Vorausschicken möchte ich, dass ich bestimmt schon seit ca. 20 Jahren Capella benutze und seit etwa 15 Jahren auch Capella Scan. Ich habe praktisch jedes Update gekauft und war insgesamt bisher mit Preis-/Leistungsverhältnis und in den Fällen, in denen ich was brauchte, auch mit dem Service sehr zufrieden. Soviel als Vorbemerkung.

Nun ist es so, dass ich wunderbarerweise eine sehr musikalische Familie habe. Das führt dazu, dass es zu Weihnachten gerne auch musikalische Geschenke gibt. Dieses Jahr war meine Nichte dran, für den Musik-LK braucht es Möglichkeiten zum Hördiktat üben, ein E-Piano war mir zu teuer, also habe ich in blindem Vertrauen und ohne zu vergleichen, basierend auf meinen Erfahrungen mit den oben genannten Produkten, die passende Software von Capella gekauft. Audite!

Bestellt, darum gebeten, die Lizenz auf die zu beschenkende einzutragen und dann im Januar (vorher haben wir uns nicht gesehen) übergeben. Der erste Wehrmutstropfen, dass die Software nicht auf Linux, sondern nur auf Windows läuft, schien mir unvermeidlich und war mich auch klar. Die Installation klappte dann wohl unter Windows auch ganz gut.

Beim nächsten Familientreffen, ca. 14 Tage später, bat mich meine Nichte dann um Hilfe, weil Sie nicht so recht mit dem Programm klar kam. Ich war noch ganz optimistisch. Es gab zwei Probleme: einmal die Lautstärke der Diktate im Verhältnis zur Lautstärke der Geräusche, die als Hinweis auf richtig oder falsch ausgegeben werden. Das habe ich hinbekommen, das Problem war nur, dass die verschiedenen Sounds von verschiedenen „Quellen“ kommen und das ließ sich im Programm einstellen, wobei sich die Benennungen nicht so ganz intuitiv verstehen ließen, sonst hätte ich sicher nicht helfen müssen.

Das zweite Problem dagegen überraschte mich total. Die Benutzeroberfläche der Anwendung ist grafisch gestaltet, mit großen Schaltern zum Aufruf der verschiedenen Funktionen. Ganz oben steht erst mal riesig der Produktname und natürlich „Capella-Software“. In den verschiedenen Übungsmodi rutschen dann leider die Bedienelemente so weit nach unten, dass sie auf dem Netbook nicht mehr zu erreichen sind. Es gibt keinen Scrollbalken und keine Skalierungsmöglichkeit, auch nicht in den Software-Einstellungen. Wohl oder übel blieb also nur die Variante, unter Windows die Bildschirmauflösung zu ändern. Obwohl ich schon befürchtete, dass das kleine Netbook gar nicht noch mehr Pixel zu bieten hätte, fand sich tatsächlich noch eine höhere Einstellung. Allerdings ist die auch nur in der Vertikalen größer, so dass alle Anzeigen total  verzerrt werden (Verhältnis von Höhe zu Breite stimmt eben nicht mehr).

Die erste Reaktion meiner Nichte war „dann tausch es doch um“. Ich aber war noch immer voller Hoffnung, weil ich den Laden ja schon lange kenne und weiß, dass für Capella und Capella-Scan auch immer wieder updates bereitgestellt werden. Aufgrund meiner eigenen Programmierversuche weiß ich außerdem, dass Skalierbarkeit und/oder Scrollbars heute in der Regel mit einem einzigen Schalter gesetzt werden können, die Änderung wäre also keine große Sache. Also habe ich eine Mail an den Hersteller geschickt. Ab hier nun in Zitaten (Hervorhebungen in Fettdruck sind nur für die Veröffentlichung hier, um das Problem schneller erfassen zu können):

