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Es ist geschafft. Ich bin durch. Das klingt nach einem Kraftakt und das war es auch.

My Complete Story of the Flute – von Leonardo de Lorenzo

Das sind inklusive Vorwort und Stichwortverzeichnisse 660 Seiten. Alles in Englisch, wie der Titel schon ahnen lässt. Das Buch, im Original irgendwann in den 1950ern erschienen, wurde 1992 von National Flute Association neu herausgebracht in einer Gesamtausgabe mit allen Ergänzungen des Autors, einem Stichwort- und einem Personenverzeichnis.

Ich kannte Leonardo de Lorenzo von einigen Notenausgaben als Komponist und aus den in den Editionen enthaltenen biographischen Angaben auch etwas von seinem Lebenslauf. Das war sozusagen meine erste Berührung mit dem amerikanischen Flötentum. Irgendwie stößt man hierzulande ja eher auf deutsche und französische Namen der Szene aus Gegenwart und Vergangenheit.

De Lorenzo kam ursprünglich aus Italien und gelangte dann mit Zwischenstation in Südafrika nach Amerika. Sein Werdegang ist im Buch auch an den Schwerpunkten auf italienischen und amerikanischen Persönlichkeiten des Flötenuniversums zu erkennen.

Das Buch ist eine große und sehr persönliche Sammlung von Informationen und Meinungen, voller Rechtschreibfehler und teils skurrilen Ansichten wird der persönliche Stil ganz offensichtlich. Ich war anfangs sehr begeistert von diesem gar nicht trockenen Plauderton und gerade dieser persönlichen Note. Im Verlauf der Lektüre zeichnete sich jedoch mehr und mehr das Bild des Autors als das eines etwas selbstverliebten älteren Herrn, der durchaus herablassend über den oder die eine oder andere parliert. Vieles ist einfach nicht mehr zeitgemäß und ich war geradezu überrascht, dass derartige Ansichten vor gerade mal 60 Jahren ohne weiteres öffentlichkeitstauglich waren.

In den Anhängen häufen sich zu dem die lobenden Kommentare zum eigentlichen Buch, die der Autor gesammelt hat. Naja.

Dennoch ist das Werk auch eine kleine Fundgrube für biographische Angaben zu Flötisten der Jahrundertwende um 1900. Einige davon hatte ich noch nie gehört, andere standen zum Zeitpunkt der Berichterstattung noch ganz am Anfang ihrer Karriere (Graf, Rampal, Nicolet….). Auch hinsichtlich zeitgenössischer Musik für Flöte finden sich wertvolle Hinweise.

Das Buch umfasst sehr viele Kurzbiographien, eine Geschichte des Instruments und der ganzen Instrumentenfamilie. Viele Zitate aus Zeitungen, Briefverkehr, Büchern, Konzertprogrammen etc.

Ganz allgemein ist es meistens anstrengend, Bücher über die Querflöte von Anfang bis Ende durchzulesen. Entweder man stösst auf zu trockenes, wissenschaftliches Material für eine angenehme Lektüre, oder aber die Flötisten-Autoren offenbaren eine Unfähigkeit fürs Literarische, die ja nicht verwerflich ist. Darin ist also auch dieses Werk keine Ausnahme. Dennoch muss ich nun, wo ich es hinter mir habe sagen, dass es wirklich interessant war, da ich eine Epoche und einen Teil der Flötenwelt beleuchtet fand, den ich zuvor doch stark vernachlässigt hatte.

Alles in allem also ein Buch für echte Liebhaber – der Flöte, weniger der Literatur.

Wenn das Wetter schon nicht zum See oder in die Eisdiele einlädt, dann doch um so mehr in den Konzertsaal oder zum gemeinsamen Musizieren:

  • 5. August 2012, 20 Uhr, Eintritt freiChristina Schmid (Flöte) und Jenny Ruppik (Harfe) in der Pfarrkirche St. Peter und Paul in Wormbach
  • 28. Oktober 2012, 17 Uhr, Kevelaer, Eintritt: 15,50 Euro: Thalia-Ensemble (Flöte, Violine, Harfe und Cello)
  • 1.-4. November 2012, CRR de ParisIVe Convention Francaise de la FluteDas Erbe des Paul TAFFANEL. Konzerte, Meisterklassen und Werkstätten.
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Die Proben werden weniger und weniger. Heute hatte ich nochmal Trio (Flöte – Klarinette – Klavier, sehr zu empfehlen!), morgen kommt noch eine Probe des Projekt-Blasorchesters und dann war es das. Außer es sollte tatsächlich noch klappen, dass wir uns mit unserem Trio gleich nächsten Freitag nochmal treffen (weil es heute so viel Spaß gemacht hat). Ja, und dann? Sommerloch bis Mitte August. Jedes Jahr das gleiche und jedes Jahr tut es irgendwie weh. Da ist es gut, für passenden Ausgleich zu sorgen. Ein paar schöne Termine zum Füllen des Sommerlochs:

