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Das Konzert von Pahud in Sanssouci kommt am 22. Januar 2012 um 18.3o Uhr auf Arte! Wiederholungen für Frühausteher gibt es am 27.01. und 02.02. jeweils morgens um 6.00 Uhr. Alle Infos bei Arte

Gestern fand um 19 Uhr im großen Partika-Saal der Robert-Schumann-Hochschule Düsseldorf das Klassenvorspiel von Prof.  Michael Faust statt. Ein wahres XXL-Ereignis, das letzte Werk war ungefähr um 23 Uhr verklungen, und das obwohl es zahlreiche Programmkürzungen gab, da ein Klavierbegleiter, der eigentlich für sechs auch teilweise längere Programmpunkte eingeplant war, kurzfristig schwer erkankte. An Herrn Faltermeier von hier aus unbekannterweise herzliche Genesungswünsche! Sicherlich hätte das Konzert ohne diese Kürzungen die Datumsgrenze zum Sonntag hin durchschlagen.

Für Herrn Faltermeier sprang in einigen Programmpunkten seine Kollegin Frau Wiemann ganz spontan und sehr souverän ein. Toll, wenn so etwas funktioniert.

Die Ankündigung lautete “Flötenmusik durch vier Jahrhunderte”, was beginnend bei Marais und endend bei Höller auch erfüllt wurde.  Aber eigentlich wurde das sogar noch übertroffen, da neben Flötentönen auch Kammermusikbesetzungen zu hören waren.

Aber jetzt erst mal der Reihe nach. Eröffnet wurde das Programm mit Mozart G-Dur-Konzert.  Aufgrund der Klavier-Situation jedoch nur der erste Satz, das Rondo entfiel, ebenso wie die Martin-Ballade (leicht verständlich, dass man das nicht eben mal vertretungsmässig übernimmt als Pianist). Für Flöte und Klavier erklangen außerdem La Merle Noir von Messiaen, einzelne Sätze aus der Undine-Sonate, der e-moll-Sonate von Bach sowie den Joueurs de Flûte von Roussel. Komplett dargeboten wurden die Franck-Sonate, Miniature I (wirklich eine Miniatur und mir vorher unbekannt) von Ferneyhough sowie die Sonatine von Dutilleux.

Unbeeinträchtigt von Krankheitsfällen standen die Werke für Flöte solo: (é)cri(t) von Holliger, die Carl Philipp Emanuel Bach Solo-Sonate, Scan von Höller (gleich zweifach) und und die Incantations von Jolivet, dargeboten von zwei verschiedenen Studenten (jeder spielte andere Sätze, so dass insgesamt einmal das Gesamtwerk erklang).

Die h-moll-Sonate von Bach erklang mit Cembalo, für die E-Dur Sonate wurde noch ein Cello dazu genommen, ebenso wie bei der dargebotenen Version de Folies d’Espagne von Marais.

Als größere kammermusikalische Besetzungen erklangen zwei Sätze aus dem Musikalischen Opfer in der Besetzung Flöte, Violine, Fagott und Cembalo sowie zwei Sätze aus dem wunderschönen Nielsen-Quintett.

Diese längliche Inhaltsangabe zeigt schon, dass es etwas Sitzfleisch brauchte, um das Ende in Form der Franck-Sonate zu erleben. Das führte dazu, dass in der Tat der Applaus im Verlauf der Veranstaltung mangels Publikum leiser wurde, was nichts mit der Leistung der Interpreten zu tun hatte. Zwei Pausen im Ablauf erlaubten das unauffällige Verschwinden, das aber auch durchaus zulässig war.

Die musizierenden Studenten aus der Klasse Faust, Maria Busch, Sayaka Ota, Miho Shirai, Jana Cuske, Vanessa Hepers, Claudia Tiller, Nathan Lange (der Quoten-Mann, sozusagen), Anna Hendriksen  und Svenja Kips sowie Antje Thiele (Privatschülerin)  boten Flötenspiel auf höchstem Niveau (was zu erwarten war).

Es gibt so viele Klischeebilder von Flötisten und Flötistinnen, ein solcher Abend zeigt, dass sie alle nicht wahr sind. Jede der Musikerinnen und natürlich erst recht der einzige Herr in der Runde, zeigten eine vollkommen eigene Persönlichkeit, in der Musik und auch in der Art und Weise der Darbietung. Spannend fand ich auch, zu sehen, ob und wie jeweils der Blick des Lehrers auf dem Weg aus dem Saal gesucht oder vermieden wurde. Als Nicht-studierter Musiker kann man bestenfalls ahnen, was so ein Klassenvorspiel jedem einzelnen bedeutet, schon gar, wenn es die letzte Feuerprobe vor dem Abschlusskonzert ist.

Insgesamt war die Atmosphäre aber eher angenehm entspannt, Moderation im freundschaftlichen Umgangston und Bühnenauf- und -abbau durch den Chef höchstpersönlich. Eigentlich ein Rahmen, der relativ wenig Stress aufkommen lassen sollte (auch durch die wenigen Zuschauer, die nicht zur Klasse gehörten), aber dennoch bleibt es natürlich ein Teil des Wegs zum (Traum-)beruf. Das lässt sich auch durch Kuschelatmosphäre nicht verhehlen.

