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Derzeit lese ich das kleine Büchlein Über Brahms. Darin finden sich auch Zeitzeugnisse von Klavierschülern des Meisters. Ich fand die Beschreibung seines Unterrichts sehr interessant. Beide von mir bisher gelesenen Berichte beschreiben seine Betonung des Musikalischen, die Überzeugung, dass Technik nur das Mittel ist, um die musikalische und gefühlsmäßige Aussage des Komponisten zu vermitteln. Eigentlich sollte das selbstverständlich sein, aber häufig verliert man dieses Ziel des musikalischen Musizierens vor lauter Üben aus den Augen.

Ich denke, die Faszination bei dem Matinee-Konzert von letzter Woche, beruhte genau darauf. Technik nicht zum “Angeben”, nicht als Selbstzweck sondern eingebunden in eine tiefe musikalische Darbietung. Die Technik ist das Werkzeug, die Musik das Ziel. Vielleicht muss man daran einfach noch öfter erinnern. Noch mehr auf die Ohren als Kontrollinstanz verweisen, nicht auf das Metronom. Noch mehr bei jedem Ton daran denken, dass jeder einzelne Ton gestaltet sein will, jeder einzelne ein Ziel hat, eine Richtung auf die er hinzielt….. Ich glaube ja daran, dass die richtigen Gedanken schon viel bewirken. So wie Fussballer oder Tennisspieler immer von der “mentalen Stärke” und “mentalen Einstellung” sprechen, so können wir vielleicht durch die Konzentration auf das “Gestalten” auch dahin kommen, dass die Musik lebendiger, farbiger und spannender wird…. ich werde das weiter ausprobieren. Und berichten….

Morgen früh um 9:40 Uhr auf Arte werden Olivier Messiaen 85 Minuten Sendezeit anlässlich seines 100. Geburtstages gewidmet. Im Anschluss strahlt der Sender ein Portrait seiner Frau, der Pianistin Yvonne Loriod aus.

Um 12.00 Uhr geht es nahtlos mit dem nächsten Pianisten beim BR weiter. Paul Wittgenstein, dessen Lebensgeschichte in Romanform ich hier schon mal vorgestellt habe.

Und anfangs ist das gar nicht so einfach mit dem “Lehrersein”. Darum gibt es auch dafür einen passenden Kurs (und das ist gut so). Wer so was belegt der zeigt auf jeden Fall, dass ihm auch die Verantwortung beim Unterricht geben bewusst ist:

Was?

“Querflötenmethodik für Berufseinsteiger” – Lehrerworkshop (für Berufsanfänger, die anfangen wollen, Flöte zu unterrichten)

Wo?

Flötenschule Vielfalt, Haafstr. 3,  Würzburg (siehe Plan unten)

Wann?

am 26. März 2011, ca. 10 -17 Uhr (Zugverbindungen werden berücksichtigt)

Kosten?

50 Euro

Anmeldung bei der Flötenschule  Vielfalt (mail@vielfalt.biz; 0931/9916269)

Folgende Kurse mit Natalia Gerakis quer durch Europa finden dieses Jahr noch statt

26. und 27. März 2011

ADAMS Flutefestival

Ittervoort, Niederlande

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18. – 26. Juli 2011

Camerata Europaea

European Academy in Kalamate, Griechenland

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31. Juli – 7. August 2011

Sommerkurs Springiersbach

Kloster Marienburg in Zell an der Mosel

Dieses Konzert heute morgen war ein echtes kleines Ereignis. Glück hatte, wer noch rein kam, ohne vorher reserviert zu hatten. Ausverkauft bis auf den letzten Platz und noch darüber hinaus, es wurden zusätzliche Stühle an den Seiten aufgestellt.

Der helle freundliche Raum in der ServiceResidenz im Bensberger Schloss bot die perfekte Kulisse für ein wunderschönes Konzert. Sheila Arnold am Hammerklavier und Michael Faust auf einem Lot-Flöten-Nachbau (Böhmsystem) der Firma Brannen. Der im ersten Moment für den modernen Hörer ungewohnte, etwas leisere, sanftere Klang der beiden Instrumente wurde in kürzester Zeit zur Gewohnheit und harmonierte perfekt.