  • 8. Juli, 19.00 Uhr, St. Pankratius Kirche Ostrach
    Monet Trio und Henrik Wiese (Flöte) spielen Werke von Mozart, Schubert, Beethoven und anderen… Karten gibt es an der Abendkasse für 16 Euro oder im Vorverkauf für 14 Euro.
  • 14. Juli, 20.30 Uhr, Josefskapelle in Tunau
    Anette Zanker (Gesang), Isabel Gößwein (Flöte) und Stefan Sauer (Gitarre)  spielen in wechselnden Besetzungen Werke von Schubert, Reger, Brahms, von Webern, Piazzolla und anderen. Karten kosten 5, 8 bzw. 10 Euro.
  • 8. August, 19.30 Uhr, Gethsemanekirche Prenzlauer Berg
    Oliver Vogt (Flöte) und Armin Thalheim (Orgel) , Eintritt frei
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Ja, ich weiß, dass heute Montag ist. Aber dies ist nur die Niederschrift. Die Gedanken, Erlebnisse, Ideen sind tatsächlich vom Sonntag. Und irgendwie passt der Titel auch weil ich glaube, die Muse zu solchen Überlegungen hätte ich an einem anderen Tag vermutlich nicht aufgebracht. Aber zur Geschichte…

Gestern hatten wir Probe. Wir, das ist „mein“ Flötenquartett (Flöte – Violine – Viola und Cello). Die letzte Probe war im März oder April, also vor einer halben Ewigkeit. Üben konnte keiner, weil ich für meinen Kammermusikkurs im Mai alle Stimmen eingesammelt hatte. Es versprach also eher eine mäßige Probe zu werden.

Wurde es aber nicht. Nein, es war eine richtig gute Probe und alles hat erstaunlich gut geklungen. So gut, dass im Verlauf der Probe sogar der Himmel aufriss und die graue Wolkendecke strahlendem Blau Platz machte. Hier das Geheimrezept für diesen kleinen Wetterzauber:

  • Quartett op. 11 No. 1 in G-Dur von Devienne
  • Quartett op.5 No.1 in D-Dur von Boccherini
  • Quartett op. 22 No. 1 in B-Dur von Viotti
  • Quartett C-Dur KV 285b von Mozart

Besonders der Devienne hat es mir angetan. Wir hatten den vor Ewigkeiten schon mal gespielt, aber ich hatte ihn nicht mehr parat. Wirklich sehr schön. Gleiches gilt für Boccherini und Viotti, den ich von den dreien noch am besten im Ohr hatte. Mozart ist natürlich immer toll, aber das überrascht dafür nicht so sehr.

So konnte ich um 16.30 Uhr gut gelaunt zum zweiten Punkt meiner persönlichen Tagesordnung aufbrechen. Konzert in Frauwüllesheim mit Michael Faust und Sheila Arnold. Auf dem Programm standen die Serenade von Beethoven, eine Fantasie von Ries über Themen aus der Rossini-Oper Moses und die Trocknen Blumen von Schubert.

Der doch relativ weite Weg von Leverkusen aus hat sich auf jeden Fall gelohnt. Zwar waren das wohl die unbequemsten Kirchenbänke, denen ich je begegnet bin und die Akustik war etwas zu großzügig, aber die beiden zu erleben lohnt sich immer wieder. Der Beethoven zeigte einige „Besonderheiten“ und ein wenig hatte ich den Eindruck, dass die Akustik, bei der schon in der zweiten Reihe der Klavierpart keine scharfen Konturen mehr aufwies, auch den Musikern leichte Probleme bereitete. Im Verlauf des Konzerts  schien sich diese kleine Unsicherheit aber immer weiter zu verflüchtigen. Die Trocknen Blumen gab es vom Flötisten auswendig und als Zugabe war eine Böhmsche Bearbeitung eines Schubert Liedes „Die Taubenpost“ aus dem Schwanengesang.

Während des Konzertes habe ich mir immer wieder überlegt, was den Zauber dieser beiden ausmachte. Was der Unterschied (abgesehen von der technischen Brillianz) zwischen einem musizierenden Profi und mir und meinesgleichen ist (klingt jetzt etwas großkotzig, das zu vergleichen, so ist es aber nicht gemeint), auch an einem guten Tag, wie wir ihn zuvor gehabt hatten. Am vordergründigsten erschien mir da der unbedingte Gestaltungswille.

