Eine Buchempfehlung mal wieder. Es geht um einen Roman und dieser handelt nicht hauptsächlich von Musik. Aber Musik kommt vor und daher kann ich mir diese Empfehlung nicht verkneifen, auch und vor allem, weil es einfach zu den besten Büchern gehört, die ich in letzter Zeit gelesen habe. Zuerst mal alle Infos:

Muttersohn von Martin Walser,
erschienen im Rowohlt Verlag
ISBN 3498073788

Aufmerksam wurde ich durch verschiedene Berichte in Fernsehen, Zeitung usw. Irgendwas an den Buchbesprechungen hat mich sehr neugierig gemacht und da habe ich mir das Buch zum Geburtstag gewünscht. Ich glaube, vorher habe ich noch nie Walser gelesen.

Mich hat das Buch von Anfang an gefesselt und begeistert. Jetzt bin ich durch und möchte behaupten, dass ich vermutlich nur einen Bruchteil wirklich verstanden habe. Seltsamerweise hatte ich schon beim Lesen öfter den Gedanken, dass ich das nochmal lesen möchte, obwohl das normalerweise gar nicht meine Art ist.

Um was es in dem Buch geht ist gar nicht so einfach zu sagen. Es gibt eine Menge eigenartiger Figuren in diesem Buch. Die Geschichte spielt in Süddeutschland und größtenteils in einer Nervenheilanstalt. Hauptfigur ist Percy, der Muttersohn, wobei er den Namen trägt, weil er laut seiner Mutter ohne Beteiligung eines Mannes entstanden ist. Damit wird auch schon das erste Thema eingeführt, hier geht es auch um Glauben. Vor allem geht es aber um Menschen und ich fand, dass das Buch auf viele Aspekte des Zusammenlebens eine neue Sicht anbietet.

Wo kommt die Musik ins Spiel? Percy selbst spielt Orgel, genau wie einer seiner besten Freunde. Zwei der beschriebenen Personen beschäftigen sich sehr intensiv mit Musik. Diese beiden Charaktere sind eigentlich auch diejenigen, die ausschließlich positiv geschildert werden. Irgendwie fand ich das bemerkenswert, diese Verknüpfung von Musik und netten Menschen.

Im Mittelteil des Buches werden die Proben zu einer großen Oratiorums-Aufführung ausführlich beschrieben. In diesem Teil merkt man, dass Herr Walser wohl selbst Musik machen muss. Anders kann man sich eine so einfühlsame, treffende Beschreibung nicht vorstellen.

Am Ende des Buches wird eine musikalische Bildungsstätte ins Leben gerufen, auch hier fand ich mich wieder. Diese Akademie ist all denen gewidmet, die schon immer hauptsächlich Musik machen wollten, aber bisher nicht die Möglichkeit hatten.

Für mich war dieses Buch so was wie ein modernes Märchen. Es ist toll geschrieben und hat mir ein sehr leichtes Gefühl vermittelt. Viele Anregungen, viel Menschlichkeit und eben auch ein bisschen Musik. Und irgendwie auch ein bisschen verrückt. Da waren viele zitiertaugliche kluge Sätze, die ich mir leider alle nicht merken konnte. Eine Fundgrube und für mich sehr faszinierend. Jetzt vielleicht öfter mal Walser….