Wieder einmal konnte ich mir ein interessantes Instrument bei Flutissimo ausleihen, um es ein wenig genauer zu betrachten und auszuprobieren (und auch diesmal wieder ein herzliches Dankeschön für dieses Entgegenkommen). FlötenkastenDiesmal ist es eine Kinderflöte von Jupiter: die 313 S. Man erhält dieses Instrument bei Flutissimo ebenso wie bei Thoman für 498 Euro. Im Lieferumfang ist ein ultraleichter Kasten mit beiliegenden Gurten, so dass es umgehängt oder als Rucksack getragen werden kann. Außerdem liegt ein Fettstift zum Schmieren der Zapfen bei.

Die Flöte im Kasten hat nach meiner Küchenwaage kein Kilo Gewicht, die Flöte alleine bringt da sogar nur 300 g (laut technischen Daten 325 g, aber so genau ist wohl meine Waage nicht).

Das geringe Gewicht ist verschiedenen Maßnahmen geschuldet, zum einen ist der tiefste Ton des Instruments das D, so dass die Flöte kürzer gehalten ist und zwei Klappen weniger als eine reguläre Flöte am Fuss aufweist. Außerdem wurden (wie auch bei der kürzlich hier vorgestellten Flöte von Azumi) die Trillerklappen und die E-Mechanik weggelassen. Auf den Klappen sind für kleine Hände zusätzliche Griffplatten aufgebracht. Der Kopf der Flöte ist gebogen.

Laut technischen Informationen ist der Kamin des Kopfstücks aus massivem Silber, der Rest des Instrumentes ist versilbert. Die leichte Ansprache, die bei Flutissimo zur Charakterisierung des Instruments angegeben wird, kann ich bestätigen. Klanglich finde ich die Flöte ein bisschen „ordinär“, da hatte nach meiner Erinnerung die Azumi einen deutlich ausgereifteren Sound. Die Jupiter ist ein wenig hart und hohl anzuhören, finde ich. Auch fühlt sich das Instrument nicht so gut an, eher etwas weniger „gediegen“. Ich vermute, dass der etwas unschönere Ton und die leichte Ansprache beide ihren Ursprung im Schnitt des Mundlochs haben. Ich bin mir nicht sicher, ob eine so leichte Ansprache nötig ist, um Kinder zu motivieren. Es ist denkbar, dass leichte Ansprache auch heißt, dass man nicht so ganz exakt spielen muss, damit es klappt. Ob eine solche Vereinfachung bei Kindern sinnvoll ist, möchte ich aus meiner Sicht bezweifeln. Besser man wird von Anfang an zu Exaktheit erzogen und bildet einen sehr sauberen Ansatz, finde ich. Aber Erfahrungen hierzu habe ich nicht. Vielleicht muss man bei einer Gewichtung des Kriteriums „leichte Ansprache“ die Frustrationstoleranz und die Entschlossenheit eines Kindes individuell bewerten, um zu entscheiden, ob eine derartige Unterstützung erforderlich ist.

Der gebogene Kopf kann in beliebiger Richtung gedreht werden. Ich habe keine Erfahrung mit gebogenen Kopfstücken und weiß daher nicht, welche Position Lehrer ihren Schülern da empfehlen, ich könnte mir vorstellen, dass die Biegung nach oben gerichtet wird. Egal wie, die Position der Hände im Verhältnis zum Ansatzbereich verändert sich und damit auch die Balance des Instruments. Ein wenig Umgewöhnung wird also mit dem Wechsel auf ein reguläres Instrument erforderlich sein.

Aufgrund der fehlenden Klappen ist auch dieses Instrument nicht für ein Upgrade zu brauchen sondern muss, sobald ein Kind dem Instrument entwachsen ist, ausgetauscht werden.

Aufgrund des gebogenen Kopfes und der fehlenden Klappen am Fuß der Flöte, endet die Jupiter 313 S etwa beim B-Hebel meiner Flöte. Damit spart man in der Länge den kompletten Fuß und die gegriffenen Klappen der rechten Hand, nicht unerheblich für ein kleines Kind, ich kann mich noch an Schulter- und Rückenschmerzen mit 9 Jahren nach einigen Stunden spielen erinnern. Diese Eigenschaft halte ich für die wesentlichste hinsichtlich der Kindertauglichkeit des Instruments.

Mit 200 Euro weniger Anschaffungskosten als die Azumi ist dieses Instrument also durchaus eine sinnvolle Alternative, wenn der Nachwuchs sehr frühzeitig mit dem Flöten beginnen möchte. Als Anschaffung für Musiklehrer oder -schulen finde ich die Azumi aufgrund ihrer klanglichen Qualität und der bezüglich der Balance günstigeren Form sinnvoller.  Bei nur 100 Euro Preisunterschied zu einer Yamaha YFL-211, einem Standardinstrument mit kompletter Ausstattung, ist die Anschaffung dieser Jupiter aber tatsächlich ausschließlich für Kinder sinnvoll, für die die Haltung einer normalen Flöte definitiv zu anstrengend ist. Bei einer Yamaha hat man für besagte 100 Euro mehr dann ja schon ein ausbaufähiges Instrument, das auch länger gespielt werden kann.