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Wettertaugliches Musikprogramm morgen: Im Radio gibt es Flöte und Hammerklavier (Michael Faust und Sheila Arnold), übertragen wird das Konzert in Bonn Ende letzten Jahres. Los geht es um 20.05 Uhr auf WDR 3.

Am 07.02.2013 gibt es um 17 Uhr ein Klassenvorspiel der Klasse Günther Handl im Tiroler Landeskonservatorium statt.

Für jugendliche Flötenfans findet vom 29.05.2013 bis zum 02.06.2013 ein Kurs mit Andre Sebald und Evelin Degen in Nottuln statt. Veranstalter ist die Jeunesse Musicale, bei der auch alle Infos zum Kurs zu finden sind.

Reservieren sollte man sich auch den 23. Juni 2013. Da spielt ab 18 Uhr Michael Kofler (Flöte) mit Regine Kofler (Harfe) und Franz Lörch (Orgel) in der Erzabtei St. Martin in Beuron.

Eine ganze Menge freie Flötenstellen, darunter die Wiener Symphoniker und das Tonhalle Orchester Zürich, gibt es bei Principal Chairs zu finden.

Henri Dutilleux wird heute 97. Hier ein Blog-Beitrag zu seinen Werken:

The Frenchman has transformed his astonishing compositional refinement and willingness to take inspiration from other art forms into works of real emotional immediacy

Henri Dutilleux wird heute 97. Hier ein Blog-Beitrag zu seinen Werken:

The Frenchman has transformed his astonishing compositional refinement and willingness to take inspiration from other art forms into works of real emotional immediacy

Google Alerts ist eine Fundgrube. Für mich jedenfalls. Vor ca. 2 Wochen meldete mir Google da einen Forumsbeitrag, in dem der 2. Hagener Flötentag angekündigt wurde. Ein ganzer Tag mit Workshops und einer Instrumentenausstellung von Flutissimo, dazu Sofortreparaturen (kleinerer Art) durch den Flötenbauer Nold. Klang nach einem interessanten Programm.

Da habe ich also, anstatt wegen ein paar Kleinigkeiten nach Sankt Augustin zu Flutissimo zu fahren, mich dort mit Flutissimo-Chef Bernd verabredet und parallel dazu beim Veranstalter, dem Flötenorchester Schöne Töne Hagen, angemeldet und einen einzelnen Workshop zum „Schnuppern“ gebucht.

Angeboten wurden Workshops von Krzysztof Kaczka (bei dem war ich, Soloflötist des Guangzhou Symphony Orchestra), Sita Herber (Diplom-Flötistin), Jil Gräfen (Hagen), Tanja Rödel (Flutissimo), Wiebke Klostermann (Flötenstudentin), Markus Klein (Diplom-Flötist), Markus Nold (Flötenbauer), Karin Steenstra (Flutissimo), Claudia Rahtge (Flutissimo) und Bernd Wysk (Flutissimo).

Die Workshops waren hauptsächlich in Richtung Flötenorchester ausgerichtet (Spielen auf Bass- und Altflöten, Ensemblespiel in verschiedenen Schwierigkeitsstufen, Schnupperkurs für Kinder). Daneben gab es aber auch allgemeinere Workshops wie „Singen und Spielen für Anfänger“ oder die Workshops mit Herrn Kaczka.

Berichten kann ich wie gesagt nur von letzterem. Wir waren insgesamt 9 Personen unterschiedlichsten Alters und verschiedenster flötistischer Erfahrung. Los ging es mit einer Vorstellungsrunde: Vorname und wie lange jeder schon spielt. Das ging von ca. 2 Jahren bis zu über 30 Jahren (und das war leider ich).