Eine musikalische Bewertung möchte ich gar nicht vornehmen. Nur ein paar Auffälligkeiten, die mir persönlich besonders in Auge sprangen und die ich trotz der Menge der Eindrücke behalten habe. Die Klavierbegleiter fand ich alle ausgesprochen beeindruckend. Da hab ich in vergleichbarem Rahmen schon schlechteres gehört. Insbesonders beeindruckt hat mich der junge Dominic Chamot, der Antje Thiele sehr gefühlvoll und musikalisch begleitet hat. Auch die nur für die Franck-Sonate erschienene Frederike Möller bildete mit Jana Cuske eine eindrucksvolle Einheit (wobei ich  auch feststellte, dass das auch optisch sehr ausdrucksvolle Spiel der Pianistin mich etwas von der relativ wenig agierenden Flötistin ablenkte). Die letzte (nur in dieser Aufzählung) der Pianistinnen, Frau Wiemann, war ebenfalls die perfekte Begleiterin sowohl für die geplanten als auch für die aushilfsweise übernommenen Stücke. Toll.

Das Trio Flöte, hier Jana Cuske, Cembalo und Cello wirkte leider im Zusammenspiel ein wenig unsicher und wackelig, vielleicht eine Folge von zu wenig Probengelegenheiten? So was nimmt dann auch ein Stück weit Gestaltungsmöglichkeiten und bindet viel Konzentration.

Im Quartett Flöte (Claudia Tiller), Violine, Fagott und Cembalo entwickelte sich eine sehr musikalische Eigendynamik, vor allem zwischen Geige und Flöte. Der Fagottist (vielleicht gerade, weil er ein Mann war?), blieb dabei irgendwie ein wenig außen vor, was sich auch an (fehlenden) Blickkontakten und seinem etwas weiter abseits Stehen zeigte.

Das Quintett schließlich erschien mir als die musikalisch geschlossenste Gruppe. Hier konnte man jeweils die wechselnden Blickkontakte zwischen parallel laufenden Stimmen beobachten. Die Körpersprache harmonierte perfekt mit diesem gar nicht flötenlastigen Stück und es ergab sich ein homogener Gesamtklang, in dem aber jeder auch dann die Führung übernahm (und bekam), der gerade das Sagen hatte. Sehr gelungen. Rein optisch könnte man vielleicht sagen, hielt sich der Hornist noch am ehesten aus der visuellen Kommunikation heraus.

Bei den Solostücken konnte man die Eigenständigkeit und Verschiedenheit der Ausführenden (Maria Busch – Holliger, Sayaka Ota – CPE Bach, Claudia Tiller – Höller, Nathan Lange – Jolivet, Svenja Borgstädt – Höller und Jana Cuske – Jolivet) vielleicht am deutlichsten erkennen. Gerade auch im Falle des zweifach gespielten Scan oder der sich ergänzenden Darbietungen der Incantations. Einen “Faust”-Klang jedenfalls konnte ich nicht identifizieren. Ich könnte mir vorstellen, dass man bei einer so großen Zahl von Studierenden ohne Anwendung eines “Schemas” und “Einheitsziels” ganz schön Arbeit hat als Lehrer.

Was ist mir geblieben? Ich habe gelernt, dass für mich beim Hören auch der optische Eindruck eine Rolle spielt, die größer ist, als ich erwartet hatte. Das heißt, dass es mich irritiert, wenn Flötisten sehr “statisch” spielen. Ich selbst habe irgendwann angefangen, mich relativ viel zu bewegen beim Spiel, irgendwie ist das eine Art Reflex geworden, als Teil des musikalischen Empfindens und/oder Ausdrucks und auch für eine flexible Ein- und Ausatmung. Natürlich ist der Schluss, wer sich nicht bewegt, gibt nicht alles oder empfindet die Musik nicht, nicht richtig. Dennoch habe ich festgestellt, dass mir die “bewegten” Interpretationen einfach näher stehen und mich auch vollständiger erfassen (ich kann das nicht gut erklären). Manchmal glaubte ich auch tatsächlich, das eher “statische” Spielen auch im Musizieren wiedererkannt zu haben. Wie gesagt, ich bin aber kein Fachmann.

Ich fand, die spät auftretenden hatten einen wirklich schweren Job. Sich so spät noch zu konzentrieren, die Spannung so lange zu halten, das ist wahrlich nicht einfach. Chapeau!

Aus der Anzahl der jeweils gespielten Werke würde ich mal schließen, dass Maria Busch, Claudia Tiller und Jana Cuske in Kürze ihren Abschluss machen. Sollte das so stimmen, wünsche ich viel Erfolg dafür und natürlich für den mindestens ebenso schwierigen Teil der Berufsfindung, der dann folgt. Danke für einen langen aber sehr schönen Abend!

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