Mittwoch.  Ultimative Hektik. Arbeiten bis kurz nach 16 Uhr, nach Hause. Treffpunkt um 17.30 Uhr auf dem Parkplatz von Obi in Marsdorf. Sicherheitshalber als Fahrzeit von Ehrenfeld nach Marsdorf eine Stunde eingeplant, schließlich ist langes Wochenende und der Autobahnring eine einzige Baustelle.

Tatsächlich ziemlich genau auf die Minute kommen wir an. Es folgt das Umladen. Sieben Stoffbeutel mit Noten, sicherheitshalber ein Schlafsack, der Klamotten-Koffer, der Flötenrucksack….. Golf voll!

Bei grauem Himmel und Nieselregen geht’s weiter Richtung  Eifel. Und trotz angeregter Gespräche kommen wir tatsächlich am Ziel an: Schullandheim Müllenborn. Malerisch am Hang oberhalb des Ortes gelegen (siehe auch Foto). Wir haben zwar gut 20 Minuten länger gebraucht als das schlaue Gerät behauptet hatte, aber egal. Punktlandung zum Abendessen.

Wir beziehen ein nettes kleines Dachzimmer (ebenfalls siehe Bild: unser Blick aus dem Fenster). Nach dem Abendessen gibt es die ersten Proben. Die komplette Belegschaft (starke Übermacht an Streichern) wird so verteilt, dass jeder in zwei Besetzungen spielt. Eine wird vormittags und eine nachmittags geprobt. Ziel ist es, einen oder vielleicht auch zwei Sätze zu erarbeiten und am Sonntag im Abschlusskonzert vorzutragen.

Aus Mangel an Fagott und Horn landen wir (zwei Flöten) in der (leider) einmaligen Besetzung zwei Flöten, Klarinette, Oboe und als Ersatz für das fehlende Fagott eine Bassklarinette. Da gibt es nur eines: Elgar, und zwar dutzendfach. Leider sind die kleinen netten Stückchen nicht unbedingt das, womit ich mich mit Begeisterung vier Tage lang intensiv auseinandersetze. Naja, egal….. Wir einigen uns auf das Finale aus dem fünften Band (Shed 5). Klarinette und zweite Flöte müssen sich leider beinahe todlangweilen.

Abends dann im Tutti ein Brandenburgisches, ein bisschen Blatt spielen und anschließend gemütliches Zusammensein. Den nächsten Morgen zeigt das obige Foto. Eisige Kälte (Mitte Mai, alle Autos überfroren) und das Tal ist vom Nebel verschluckt. Nach Frühstück, nochmal Elgar und Mittagessen geht es dann in die zweite Besetzung. Das ist tatsächlich wunschgemäß (Wunsch aber nur deshalb, weil nicht mehr Bläser verfügbar sind) das Trio Geige, Bratsche und Flöte. Wir haben zur Auswahl Beethoven Serenade, zwei Reger Serenaden oder das Trio von Johann Nepomuk David. In letzterem, obwohl zunächst reichlich fremd, entdecken wir einen wunderbaren Presto-Satz, der Lust auf mehr macht. Leider liegt allerdings die Partitur nicht vor und so kommt das für die Arbeit mit “Tutor” nicht in Frage. Letzten Endes wird es dann ein anderes Presto, das aus dem Reger op. 141a.

Mit diesen zwei extrem unterschiedlichen Werken und hoffentlich viel Blattspiel am Abend (und in der Nacht) geht es nun also weiter bis Sonntag. Und jetzt, wo ich hier auch im T-Shirt in der Sonne sitzen kann, statt in der Strickjacke noch zu frieren und schon einige kenne, weiß, wer was spielt und wie man taktisch klug an Mitmusiker zum Blattspielen kommt, jetzt dürfte das Wochenende auch ruhig noch 10 Tage länger gehen :)

Das Kammermusikvergnügen gibt es übrigens für etwas mehr als 200 Euro inklusive schlichter Unterbringung und gut und reichlich Essen, da kann man nicht meckern.