Herr Kaczka bemühte sich mit seinem lockeren Stil, die Runde entspannt zu halten. Leider ist es in solchen Konstellationen immer so, dass Nervosität und ein „Wettbewerbsgefühl“ herrschen (ich habe das jedenfalls noch nie anders erlebt). In diesem Fall hat es der Dozent geschafft, diese Anspannung weitgehend zu reduzieren. Leider gab es dennoch Stimmen, die eine Teilung des Kurses vorschlugen, „damit sich die Fortgeschrittenen nicht langweilen“. Ich glaube, für Anfänger im Erwachsenenalter ist die Mischung aller vielleicht am schwersten zu ertragen, weil man schon „groß“ ist und dennoch vielleicht schlechter spielt als andere jüngere. Ich habe früh angefangen und kenne dieses Gefühl in diesem Fall nicht (aber bald vielleicht im Zusammenhang mit Geige). Dennoch möchte ich hier alle Musiker in einer solchen Situation ermuntern, sich keinen Kopf über solche Dinge zu machen und forsch drauf los zu probieren. Es handelt sich ja nicht um eine Konkurrenzsituation, alle wollen Spaß an der Musik haben und etwas lernen, egal wie alt oder wie weit.

Ich habe den größten Respekt davor, sich Wünsche neben dem Beruf oder danach im Ruhestand zu verwirklichen, zu lernen und sich weiter zu entwickeln. Es ist schade, wenn das Erlernen von Musik so stark auf Kinder und Jugendliche fokussiert wird. Musik machen tut jedem gut.

Vermutlich war ich heute der Grund für dieses „Problem“. Alle anderen kannten sich wohl schon irgendwie über das Flötenorchester Schöne Töne oder auch aus dem Projektorchester NRW. Nur ich war „neu“ und „fremd“ und vermutlich wusste keiner so recht, was ich da will, wie ich da hinkomme etc. Aber gefragt hat auch keiner….. täte mir leid, wenn es für die anderen Teilnehmer die Situation verkompliziert hat, dass ich da war….

In unserem Workshop ging es um Atmung und die Öffnung von Hals- und Kieferbereich für einen offenen Ton. Als Mittel zum Ziel gab es viel bewährtes (und mir schon bekanntes) aus De la Sonorite von Moyse aber auch Neues. Beispielsweise der Einsatz von Flatterzunge als Lockerungsmassnahme beim Spielen war mir unbekannt. Auch sehr spannend: Einen Ton aushalten und gleichzeitig im Glissando nach unten singen. Je tiefer gesungen, je lockerer wird der Hals. Beides kombiniert, zusätzlich vielleicht noch mit ultralangsamem Vibrato („Oma-Vibrato“), alles ohne Anstoß…. gute Methoden zur Lockerung und Vergrößerung des Klangs.

Es war total beeindruckend, wie Kaczka für jeden die passenden Worte hatte, wie fünf Minuten Arbeit immer wieder eine hörbare Verbesserung des Klangs erbrachten. Meine eigene relative Kurzatmigkeit (nicht richtig eingespielt und vormittags, sonst geht auch mal etwas mehr als heute) führte glücklicherweise auch zur Entspannung derer, die vielleicht vor jemandem mit so langer Spielerfahrung ungerechtfertigten Respekt oder Scheu empfanden (war mein Eindruck anfangs, da könnte ich im Boden verschwinden).

Kaczka selbst ist eine lebende Luftpumpe. Riesenton, ewig lange Phrasen. Ein Power-Flötist. Ich fand seine lockere, nette, aufmunternde aber auch fordernde Art für eine solche Veranstaltung perfekt.

Nach dem Kurs gab es Zeit, die riesige Instrumentenausstellung von flutissimo zu betrachten und natürlich auch auszuprobieren. Vom Piccolo bis zur Bassflöte, von der 300-Euro-Schülerflöte bis zur handmade Vollsilberröhre war alles da. Im Foyer gab es Getränke und Brötchen.

Die Ausstellung wurde fleißig frequentiert von Musikern aller Kaliber. Beratung war gewohnt gut und ausführlich. Instrumente konnten sogar in Workshops ausgetestet werden. Alles das in einem kleinen Gemeindehaus der evangelischen Kirche in einem Hagener Wohngebiet, veranstaltet von einem Flötenorchester. Jede Workshop-Teilnahme kostete übrigens 10 Euro, dafür gab es zwei Stunden Gruppenunterricht von einem Profi. Hut ab, ich bin begeistert. Echte Breitenarbeit. Vielleicht könnte man das noch mit einer Notenausstellung ergänzen, das wäre perfekt.

Vielen Dank nach Hagen! Ich denke, ich war vermutlich nicht zum letzten Mal da.