Sehr geehrte Damen und Herren,

im Dezember habe ich bei Ihnen Audite! gekauft, um es meiner Nichte zu schenken. Leider musste ich bei meinem letzten Besuch erfahren, dass sie große Probleme mit der Software hat, weil der Screen im Gegensatz zu den mir seit vielen Jahren bekannten und von mir geschätzten Anwendungen Capella und Capella-Scan aus Ihrem Haus, weder scroll- noch skalierbar ist. So werden in den verschiedenen Ansichten jeweils Controls am unteren Bildschirmrand abgeschnitten. Es gibt gar keine Konfigurationsmöglichkeiten bezüglich der Ansichten, so dass Sie nur die Auflösung ändern kann, was auf dem Netbook aber zu einer sehr unschönen Verzerrung des Bildes führt (Verhältnis Höhe-Breite ist nicht korrekt). Ich wurde schon darum gebeten, die Anwendung umzutauschen, kenne aber auch keine Alternative, um sich auf Hördiktate für das Musik-Abitur vorzubereiten. Meine Frage ist nun, ob nicht eventuell ein Upgrade mit entsprechenden Anpassungen möglich ist? Skalierbare Ansichten sind eigentlich in der aktuellen Programmierung kein Problem mehr, noch weniger ein Scrollbalken.  
Können Sie da eine Lösung in Aussicht stellen, oder muss ich in der Tat die Anwendung umtauschen (wenn das überhaupt möglich ist)?  
Informationen zu Mindestvoraussetzungen bzgl. der Auflösung konnte ich auch bei expliziter Suche danach bisher auf Ihrer Website nicht entdecken.

Ich hoffe auf Ihre Unterstützung

Mit freundlichen Grüßen

Claudia Haider

Eigentlich denke ich,  das war freundlich und nicht ungeduldig und es wurde auch ziemlich klar, welche Lösung, nämlich die Konfiguration der Bildschirmauflösung, wir vorübergehend gewählt hatten. Einen Tag später (die Reaktionszeit ist wirklich ok), kam folgende Antwort (selbstverständlich bezügl. des Absenders anonymisiert, war in echt ordentlich unterschrieben):

Sehr geehrte Frau Haider,

vielen Dank für Ihre E-Mail. audite! arbeitet mit einer festen Fenstergröße, um zu gewährleisten, dass das Design immer gleich aussieht. Dabei haben wir die Größe des Fensters so gewählt, dass es auch auf kleinen Bildschirmen noch gut dargestellt werden kann. Ein Netbook könnte allerdings tatsächlich zu klein sein. 
Hier kann man sich evtl. helfen, indem man die Bildschirmauflösung größer wählt. Da dies in der Windows-Systemsteuerung passiert, wirkt es sich auf alle Programme auf dem System aus.  

Mit freundlichen Grüßen

Tja, da habe ich mich doch erst mal gefragt, ob meine Mail überhaupt ganz gelesen und/oder verstanden wurde. Warum die das machen ist mir zum einen einigermaßen klar und zum anderen völlig egal, wenn die Nutzung der Anwendung darunter leidet. Die angebotene Lösung hatte ich ja bereits beschrieben und auch die Tatsache, dass es eben verzerrt erwähnt, was, wie hier nochmal freundlich betont wird, dann auch noch für alle Programme der Fall ist, auch für die die anständig programmiert sind. Ich gebe zu, diese Antwort, die auf meine Fragen zu Update und/oder Umtausch gar nicht einging, hat mich schon ziemlich genervt. Also nochmal deutlicher (selbstverständlich im Original mit Anrede, hier für die Veröffentlichung aber anonymisiert und mit nachträglichem Fettdruck):

Sehr geehrte(r) …,

wie bereits in meiner ersten Mail dargestellt tut das meine Nichte aktuell. Allerdings ist das Verhältnis von Höhe zu Breite für die aktuell tendenziell breiteren Bildschirme ein Problem und führt (wie bereits in meiner letzten Mail erwähnt) zu Verzerrungen des Bildes. Wofür die starre Darstellung gut ist, ist mir schon klar, allerdings scheint mir dies bei der Vielzahl der am Markt befindlichen Geräte eine arge Einschränkung, die wenigstens in den technischen Anforderungen zu finden sein sollte BEVOR man ein Produkt von Ihnen kauft. Ein Scrollbar ändert übrigens auch nichts am Design und würde ausschließlich auf zu kleinen Bildschirmen erscheinen, das wäre eine Lösung, die allen Beteiligten hilfreich wäre. Bitte teilen Sie mir mit, wie eine Rückgabe ablaufen würde, falls meine Nichte darauf besteht.

