Sicher ist das jedem schon einmal so gegangen. Man spielt und übt, der Klang entwickelt sich und irgendwann scheint es einfach nicht mehr vorwärts zu gehen. Man steckt fest, kann üben wie man möchte und hat den Eindruck, einfach kein bisschen Verbesserung mehr zustande zu bekommen. Mittelfristig führt das zu Frust und dazu, dass man das Üben reduziert oder gar einstellt. Eine Möglichkeit, aus so einer Sackgasse wieder herauszukommen, kann ein Lehrerwechsel sein. Ich für meinen Teil bin der Ansicht, dass Lehrer-Schüler-Beziehungen eindeutig „Lebensabschnittsbeziehungen“ sind. Die Spannung zwischen beiden nutzt sich einfach ab, es braucht neue Anregungen und Impulse.

Manchmal ist das aber nicht der Punkt, und ganz sicher ist es hier nicht das Thema. Es kann auch passieren, dass man das Potential des eigenen Instruments ausgereizt hat, dass man der Flöte sozusagen entwachsen ist. Was dann?

Der naheliegende Schritt ist, eine neue Flöte zu kaufen. Das ist allerdings auch die kostspieligste Variante. Da das sicherlich nicht immer jedem zeitnah möglich ist, gibt es auch günstigere Alternativen. Und um die soll es heute gehen.

Die bekannteste Lösung ist ein neuer Kopf. Der Kopf ist der für den Klang und die Ansprache ausschlaggebende Teil der Flöte. Der Schnitt des Mundloches variiert zwischen Flötenköpfen erheblich, man braucht mehr oder weniger Luft, muss genauer oder weniger genau die exakte Anblasposition und -stärke treffen, erzeugt einen tendenziell leiseren oder lauteren Ton. Der Variantenreichtum ist in der Tat riesig. Gleiches gilt für die Preise. Es gibt Firmen, die ausschließlich Köpfe herstellen, z. B. Mancke (sehr leichte Ansprache) oder Lafin (bekannte Edelmarke). Man kann auch Köpfe von den meisten Markenflöten einzeln erwerben. Köpfe gibt es in zahllosen Materialvarianten von Silber über Gold und Platin bis Holz. Materialien können den ganzen Kopf umfassen, nur die Mundlochplatte, den Kamin, Innenplattierungen. Kurz, der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Wichtig ist, dass Kopf und Flöte zusammen harmonieren und vor allem natürlich dem Flötisten liegen. Unterschiedliche Wandstärken beeinflussen Widerstand und Volumen beim Spiel (das gilt genauso für die Flöte im ganzen).

Bei dieser unübersichtlichen Auswahl ist es auf jeden Fall gut, zum einen einen Preisbereich vor dem Probieren vorzudefinieren und zum anderen eine Vorstellung zu haben, was man genau erreichen möchte (mehr Obertöne, mehr Volumen, leichtere Ansprache etc.) Ein kompetenter Händler kann einen dann gut gezielt beraten. Eine gute Adresse zum Testen ist Adams in den Niederlanden. Andere kenne ich nicht aus eigener Erfahrung, darum keine weiteren Namensnennungen. Tauschköpfe gibt es übrigens auch für Piccolo.

Auch mit einem neuen Kopf liegt man schnell bei mehr als 1000 Euro bzw. auch gerne mal bei mehreren tausend. Daher noch ein paar andere Alternativen.

Bei meiner Altflöte war ich mit dem Klang auch gar nicht zufrieden. Vor allem nicht mehr, nachdem ich mal eine Kingma-Alt probieren durfte. Ich habe mir von Eva Kingma eine neue Mundlochplatte einbauen lassen, inklusive Kamin. Ein Unterschied wie Tag und Nacht (vor gut einem Jahr für 1000 Euro + MwSt).

Diese Veränderung ist natürlich quasi nicht rückgängig zu machen und man kann das Ergebnis zuvor nicht ausprobieren. Ein gewisses Risiko, für das man einiges Vertrauen haben muss. Ganz ähnlich sieht es bei der Vergoldung aus. Ich habe das aus einem aktuellen Thema im Flutepage-Forum (Pinnwand) gelernt. Man kann eine Flöte nachträglich vergolden oder teilvergolden (nur Kopf, Mundlochplatte oder Kamin). Ergebnis ist ein größeres Klangvolumen zum Preis eines größeren Luftbedarfs (wie immer bei dickwandigeren Instrumenten).

Reversible und ausprobierbare Varianten zu Klangverbesserung sind der Austausch von Stimmkork inklusive Schraube. Seit ca. einem Jahr bietet Bernhard Hammig dazu eine Lösung an. An meiner Brannen führte das nicht zu einer Verbesserung, aber ich kenne viele Flötisten, die zu dieser Variante für ca. 500 Euro gegriffen haben. Anscheinend verbessert sich insbesondere die Ansprache der tiefen Lage und das Klangvolumen. Korkschrauben gibt es auch bei Nagahara einzeln zu kaufen (für diesen Hinweis danke an Johannes).

Die letzte mir aktuell bekannte Variante zum Klang-Upgrade ist „Le Freque“, eine so genannte Klangbrücke. Es handelt sich um geschwungene Metallplättchen, die mit Gummis an der Flöte befestigt werden und die Verbindung zwischen Kopf und Korpus zusätzlich akustisch verbessern sollen. Brachte bei mir auch nix, aber ich habe am Klang meiner Flöte auch eigentlich nichts auszusetzen und probiere nur aus Neugier. Mal sehen, ich teste das in Kürze noch mit meiner alten Flöte…

Le Freque kann man auch bei anderen Instrumenten (z. B. Horn oder so anwenden). Es gibt verschiedene Materialien (versilbert ca. 60 Euro, massiv Silber ca. 150 Euro). Man kann ein oder zwei der Teile verwenden und es liegt ein wahres Sammelsurium an Gummis für die Befestigung bei. Ich habe im Fernsehen schon Profiflötisten im Orchester mit dem Ding gesehen, also ist wohl was dran denke ich. Zu Le Freque habe ich auch ein paar Bilder (danke mal wieder an Flutissimo für die Test-Exemplare, hier sind ein paar Bilder, leider teilweise unscharf, ich bin halt kein Fotograf):

LeFrequeInVerpackung