Fertig gelesen habe ich diesen Schmöker schon vor gut einer Woche. Und leider bin ich die ganze Zeit nicht dazu gekommen, darüber zu schreiben (hier war ja leider insgesamt wenig neues die letzten Tage). Ich hatte mich aber schon dauernd darauf gefreut, weil ich dieses Buch ganz besonders spannend fand… also hoffe ich mal, dass mein Gedächtnis ausreichend funktioniert, um das Wesentlichste noch zusammenzubekommen.

Der Autor des Buches, R. Murray Schafer, ist ein Kanadier, ursprünglich Lehrer, heute Musiker, Komponist und Wissenschaftler. Er hat sich ausführlich mit dem Thema „Hören“ und „akustische Umwelt“ befasst. Das kam unter anderem auch daher, dass er feststellte, dass seine Schüler mit dem Hören so ihre Schwierigkeiten hatten.

Murray war der Initiator des World Soundscape Project, das von der UNESCO gefördert wurde. Geplant war eine akustische Kartographie der Welt, sowohl geographisch als auch geschichtlich. Eine absolut neuartige Form der Forschung also.

Jetzt kurz ein Schwenk zu den „äußerlichen“ Merkmalen des Buches. Es ist ein Hardcover-Band mit Schutzumschlag und fast 450 Seiten Umfang. Die Überschriften innen und außen sind in einer eigenartigen Schriftart, die an Computer und ein bisschen Science Fiction erinnert, gehalten. Dieses Layout hat mich eigentlich eher irritiert und länger davon abgehalten, das Ganze zu lesen. Meiner Meinung nach eine irreführende bzw. unglückliche Wahl der Gestaltung.

Hier die bibliographischen Angaben: R. Murray Schafer: Die Ordnung der Klänge. Eine Kulturgeschichte des Hörens. Erschienen 2010 im Verlag Schott, Bestell-Nr. ED 20857, ISBN 978-3-7957-0716-3. Es handelt sich hier um die erste deutschsprachige Ausgabe von „The tuning of the World“, das in Englisch bereits 1977 erschien. Das zu wissen ist bei der Lektüre wichtig, weil sich gerade akustisch in diesen gut 35 Jahren einiges verändert hat.

Alle oben genannten biographischen Informationen zum Autor, zu seinem Anliegen etc. sind einer umfänglichen Einführung, geschrieben von der Übersetzerin Breitsameter, zu entnehmen. Das Buch selbst hat vier Hauptteile und ein Zwischenspiel. Das sind die Titel der Hauptteile:

  1. Frühe Soundscapes
  2. Die postindustrielle Soundscape
  3. Analyse
  4. Auf dem Weg zum Akustikdesign

Diesen Titeln ist schon vieles zu entnehmen. Zum ersten handelt es sich eigentlich um ein Fachbuch, ein wissenschaftliches Buch quasi. Die zugehörige Wissenschaft ist das genannte „Akustikdesign“. Eine junge Wissenschaft, die der Autor durch das Buch quasi begründen möchte. Das sehr strukturierte Vorgehen wird eigenartiger Weise gelegentlich von verbalen Ausbrüchen der weniger sachlichen Art unterbrochen (so habe ich das empfunden, Beispiele folgen). Das zeigt zum einen die persönliche Verwicklung des Autors, dem das Thema sehr am Herzen liegt, auf der anderen Seite erklärt es auch, warum die Ideen vielleicht nicht in dem Maße auf fruchtbaren Boden gefallen sind, wie sie es vielleicht verdient gehabt hätten.

Der erste Teil beschreibt sehr strukturiert die Klänge der vorindustriellen Zeit. Soundscape ist einer der vielen in diesem Buch geprägten Fachbegriffe und steht für die akustische Umgebung, in der wir leben. Für die Vergangenheit kann hier nur auf schriftliche Beschreibungen durch Autoren zurückgegriffen werden, von denen man denn auch viele im Buch findet. Im World Soundscape Project wurden solche Beschreibungen auch systematisch auf Karteikarten (1977!) erfasst.

Schafer beschreibt die Klänge, ihre Bedeutung und die Bedeutung des Hörens für die Menschen. Dabei wird einem klar, dass das was zu hören ist  einerseits von den verfügbaren Schallquellen (z. B. Tiere, Wind, Glocken, Motoren), andererseits aber auch von der „Durchlässigkeit“ der Umgebung für die Ausbreitung der Klänge (z. B. Häuserschluchten im Vergleich zu einer Ebene) abhängt.

