Finale sind die mehrtaktigen Pausen leider irgendwie verstümmelt worden. Ich konnte diese nicht mehr mit Finale-Mitteln ersetzen (was aber vermutlich einfach an meiner noch immer großen Unkenntnis lag), als Notlösung habe ich die Pausen in Finale durch reine graphische Symbole ersetzt.

Finale-Druckbild der Klarinettenstimme

Finale-Druckbild der Klarinettenstimme

Das Ergebnis nach Bearbeitung in Finale ist im linken Bild zu sehen. Beim Vergleich fällt das gleichmäßigere Notenbild auf, der Nachschlag in Zeile eins zieht keinen verschobenen Taktstrich nach sich, die Taktmarkierungen stehen in gleichmäßigen quadratischen Rahmen.

Die Unterschiede resultieren aus den unterschiedlichen Philosophien der beiden Programme. In Capella legt der Benutzer den Zeilenumbruch fest, die Software macht keinen automatischen Umbruch. Mit einer Art Blocksatz werden die in einer Zeile eingegebenen Noten dann nur auf die komplette Seitenbreite verteilt (heißt Randausgleich oder so ähnlich).

Finale, das in vielerlei Hinsicht zu einer vom Programm vorgegebenen Formatierung und zu vielen Automatismen tendiert, sortiert im Normalfall die Takte automatisch in die Zeilen. Dazu kann für das gesamte Dokument eine Taktzahl je Zeile vorgegeben werden. Möchte man diesen Standard durchbrechen, so ist das möglich und die Zeile wird als manuell formatiert markiert und für die automatische Verteilung gesperrt. Nach dem Import der XML-Datei waren praktisch alle Zeilen derart gesperrt. Nach Auflösen der Sperre und Neuverteilen der Takte ergab sich dann das ausgeglichenere Notenbild wie in der linken Abbildung zu sehen.

Die Vorschläge musste ich in Finale alle löschen, um sie dann neu und korrekt formatiert erzeugen zu können (ginge vielleicht auch leichter, wenn man sich besser auskennt). Die Taktnummerierung in den Kästchen wird in Capella mit dem Textwerkzeug und Rahmen von Hand erstellt (jedenfalls habe ich das immer so gemacht). In Finale gibt es bei den Vortragsbezeichnungen so genannte „Orientierungszeichen“. Damit lässt sich eine automatische Nummerierung ähnlich wie in Word erstellen, deren Formatierung einmalig festgelegt wird. Der Vorteil dieses Verfahrens (neben dem wunderbar quadratischen Rahmen, den man in Capella von Hand kaum hinbekommt) ist, dass man durch die automatische Vergabe der Nummern sofort bemerkt, falls man versehentlich ein Zeichen abzuschreiben vergessen hat (das nächste hat dann die falsche Ziffer bzw. den falschen Buchstaben).

Der Nachteil an Finale für Anfänger ist, dass aufgrund der Vielzahl von Funktionalitäten und Automatismen ein Arbeiten ohne die Hilfe kaum möglich ist. Ich für meinen Teil verbringe mindestens so viel Zeit mit der Suche nach den richtigen Werkzeugen wie mit dem Eingeben von Noten oder Vortragsbezeichnungen. Bei Capella dagegen kann (und muss) man alles mit einer relativ übersichtlichen und damit schnell erlernbaren Anzahl von Werkzeugen und Tastaturbefehlen erledigen.

Ich für meinen Teil weiß allerdings das Notenbild von Finale, das dem von gekauften Noten am Ende doch sehr viel näher kommt, zu schätzen. Bei der Zeit, die man in so einen Notensatz investiert, ist es schön, wenn das Endergebnis dann auch für den Ausführenden wirklich gut lesbar ist. In Sachen „Geläufigkeit“ hoffe ich noch immer auf einen Lerneffekt bei regelmäßigerer Nutzung der Anwendung.

Auch hier wieder eine kleine „Lüge“ im Titel. Das besprochene Werk ist ein Ebook, verfasst von Marie Lipsius liegt in einer urheberrechtsfreien Ausgabe aus dem Jahr 1913 jetzt als kostenloses Kindle-Ebook vor. Im Original erschienen ist es bei Breitkopf & Härtel.

Die Ausgabe umfasst Darstellungen zu Carl Maria von Weber, Franz Schubert, Felix Mendelssohn, Robert Schumann, Frédéric Chopin, Franz Liszt und Richard Wagner. Dabei ist zunächst jeweils ein biographisches Kapitel zu jedem Komponisten zu finden und im Anschluss daran ein gut dokumentiertes Werkverzeichnis.

Geprägt wird auch dieser Text natürlich von der Sprache und dem Weltbild der Entstehungszeit. Gerade auch im Zusammenhang mit Wagner ist dies an einigen Stellen durchaus sehr befremdlich (Zitat: „So die ältesten Denkmale deutscher Volkspoesie dem künstlerischen Genießen der Gegenwart wiedergewinnend und das moderne Bewußtsein mit der alten Mythologie unseres Volkes in Zusammenhang setzend, vollbrachte er eine wahrhaft nationale Tat“). Ganz ähnlich schon die Kommentare zum Werk Webers: „Nicht nur eine künstlerische, eine sittliche Tat zugleich hatte er vollbracht, indem er die deutschen Bühnen errettete von der Herrschaft fremdländischer Kunst und im Herzen der Nation den verloren gegangenen Glauben  an die Größe und Herrlichkeit des deutschen Genius von neuem entzündete.“

Entgegen heute üblicher Formulierungsweise von Biographien herrschen in diesem Buch Superlative und Verehrung klar vor. Neben dem privaten Leben wird viel auf Uraufführungen hingewiesen. Auch Ehrungen der Komponisten durch Standbilder und ähnliches werden reichlich genannt. In vielerlei Hinsicht sind die Darstellungen durch die relative zeitliche Nähe zum Ableben der beschriebenen beeinflusst (bei Wagner ist der Tod gerade erst 30 Jahre her). Das macht die Perspektive für den heutigen, hundert Jahre später lebenden, Leser besonders spannend.

Für mich machen gerade diese älteren biographischen Werke vor allem immer wieder deutlich, dass die Bezeichnung „Sachbuch“ in diesem Zusammenhang sehr vorsichtig zu genießen ist, lässt doch die Sprache und der Schwerpunkt der Darstellungen einen großen Spielraum für persönliches und dem Zeitgeist geschuldetes. So mag sich einem Leser nach Lektüre mehrerer verschiedener Biographien ein ganz anderes Bild des Portraitierten ergeben als zunächst erwartet.

Geht man also davon aus, dass die Musikgeschichte und Musikwissenschaft eine sich entwickelnde Kunst ist, die heute vermutlich mit ganz anderen Mitteln arbeitet als vor hundert und mehr Jahren, so wird ein so altes Werk sicherlich wissenschaftlich betrachtet den einen oder anderen Mangel aufweisen, dennoch denke ich, darf man die relative zeitliche Nähe, die Tatsache, dass der Autor noch mit Menschen gesprochen hat, die den Beschriebenen kannten oder live gehört haben, nicht unterschätzen. Ist doch Musik eine durchaus vergängliche Sache, die sich mit Worten und Dokumenten nur teilweise erfassen lässt.

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