Auf dem Programm standen als bekannte Namen Schubert und Böhm, daneben der etwas unbekanntere Ferdinand Ries und der mir völlig neue Wilhelm Wilms. Beide in etwa Zeitgenossen Beethovens und beide aus der Region. Detaillierte Informationen zu Komponisten und Werken finden sich bei Dr. Wieners.

Der Vormittag begann gleich aufregend. Während der ersten Töne des Flötisten ertönte vom Klavier (das von meiner Position schwer einzusehen war) Geraschel. Es gab wohl Probleme beim Umblättern. Faust brach völlig souverän ab und man begann mit einem Lächeln von Neuem. Nach diesem ersten Programmpunkt wurde die Ursache offenbar, die junge Dame, die geblättert hatte, war spontan eingesprungen, da die Erstbesetzung für diesen schwierigen Job, nicht rechtzeitig eintraf (die Räumlichkeiten waren nicht von der Tiefgarage kommend wohl nicht so einfach zu finden). Natürlich gab es für diesen Ersthelfer-Einsatz auch den entsprechenden Applaus. Ich glaube, ich hätte mich das gar nicht getraut.

Beim dritten Programmpunkt setzte das Klavier an, der Flötist blickte etwas irritiert und schon nach kaum einem Takt wurde wiederum abgebrochen. Auf dem Pult lag das falsche Stück, wenn auch vom richtigen Komponisten. Zudem wurde der Solist an zwei, drei Stellen von kurzem Husten geplagt. Alles in allem also etwas erschwerte Bedingungen, die wohl manche weniger routinierte und professionelle Musiker aus dem Tritt hätten bringen können.

Nicht so bei diesem Duo, das das gemeinsame Spiel schlicht zu genießen schien. Musikalisch wurde geflirtet, dazwischen auch mit Blicken das Publikum in die Kommunikatione mit einbezogen. Der Solist sang Passagen des Klaviers stumm mit und lebte die Musik auch in Gestik und Mimik voll aus. Schauspiel und Entertainment eben so sehr, wie musikalische Meisterleistung.

Was sich aufgrund der überdurchschnittlichen Zahl von kleinen Pannen vielleicht nach einem etwas chaotischen Morgen anhört, war der reine Genuss. Beide Musiker brillierten mit technisch perfektem Spiel und musikalischem Ausdruck vom Feinsten. So drückte sich die Professionalität nicht alleine in der Perfektion aus, sondern vor allem in der Bereitschaft an die Grenzen zu gehen. Unfassbar leise, sehr laut, ins Unendliche gedehnte Schlussphrasen am Klavier, die einen den Atem anhalten ließen.  Das Wagnis verlangte gelegentlich Tribut, wenn die Flöte nicht auf Anhieb sondern erst durch Korrektur die Intonation erwischte, ein Ton nicht ansprach oder beide rhythmisch nicht 100%ig zusammen kamen. Diese Feinheiten störten jedoch zu keinem Zeitpunkt sondern trugen nur zu dem lebhaften Eindruck bei, der den Zuhörer Zeit und Raum vergessen lassen konnte. Ein Rundum-Genuß gekrönt durch die vom Solisten auswendig vorgetragenen Variationen über “Trockne Blumen”. Man fragt sich, ob ohne die offensichtliche Erkältung von Michael Faust, das ganze noch besser hätte werden können.

Vielen Dank! Da bin ich wirklich froh, dass ich mich aufraffen konnte, an einem Sonntag meinen Wecker zu stellen um mich in Richtung Bergisches zu bewegen.

Am Ende eines wirklichen langen Tages möchte ich kurz berichten, wie es war, beim Workshop für Musik-Kinesiologie der DGfF im Hochschen Konservatorium in Frankfurt.