Im zweiten Teil wird die einschneidende Veränderung der Höreindrücke durch Dampfmaschine, Pferdekutschen, Züge und Fabriken geschildert. Dabei geht Schafer auch darauf ein, dass bei körperlicher Arbeit auf dem Land gesungen wurde, um den optimalen Takt zu finden. Dies hörte in den Fabriken zunächst auf….. ein Beispiel von vielen für die faszinierenden Zusammenhänge, die das Buch einem darlegt.

Im Zwischenspiel ist Musik und ihre Instrumentalisierung zur Unterhaltung, als Kriegsbegleiter, als Statussymbol oder zum Überdecken anderer Geräusche das Thema. Auch ausgesprochen spannend.

Teil drei beschreibt die Analyse. Hier geht es um die wissenschaftliche Arbeit. Wie notiere ich Klänge? Wie bilde ich Kategorien? Schafer hat hier eine ganze Menge toller Ausgangsideen. Jeder, der schon einmal mit Datenbanken zu tun hatte, kann sich das Problem gut vorstellen. Wenn ich Klänge durchsuchbar machen wollte, müsste ich sie mit Tags oder Labels versehen, so dass gleichartige Klänge gefunden werden können. Eine Art Google für Sounds. Ganz schön schwierig. Auch die Tendenz, dass Klänge durch Diagramme wiedergegeben werden, also das, was eigentlich über das Ohr an uns herandringt für das Auge übersetzt wird, ist ein wesentliches Thema für ihn. Verständnisprobleme und Informationsverluste sind da absolut unvermeidlich.

Im vierten Teil geht es dann an eine Art Utopie. Das Ziel Schafers ist, dass der Mensch seine akustische Umgebung aktiv gestalten sollte. Er fordert eine lebenswerte und hörenswerte Umwelt, mehr Aufmerksamkeit für das was um uns klingt oder lärmt. Das ist ein wichtiger Aspekt auch für die Gesundheit, Konzentrationsfähigkeit und die Entwicklung unseres Hörvermögens. Schafer hat zur Schärfung des Hörvermögens ein Trainingsprogramm entwickelt, das sich Ear Cleaning nennt und unter anderem einen Tag völligen Schweigens einschließt.

Der Band ist voller Literaturverweise (wie es sich für eine wissenschaftliche Arbeit gehört). Zudem hat die Übersetzerin manches erläutert (ebenfalls über Endnoten). Es gibt ein Glossar und einen Anhang mit Ergebnissen von wissenschaftlichen Arbeiten (z. B. Umfragen, die Schafer gemacht hat).

Die Idee des Akustikdesign entstand zu einer Zeit als der Umweltschutz noch nicht wirklich existierte. Schafer und der Gedanke der Gestaltung der akustischen Umwelt waren Teil des Umweltschutzes (Schallschutz). Schafer ist wohl auch ein ausgeprägter Naturfreund, dies zeigt sich eben auch in manchen Formulierungen:

„Abgesehen von der Lautstärke, ist der menschliche Laut, welcher dem Geräusch des Verbrennungsmotors am meisten ähnelt, der Furz. Die Analogien zwischen dem Automobil und dem Anus sind auffallend. Zunächst befindet sich der Heckauspuff des Autos am selben Ort wie das Rektum bei Tieren. Autos werden zudem in schmutzigen und dunklen Tiefgaragen aufbewahrt, quasi im „Unterleib“ menschlicher Behausungen. Sigmund Freud spricht von analen Charakteren. Es gibt wahrscheinlich auch anale Zeitalter.“

Zur Schwierigkeit von Klassifizierungen im Allgemeinen schreibt er (ebenfalls vielleicht für den einen oder anderen etwas provokativ, für mich jedenfalls im ersten Moment überraschend):

„Jedes Klassifizierungssystem ist surrealistisch; surrealistische Kunst beruht darauf, nicht übereinstimmende oder anachronistische Tatsachen miteinander zu verzahnen und neue Beziehungen hervortreten zu lassen. Die ersten derartigen Künstler waren die Enzyklopädisten, die merkwürdige Tierarten, Gemüsesorten und Gedanken zu surrealistischen Familienporträts zusammenfügten.“