Danke

Claudia Haider

 Auf die nächste Antwort musste ich dann schon einen Tag länger warten (vermutlich bin ich da schon in die Problemschublade gerutscht) und sie kam von einem anderen Ansprechpartner (positiv zu vermerken, dass immerhin alle Mails tatsächlich unterschrieben sind, das habe ich bei anderen Läden auch schon anders erlebt).

Sehr geehrte Frau Haider,

für zukünftige Versionen können wir Ihre Kritik/Anregungen gerne aufnehmen. Es ist uns aber derzeit nicht möglich, zeitnah ein Update anzubieten.

Software ist nach der Installation grundsätzlich von der Rücknahme ausgeschlossen. Die Widerspruchsfrist ist auf zwei Wochen nach dem Kauf begrenzt, sofern die Packung nicht entsiegelt wurde.

Mit freundlichen Grüßen

Aha. Nun also eine Antwort, allerdings nicht die erhoffte oder erwünschte. Von der Rücknahme ausgeschlossen, wenn die Packung geöffnet wurde. Tja, wie könnte man das Problem wohl ohne Installation entdecken, wenn die technischen Voraussetzungen nicht ausgewiesen sind? Was ist zeitnah?  Trotz des Hinweises auf die fehlende Spezifikation im letzten Mail kein bisschen von „oh, da ist uns wohl ein Fehler unterlaufen“ oder „das sollten wir vielleicht mal auf die Seite schreiben“. Nein, der Kunde hat bezahlt und der Kunde ist der Depp. Super! Fast 100 Euro ausgegeben und dann so abgefertigt werden. Hier meine letzte Antwort:

Sehr geehrte(r) …,

wie ist das mit der Tatsache zu vereinbaren, dass die Mindestauflösung nirgendwo angegeben ist? Oder können Sie mir diese Angabe auf Ihrer Seite zeigen? Das ist sehr ärgerlich und ziemlich sicher aus Sicht des Verbraucherschutzes nicht korrekt.

Claudia Haider

Ich erwarte darauf eigentlich gar keine Reaktion mehr. Normalerweise bin ich ein umgänglicher Mensch, aber in diesem Fall fühle ich mich über den Tisch gezogen. Ein einziges Wort, das etwas Einsicht signalisiert oder auch ankündigt, diese Einschränkung wenigstens für andere Kunden deutlich sichtbar irgendwo zu veröffentlichen, hätte mich vielleicht schon besänftigen können. Ein kleiner Hinweis auf eine „Eigenschuld“ an der Situation statt der in Form der Umtauschablehnung unterstellten Absicht, eine Raubkopie zu erschleichen. Ich lese hier nur Borniertheit und Widerwillen statt Service oder Verständnis.

Heute habe ich dann einfach mal gegoogelt und eine Freeware  gefunden, die auch auf Linux läuft (und auf Windows und auf Mac):

http://ryuu.de/2010/05/musik-mit-pinguin-iv-gehoerbildung-mit-solfege/

Ich kenne die Software noch nicht, werde sie aber testen. Das nächste Update von Capella ist noch lange nicht meins, eher mache ich mich mal über die Konkurrenzprodukte schlau. Der Ton macht die Musik, gerade bei Musikern. Und ich habe nicht das Gefühl, dass man mir hier helfen wollte. 

Diese Geschichte nur als kleine Warnung für alle, die an die Anschaffung von audite! denken oder in anderen Fragen mit dem Hersteller zu tun haben.