Ich kann mich noch erinnern, wie oft ich im Unterricht gehört habe „dieser Ton ist wichtig“, oder „die Linie führt hier hin“. So wurden jeweils bestimmte Töne oder Taktteile betont, hervorgehoben und ins Licht gerückt. Das ist ja schon richtig. Das Problem ist nur, dass darüber manchmal die vermeintlich nicht so wichtigen Töne in Vergessenheit geraten. Ich kann mich nur an wenige Stunden erinnern, in denen auch diese „unwichtigen“ Noten so viel Aufmerksamkeit erhielten, wie es ihnen zusteht. Ich dachte mir gestern, vielleicht muss man Musik egalitär angehen. Das heißt, alle gleich behandeln. Das heißt um Gottes Willen natürlich nicht, alle gleich zu spielen. Aber es bedeutet, jeder Note und jeder Pause die gleiche Aufmerksamkeit zukommen zu lassen. Jedem einen Sinn zu geben, jeden zu gestalten.

Im oben erwähnten Kammermusikkurs erhielt ich auch einmal den Hinweis, einen begleitenden Lauf in der hohen Lage ganz unwichtig zu nehmen. Ohne Regung und ohne Richtung. Das war ganz schön schwer und bedurfte meiner ganzen Aufmerksamkeit. Es ergab einen wirklich schönen Effekt, den ich mir für andere Stücke und ähnliche Stellen gemerkt habe. Das meinte ich, es war eine echte Entscheidung, diese Stelle so zu spielen. Es war eine Form der Gestaltung, auch wenn es das Gegenteil von Hervorheben war.

Dieses Ausgestaltung jedes Tons konnte ich gestern live erleben. Es ist, als würde der Musik Leben eingehaucht. Das ist das Besondere, wenn besondere Musiker musizieren, glaube ich. Für mich wurde das in vielen Schlusstönen deutlich, in der Agogik und Gestaltung von Tempo und Dynamik. Das lässt sich so gar nicht aufzählen. Aber es überstrahlte einfach die technische Brillianz bei weitem und verlieh dieser auch erst ihren wahren Sinn. Und ich konnte mich auch an Konzerte von Profis erinnern, bei denen ich das nicht erlebt habe.

Ergänzt wird diese Gestaltung durch die Optik. Auch das war ein Teil des Gelernten im Kammermusikkurs. Wir wurden angehalten, uns die Einsätze jeweils mit Blickkontakt und Körperbewegung zuzuwerfen. Ein mir bekanntes Verfahren, nur fand ich es immer noch spannender, wenn man es schafft, zusammenzuspielen, ohne solche äußeren Zeichen und Gesten zu benötigen, nur auf Basis einer gemeinsamen Empfindung oder geistigen Wellenlänge. Beim Kurs erhielten wir auch den Hinweis, dass diese Gesten oft für das Publikum wichtiger sind als für die Musiker, um dem Bogen des Stückes besser folgen zu können. Ich fand das damals ein bisschen affig, gebe ich zu.

Gestern wurde ich dann in diesem zauberhaften Konzert Zeuge einer anderen Form der Körpersprache. Hier ging es nicht primär darum, der Pianistin die Einsätze klar zu machen, das hätte die locker ohne eine Bewegung hinbekommen in den meisten Fällen. Nein, aber Faust sprach mit Blick und Körpersprache. Ich kann mich an eine leise Stelle erinnern (in welchem der Stücke weiß ich leider nicht mehr), bei der er mit Körperhaltung und Blick den Horizont zu suchen schien. Und das war so stimmig mit der Musik. Da fielen mir die oben zitierten Anweisungen aus unserem Kurs wieder ein und ich glaube, da fiel tatsächlich ein Groschen bei mir.

Der Mensch ist sehr auf das Sichtbare ausgerichtet. Unser Sehsinn ist gerade in unserer Zeit vielleicht der dominanteste. An einigen Stellen gestern hatte ich dieses Gefühl, dass eine Aussage mir über Ohren und Anblick gleichzeitig vermittelt wurde und so auch viel eindringlicher bei mir ankam. Nun ist es ja so, dass ich durch mein Hobby das Hören schon gut geübt habe. Viele Zuhörer sind aber sicher gar nicht sooooo geschult. Für die muss der optische Hinweis noch weit mehr führende Funktion haben. Es macht also sehr viel Sinn. Es zeigt, was der Interpret sich überlegt hat. Es ist Teil der Gestaltung und Ausdrucksform und macht die Musik so noch viel eindringlicher. Ich finde das sehr logisch und es legt nahe, noch mehr Gedanken auf die Geschichte hinter dem Spielen zu verschwenden und vielleicht noch mehr „Einsatz“ beim Spielen zu zeigen. Wir sollten alle viel gestalterischer arbeiten.

 

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