Für mich ist das schon immer und auch immer mehr ein heikles Thema. Geübt wird bei mir grundsätzlich im Stehen. Allmählich habe ich da auch ein ganz gutes Gefühl, die Atmung passt und die Gesamtspannung ist auch ok. In vielen Proben und im Orchester wird aber im Sitzen gespielt. Und das ist leider gar nichts meins. Atmung und Spannung passen nicht und ich glaube, mir fehlt auch die im Stehen vorhandene Beweglichkeit. Gerade in den letzen Monaten bewege ich mich relativ viel, einen Ausfallschritt nach vorne oder ein wenig zur Seite, Gewichtsverlagerung, auf die Zehenspitzen gehen, all das ist irgendwie auch Teil davon, die für den aktuellen Zustand richtige Spannung zu erzeugen. Mit dem Hintern auf dem Stuhl, dem Notenständer davor, ist man da reichlich eingeschränkt.

Die Grundregeln für das Spielen im Sitzen sind simpel und mir schon lange bekannt:

  • Nicht anlehnen
  • Aufrecht sitzen
  • Beine nicht einfach schräg ausstrecken, sondern anständig aufstellen

Im Fall des Orchesterspiels gehört unbedingt dazu, den Stuhl und den Notenständer so einzurichten, dass der Dirigent gut zu sehen ist. Beim Ensemblespiel sollte man die Mitmusiker im Auge behalten können. Der Notenständer muss so weit weg stehen und eine Höhe haben, die verhindert, dass man den Kopf senken muss und damit den Hals ein bisschen zu macht.

Ganz früher habe ich dazu tendiert, mich auf dem Stuhl zu drehen und den rechten Arm irgendwie auf der Rückenlehne abzulegen. GANZ SCHLECHT! Ich hab das auch von anderen schon gesehen. schlecht ist auch, wie im Stehen, die Arme am Körper anliegen zu lassen, da bekommt man keine Luft.

Im Sitzen ist es besonders störend, wenn man vor der Probe zu viel gegessen hat, oder die Hose zu eng ist. Da staut sich alles und Luft geht gar keine mehr rein.

Werner Richter widmet dem Spielen im Sitzen in Bewusste Flötentechnik  einen eigenen Abschnitt. Dadurch bin ich auch auf diesen Problembericht gekommen. Wesentlich finde ich den sehr naheliegenden Tipp, wichtige Stücke, die im Sitzen gespielt werden müssen, auch im Sitzen zu üben. Ich nehme mir das immer wieder vor und tu es dann nicht, weil ich dafür hier alles umräumen müsste (schlechte Ausrede). Es ist also von Vorteil, im eigenen Übezimmer einen tauglichen Stuhl und auch ausreichend Platz dafür zu haben. Tatsächlich kann ich viele Stücke, die im Stehen super gehen, im Sitzen nur schlecht spielen.

Ein weiter wichtiger Tipp aus Bewusste Flötentechnik ist, dass Becken beim sitzend Spielen zu kippen.

Noch ein Wort zu tauglichen Stühlen: ich mag keine irgendwie schrägen Sitzflächen, keine Armlehnen und keine wackeligen Stühle. Auch solche mit einer richtigen Sitzkuhle sind nicht toll. Eine Kante am vorderen Rand ist auch nicht schön, da sitze ich drauf, weil ich zum Spielen immer nach vorne rutsche (macht die richtige Haltung einfacher). Ganz ohne Rückenlehne mag ich nicht, da bekomme ich Rückenschmerzen, weil ich wenigstens in den Pausen mich ab und an anlehnen möchte. Für Quartettspiel habe ich mir mal vier Klappstühle gekauft, die kann man leicht wegpacken und die gibt es günstig bei einem bekannten schwedischen Möbelhaus. Habe ich mir von einer früheren Mitmusikerin abgeguckt… noch schöner ist aber, wenn alle im Stehen spielen können und mögen… finde ich.