Mit diesen Anmerkungen hat er zweifelsohne Recht, obwohl ich einen Enzyklopädisten immer als jemand eher fantasielosen, trockenen empfunden habe, Surrealisten dagegen für mich fantasiebegabte und bunte Vögel sind. Es kommt aber nur darauf an, wie man es betrachtet. Nimmt man die Artikel einer Enzyklopädie als Gesamttext, so ergibt sich in der Tat etwas surreales. Der Ursprung des surrealen ist hier allerdings die Auswahl der Artikel und das Alphabet, weniger die Fantasie des Autors. Ich bin regelmäßig von solchen ungewöhnlichen Blickwinkeln auf alltägliche Objekte und Systeme total fasziniert.

Für das Problem „Lärm“ sieht Schafer die Lösung in der ausführlichen Analyse der Soundscape (wie im Buch beschreiben) und darauf aufbauend in der Gestaltung, soll heißen Veränderung, dieser Soundscape durch das Akustikdesign. Daneben sieht er nur eine andere Möglichkeit:

„Nach Jahren der Beschäftigung mit dem Lärmproblem ist mir klar geworden, dass es nur zwei Alternativen gibt, es zu lösen: Die erste Alternative ist die eben beschriebene, die andere wäre eine weltweite Energiekrise. Der lauteste Lärm in unserer Welt wird von Maschinen verursacht. Durch einen technologischen Zusammenbruch würde er beseitigt werden.“

Geradezu prophetisch im Angesicht der Energiewende. Was sagen die Anwohner von Windkraftanlagen dazu? Ein spannendes und aktuelles Thema. Gleiches gilt mindestens für folgendes Zitat zum Thema Telefone:

„Wer hat das Telefonklingeln erfunden? Gewiss kein Musiker. Vielleicht ist es nur ein schlechter Witz auf Kosten des Erfinders? Es kann durchaus sein, dass ein derart dreistes Gerät einen solch lästigen Klang haben muss. Trotzdem sollte der Angelegenheit mehr Überlegung gewidmet werden. Wenn wir schon zehn- oder zwanzigmal täglich abgelenkt und gestört werden müssen, warum nicht von einem angenehmen Laut? Warum kann nicht einfach jeder sein Telefonsignal individuell auswählen? Eines Tages, wenn Kassetten und Tonbänder einfach und billig herzustellen sein werden, wird dies absolut machbar sein.“

Yep, es lebe das Handy. Es wäre interessant, ein Update dieses Buches oder einen Teil zwei zu lesen. Heute schaffen sich viele ihre private akustische Umgebung überall mit iPod und Ohrstöpseln. Schallschutz ist viel gegenwärtiger und Akustikdesign z. B. für Autos (Motorgeräusch ebenso wie das Zuschlagen von Türen) selbstverständlich (Allerdings nur für Produkte, für unsere Umwelt noch immer nicht wirklich, abgesehen von Lärmschutzmaßnahmen). Ich habe schon mal einen Staubsauger ausgemustert, weil ich sein Betriebsgeräusch nicht ertragen konnte. Mehr Bewusstsein für unsere akustische Umgebung, das Festhalten von „sterbenden“ Klängen (ein leichtes mit aktueller Digitaltechnik). All dies macht Sinn und könnte unser Leben noch weit angenehmer und gesünder machen (obwohl seit 77 schon viel passiert ist).

Mir hat das Buch ein neues Hörbewusstsein für meine Umgebung geschenkt. Ich bin begeistert und werde mich weiter mit diesen Themen befassen. Man sollte ein Wikipedia für Geräusche eröffnen. Heute ist es so einfach, Informationen aus aller Welt zu sammeln.

Ein sehr spannendes Thema und ich hoffe sehr, vielleicht den einen oder die andere für das Thema mit diesem Artikel interessieren zu können.

Vor wenigen Wochen hatte ich es hier schon angekündigt, Pahud war gestern in Düsseldorf. In der schönen Besetzung Flöte und Gitarre (Christian Rivet), die man leider gar nicht so oft in den größeren Konzerthäusern zu hören bekommt.

