Derzeit lese ich das kleine Büchlein Über Brahms. Darin finden sich auch Zeitzeugnisse von Klavierschülern des Meisters. Ich fand die Beschreibung seines Unterrichts sehr interessant. Beide von mir bisher gelesenen Berichte beschreiben seine Betonung des Musikalischen, die Überzeugung, dass Technik nur das Mittel ist, um die musikalische und gefühlsmäßige Aussage des Komponisten zu vermitteln. Eigentlich sollte das selbstverständlich sein, aber häufig verliert man dieses Ziel des musikalischen Musizierens vor lauter Üben aus den Augen.

Ich denke, die Faszination bei dem Matinee-Konzert von letzter Woche, beruhte genau darauf. Technik nicht zum “Angeben”, nicht als Selbstzweck sondern eingebunden in eine tiefe musikalische Darbietung. Die Technik ist das Werkzeug, die Musik das Ziel. Vielleicht muss man daran einfach noch öfter erinnern. Noch mehr auf die Ohren als Kontrollinstanz verweisen, nicht auf das Metronom. Noch mehr bei jedem Ton daran denken, dass jeder einzelne Ton gestaltet sein will, jeder einzelne ein Ziel hat, eine Richtung auf die er hinzielt….. Ich glaube ja daran, dass die richtigen Gedanken schon viel bewirken. So wie Fussballer oder Tennisspieler immer von der “mentalen Stärke” und “mentalen Einstellung” sprechen, so können wir vielleicht durch die Konzentration auf das “Gestalten” auch dahin kommen, dass die Musik lebendiger, farbiger und spannender wird…. ich werde das weiter ausprobieren. Und berichten….