Wow, das war vielleicht ’ne Woche. Vorletzte Woche habe ich relativ ungeplant mein Flötchen für eine kleinere Reparatur verschickt, weil ich mal eine andere Werkstatt testen wollte. Das großzügige Angebot auf eine Ersatzflöte vom Vermittler flutissimo habe ich abgelehnt, ich hab ja noch mein altes Schätzchen. Kurz danach fiel mir auf, dass ich in meiner Terminkalkulation eine Probe übersehen hatte, die ich noch nicht in den Kalender eingetragen hatte. Also bin ich da mit meiner „Alten“ hingegangen. Ging auch einigermaßen, die scheppert halt was und ich musste feststellen, dass ich nicht mehr gewohnt bin, die Intonation mit so viel Aufwand auszugleichen. Das gute Stück ist von 67 oder so und hat daher noch eine andere Skala als mein aktuelles Instrument. Für eine Probe zu verkraften.

Dann begann fieberndes Warten. Statt der Flöte kam aber eine Mail von der Freundin einer Freundin, die eine Flöte für eine Arie aus einer Bachkantate suchte. Ich glaube, Donnerstag kam die Nachricht. Ich habe zugesagt, weil ich immer zusage, wenn es irgendwie zu machen ist und ich mit mir noch unbekannten Leuten zusammenspielen kann. Also Noten im Netz gesucht, bei IMSLP runtergeladen, war nicht allzu schwer. Allerdings war mir klar, dass ich mit meiner Alten da intonationstechnisch nicht klar kommen würde. Also rumtelefonieren. Das Angebot bei flutissimo stand noch, ich musste also nur nach Augustin fahren und ein neueres Instrument abholen. Zunächst aber war noch offen, ob nicht vielleicht wie vereinbart, am Freitag meine Flöte per UPS zu mir zurück kommen würde. Leider stellte sich raus, dass das nicht der Fall sein würde.

Also habe ich ausgemacht, Freitag Nachmittag spätestens um 15 Uhr in Augustin zu sein, um ein Instrument zu holen, dass ich dann in meiner Probe um 17 Uhr würde „einspielen“ können. So weit so gut. Es startete ein Mail- und Telefonmarathon zwischen der Organisatorin, Sopranistin, Organist und mir. Jeder hatte andere Vorstellungen. Probe Samstag Mittag, da kann ich aber nicht. Wann dann? Freitag Abend? Da kann der Organist nicht. Sonntag vor dem Gottesdienst (ja, es ging um einen Gottesdienst, Einsetzung eines neuen Gemeindepfarrers). Vor dem Gottesdienst können wir nicht in die Kirche, da ist die Hölle los. Der Organist meint, man sollte sich nicht immer wieder in solche Hoppla-Hopp-Aktionen reden lassen, das brächte nichts (ich rieche den Braten, dass er eigentlich lieber ohne Flöte spielen möchte). Ich meine, das kommt ein wenig spät, nachdem ich schon die Mittagspause habe ausfallen lassen, damit ich mein Arbeitsstundenkonto nicht ganz in die Miesen reite mit dem frühen Abgang Richtung Augustin. Hin und Her, vor und zurück…. eigentlich sah es zuerst so einfach aus.

Also gut, wir proben Sonntag um 14.30 Uhr aber im Nachbarort. Weil die Sopranistin ohne Auto ist, hole ich die ab, eine Viertelstunde vorher. Kurz bevor ich sie picke soll ich anrufen. Nach der Probe fahren wir dann alle zusammen mit meinem Auto zum Ort der Veranstaltung. So weit so gut.

Freitag also um 14 Uhr aus dem Büro gehetzt, nachdem ich zuvor noch ein Mail wegen der lange geplanten Probe um 17 Uhr erhalten habe, dass unsere Gastgeberin und Pianistin eigentlich krank ist, aber schon proben würde, falls wir uns zu kommen trauen. Ansteckung unwahrscheinlich aber möglich. Ich sage, für mich wäre das ok, weil wir Weihnachten spielen wollen und nur noch zwei Proben haben. Von der dritten im Bunde kein Ton. Also im Schneetreiben auf nach Augustin, damit ich mit der Leihflöte rechtzeitig wieder im Kölner Westen ankomme für die Probe um 17 Uhr.