Als ich Anfang Januar zwei Karten kaufte, war der mir noch unbekannte Robert-Schumann-Saal im vorderen Bereich schon ganz gut belegt. Allerdings schlossen sich die bestehenden Lücken in den Reihen bis gestern nicht vollständig und es scheint mir auch, dass nicht alle erschienen sind, was eventuell dem im Rheinland eher seltenen Schneefall geschuldet war.

Meine Anreise war auch durch die Wetterbedingungen geprägt. Da ich den Saal und die Verhältnisse vor Ort ebenso wenig kannte wie die Verkehrsverhältnisse um diese Zeit, brach ich zeitig auf. Wider Erwarten (normalerweise verfahre ich mich immer furchtbar in Düsseldorf) fand ich das richtige Parkhaus sehr schnell und war dann eine Stunde früher als gewünscht vor Ort. Nicht schlimm, mit einem guten Buch und einem Latte Macchiato lässt sich eine Stunde wunderbar überbrücken.

Die Freundin, mit der ich zum Konzert verabredet war, hatte leider mehr Schwierigkeiten, die richtige Parkhauseinfahrt zu finden, also habe ich den Telefonlotsen gemacht. Wir beide ließen dann schon mal ein bisschen Geld am CD-Verkaufsstand. Das Foyer zum Saal füllte sich und es wurde offenbar, was zu erwarten gewesen war, alle Flötenstudenten aus dem Umkreis von 50 km schienen vor Ort zu sein.

Schön fand ich das kleinformatige Programmheft, eine günstige Größe, passend für Hosentasche oder jede Form von Handtasche. Leider habe ich natürlich geschafft, das Heftlein irgendwo zwischen Konzert und zuhause zu verlieren oder zu verlegen.

Beim Einlass zeigte sich ein wunderschöner Saal in hellem Holz mit schwarzer Bestuhlung, lang und schmal. Der Eindruck vom Saalplan im Vorverkauf, dass der vorderste Block durch einen Gang von der restlichen Bestuhlung getrennt wäre, war ein Irrtum. Vermutlich sollte der Abstand zeigen, dass hinter dieser Reihe der Boden ca. 15 cm ansteigt. Ein wenig irritierend bei der Suche nach dem Sitzplatz.

Wir saßen in Reihe 6 und harrten der Dinge, die da kommen sollten. Mit minimaler Verspätung betraten die beiden Protagonisten die Bühne. In der Mitte standen zwei ganz normale Notenständer, ein Stuhl und die Fußstütze für den Gitarristen.  Da sieht so eine Bühne richtig leer aus.

Das Programm wurde mit der C-Dur Sonate von J. S. Bach (nicht gesichert) eröffnet. Anfangs empfand ich das Zusammenspiel noch etwas wacklig. Kurz vor dem Beginn des ersten Satzes, als die Musiker gerade ihre Konzentration zusammensammelten, brach irgendwo im Saal ein Husten aus und man konnte den Gitarristen die Stirn runzeln sehen.  Der erste Hinweis auf sein während des ganzen Konzertes sehr ausdrucksvolles Mienenspiel. Im Verlauf der Sonate konnte man merken, wie das Timing stabiler wurde.

Dem Bach folgten zwei Duos von Francesco Molino. Sehr witzige Musik, die Pahud viel Gelegenheit zum Spiel und zur Gestaltung bot. Im Vergleich zu anderen Konzerten, die ich von ihm erlebt hatte, empfand ich das Zusammenspiel mit Rivet etwas anders. Ich habe von anderen Besetzungen ein sehr kommunikatives Zusammenspiel in Erinnerung. Gestern erschien die Arbeitshaltung des sitzenden Gitarristen, in seiner Position durch Fußstütze und Instrument weitgehend fixiert und auf die Noten konzentriert, für die Kommunikation etwas hinderlich. Pahud stand neben ihm und blickte sozusagen auf ihn herab. Rivet konnte nur durch extremes Verdrehen der Augen sehen, was Pahud so machte. Einen solchen Blick konnte ich ein oder zweimal beobachten. Damit war Pahud sozusagen genötigt, Rivet genau zu beobachten und damit nicht mehr im gleichen Maße beweglich wie vielleicht bei anderen Konzerten (ich habe ihn als Tänzer im Gedächtnis).