Los ging es um 10 Uhr. Leider ohne mich…. eine Viertel Stunde zu spät und unausgeschlafen. Um sieben raus am Samstag, das war ziemlich heftig für meine Motivation. Glücklicherweise war ich trotz allem nicht die letzte.

Versammelt hatte sich ein bunt gemischtes Trüppchen von Schülern, Studierenden, Studierten und Hobbymusikern. Sogar eine Geigerin und Blockflötist gesellten sich dazu und gaben dem ganzen einen weniger “inzestuösen” Geschmack. Alles in allem eine gute Mischung lauter sympathischer Menschen, die auch dazu führte, dass während des Tages keine Hemmungen oder peinliche Momente auftraten. Glück gehabt!

Vielleicht das wichtigste für so einen Ein-Tages-Workshop: die Dozentin, Britta Roscher. Ebenfalls eine sehr sympathische Erscheinung, die für den Kurs eine gute Mischung von Theorie und Praxis, einen aufmunternden und frischen Ton und die richtige Ansprache für die durchaus bunte Truppe fand. Auch hier also ein Glücksfall.

Der Kurs begann nach der gegenseitigen Vorstellung der bereits anwesenden Teilnehmer mit einer kurzen Einführung in die Geschichte der Kinesiologie. Dann ging es gleich ziemlich in die vollen. Ein paar Übungen, ein bisschen Erklärung und immer wieder Diskussion, Fragen etc.

Inhaltlich will ich nicht zu vieles aus dem Nähkästchen plaudern, schließlich wäre das auch so was wie eine Copyright-Verletzung. Nur in Kürze mein persönliches Fazit: die vielen Übungen für die Muskeln, die Durchblutung oder um das Hirn dazu zu bringen, seine beiden Hälften zu benutzen, fand ich durchweg überzeugend und interessant und will ich auch auf jeden Fall versuchen in meine Gewohnheiten mit einzubauen.

Zum Thema Noten “bemalen” denke ich, bleibe ich für mich weiterhin bei meiner “Technik”, mir Stichworte einzutragen und Farben eher zum Hervorheben von Auszeichnungen (z. B. Dynamik) zu verwenden. Das liegt aber vor allem daran, dass ich sehr “wortorientiert” bin und mir ein Wort irgendwie mehr sagt als ein Bild (denke ich jedenfalls). Für Schüler glaube ich, ist diese Technik wirklich interessant. Was ich auch probieren will, ist Transparenzpapier über die Noten zu legen. Ich glaube, Farben erzeugen Stimmungen. Allerdings denke ich, nur dann, wenn ich sie sehe und nicht, wenn ich darauf sitze (aber das ist ein Insider).

Besonders interessant ist die Übetechnik mit dem Überkreuzgehen und auch das in die Hocke gehen beim Spielen, dass hörbar das Einatmen verändert. Beides sehr interessant. Für ersteres werde ich das Wohnzimmer entrümpeln müssen und letzteres habe ich auch schon mal in einem anderen Buch gelesen… aber das macht die Anwendung ja eher noch interessanter.

Der Tag wurde abgerundet durch ein nettes und leckeres gemeinsames Mittagessen beim Italiener, interessante Mitteilnehmer und nette Gespräche. All das für 50 Euro, nicht zu verachten.

Ich würde sagen, wenn Wiesbaden nicht so weit wäre, wäre Britta Roscher auch eine interessante Alternative sowohl für Flötenunterricht als auch für Kinesiologie-Stunden. Aber von Köln ist das leider ein wenig weit.

Wer näher dran ist, erfährt weit mehr auf der Homepage www.brittaroscher.de. Übrigens ist sie auch Mitglied des Flötenquartetts verquer. Eine Intensiveinheit, Flöte, Ensemble und Kinesiologie in Italien wäre eine weitere Möglichkeit: vom 11.- bis 16.6.2011 in Italien. Alle Infos dazu beim Veranstalter Cinqueterre Urlaub.

Ein rundum schöner Tag also, aber müde bin ich jetzt trotzdem.

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