Köln – Sankt Augustin in ca. 1:20. Das ist ein Negativrekord, aber bei Schneetreiben keine wirkliche Überraschung. Ich bekomme eine Yamaha aus der Profiserie mit Silberkopf als Leihinstrument. Echt nobel und wiedermal rettet flutissimo mich aus einer Notlage. Danke! Dann der Rückweg, glücklicherweise etwas flotter. Noch immer keine Nachricht von unserer dritten Frau. Proben wir nun, oder nicht? Anrufe gehen ins Leere. Nach Hause, Noten schnappen und nochmal anrufen, diesmal klappt es…. und, nein das ist zu riskant, ich käme auch zu spät und sie muss pünktlich weg. Also keine Probe. Schade, Hektik und eine Stunde Minus für mein Gleitzeitkonto ohne Not. Naja, Pech, wir haben einfach alle zu viel um die Ohren.

Dann wird es Sonntag und ich werde tatsächlich nervös. Die Yamaha ist nett, aber halt nicht meine. Die totale Kontrolle habe ich mit Üben an Freitag und Sonntag (weil ich Samstag ja nicht da war) nicht geschafft. Intonation geht, Dynamische Feinheiten etc. sind ein bisschen Glücksache. Also los. Ca. 1 km vor dem Treffpunkt rufe ich an, in der Annahme, dass der Anruf nur dazu dient, nicht im Regen stehen zu müssen. Am anderen Ende dann Überraschung., Schon (ich bin ein paar Minuten zu spät eigentlich)? „Ich brauche noch sechs Minuten“ (das wäre dann genau die Zeit, die Sie ursprünglich wollte, die aber nicht zur Probenzeit passte. Zufall?) Also fahren wir erst los, wenn wir eigentlich schon da sein müssten. Naja…. mein Fahrgast sagt dem wartenden Organisten bescheid.

Auf dem Weg vom Auto zum Gemeindesaal, wo wir proben wollen, fährt ein Auto auf der Straße an mir vorbei. Ganz normal, nur das Wetter ist es nicht. Ergebnis: ein nasses Hosenbein. Toll, ich trage meine „Konzertklamotte“. Naja…. Dann spielen wir an und stellen fest, dass meine Ausgabe aus dem Netz ganz falsch ist, also noch schnell kopieren und die neue Version vom Blatt. Klappt aber ganz gut. Ist nur eine andere Lage, die ich mit der geliehenen Flöte kaum geübt habe, weil ich sie ja nach den alten Noten nicht gebraucht hätte.

Nach dem gemeinsamen Stück proben die beiden noch ihre anderen beiden Nummern. Anschließend sind sich beide einig, dass es besser ist, nicht zu früh im Chaos der Veranstaltungsgemeinde zu landen. Also trinken wir noch einen Tee, plötzlich wird der Mann für die Tasten nervös, jetzt müssen wir aber los. Alles ist Schneematsch und nirgends ein Parkplatz. Also einige hundert Meter durch Matsch und Pfützen zur Kirche. Nasse Füsse, schnell die Flöte ausgepackt, die Kirche ist schon fast voll, die Sopranistin legt letzte Hand ans Styling an. Mir wird das zu spannend, ich geh schon mal in die vermeintlich warme Kirche.

Der Gottesdienst dauert gut anderthalb Stunden, wir sind als allerletztes vor dem Auszug dran. Für anderthalb Stunden still Sitzen und nasse Füsse ist die Kirche definitiv nicht genug beheizt. Ich friere langsam ein und frage mich, wie ich gleich auf der fremden Flöte und nach anderthalb Stunden schwindender Konzentration mit kalten Händen und Füssen spielen soll. Naja, wir sind gut durchgekommen. Ich war nicht zufrieden aber alle anderen ganz begeistert. Anschließend viele Dankesworte, Häppchen und Sekt. Eine Gage war nicht vereinbart, ein Freundschaftsdienst eben unbekannterweise. Die Einsetzungszeremonie war spannend, da mir vollkommen neu, der neue Pfarrer machte einen wirklich sehr guten Eindruck und die Organisatorin war mehr als dankbar. Soll mir Lohn genug sein. Jetzt hoffe ich nur, dass sich meine Erkältung trotz heißem Bad zuhause nicht wieder zurückmeldet. Ein echter Zugewinn war die mir vorher unbekannte Arie aus der Kantate BWV 208 mit dem Titel „Schafe können sicher weiden“.

Und jetzt freue ich mich noch zehnmal mehr auf mein geliebtes Flötchen…. Hoffentlich komme ich an die dann ohne weitere Arbeitszeitverluste, sonst wird es mit den freien Tagen an Weihnachten echt eng….. alles für die Kunschd.