Das heißt natürlich nicht, dass er unbeweglich blieb, nein wie auch sonst spielte er sehr aktiv, nur die Blickrichtung war eben an den Mitmusiker gebunden. Die Körperarbeit schien mir sehr atmungsunterstützend, Pahud hat ja einen unfassbar großen Ton (wenn er möchte), mit der Erinnerung an die Übungen aus dem „Höhenflüge“-Buch, schien mir manches tänzerische gleichzeitig fast wie „Luftpumpen“.

Die eher unterhaltsamen Duos von Molinari wurden gefolgt von dem Solostück „Voice“ von Takemitsu. Die Komposition erfordert den Einsatz vieler moderner Spieltechniken wie singen und spielen, rufen, sprechen, Klappenklappern usw. Das war naturgemäß ein extremer Kontrast zur vorherigen Musik. Wie das leider oft so ist, wurde es im Saal unmittelbar unruhig. Von Husten über Rascheln und sogar unterdrücktes Kichern, Stühlerücken…. das Übliche. Leider scheint niemand Lust zu haben, seine volle Aufmerksamkeit auf solche Werke zu richten. Schade, es hätte sich wirklich gelohnt. Eine derartige Bandbreite an Klangfarben und Dynamik. Persönlich finde ich es immer sehr viel schwerer meine Stimme öffentlich zu nutzen als zu spielen. Daher habe ich den größten Respekt davor, wenn jemand den Mut für solche Stücke aufbringt (aber das nur am Rande, Pahud kratzt so was sicher nicht).

Den Abschluss der ersten Konzerthälfte bildete ein Werk von Ravi Shankar, das dieser ursprünglich für Flöte und Harfe komponiert und Rampal gewidmet hatte. Geprägt von indischer Harmonik entwickelt das Stück aus einer eher meditativen Stimmung zu Beginn immer mehr Bewegung. Pahud betonte in den schnelleren Teilen ausgesprochen jazzig, das Zusammenspiel harmonierte hervorragend und die Musik, obwohl ebenfalls in gewisser Weise fremdartig, fesselte das Publikum (endlich, ich empfand den Saal gelegentlich als sehr unruhig). Ein toller Abschluss vor der Pause. Mich würde interessieren, wie Rampal dieses Stück gespielt hat, ich kenne in jazziger Richtung von ihm nur die Aufnahme der Bolling-Suite und da schien mir das eher nicht sein bevorzugter Musikstil.

Der zweite Teil startete, nachdem sich in der Pause jeder Autogramme holen konnte, mit Gitarre solo. Ein Werk von Manuel de Falla zum Tode von Debussy. Spanisch und schwermütig, wie Komponist und Anlass erwarten lassen. Sehr schön. Es folgte der in dieser Besetzung wohl unvermeidliche Piazzolla. Flöte und Gitarre ohne Histoire du Tango ist wohl auch nicht denkbar. Auch hier hatte ich wiederum verschiedentlich den Eindruck, dass die beiden nicht hundertprozentig das gleiche Timing hatten. Auch die Blicke zwischen beiden nach dem Stück wirkten ein wenig belustigt. Nichtsdestotrotz, ein wunderbares Stück Musik und von zwei großartigen Musikern dargeboten.

Nach Programm den Abschluss bildeten Rumänische Volkstänze von Bartok. Von melancholisch bis furios, auch hier konnten beide wiederum ihre ganze Spielfreude ausleben und die Vielfalt ihres musikalischen Ausdrucksvermögens voll ausspielen. Zu recht wurde der Abend mit ausdauerndem Applaus beschlossen, der dem Publikum ein weiteres Werk (Titel konnte ich leider nicht verstehen) von Villa-Lobos und nochmals ein wenig Bartok bescherte.

Mein Eindruck im Ganzen war der, einer vielversprechenden Zusammenarbeit, die vielleicht noch ganz am Anfang steht. Es wäre toll, wenn der Name Pahud der unterschätzten Besetzung Flöte und Gitarre ein wenig Glanz geben könnte. Ein Genuss war es allemal, auch durch die geradezu humoristischen Einlagen in Form der Notensortiererei, schwungvollen Umblätterns, Stuhl Einrichtens etc., das jeweils von Pahud mit Schmunzeln beobachtet wurde. Ich wünsche mir mehr davon und denke, so wird das allen gehen, die gestern anwesend waren.

Auf Flickr gibt es auch die Bilder vom gestrigen Abend zu sehen.

 

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